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Bunny Lake – Biografie

Donnerstag, 25. Februar 2010 | By | Category: Biografie

Leben im Fallen und im Liegen: Die Wiener Elektro-Band BUNNY LAKE verlässt mit ihrem neuen Album „The Beautiful Fall“ den Club und umarmt tanzend die Welt.

Von Gerhard Stöger

Die Discokugel ist ein simples Ding. Entweder sie dreht sich, oder sie dreht sich nicht. Entweder sie funkelt, oder sie funkelt nicht. An oder aus, that’s it. Und doch lügt er bisweilen, dieser Sternenstaub aus Licht. „Dancing With Tears In My Eyes“ haben Ultravox einst gesungen. „Crying At The Discotheque“ hieß es später bei Alcazar.

Bunny Lake - PHOTO CREDIT (c) Christoph Pirnbacher

Bunny Lake - PHOTO CREDIT (c) Christoph Pirnbacher

Tränen haben BUNNY LAKE keine in den Augen. Aber die Wiener Elektro-Band weiß um die Lügen der Discokugel; sie trägt Melancholie und Sehnsucht im Herzen und die Zweifel auf der Zunge. „I know, it’s really hard to take. And I know that you celebrate the fake“, singen sie auf „Into The Future“. Jenem Song, der ihrem dritten Album „The Beautiful Fall“ als Single vorangegangen war und der BUNNY LAKE den österreichischen Musikpreis Amadeus als bester Elektronik/Dance-Act des Jahres 2009 beschert hat.

Into the future, here we come

Doch BUNNY LAKE geben sich diesen Zweifeln nicht hin: „Another day another night, we will be fucked up but alright. Into the future, here we come!“ Euphorie und Melancholie tanzen Hand in Hand; gleichzeitig singt hier jemand, der das Gefühl kennt, seine Wunden zu lecken. Dabei ist dieser hell strahlende Song weniger Durchhalteparole als vielmehr Mutmacher. Ein Mutmacher, der nicht nur im Club, sondern auch als Popsong bestens funktioniert. Was nicht nur für „Into The Future“, sondern fürs ganze Album gilt.

Genau darin liegt auch der Reiz von „The Beautiful Fall“. BUNNY LAKE suchen ihr Glück nicht mehr ausschließlich in einer Parallelwelt aus Trockeneisnebel, Stroboskoplicht, wummernden Bässen und bewusstseinsverändernden Substanzen. Sie flirten nicht – wie auf „The Late Night Tapes“ (2006) und „The Church Of Bunny Lake“ (2007) – mit den „Disco Demons“ und huldigen nicht der „Strobe Love“, obwohl sie es natürlich nach wie vor verstehen, elektronisch zu rocken.

Bring back some mystery, it’s the last days of disco

Bunny Lake - PHOTO CREDIT (c) Christoph Pirnbacher

Bunny Lake - PHOTO CREDIT (c) Christoph Pirnbacher

BUNNY LAKE sind weicher geworden – und gleichzeitig auch härter, weil persönlicher und direkter. Aktuelle Clubmusik sei bei der Entstehung der Platte kein Einfluss gewesen, erzählt die Band. Das eigene Leben dafür umso mehr. „Es klingt klischeehaft, aber ich glaube, wir sind auf eine bestimmte Art erwachsener geworden – man muss nicht mehr der Besoffenste von allen sein, um zu zeigen, dass man in der Band ist“, sagt BUNNY LAKE-Sängerin Suzy On The Rocks.

„Dieses Sich-Gehen-Lassen hätte sich auf einer glamourösen Ebene natürlich ewig weiterspielen lassen“, ergänzt Co-Sänger Christian Fuchs. „Es war aber schnell klar, dass wir das nicht wie bisher durchziehen können, wenn wir ehrlich bleiben wollen. Die Krise war in unserem Umfeld schon vorab angekommen, als wir mit der Arbeit an der Platte begonnen haben. Bandintern entstand damals die Stimmung, dass man sich gegen etwas wehren muss.“

Am offenkundigsten wehren sich BUNNY LAKE gleich im ersten Song des Albums. „The darkness tries to follow us“, heißt es da. „But we swallow the darkness, and we never surrender“. Was hier so kämpferisch tönt, weicht in Liedern wie „1994“ oder „The Last Days Of Disco“ einer tanzbaren Mischung aus Synthiepop und Sehnsucht, der Spaßtyrann bleibt stets ausgesperrt, die Wehmut nicht. Auch „Army Of Lovers“, das noch lange nach seinem Verklingen im Kopf weiterspielt, kommt nicht ohne düstere Zwischentöne aus.

Pop und militante Romantik

„Für mich ist eine bestimmte Vision von Pop das letzte Abenteuer“, fasst Christian Fuchs die Idee hinter „The Beautiful Fall“ zusammen. „Pop in Verbindung mit einer Art militanter Romantik. Speziell im Alternative-Bereich ist der Begriff Pop häufig mit negativen Assoziationen verbunden, aber wir denken dabei an Leute wie David Bowie oder New Order, die es geschafft haben, verstörende Inhalte in extrem eingängige Musik zu verpacken.“

Und die militante Romantik? „Die soll sich abheben von dieser allgegenwärtigen, leicht konsumierbaren Weichzeichner-Romantik. Unsere Vorstellung hängt eher an Lars van Triers Filmen als an irgendeiner Romantic Comedy aus Hollywood.“

In „Hello Anita“ trifft die Mischung aus tanzbarem Pop, Melancholie und militanter Romantik auf BUNNY LAKEs alte Freude am Exzess. Gewidmet ist das Lied Anita Berber, dem It-Girl der Weimarer Republik, das 1928 nach einem ebenso skandalträchtigen wie selbstverschwenderischen Leben 29-jährig starb. Anita Berber ist nicht die einzige starke Frau, der Christian Fuchs auf der Platte huldigt; für sich selbst zieht er dagegen Verliererrollen vor, bewusst überzeichnet etwa im extrasanft gesungenen Dirty-Old-Man-Miniaturdrama „Charlotte Goodbye“.

C’mon, hit the ground with me

Bunny Lake - PHOTO CREDIT (c) Christoph Pirnbacher

Bunny Lake - PHOTO CREDIT (c) Christoph Pirnbacher

Den Plattentitel haben sich BUNNY LAKE bei Alicia Drakes Buch „The Beautiful Fall“ geborgt, das den Aufstieg von Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent beschreibt, eine goldene Modeära und ihr tragisches Ende. „Was im Buch beschrieben wird, hat sehr viel mit der Gegenwart zu tun, diese Krisenstimmung und wie die Leute darauf reagieren“, sagt Christian Fuchs.

Im Studio besteht BUNNY LAKE neben den beiden Stimmen aus dem steirischen Elektroniktüftler Bernd Heinrauch. Live werden Suzy On The Rocks und Christian Fuchs vom Bassisten Christof Baumgartner und dem Visualisten und Elektroniker Leonard Wegscheider begleitet. Ein weiteres festes Mitglied der Bandfamilie ist der in New York lebende Wiener Techno-Produzent Christopher Just. Teile des neuen Albums hat wiederum der in Berlin ansässige Schweizer Elektroniker Beat Solèr alias Seelenluft produziert.

Die unkonventionelle Kooperations-Achse Wien/Leibnitz/Berlin/New York ist nur typisch für eine Band, die sich in ihrem Tun von Beginn an nicht auf die popkulturelle Provinz Österreich beschränken mochte: Diverse Remixe angesagter Vertreter des internationalen Club-Undergrounds haben BUNNY LAKE weltweit in die DJ-Plattentaschen gebracht, ihre Konzertreisen führten bereits bis nach New York, Tallinn und Mexiko. „Wären wir reduziert auf Österreich, würde es uns längst nicht mehr geben“, sagt Suzy On The Rocks. „Ohne all diese Kontakte und den Austausch wäre es uninteressant.“

Ganz Wien ist so herrlich hin

Ihre Herkunft stellen BUNNY LAKE trotzdem selbstbewusst in die Auslage – durch eine Coverversion von Falcos morbidem Stadtporträt „Ganz Wien“. „Ich habe grundsätzlich keine Vorbilder“, sagt Suzy On The Rocks. „Aber es gibt Leute, deren Zugang ich schätze. Falco war da einer der Größten.“ Klingt der Song im Original nach einer autobiografischen Beichte, so wirkt BUNNY LAKEs Interpretation wie eine distanzierte Beschreibung – und mit einem Mal klingt „Ganz Wien“ nicht mehr wie ein historisches, sondern wie ein aktuelles Porträt der Stadt.

Als „The Beautiful Fall“ bereits fertig aufgenommen war, bekam Christian Fuchs ein Zitat aus Falcos „Verdammt wir leben noch“ gemailt, das dieser mit dem Titel assoziierte. „Das war ein absoluter Gänsehautmoment“, erinnert sich der Sänger. „Das ganze Thema des Albums schien nachträglich von Falco vorgegeben.“

„Denn wer’s net kapiert hot, wirds nie verstehn / Dass für uns die Uhrn ondas gehen / Dass wir im Foin und im Liegn erst so wirklich leben / So wirklich überlebn“, lautet dieses Leitmotiv according to Falco. Anders ausgedrückt: Fucked up but alright – into the future, here we come!

Gerhard Stöger ist Musikredakteur bei der Wiener Stadtzeitung „Falter“.

BUNNY LAKE

Bunny Lake - PHOTO CREDIT (c) Christoph Pirnbacher

Bunny Lake - PHOTO CREDIT (c) Christoph Pirnbacher

Spielten Livekonzerte u.a. in Wien, NYC, Budapest, München, Berlin, Amsterdam, Mexiko City, Acapulco, Prag, Tallinn, Amriswil, London, Timelkam und Trimmelkam.

Wurden remixed von Christopher Just (NYC), Glow (Wien/Berlin), Shinichi Osawa (Tokio), DJ Sandrinho feat. MC Gringo (Rio de Janeiro), The Aston Shuffle (Australien), Tronik Youth (London), Zombie Disco Squad (London), Ben Mono (Berlin), Ilsa Gold (Wien), Disco Villains (St. Louis/USA), Heartbreak (London), Designer Drugs (NYC).

Drehten Videos mit Suk & Koch (NYC), Edwin Brienen (Berlin), Mirjam Unger (Wien), John Major’s Daughters (London).

Quelle: Universal Music

http://www.bunnylake.net

http://www.myspace.com/bunnylakeworld

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