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Jennifer Rostock – 5 Jahre. Eine halbe Dekade. Ein hyperkallifragifünftel atomarer Zerfall!

Freitag, 15. Juni 2012 | By | Category: Biografie

Beständigkeit ist das wohl unpassendste Attribut, das dieser Band zugeschrieben werden kann. Aber während Hypes kamen und gingen, Bands wie Bundespräsidenten aufblitzten und beim ersten Donnergrollen wieder in der Provinz versumpften, aus der sie emporkrochen – das mittlerweile fest hauptstadtverankerte Quintett blieb einfach da.. Bandzwist? Mitgliederschwund? Schwangerschaften? Zenitüberschreitung? Das große Geld? Vernunft? Altersweisheit?

Jennifer Rostock - Live in Berlin - Credits: WMG

Jennifer Rostock - Live in Berlin - Credits: WMG

All diese Risikofaktoren wurden dank der konstant-sympathischen Semiprofessionalität weiträumig umschifft!

Stattdessen wurde zwischen Yin und Yang abgeliefert, was das Spektrum hergibt! Die Kurzfassung im obligaten Zeitraffer: Schweißdurchnässte Moshpits zwischen Elend bei Sorge und Rio de Janeiro, Gastspiele zwischen Punkerstübchen und Hotel Atlantic, Gaumengaudis zwischen Raststättenpommes und Promidinner, Festivalsommer zwischen Bretterbuden und Hurricane-Mainstage.

Hunderte, wenn nicht sogar 1000 gespielte Konzerte in den vergangen Jahren. Eine ausverkaufte Tour im Frühjahr mit 21 Konzerten und nun folgen unzählige Festivals mit insgesamt über 100.000 Besucher (u.a. Hurricane/Southside & Rocco del Schlacko). Diese Liste ließe sich endlos fortführen, wichtig ist, was am Ende bleibt: Widerspruch mal Widerspruch ergibt letztendlich auch Konstanz!

Sollten sich Gegensätze wirklich anziehen, fände das erste Date bei JENNIFER ROSTOCK statt.

Musikalisch schwingt das Pendel ebenso seit nunmehr 3 Alben munter zwischen den Extremen, doch desto heftiger die Ausbrüche gerieten, umso homogener formte sich das Ergebnis. Das letzte Album “Mit Haut und Haar” bot der aufgeschlossenen Hörerschar Achterbahnwanderschaften in hardcorelastige Moshgitarrenlandschaften, ebenso wie in tanzflurbefeurten Elektrobratz. Doch das Wesentliche saß immer mit am Ruder: ein Gespür für einnehmende Melodien und Texte, die das Kleingedruckte auf den Thron der großen Parolen setzen.

Nach dem Release folgte ein vollgepackter Festivalsommer, und die ausverkauften Touren im Anschluss ließen die kalte Jahreszeit glühen. So verstrich ein Jahr in gefühlten 267 Soundchecks und einem Augenzwinkern. Nun nennt sich das Jahr 2012 und JENNIFER ROSTOCK dürstet es nach neuem Output. Und was liegt näher, als endlich das zu verewigen, wonach Band als auch die hungrige Fanhorde am meisten lechzen? Ein Konzert! Auf DVD! Audiovisueller Wahnsinn für jede Gelegenheit!

Selbst sattgesehen an halbherzig zurechtgeschobenen Konzertmitschnitten suchte die Band nach einer Möglichkeit, den Fans ein Spektakel zu bieten, das ihrer jahrelange Treue sowie den eigenen Ansprüchen gerecht wurde.

Quintessenz: Ab in den Proberaum, Tür zu, Schlüssel verschluckt. Der Fünfer schraubte wochenlang an Arrangements, um altes Material in neuem Glanze erstrahlen zu lassen. Aber das Endergebnis sollte nicht nur strahlen, der geneigte Konsument sollte geblendet werden. Im positiven Sinne. Es wurden die Handytelefonbücher gewälzt, um noch ein munteres Konglomerat aus Freunden, Weggefährten und gleichgesinnten Feierkumpanen in den Probekeller einzuladen, die ausgewählten Songs mit Gastfeautures neue Facetten entlocken sollten. In altbewährter Manier wurde nicht in einer bestimmten Genreschublade gewühlt, sondern direkt der ganze Schrank bestellt.

Die dadurch entstandene Gästeliste lässt den Augenbrauen viel Spielraum nach oben: SIDO, JUPITER JONES, EGOTRONIC, FRAU POTZ, WAR FROM A HARLOTS MOUTH und last but not least den einen oder anderen Gastinstrumentalisten an Cello, Trompete oder Saxophon. Kein roter Faden und noch weniger Kompromisse. Es entstanden unter anderem eine basstreibende Rapversion von “Du willst mir an die Wäsche”, cellountermalte Akustiksongs und ein herzzerreißendes Duett zwischen Jennifer und Nicholas von Jupiter Jones.

Für den finalen Schliff am Soundkostüm wurde ebenso wenig Bescheidenheit geübt, auf den Produzentenstuhl wurde der mehrfache Echo-Gewinner Peter “Jem” Seifert gehievt, der erst letztes Jahr seinen Können an Udo Lindenbergs Multiplatin-Unplugged-Album zur Schau stellte.

Musikalisch schon illuster aufgestellt sollte nun die optische Umrahmung nicht minder prahlhansig ausfallen. Ein ehemaliges Schwimmbad in Berlin-Wedding wurde als Austragungsort auserkoren, Streetartkünstler mit Bühnenbauern verkuppelt um den Abend von allen Seiten einmalig werden zu lassen.

Ein ausgewähltes Publikum aus dem harten Kern der Fanbase sorgte für die erwünschte Intimität und Unvergesslichkeit der Nacht der Nächte, an der aber ab jetzt jeder im heimischen Wohnzimmer teilhaben kann! Augäpfel gespitzt und alle Regler nach rechts!

Es bitten zum Tanz, Jennifer Rostock

Quelle. WMG

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