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Cassandra Steen – Biografie

Montag, 7. März 2011 | By | Category: Biografie

Sie hat uns ein Glashaus gebaut und später eine ganze Stadt. Mit ihrem neuen Album „Mir So Nah“ zeigt Cassandra Steen nun offen wie nie den Menschen hinter Deutschlands größter Soulstimme.

Ganze 14 Jahre sind mittlerweile vergangen, seit die heute 30-jährige Stuttgarterin Cassandra Steen erstmals aktenkundig wurde. Damals als Featuregast im Freundeskreis, mitten in den Wogen des monströsen deutschen HipHop-Booms von 1997. Sie war das Mädchen mit der tollsten Stimme der Welt, zur rechten Zeit am rechten Ort. Und doch musste sie den ganz langen Weg gehen, um der Mensch zu werden, der sie heute ist.

Cassandra Steen - Photo Credit: Alexander Gnädiger

Cassandra Steen - Photo Credit: Alexander Gnädiger

Die ersten Gesangsversuche, angefixt vom musikversessenen Großvater. Der frühe Fame mit Freundeskreis. Ein Gastspiel bei der Hamburger Hitfabrik Booya. Die drei ungemein erfolgreichen Alben mit Glashaus. Zwischendrin die erste Solounternehmung, ein Tribut an die Helden ihrer Kindheit: Michael Jackson, Mariah Carey, Mary J. Blige. Gold, Platin und Echos.

Unzähligen Bands und Projekten hat Cassandra Steen über die Jahre ihre einzigartige Stimme geliehen. Sie hat mit Bushido und Kool Savas gearbeitet, mit Yvonne Catterfeld und Ich+Ich, Gentleman, Xavier Naidoo und Ne-Yo. Sie hat von Liebe gesungen, manchmal von Schmerz, vor allem aber von all den herrlich bunten Grautönen dazwischen, die unser Leben erst so besonders machen. So hat sie dem deutschen HipHop den Soul gegeben – und ist zur Seele der deutschen Popmusik geworden. Auch davon handelt ihr neues Album: von Cassandra und wie sie sich selbst sieht.

„Ich suche nach dem Leben und nicht dem Sinn“, heißt es dabei auf „Ich flieg hinaus“, einem heimlichen Schlüsselstück der Platte. „Mir So Nah“ ist voll von diesen programmatischen Einzeilern, die mehr über die Cassandra des Jahres 2011 verraten, als alle ellenlangen Elogen über Erfolg, Erfahrung und Erwachsenwerden es je könnten. „Ich habe lange genug Zeit gehabt, mir nichts zu gönnen; habe so lang darüber nachgedacht, es nicht zu können“, singt sie an anderer Stelle. Nur um mit Nachdruck den dicksten denkbaren Schlussstrich unter dieses Dunkel zu ziehen: „Leben fließt in Strömen“.

Cassandra Steen

Cassandra Steen

Auch musikalisch rinnt frisches Blut durch Cassandra Steens Venen; der Herzschlag der vermeintlichen Balladen-Königin pumpt auf „Mir So Nah“ erstaunlich uptempo: „Wahnsinn“ wirbelt mit Handclaps und saloppen Synkopen in den kalkulierten Kontrollverlust, unter „Lange genug Zeit“ peitscht unaufdringlich ein eleganter 4/4-Beat. Doch selbst wenn Cassandra, Lieder von verlorener Zärtlichkeit anstimmt („Der erste Winter“, „Liebeslied zum Weinen“), pulsiert Positives unter ihrem zeitlos-urbanen Blues. Das melancholische Moll der Anfangstage, das auch auf „Darum leben wir“ noch latent durchschimmerte, ist einer neuen Tonart gewichen. Einem satten, runden, strahlend hellen C Dur.

Dieses neue Selbstbewusstsein hat freilich auch mit dem Erfolg der letzten 24 Monate zu tun. Dabei musste Cassandra Steen, als sie ihrer Karriere im Frühjahr 2009 abermals einen Neustart verordnete, noch mal ganz von vorne anfangen. Als sie mit „Darum leben wir“ die Bühne von Stefan Raabs Bundesvision Songcontest betrat, war sie in erster Linie das Mädel von Glashaus, das nun eben eine Soloplatte gemacht hatte – das Debütalbum einer waschechten Veteranin.

Vier Minuten später hatte sie klangheimlich ein völlig neues Level erklommen. Ihr schüchternes Lächeln hatte sich fortgepflanzt auf die Gesichter von Millionen von Zuschauern, die so dieses und jenes erwartet hatten von ihrem Fernsehabend, aber ganz bestimmt nicht, Cassandra-Steen-Fans zu werden. Und trotzdem genau das wurden. „Darum leben wir“ debütierte sowohl in den deutschen Album- als auch in den Singlecharts auf #6. Die Nachfolgesingle „Stadt“ mit Adel Tawil kletterte gar bis auf Platz 2, hielt sich dort wochenlang, erreichte Platinstatus, wurde der größte deutschsprachige Radiohit des Jahres 2009. Und das bezaubernde Lächeln wanderte weiter. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Geschichte im Schnelldurchlauf.

Nun, knapp zwei Jahre später, steht mit „Mir So Nah“ der Nachfolger bereit. Adel Tawil ist wieder mit von der Partie: Vier Stücke sind in engem künstlerischem Austausch mit ihm entstanden, darunter auch die erste Single „Gebt alles“, eine entwaffnende Ode an den Optimismus und den Wagemut. Hinzu kommt die fast schon obligatorische Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo, Cassandras großem Mentor, Wegbereiter und brüderlichen Freund. Insgesamt fünf Stücke hat Ruben Rodriguez im Namen der Naidoo Herberger Produktion zum Album beigetragen. Beats kommen zusätzlich von The Krauts aus Berlin, die im Dunstkreis von Peter Fox und Marteria gerade Deutschlands modernste Popmusik kreieren. Und dann ist da noch die Wiedervereinigung mit Moses Pelham. Exakt zehn Jahre nach ihrem ersten Zusammentreffen haben sich die beiden erneut für fünf Stücke zusammengetan, um gemeinsam Cassandras Soundvision von zeitgemäßem, tiefgehendem Uptempo-Soul umzusetzen. Und somit den Kreis zu schließen.

„Ketten zerspringen, der Himmel geht auf“, singt Cassandra an einer Stelle des Albums. Es sind diese ganz besonderen Momente auf „Mir So Nah“, in denen nicht nur der Himmel, sondern auch Cassandra selbst sich weiter öffnet als jemals zuvor in ihrer Karriere. In denen die Künstlerin und der Mensch komplett ineinander aufgehen – und dabei Zeilen von kristallklarer, kraftvoller Schönheit entstehen. Immer noch mit Seele. Immer noch mit Herz. Aber mit mehr Leidenschaft und Leben, als man je zu träumen gewagt hätte.

www.Cassandra-Steen.de

Quelle: Universal Music

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