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Fever 333 – Biografie

Freitag, 30. März 2018 | By | Category: Biografie

Reime und Riffs zetteln mehr Veränderung an, als Kugeln und Bomben es jemals könnten.

Nicht lange nach dem Vietnamkrieg führten Bad Brains eine Rastafari-Punk-Haltung gegen den internationalen Schandfleck der Rassentrennung und die von Kokain berauschte Gier der Großkonzerne ins Spiel, die symptomatisch für das Amerika der 80er-Jahre waren.

Public Enemy nahmen den vorherrschenden und institutionalisierten Rassismus ins Visier und erhoben die Stimme gegen die Fear of a Black Planet, bevor vier Monate später die Operation Desert Shield über dem Nahen Osten herniederging. N.W.A. brachten die Polizeigewalt ins Bewusstsein des Zeitgeistes und riefen „Fuck Tha Police“ und Body Count knöpften sich das gesamte System mit „Cop Killer“ vor. Aus den selben Straßen, die Dr. Dre und schließlich Kendrick Lamar hervorbringen sollten, thematisierte Fishbone die Armut und drängte auf soziale Gerechtigkeit. Die Liste musikalischer Rebellen ließe sich beliebig weiterführen…

Nun, im Jahr 2018, fühlen sich die Vereinigten Staaten von Amerika einmal mehr reif für einen musikalischen Aufstand. Aufgrund seiner systemischen Probleme wie Zuwanderung, Rasse, Klassenkampf, Ungleichheit und Frauenfeindlichkeit gespaltener denn je in seiner 242-jährigen Geschichte, ist jetzt der Moment für den Wandel gekommen. Die Band dazu ist The Fever 333.

Das Trio aus Los Angeles, bestehend aus Aalon Butler [ehemals letlive.], Drummer Aric Improta [Night Verses] und Gitarrist Stephen Harrison [ehemals The Chariot], lädt und entsichert knirschende Gitarren, gutturale Beats und unverfroren mutige Texte und drückt dann den Abzug über einen knallenden Hybrid aus Hip-Hop, Punk und Aktivismus.

„Die Bewegung ist größer als die Musik“, ruft Butler aus. „Die Kunst ist nur ein Teil des Ganzen. Wir wollen sicherstellen, dass wir zu gleichen Teilen in den Aktivismus und die tatsächliche Umsetzung involviert sind. Unter keinen Umständen erwarten wir, dass andere Künstler sich dieser Aufgabe annehmen. Die meisten Menschen, die große Fortschritte erwirkten, wurden entweder ermordet oder schlicht für verrückt erklärt. Wir machen es absolut klar, dass alles, was wir tun, eine aktive Anstrengung zum Wandel ist. Es geht darum, die soziopolitische Achtsamkeit zurückzubringen. Wir versuchen einen Soundtrack für die Revolution zu schreiben von der wir wissen, dass sie kommen wird.“

Inmitten der soziopolitischen Umbrüche des Amerikas im Jahr 2017 konnte der Sänger – ein selbsternannter „gemischtethnischer Doppelagent, der einen schwarzen Vater und eine weiße Mutter hat“ – das „Gewicht der Spaltung spüren, die wir aufgrund der Rassenfrage erschaffen hatten“. Nachdem er zufällig Travis Barker von blink-182 getroffen hatte, verbrachte er den Super Bowl Sunday mit dem legendären Drummer und ihrem gemeinsamen Freund, dem Produzenten John Feldman. Die Konversationen, die dieses ungeweihte Triumvirat an jenem Tag führte, sollten jene Songs inspirieren, die schließlich das 2018er-Debüt von The Fever 333 ergaben.

„Wir begannen, über schwarzen Punkrock zu sprechen“, erinnert er sich. „Punkrock und Hip-Hop sind ein- und dasselbe. Sie haben sich stets auf die Fahnen geschrieben, aus Missklängen Kunst zu kanalisieren. Travis und John haben mich in dem Verlangen unterstützt, etwas zu erschaffen, das ein wenig gefährlich und subversiv ist, sowohl musikalisch als auch in der Geisteshaltung. Wir haben gemeinsam die Schleusen geöffnet.“

Zu dieser Zeit traf der Frontmann die bewusste Entscheidung, letlive. aufzulösen, die er 15 Jahre zuvor gegründet hatte. Gleichermaßen inspiriert von Angela Davis Lehren und den Worten der „Hood-Propheten“ in seiner Heimat “Section 8 Inglewood”, wurde Butlers zukünftige Agenda in Stein gemeißelt.

„Ich weiß meine Errungenschaften mit letlive. zu würdigen“, sagt er. „Doch ich wollte mich in Richtung einer sehr klar umrissenen und spezifischen Vision weiterbewegen. Persönlich, künstlerisch, emotional und politisch. Ich bin sehr radikal, tendenziell linksorientiert und kompromisslos in meinen Überzeugungen. Das ist der einzige Weg, irgendetwas zu erreichen, ob im Hier und Jetzt oder langfristig. letlive. hatte erreicht, was es erreichen sollte. Es war an der Zeit für eine neue Ära.“

Fieberhaft schreibend, führte jede Session zu weiteren Songs. Vergangenen Sommer feierten The Fever 333 ihr Live-Debüt, passenderweise am 4. Juli. Sie kaperten den Parkplatz des berüchtigten Randy’s Donuts in Los Angeles (das interessanterweise nur einen Steinwurf von South Central entfernt ist, wo der Sänger aufwuchs). Diese „politische Poolparty“ kündigte den Sturm an, der kommen würde.

Jedes einzelne Element war ein Statement – sogar das Lineup.

„Wir haben einen schwarzen Gitarristen, einen farbigen Sänger und einen weißen Drummer“, fährt er fort. „Das ist Absicht.“

Auf ihrer 2018-er Debüt-EP für Roadrunner Records kann man diese Absichten sehr laut und deutlich spüren. Und es macht nur Sinn, dass ihre musikalische Unabhängigkeitserklärung, „We’re Coming In“, in einem stechenden Schrei kulminiert: „We’re coming in, motherfucker!

„Es geht darum, vor dem verdammten Weißen Haus vorzufahren und einen Diskurs mit unserer aktuellen Administration und dem Kabinett darüber zu haben, wie es uns betrifft, was sie tun“, betont er. „Die Mittelklasse wird bald ausradiert sein. Wir zeigen unser Gesicht in der Hoffnung, eine nachdrückliche Botschaft zu hinterlassen.“

„Hunting Season“ reiht sich in die lange Reihe von Hymnen für „farbige Menschen versus die Obrigkeit und diesen Teufelskreis“ ein. „Made In America (feat. Vic Mensa)“ feuert über kreissägenartige Riffs einen Weckruf ab, eine Salve feuriger Verse und ein weiterer Tanz auf dem Pulverfass.

„Der Reichtum und Erfolg dieses Unternehmens wurden auf dem Rücken von Slaven aufgebaut“, seufzt er. „Wir sind alle Einwanderer. Das sind die verdammten Fakten. Die Menschen an der Macht profitieren davon. Die Zeilen von Vic sind Killer. Es ist ein besonderer Moment.“

„Walking In My Shoes“ betitelt nicht einfach nur einen weiteren Kracher, er fungiert auch als Banner für den Aktivismus von The Fever 333. Die The Walking In My Shoes Foundation wird Gastredner empfangen, Kunstinstallationen realisieren, Menschen fördern, die eine Geschichte zu erzählen haben, und Partner-Wohltätigkeitsorganisationen wie Inner City Arts in Los Angeles, The ACLU, Southern Poverty Law Center und weitere unterstützen.

Schließlich fängt die Revolution mit The Fever 333 erst so richtig an.

„’The Fever’ richtet sich an selbstbeherrschte, unabhängige Menschen, die eine Idee von Verständigung und Empathie von einem Kopf zum anderen verbreiten“, schließt Butler. „Es ist ansteckend. Die magische Zahl ist drei. Die stärkste Form in der Geometrie ist das Dreieck mit seinen drei Punkten. ‚C’ ist der dritte Buchstabe des Alphabets. Die ‚Drei Cs’ sind ‚Community’, ‚Charity’ und ‚Change’. Jeder andere Mensch, der da rein investiert, ist verdammt noch mal so wichtig wie wir. Und mit investieren meine ich keinen Umsatz oder Auszeichnungen. Ich meine Erfolg im Hinblick darauf, diese Revolution Realität werden zu lassen. Unsere Generation hat so viel Macht. Wir haben diese Systeme im Betrieb, die komplett abgefuckt sind, aber wir sind als Nächstes an der Reihe. Wenn wir uns wirklich zusammenschließen und diese Stärke und Solidarität kultivieren können, glaube ich daran, dass wir die Veränderung sein könne

thefever333.com

Quelle: WMG

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