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Green Day – Biografie

Montag, 11. Mai 2009 | By | Category: Biografie

Sie sind ein Phänomen, und mehr als das: Auf ihre Art sind GREEN DAY die Erfüllung des American Dream, auch wenn dieser Traum in den letzten Jahren für viele zeitgenössische US-Künstler albtraumhafte Züge trägt. Nach 22 Jahren Bandgeschichte haben GREEN DAY es nicht nur geschafft, eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste, amerikanische Punkband zu werden, sie sind auch komplett sie selbst geblieben und ließen sich zu keiner Zeit durch Erfolge oder politischen Druck korrumpieren.

Green Day Credits: Marina Chavez

Green Day Credits: Marina Chavez

Mit 21st Century Breakdown legen sie ihr achtes reguläres Album vor, das Ergebnis einer konstanten Entwicklung ist. Und das sowohl, was den Erfolg angeht, als auch, was die Reife einer Band betrifft, die von Anfang an auf knackige Akkordfolgen, geradlinige Songs und pure Ohrwurmmelodien setzte – und nie ein Blatt vor den Mund nahm.

Der Anfang liegt lange Zeit zurück. Billie Joe Armstrong, Sohn eines Truckers und Jazz-Drummers, der früh an Krebs verstarb, und Mike Dirnt (bürgerlich: Michael Ryan Pritchard), der bei Pflegeeltern aufwuchs, weil seine Mutter an einer Überdosis starb, als er gerade mal sechs Wochen alt war, verlebten ihre Kindheit in sozial schwachen Verhältnissen im versifften Industriestädtchen Rodeo in Nordkalifornien, in dem die Sonne sich meist hinter dicken Rauchschwaden versteckt. 1987 begannen sie zusammen Musik zu machen, damals mit Drummer John Kiffmeyer unter dem Namen The Sweet Children, 1989 erfolgte die Umbenennung in GREEN DAY – eine Bezeichnung für einen faulen Tag, den man vornehmlich im Rausch spezieller Kräuter verlebt.

Startpunkt für das Werden der Band bildete das Gilman Street Project in Berkeley bei San Francisco, ein legendärer und radikaler Punkclub, der damals Zentrum der politisch orientierten Gegenkultur war – straight edge, kollektivistisch geführt und erklärtermaßen Anti-Establishment. Ein Kulturbruch für die Jungs, die vorher nur die dröge Langeweile des spießigen Rodeos kannten „Nach Gilman zu kommen gab mir das Gefühl, neu geboren zu sein. Dort begann eigentlich meine Ausbildung“, so erinnerte sich Billie jüngst in einem Interview mit der Zeitschrift „Q“. Dort jedenfalls bekam das ziellose Musizieren des Trios eine feste Basis.

1989 brachte gleichzeitig die ersten Veröffentlichungen: Die EP 1000 Hours erschien auf dem Indie-Label Lookout! Records, das von Larry Livermore gegründet wurde, Bandmitglied bei The Lookouts, bei denen ein fähiger Drummer namens Frank Edwin Right III. spielte – der sich später einfach Tré Cool nannte. 1990 folgten das Debüt-Album 39/Smooth und die EP Slappy. Kurz vor Erscheinen übernahm Tré Cool den Job Kiffmeyers – GREEN DAY, wie wir sie heute kennen, waren komplett. Als das zweite Album Kerplunk 1992 kam, waren GREEN DAY bereits eine echte Größe in der Bay Area und hatten das Neo-Punk-Revival angestoßen. Und die Blaupause für ihren ersten Welterfolg geschaffen.

Der Wechsel zu Reprise-Records wurde von der Szene durchaus misstrauisch beäugt, aber Dookie wurde 1994 mit Singles wie Basket Case und When I Come Around ein sagenhafter Welterfolg, der schließlich elf Millionen Mal über die Ladentische ging und in den USA mit Diamantstatus, einem Grammy und drei MTV-Nominierungen ausgezeichnet wurde. In Deutschland katapultierte sich Dookie, dessen Titel übersetzt schlicht Scheiße bedeutet, auf Platz 4 der Charts und ebnete den Weg für eine Band, die sich von ganz unten nach ganz oben schleuderte und mit spektakulären Live-Shows von sich Reden machte.

Insomniac (1996) hielt den Erwartungen nicht ganz stand, obwohl es ein durchaus gelungenes Album ist und sich in Deutschland auf Platz 12 der Charts spielte, erst nimrod. (1997) erreichte in den USA wieder Doppelplatin. Doch der Status des Trios war nun gefestigt, und weltweit fieberten Fans jeder neuen GREEN DAY-Veröffentlichung entgegen. Diese kam im Jahr 2000 mit Warning:, einem bereits ausgesprochen politischem Album, das zudem einen fruchtbaren Stilschwenk zum Rock und Songwritertum aufwies und bei uns auf Position 21 chartete. Allerdings hatten die vergangenen Jahre an den Nerven gezerrt, und halboffiziell wurde über Soloprojekte und Auflösungserscheinungen philosophiert. Mit International Superhits und der B-Seiten-Compilation Shenanigans gab es Anfang des Jahrtausends zwei gelungene Zusammenfassungen und viele dachten nun, das wäre es gewesen.

Was dann geschah, hätte wohl niemand erwartet: Mit American Idiot legten GREEN DAY 2004 ein wahres Monument vor: Die erste Punkrock-Oper aller Zeiten sorgte für ein fulminantes Comeback, das weltweit und jahrelang für Aufsehen sorgte. Es hagelte Preise und Nominierungen: Sechs Grammy-Nominierungen, von denen eine verwirklicht wurde, der erste Echo, mehrere MTV-Awards und ausverkaufte Hallen, wohin man blickte, begleiteten die harsche Kritik an der Bush-Regierung. Spektakulär das zweitägige Konzert im Londoner Milton Keynes-Stadion, bei dem GREEN DAY vor insgesamt 130.000 Fans spielten – dokumentiert auf der DVD Bullet In A Bible. In Deutschland gab es Doppelplatin, eine Positionierung auf Platz 3 der Charts und Chartentries für alle fünf Singles: American Idiot, Boulevard of Broken Dreams, Holiday, Wake Me Up When September Ends und Jesus Of Suburbia. Eines der besten, rundesten und mitreißendsten Alben der Rockgeschichte eroberte die Welt.

Die nächsten Monate galten der Lässigkeit: Mit U2 die Single The Saints Are Coming eingespielt (Platz 6 in D), für den Darfur-Sampler Instant Karma John Lennons Working Class Hero aufgenommen und mit The Simpsons Theme den Titelsong für einen kultigen Film geschrieben (in dem GREEN DAY auch „mitspielten“). 2008 gönnten sie sich den Luxus, unter dem Pseudonym Foxboro Hottubs ein herrliches Album voller 60s-Retro-Nummern zu veröffentlichen, dessen Motivation aus Spaß an der Freude bestand. Zu diesem Zeitpunkt war der nächste Geniestreich allerdings schon fast fertig.

Im Jahre 2009 zeigen sich GREEN DAY besser, vielseitiger und tighter als je zuvor. Produziert von Butch Vig (Nirvana, Garbage) präsentieren sie 21st Century Breakdown, das zweite Konzeptalbum und eine weitere radikale Analyse amerikanischer Wirklichkeit, die sich am Ende einer Epoche und am Beginn eines neuen Zeitalters befindet. Eingepackt in 18 Songs erzählt das Album die Geschichte Christians und Glorias, die am Rande der Gesellschaft in einer heruntergekommenen Industriestadt aufwachsen. Ähnlichkeiten mit biographischen Einzelheiten der GREEN DAY-Mitglieder dürften kein Zufall sein. Und Ähnlichkeiten mit der Situation aller jungen und fitgebliebenen Freidenker auf der Welt wohl auch nicht. Willkommen zum Breakdown des 21. Jahrhunderts…

http://www.greenday.com

Quelle: WMG

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