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Matchbox Twenty – Biografie

Dienstag, 31. Juli 2012 | By | Category: Biografie

Nördlich – eine Himmelsrichtung. Eine Ortsbestimmung. Ein Markstein für Entwicklungen – und eine Richtung, die man einschlägt. North ist der Titel des vierten MATCHBOX TWENTY-Albums und des ersten nach fünf Jahren. Und in dieser Dekade ist es das erste MATCHBOX TWENTY-Album, das mit durchweg neuem Songmaterial aufwartet. Wie der Titel des Albums beschreiben die 12 Songs eine neue Richtung, einen sorgsam ausgewählten Pfad, der gekonnte Melodiosität mit hintergründigem Humor kombiniert.

Matchbox Twenty - Credits: WMG

Matchbox Twenty – Credits: WMG

Obendrein definiert North eine neue Ordnung in der Welt von MATCHBOX TWENTY, die zu einem engerem Zusammenhalt der Band geführt hat, als es ihn in 17 Jahren Bandgeschichte bisher gab.

Sich selbst neu zu erfinden ist nach weltweit 30 Millionen verkauften Tonträgern, fünf Grammy-Nominierungen, vier American Music Awards, mehreren hochkarätigen Auszeichnungen wie dem People’s Choice Award 2004 als „Favorite Musical Group“ und dem Prädikat „Best New Band“ im Rolling Stones Reader Poll 1997 eine Herausforderung. Obendrein wurde Rob Thomas auch als Solokünstler zu einem der höchstdekorierten Künstler der vergangenen Jahre: Drei Grammies, 11 BMI Awards und zwei Billboard-„Songwriter of the Year“-Ehrungen prasselten innerhalb kürzester Zeit für sein Werk als Solokünstler und seine Kollaborationen mit Legenden wie Carlos Santana, Mick Jagger, Willie Nelson und Big Boi auf ihn herab. Seine Zusammenarbeit mit Santana auf „Smooth“ wurde zum zweitpopulärsten Song auf der Billboard-Liste der besten 100 gekürt. Er wurde außerdem auf Platz 5 der heißesten 100 Songwriter 2000-2011 gewählt. Ein Erbe, das man als Band und als Songwriter erst einmal verwalten können muss.

„Wir haben uns diesem Album vollkommen anders genähert als den anderen“, erklärt Frontmann Rob Thomas. „Früher habe ich eine ganze Reihe Songs geschrieben und sie zur Band gebracht, bis wir dann anfingen, sie gemeinsam zu arrangieren. Dieses Mal haben wir viele Songs gemeinsam geschrieben, speziell ich, Paul (Doucette) und Kyle (Cook). Wir brauchten ein bisschen Zeit, um herauszufinden, wie das funktioniert, welche Dynamik in einer Gruppe von drei Songwritern entsteht, die es gewohnt sind, allein zu schreiben. Wie schaffen wir es, uns in einem Raum aufzuhalten, ohne uns gegenseitig an die Gurgel zu gehen?“

Doucette findet die Antwort: „Uns genug Zeit zu nehmen war der entscheidende Punkt. Wir haben uns gesagt: Lasst es uns zu unserem Vorteil nutzen – lasst uns die Zeit nehmen und einfach viele Songs schreiben, ohne dass wir uns irgendeinem Druck aussetzen. Lasst uns herausfinden, welche Art von Album wir aufnehmen wollen.“
MATCHBOX TWENTY war zu Beginn vor allem ein Vehikel für Robs Songwriting“, führt Doucette weiter aus. „Aber im Laufe der Jahre begannen Kyle und ich verstärkt, selbst eigene Songs zu schreiben. Als wir wieder zusammentrafen, wollten wir, dass dies sich auch in der Band wiederfindet.“
Thomas gibt zu, dass die gemeinsame Arbeitsweise ihm zunächst als „weird“ erschien. Aber die Qualität des gemeinsam ausgearbeiteten Songmaterials machte es ihm leicht, diesen neuen Pfad zu begrüßen. „Du musst Dein Ego einfach mal an der Tür abgeben“, sinniert er. „Wenn man gemeinsam in einem Raum steht, werfen alle ihre Ideen einander zu. Du musst dich trauen, den anderen auf die Nerven zu gehen, wagen, auch etwas Blödes zu sagen und Dinge in eine falsche Richtung zu steuern, und jeder im Raum muss dem folgen und es laufen lassen, bis etwas daraus wird. Es ist zwar ein bisschen nervenzerreibend, aber verdammt aufregend.“

North zeigt MATCHBOX TWENTY – Rob Thomas, Paul Doucette, Kyle Cool und Brian Yale – in bester Feinabstimmung untereinander, von der Stadion-proportionierten Hymne Put Your Hands Up über den kinetischen Beat von Our Song bis zur reichhaltigen Kunst von Overjoyed und Parade. English Town und I Will sind MATCHBOX TWENTY-Balladen vom Feinsten, während Thomas den Song Like Sugar wie eine Mischung aus MATCHBOX TWENTY und Dr. Dre betrachtet – „really fresh“. Und dann ist da noch die erste Single She’s So Mean, die in den USA bereits die Charts toppt: hochenergetisch und voller Harmonien.

„Wir sind eine Band, der auch das Handwerk stets wichtig war“, so Doucette. „Wir schätzen handwerkliche Perfektion im Songwriting und bei den Aufnahmen für ein Album. Wir haben dies auf dem neuen Album vielleicht sogar noch etwas mehr in den Vordergrund gestellt. Es ging weniger darum, als Band zu erscheinen, die einfach Riff-basierte Songs spielt, als darum, uns als eine Gruppe von Songwritern oder Musikern zu verstehen, die es gewohnt sind, im Kontext von Popsongs zu arbeiten. Wir haben diesen Aspekt genau im Auge behalten und wollten wissen, wie gut wir unser Handwerk zum jetzigen Zeitpunkt beherrschen, also in unseren späten 30ern und frühen 40ern, verglichen damit, wie es war, als wir 23 Jahre alt waren.“

Matchbox Twenty - Credits: Cliff Watts

Matchbox Twenty – Credits: Cliff Watts

Das war damals schon ziemlich gut, wenn man sich erinnert: Nachdem sie sich in Florida gegründet hatten, erschienen MATCHBOX TWENTY mit einem Blockbuster auf der Szene, dem Debüt Yourself Or Someone Like You (1996). Fünf Hit-Singles entsprangen dem Album: Push, 3am, Real World, Long Day und Back 2 Good, die zu einem RIAA Diamant-Award für das Album führten, das sich bis heute insgesamt über 12 Millionen Mal verkaufte. Mit Mad Season (2000) und More Than You Think You Are (2002), die beide Multi-Platin einfuhren, sowie den Singles Bent, Unwell, If You’re Gone, Bright Size und Disease festigten sie ihren Ruf als eine der erfolgreichsten Bands.

Jedoch waren MATCHBOX TWENTY nach drei hart erarbeiteten Alben und ebenso hartem Touren fällig für eine Pause. Rob Thomas nahm zwei US-Top-5 Soloalben auf, die einige Number-1-Singles enthielten, Doucette entwickelte sich mit seinen Bands The Break und Repair Method weiter und beschäftigte sich mit Filmmusik, während Cook die Band The New Left auf die Beine stellte. Dieser „Winterschlaf“ führte nicht nur zu einer Erneuerung von MATCHBOX TWENTY, er sorgte auch dafür, dass die einzelnen Bandmitglieder ein gutes Stück vorangekommen waren, als sie sich für Exile On Mainstream (2007) wieder zusammenfanden. Es handelte sich dabei um eine „Greatest Hits“-Zusammenstellung, die zudem sechs neue Songs enthielt, auf denen die Band zum ersten Mal ihr gemeinsames Songwriting vorstellte. Das Ergebnis der neuen Zusammenarbeit war schließlich die bisher meistverkaufte MATCHBOX TWENTY-Single How Far We’ve Come.

Nach dem Top-5-Erfolg von Exile On Mainstream führten MATCHBOX TWENTY ihre neue Arbeitsweise fort und nahmen North in Angriff. Thomas, Doucette und Cook reisten zwischen ihren jeweiligen Wohnorten hin und her und tauschten Ideen aus, dann begab sich die gesamte Band nach Nashville, wo sie sich in ein winziges Studio einschlossen – so eine Art „Songwriter-Revival“-Camp, wo „du aufwachst und das ganze Haus für Sound verkabelt findest“, wie Thomas es ausdrückt. „Du kommst aus deinem Zimmer und es steht ein Piano im Wohnzimmer, komplett mikrophoniert und spielbereit.“ Die Musik floss, und innerhalb kurzer Zeit hatten MATCHBOX TWENTY mehr als 40 Songs in verschiedenen Entwicklungsstufen vor sich, was „uns immer tiefer in dieses Loch führte, in dem wir keine Ahnung hatten, was zur Hölle wir eigentlich taten,“ wie Thomas lachend zugibt. „Wir hätten drei oder sogar vier unterschiedliche Alben aufnehmen können!“

Auftritt Matt Serletic, alter Freund der Band und Langzeit-Producer, der mit MATCHBOX TWENTY an ihren ersten drei Albern gearbeitet hatte. Die Band holte ihn nach Nashville, damit er ihnen half, das Material zu sortieren, und ihnen seine Vorschläge unterbreitete. Ziemlich schnell, und kaum überraschend, entschieden alle, dass Serletic auch für North auf dem Producer-Stuhl sitzen sollte. Dann zog der gesamte Tross in Serletics Emblem Studios in Calabasas, Kalifornien, um.

„Ursprünglich sollte Matt das Album gar nicht produzieren“, so Thomas. „Er war einfach als Freund gekommen, um herauszufinden, was die Songideen eigentlich wert waren. Aber am Ende dieser Nacht, so gegen drei Uhr morgens, meinten wir nur: ‚Verdammt, Matt, du solltest das Album produzieren‘.“ Doucette ergänzt, dass „Matt zu dieser Zeit Teil der Familie war, ein absolut wichtiger Bestandteil unserer Organisation. Wir haben einen Draht zu Matt, den wir zu anderen Produzenten nicht haben… und auch er wollte mit uns nicht Dinge tun, die wir bereits gemacht hatten. Alles kam richtig in Fahrt, nachdem wir diese Entscheidung gefällt hatten.“

Dank der Vorbereitung in Nashville gingen die Sessions im Emblem glatt und zügig voran, und es gab eine konkrete Vorstellung davon, wie die Songs klingen sollten. Das romantische Overjoyed war laut Thomas und Doucette „der erste Song, bei dem wir das Gefühl hatten, er sei etwas Besonderes.“ Kyle Cook übernahm die Lead Vocals auf der unglaublichen Ballade The Way, die er mit Doucette zusammen geschrieben hatte. She’s So Mean dagegen ist eine „Übung in Storytelling“, während der Thomas, Doucette und Cook zusammen um ein Mikrophon saßen und im Freestyling-Modus Texte entwickelten, in denen es um eine Frau geht, mit der man nur schwer zurecht kommt, die  – wie Doucette betont – keine Ähnlichkeit mit jemandem aus dem wahren Leben der Band besitzt.
„Nicht im Entferntesten“, so Doucette. „Der ursprüngliche Text hatte nicht einmal etwas mit diesem Thema zu tun, aber als uns dieses „she’s so mean“ über den Weg lief, sagte wir: ‚Ok, jetzt wissen wir, worum es in diesem Song gehen könnte‘. Wir wollten einfach nur Spaß haben, wirklich.“ Und die große Resonanz, die es bereits auf den Song gab, bestätigte und erfreute die Band vollständig.

Wenn man genauer hinhört, offenbart North noch mehr verschiedene Nuancen, Herangehensweisen und Gefühle, die auf der Dynamik des gemeinsamen Schreibens beruhen. „Als ich das Album meiner Frau zum ersten Mal vorspielte, fiel es ihr schwer zu erraten, welchen Song Paul oder ich schrieb, oder welcher von uns allen gemeinsam stammt“, erzählt Thomas. „Wir alle sind jeweils in die Haut des anderen geschlüpft. Das ist mir sehr wichtig, denn ich wollte nicht, dass man das Gefühl hätte, die Songs seien von verschiedenen Personen geschrieben worden. Ich wollte einfach, dass alles wie eine Band klingt.“

MATCHBOX TWENTY ist ziemlich allumfassend“, so Doucette. „Wenn es erstmal anfängt zu rollen, widmen wir dem all unsere Zeit und Energie. Ich kann da für jeden von uns sprechen. Es ist die Sache, die uns allen am wichtigsten ist, denn es ist die Sache, an der wir am längsten gearbeitet haben, also wollen wir es auch würdigen. Wir nehmen nicht mehr so oft neue Alben auf, also verwenden wir alle Energie und Zeit nicht nur auf die Aufnahmen, sondern auch darauf, die Musik zu den Fans zu bringen.
Dementsprechend wird North die Band zum ersten Mal seit der Tour zu Exile On Mainstream, die ihnen mit den SRO-Shows das größte Publikum ihrer Geschichte bescherte, wieder auf die Straße schicken. Voraussichtlich in diesem Herbst wird es losgehen und MATCHBOX TWENTY Anfang 2013 zunächst durch Nordamerika führen. Das ist zwar noch ein paar Monate hin, aber MATCHBOX TWENTY haben den festen Willen, die Geduld der Fans reichlich zu belohnen.

 Quelle: WMG

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