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Polarkreis 18 – Biografie

Montag, 25. Oktober 2010 | By | Category: Biografie

„Ich werde euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vorsingen. Ich bin begierig zu sehen, was ihr dazu sagt. Sie haben mich mehr angegriffen, als dies bei anderen der Fall war. Mir gefallen diese Lieder mehr als alle, und sie werden euch auch noch gefallen.“

Franz Schubert „Winterreise“

Polarkreis 18 können – musikalisch gesehen – vom Winter nicht genug kriegen. Vor zwei Jahren wirbelten die sechs Dresdner Jungs mit ihrem äußerlich eisig anmutenden Album „The Colour Of Snow“ ganz nach oben, und ihre Single „Allein Allein“ blieb ganze 40 Wochen quasi als Spitze des Eisbergs, in den Charts.

Polarkreis 18 - PHOTO CREDIT (c) Matthias Popp

Polarkreis 18 - PHOTO CREDIT (c) Matthias Popp

Und auch ihr umjubeltes Debüt-Album „Polarkreis 18“ kam in frostiger Optik daher, was jedoch keinesfalls bedeutet, dass beim Abspielen je die Gefahr des Global Cooling drohte, im Gegenteil: Die Lieder von Polarkreis 18 sind ganz und gar geeignet, die Polkappen zum Schmelzen zu bringen.

Dieser Befund gilt unbedingt auch für ihr drittes Album, das die Musiker nun vorlegen. „Frei“ ist zwar erstmals kein winterlicher Titel, dafür nimmt uns das ganze Album mit auf eine Winterreise und zwar eine Anno 2010. Die 6 Dresdner Musiker haben Franz Schuberts bald 200 Jahre altes Werk auf ihre Art in die Neuzeit geholt und das Thema Winterreise als Orientierung, sowie musikalischen und lyrischen Handlungs- und Interpretationsspielraum genutzt, den sie konsequent mit ihren hohen Ansprüchen füllen.

Das Ergebnis sind nicht 24 Lieder wie bei dem hoffnungslosen Romantiker Schubert, sondern zehn starke, moderne, eigenständige Songs, die, wie in „Unendliche Sinfonie“ von Liebe und Sehnsucht handeln und wie in „Evergreen“, auch auf den Lindenbaum als dem romantischen Sinnbild für Geborgenheit, in einer Welt voller Entfremdung und Zerrissenheit, zurückgreifen. „Es ist eine typisch romantische Reise“, sagt die Band. Eine Reise geeignet zum Träumen, deren Lieder von der Schönheit und Nichtigkeit des einzelnen Daseins handeln, verklärt, betörend schön und im Grunde unantastbar.

Selbstverständlich bleiben Polarkreis 18 mit „Frei“ ihrem orchestralen, bisweilen bombastischen und pathetischen Sound genauso treu, wie dem fantasievollen Wechselspiel zwischen deutschen und englischen Texten. Doch sie entwickeln alles weiter, formen, feilen und fokussieren ihre Stärken. Herausgekommen ist ein Liederzyklus mit bisher ungekannter Tiefe und Drama, Energie und Opulenz, sowie Bombast und Hymnik. Es sind Kompositionen mit kristallklarem Sound und Texten. „Frei“ ist erneut ein hitverdächtiges Album, obwohl es den Musikern darauf nicht allein ankommt. „Es ist die Essenz unseres momentanen Schaffens“, formuliert die Band. „Es ist unser bisher reifstes Werk.“

Seit zehn Jahren existiert die Band; sie ging einen langen Weg, der am Ende steil nach oben führte. Um dort zu bleiben, haben die sechs noch enger zusammengearbeitet. Ein Jahr lang schlossen sich Felix Räuber, Silvester Wenzel (Klavier, Elektronik), Ludwig Bauer (Gitarre, Klavier), Christian Grochau (Schlagzeug), Philipp Makolis (Gitarre, Klavier) und Uwe Pasora (Bass) quasi ein, arbeiteten erstmals in ihrem eigenen Studio, ihrem „Band-Biotop“ oder ihrer „Kreativ-Zelle“, wie sie ihr Studio nennen.

Ihre Heimat ist für Polarkreis 18 Lebenselixier. Und „Frei“ ist ein durch und durch Dresdner Album. Von den Texten über die Kompositionen und Aufnahmen bis hin zu den Band-Fotos wurde alles im eigenen Studio in der sächsischen Metropole entwickelt. Selbst die Plattenfirma durfte für Hörproben nach Sachsen reisen. Die Bindung an ihre Stadt ist den sechs Musikern Mitte Zwanzig, die zum Teil bereits Familie haben, immens wichtig. „Dresden heißt für uns Erdung und Bodenständigkeit“, so die Band. „Hier erlangen wir unsere innere Stabilität.“

Und hier haben sie sich ihre eigene Umgebung geschaffen, um Abstand, Ruhe und vor allem Zeit zu finden. Der Erfolg von „The Colour Of Snow“ führte nicht zu Übermut, aber er durfte auch nicht zu Leichtfertigkeit oder gar Nachlässigkeit verführen. An Texten und Kompositionen haben deshalb alle sechs – und darauf legen sie seit jeher großen Wert – den gleichen Anteil. Polarkreis 18 sind gemeinsam Profis und Pop-Perfektionisten.

„Wir wussten alle zu jedem Zeitpunkt, worum es geht“ sagt die Band, „und wir haben uns weniger Gefühlslaunen geleistet.“ Sie koppelten Intuition und Impuls sowie Systematik und Struktur mit ihrer Lust und Freude am Experiment. „Frei“ ist deshalb nicht nur musikalisch, sondern auch dramaturgisch ein durchdachtes und exzellent durchkomponiertes Werk mit einem roten Faden vom ersten, das Leben bejahenden Song „Frei“ bis zum Letzten, den Tod und das Ende versinnbildlichenden Titel „Elegie“.

Und „Frei“ ist, wie ihre beiden Vorgänger, keine Pop-Platte nach bewährtem Schema, aber exzellenter Pop. „Wir lieben Pop, wir zelebrieren Pop und füllen ihn mit Inhalt“, so die Musiker. Auf ihrer Suche nach raren und außergewöhnlichen Klängen, reduzierte die Band die Vielfalt der Instrumente und grub nebenbei auch fast vergessenes Handwerkszeug aus der Ur-Zeit des Pop aus. Das Stichwort Fairlight CMI wird heute nur noch Kennern etwas sagen, dabei arbeiteten mit diesem ersten digitalen Synthesizer, Ende der siebziger Jahre, Peter Gabriel und Stevie Wonder und in den Achtzigern ließ er auch Michael Jackson zu unerreichten Höhen treiben. Nur über Beziehungen gelangten Polarkreis 18 schließlich an ein solches Gerät, das beim ersten Einschalten eine Überraschung bereithielt: Auf den Sound-Disketten fanden sich „Thriller“-Themen, potenzielle Originale des King of Pop. „Ob wir die versteigern oder behalten, entscheiden wir nach Plattenschluss“, sagen die 6 Jungs lachend.

Die Orchester-Themen arrangierte erneut Sven Helbig, Mitbegründer der „Dresdner Symphoniker“, der in gleicher Weise schon am Vorgänger-Album mitwirkte und nicht nur das; Er produzierte auch zusammen mit der Band das Album, brachte Organisation und Struktur rein. Sven Helbig gab den Impuls, die eigene Stärke zu erkennen und auszuformen. Er lenkte Diskussionen und fokussierte die Entscheidungen. Entstanden sind damit erneut komplexe Kompositionen mit verblüffend einfacher, ergreifender Wirkung, die dem Konzept „Reduce to the max“ folgen. Diese Kunst beherrscht Polarkreis 18 wie keine zweite Band. „Wenn das kein Erfolg wird“, so die Band, Schubert modern interpretierend, „liegt es nicht an uns.“

„Wir haben unseren Sound gefunden“, sagen die 6 Dresdner. Mehr als zehn Jahre hat die Band danach gesucht, manchmal zweifelnd, häufig qualvoll, aber immer selbstständig. „Reinreden lassen wir uns schon per Vertrag nicht und mit Autoritäten konnten wir noch nie umgehen“, so haben Polarkreis 18 den Entstehungsprozess einmal beschrieben. „Frei“ ist nun das Ergebnis dieses Erkenntnisprozesses und es ist das Band-Album, bei dem sich Fragen nach Vorbildern endgültig erübrigen: Kompakt, eigenständig und voller Songs, die einen mitreißen, sämtliche Klangknospen öffnen und das Universum noch unendlicher erscheinen lassen. Es ist zweifellos das stärkste und intelligenteste Werk von Polarkreis 18. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Frei.

http://www.polarkreis18.de

http://www.myspace.com/polarkreis18

Quelle: Universal Music

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