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Punch Brothers – Biografie

Mittwoch, 26. September 2012 | By | Category: Biografie

Vielleicht könnte man annehmen, der Titel des mittlerweile dritten Punch Brothers-Albums auf dem Nonesuch Label wäre ein wenig spöttelnd gemeint. Tatsächlich ist der auf einem der brandneuen Songs beruhende Plattenname eher als Mahnung zu verstehen. Mit dem von Jacquire King produzierten „Who`s Feeling Young Now?“ liefert die Progressive Bluegrass-Formation aus Brooklyn nun ihr wohl direktestes, mutigstes und aufregendstes Werk ab! Als Einheit haben sich die verschiedenen Bandmembers im Alter von Mitte 20 bis Anfang 30 gemeinsam weiterentwickelt.

Punch Brothers - Credits: Danny Clinch

Punch Brothers – Credits: Danny Clinch

 

Haben ihren ganz eigenen Stil weiterentwickelt – ob auf Tour, oder bei der Studioarbeit. Eine Art bandeigene Verjüngungskur – hin zu einer entspannteren, einfacheren und vielleicht sogar jugendlicheren Spielweise. So erinnert der Titelsong mit seinem rumpelnden Bass, den hetzenden Violinen und dem mehrstimmigen, gespenstisch heulenden Gesang eher an einen klassischen Punk Rock-Song – wenn auch gespielt von einer String-Band! Und das, während der Opening-Track „Movement And Location“ mit seinen rhythmisch-pulsierenden Gitarren-, Bass- und Banjo-Figuren ganz frappierend nach Indie Rock a la Steve Reich klingt. „Who Is Feeling Young Now?“ ist von hörbar mehr geprägt, als nur dem Wunderkinder-Schaffen seiner Musiker. Das alles bestimmende Wort ist Kameradschaft.

„Ich denke, wir fühlen uns heute sehr viel sicherer, was das Spiel mit unseren Bluegrass-Roots angeht“, erklärt Gitarrist Chris Eldridge. „Wir wollten sie der Welt einfach präsentieren als wichtigem Teil von uns. Trotzdem waren wir in der Vergangenheit etwas zurückhaltend – fast, als ob es nicht genug wäre, nur einen einfachen Bluegrass-Song zu spielen. Heute fühlen wir uns wesentlich besser in unserer Haut…“

Die Initialzündung zur Gründung der Punch Brothers ging im Jahre 2006 von Ex-Nickel Creed-Member Chris Thile aus, der nach der Arbeit an seinem Soloalbum „How To Grow A Woman“ schon bald mit den angeworbenen Musikern Chris Eldridge, Banjo-Spieler Noam Pikelny und Violinist Gabe Witcher sowie dem drei Jahre später folgenden Bassisten Paul Kowert am 2008 erschienenen Punch Brothers-Debütalbum „Punch“ zu werkeln begann. „Seither“, fährt Thile fort, „haben sich die Punch Brothers kontinuierlich weiter entwickelt. Von einer Band, die einzig die Ideen eines Einzelnen repräsentiert hat, hin zu einer Gruppe, die die künstlerische Version von fünf verschiedenen Individuen verkörpert. Ich hatte eine ziemlich deutliche Vorstellung von `The Blind Leaving The Blind` und bin extrem stolz auf das Ergebnis. Der einzige Grund, sich selbst in eine derartige Situation zu manövrieren, ist die Gelegenheit, den Leuten einen gewissen Gemeinschaftssinn zu demonstrieren. Wenn man fünf Typen auf der Bühne zusieht, wie sie als feste Einheit agieren, ermutigt dies die Leute unter Umständen, es ihnen gleich zu tun. Wir zeigen unseren Hörern, wie echte Kameradschaft ausschaut, ganz egal ob in kreativer oder in menschlicher Hinsicht!“

Auch Paul Kowert, der kurz vor dem 2010 Zweitwerk „Antifogmatic“ in die Band eintrat,  kann nur beipflichten: „Wir haben auf der neuen Platte wirklich große Fortschritte gemacht. Es scheint so, als hätten wir unsere Nische gefunden. Außerdem funktionieren wir heute viel besser als Einheit – ganz sicher ein Ergebnis des gesamten Songwritingprozesses, als auch der Tatsache, dass wir so lange zusammen auf Tour verbracht haben.“

Mitte 2010 traf sich das Quartett schließlich zu ersten Songwriting-Sessions in Manhattans East Village. Eben dort, wo man zuvor schon an „The Blind Leaving The Blind“ gearbeitet hatte. Noam Pickelny: „Thile war zwei oder drei Jahre zuvor nach Brooklyn gezogen, kam aber wieder nach Manhattan zurück. Er ist ein echter Gewohnheitsfreak, also hat er wieder seine Sachen gepackt und zog ins gleiche Gebäude in dem wir Jahre zuvor an „The Blind…“ schraubten. Als wir wieder dort ankamen, hatte jeder von uns ein paar Stunden lang mit diesen merkwürdigen Deja-Vus zu kämpfen. Es war ein irgendwie irreales Gefühl, plötzlich wieder zurück an dem Platz zu sein, an dem wir uns das erste Mal trafen und die Band gründeten. Fünf Jahre später; fast der gleiche Raum, mit Ideen für ein neues Album vor uns. Alles, was mit dieser Band bisher passiert ist, kommt einem Triumphzug gleich.“

Tatkräftige Unterstützung lieferte auch Studioveteran Jacquire King, der zuvor Größen wie Tom Waits, Modest Mouse, Kings Of Leon oder Josh Ritter produziert hat und mit für das Songwriting, Arranging und die letztendliche Titelauswahl verantwortlich zeichnet. „Der ganze Kompositionsprozess der einzelnen Songteile geschah sehr unmittelbar und mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Ebenso lässt sich auch der gesamte Entstehungsprozess des Albums charakterisieren“, erinnert sich Eldridge. „Alles entstand sehr natürlich, organisch.“

Im Oktober traf man schließlich in Kings Blackbird Studio in Nashville ein. „Dieses Studio besitzt die wohl größte Auswahl an Mikrophonen in ganz Nord-Amerika“, schwärmt Gabe Witcher. „Wir haben den ganzen ersten Studiotag ausschließlich damit verbracht, Mikros zu testen! Am Ende des Tages hatte Jacquire eine riesige Liste, welches Mikro sich am besten für welches Instrument eignete und welches Set-Up für die Aufnahmen am besten wäre. Am nächsten Tag haben wir dann sofort alles aufgebaut und sofort losgelegt. Ein extrem flüssiger, produktiver Arbeitsprozess, auch wenn wir anfangs ein wenig herum tüfteln mussten.“

„Wir wollten mit jemandem arbeiten, der sich dem Sound des Albums so unbefangen nähert, wie wir uns den Instrumenten“, fügt Thile hinzu. „Unsere Musik besteht aus einer Mandoline, einem Bass, einer Gitarre, einer Violine und einem Banjo – das ist der einzige Aspekt, der sich nicht verändern lässt. Wir würden zwar nicht soweit gehen wollen, Drums oder eine E-Gitarre hinzuzufügen, aber alles andere in unserer Musik ist wandelbar und extrem flexibel, was Re-Arrangements angeht!“

Eine Offenheit in Sachen radikaler Neu-Arrangements, der sich besonders Thile sehr zugeneigt gezeigt hat. Waren seine Mandolinen-Parts zuvor das führende Element innerhalb des frühen Punch Brothers-Sounds, delegierte man diese Solopflichten auf dem neuen Album erfolgreich weiter an Banjo-Player Pikelny und Violinist Witcher. „Für viele ist Chris Thile der größte lebende Mandolinist“, erklärt Witcher. „Er hat noch nie ein Album gemacht, auf dem er ausschließlich für die Rhythmussektion verantwortlich war! Dies war jedoch kein bewusst herbei geführter Effekt, sondern eine Sache, die in erster Linie die Songs erforderten.“

Neben eigenen Songs finden sich auch zwei instrumentale Coverversionen auf „Who´s Feeling Young Now?“: „Flippen“ stammt von der schwedischen Band Väsen, die mit den Punch Brothers die Bühne auf dem Telluride Bluegrass Festival geteilt haben. Zudem hat man das bereits live mit großem Erfolg dargebrachte „Kid A“ von Radiohead einem Remake unterzogen. „Ich liebe die Ironie, die hinter diesem Song steckt“, so Thile. „Das Cover von einer der bekanntesten Bands ist gleichzeitig der abstrakteste Song auf der ganzen Platte!“

Michael Hill

Quelle: WMG

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