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Milo Greene – Biografie

Dienstag, 20. November 2012 | By | Category: Biografie

Man würde MILO GREENE vergeblich im Adressbuch suchen – es gibt ihn gar nicht. Und trotzdem ist er quicklebendig und höchst aktiv. Denn MILO GREENE entspringt der Welt von Robbie Arnett, Graham Fink, Andrew Heringer, Marlana Sheetz und Curtis Marrero.

Milo Greene - Credits: Liza Boone

Milo Greene – Credits: Liza Boone

Diese seine Schöpfer betrachten ihn als eine Art intellektuellen Unternehmer. Auf seine selbstsichere und zugleich würdevolle Art hält er die Dinge zusammen und lässt keinen Zweifel daran, wer der Boss ist. Er ist exakt jene Art von Typ, dem man sich in fast jedem Business anvertrauen würde – und dies ist genau der Grund, warum er geschaffen wurde.

Tatsache ist nämlich, dass es kein Bandmitglied gibt, das einen „Anführer“ darstellen könnte. Es gibt keine Frontsau, die alle Blicke auf sich zieht; keinen umtriebigen Instrumentalisten, der im Hintergrund der große Organisator ist, und keinen gewieften Produzenten, dessen Kontakte allein schon den Erfolg garantieren könnten. Es gibt nur die Band, die sich dadurch auszeichnet, dass jeder alles macht – je nach Lust und Bedarf, denn MILO GREENE hat vier Lead-Sänger, die sich alle Aufgaben teilen. Der einzige, der stets brav bei seinem Instrument bleibt, ist Drummer Curtis Marrero.

„Vier von uns waren in unseren vorherigen Projekten Lead-Singer“, erklärt Arnett. „Dementsprechend haben wir keinen Fixpunkt, kein Bandmitglied, das ein dominanter Texter oder Melodien-Entwickler ist. Alles ist MILO.“ MILO GREENE arbeiten sehr effektiv als ein Team, und dabei ist jedes der Bandmitglieder einzigartig und kann für sich selbst stehen.

Früher nannte man so etwas „Kollektiv“, aber in der heutigen Welt des DIY ist eine repräsentative Figur der Schlüssel zum Erfolg. Und da die College-Kameraden Andrew Heringer, Robbie Arnett und Marleena Sheetz für ihre jeweils eigenen Projekte keinen Manager hatten, schufen sie sich gemeinsam einen virtuellen, der ihre Interessen in der Öffentlichkeit vertritt. Seit 2009 spielen die drei zusammen und gaben sich den denkbar naheliegendsten Namen: MILO GREENE.  Kurze Zeit später zogen Heringer und Sheetz von Nord- nach Südkalifornien, wo Arnett schon geraume Zeit lebte, und trafen auf Graham Fink (Ex-The Outline) und Curtis, der bereits in Arnetts Band Links an den Drums saß. MILO GREENE nahm nun also ganz reale Gestalt an.

Co-Produziert von Ryan Headlock (Gossip, Blonde Redhead, Ra Ra Riot) im Bear Creek Studio, einer um 1900 errichteten Farm bei Seattle, präsentieren MILO GREENE nun ihr Debüt-Album: „Unser Ziel war es, ein kohärentes Album aufzunehmen, eines, das den Hörer von A nach B führt“, erklärt Barnett. „Das ist vielleicht nicht das klügste in einer Welt der Single-Erfolge, aber…“… „Jeder Song steht trotzdem für sich selbst, und man weiß nie, was einen emotional und klanglich erwartet“, fällt ihm Heringer ins Wort.

Milo Greene - Whats The Matter

Milo Greene – Whats The Matter

In der Tat wirkt das Debüt wie aus einem Guss, oder vielmehr wie aus einem Fluss, der einen mittreiben lässt, wenn man sich auf die zumeist weichen und sphärischen Sounds mit vierstimmigen Gesangssätzen und unwiderstehlichen Melodien auf wuchernden Percussions einlässt. MILO GREENE ist grundsätzlich ein Konglomerat von Stimmen, die in einem umfassenden und kollektiven Bewusstsein zu einer Art simultaner Atmung gefunden haben. Ihre Melodien rufen Assoziationen an lange Fahrten entlang der kalifornischen Küste hervor, oder sie evozieren das Gefühl, von zuhause wegzufahren. Ihre Musik hat etwas Meditatives und fordert Aufmerksamkeit aber auch Gedankenlosigkeit. Die Gitarrenlinien schwellen auf und ab wie Ozeanwellen, und hinter dem scheinbar glatten Äußeren spürt man leichte Dissonanzen. In den vorbeiziehenden Tönen existiert eine gewisse Spannung, die an Jazz-Harmonien erinnert und den Eindruck von etwas wirklich Großem, das bald passieren könnte, erwecken. Eine Ahnung davon, unweigerlich älter zu werden, während man versucht, sich an seiner Jugend festzuhalten.

Man leihe dem Opener und der ersten Single What’s The Matter ein Ohr. Der dahingleitende Track erzählt von einer Zurückweisung: Oh, your love / Is never good enough /
Oh, your love is lost on me / You don’t know
. Das ist vielleicht nicht sonderlich charmant, aber mit seiner ausgeprägten Introvertiertheit und den meditativ sich wiederholenden Textzeilen durchaus sensibel und emotional. Es sind die zeitlosen Themen, die das Debüt auszeichnen: Die Suche nach Dingen die Bestand haben, eine Sehnsucht nach stehenden Werten und ein Bedürfnis nach einer Wechselwirkung mit allem, was gut ist. So heißt es in Silent Way: When, when, when we’re older / Can I still come over?. Die Hoffnung auf eine verlässliche Zukunft prägt die Songs, wie etwa auch in Don’t You Give Up On Me mit dem feierlichen Schwur: I’ll go wherever you go. Aber es gibt auch die Verloren- und Verlassenheit, die sich im Uptempo-Track 1957 ausdrückt: You act like you don’t know me / My god you tempt my anxious mind / … / Would it be much better / If I knew nothing about you / I’ll go, I’ll go…

MILO GREENEs Songs atmen die Idee, dass wir alle gemeinsam in dieser Welt stecken – eine Vorstellung, die auch mit der Art, wie MILO GREENE Musik machen, korrespondiert. „Wir alle haben das Bedürfnis, geborgen und in Sicherheit zu sein“, so Arnett.  „Wenn unsere Musik nostalgisch klingt, dann wegen der Zeiten in unserem Leben, in denen wir uns so fühlten. Wenn wir hoffnungsvoll klingen, dann weil wir uns wieder so fühlen wollen.“ Fink ergänzt: „Wir sind alle in unseren Zwanzigern, aber wir alle sind in die Band gekommen, nachdem jeder von uns seinen eigenen musikalischen Traum gelebt hat. Wir sind jung genug, um mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, aber erfahren genug, um zu wissen, wie special diese Band ist.“

Es gehört zu den Eigenheiten von MILO GREENE, dass sie es sich zur Angewohnheit gemacht haben, sich regelmäßig an menschenleere Orte an der Westküste zurückziehen, um immer wieder an ihre Wurzeln zurückzukehren. So auch bei den Aufnahmen zum Album: „Wir hatten keinen Fernseher und kein Internet. Wir machten Feuer und kümmerten uns um die Hunde“, führt Arnett aus und betont, dass diese Zurückgezogenheit zum pastoralen Gefühl ihrer Musik wahrscheinlich genauso beigetragen hat wie für die Konzentration auf die Details. Sheetz schließt: „Jeder Ort, an dem wir bisher Musik gemacht haben, war sehr isoliert. Es hat uns sicherlich geholfen, uns zu fokussieren.“
Ihr fiktiver Charakter MILO GREENE ist wahrscheinlich britisch, so vermutet die Band. Und bestimmt sehr bewandert in Kunst und Geschichte, mit einem eklektischen Musikgeschmack. Die Art von Manager, die einen Dreiteiler trägt, auch wenn es heiß ist. Und er hat in jedem Raum einen Plattenspieler.
„Ich glaube, er ist ein großer Fan von uns…“ so vermutet Arnett.
„…Aber nur, weil er sehr eitel ist“, wirft Fink ein.

Quelle: WMG

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