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THE AMITY AFFLICTION „This Could Be Heartbreak“

Freitag, 24. Juni 2016 | By | Category: Biografie

Schon mit ihrem 2014er Langeisen „Let The Ocean Take Me“ haben The Amity Affliction vor zwei Jahren ein Album abgeliefert, auf dem die australische Post-Hardcore-Formation nahezu perfekt das eingefangen hat, wofür die Band um Frontmann Joel Birch heute steht. Ein Album, von dem selbst die größten Zweifler sicher waren, dass es kaum noch zu übertreffen wäre.

THE AMITY AFFLICTION

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Mit „This Could Be Heartbreak“ haben TAA das Unmögliche tatsächlich möglich gemacht und sind sich und ihrer Philosophie, nie weniger als das absolute Maximum an Qualität zu veröffentlichen, mehr als treu geblieben! Wenn Shouter Birch das neue Album als das bisher düsterste in der gesamten Bandgeschichte beschreibt, dann ist dies absolut keine Übertreibung, zählen die Lyrics der 11 vorliegenden Tracks definitiv zu den brutalsten, die er je zu Papier gebracht hat – schmerzhaft ehrliche Momentaufnahmen eines von Alkoholismus und Depressionen gezeichneten Mannes.

Natürlich nur eine Facette; ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtbild, das die Australier mit ihrem bisher wohl packendsten, eindringlichsten, abwechslungsreichsten und versiertesten Werk zeichnen. „Bei jedem neuen Album nehmen wir uns vor, immer noch bessere Songs als beim letzten Mal zu schreiben“, so Bassist/ Sänger Ahren Stringer. „Wenn man sich die neuen Tracks anhört, hat man das Gefühl, auf einer Achterbahnfahrt sämtlicher Emotionen und Eindrücke zu sein, die wir während unserer Karriere immer wieder versucht haben, auszudrücken. Als Songwriter werden wir von Mal zu Mal besser. Für uns geht es nur darum, das vorangegangene Album zu schlagen. Was wir mit diesem definitiv geschafft haben.“

Schon seit ihrer Gründung im Jahr 2003 in Gympie, Queensland, bleibt sich die Band – die von Drummer Ryan Burt und Gitarrist Dan Brown (der seit 2014 Gründungsgitarrist Troy Brady ersetzt) komplettiert wird, treu. Mit der strikten Weigerung, ihren bestens bewährten Signature-Sound irgendwelchen schnelllebigen Strömungen anzupassen, hat sich die Band in den vergangenen Jahren eine loyale Fanbase rund um den Globus erspielt. Mit ihrem besonderen Gespür für hoch ansteckende Metal-Hymnen, kombiniert mit einem knochenzermahlenden Sound verwandeln The Amity Affliction Konzerthallen in überkochende Großraum-Moshpits, während die Fans bei allem Headbanging gleichzeitig wie gebannt an Birchs Lippen kleben. „Das ist die Art, auf die ich mich gebe. Die Art, wie ich lebe. Für mich macht die Musik keinen Sinn, wenn man nicht entweder etwas mitzuteilen hat, das den Leuten hilft, oder aber sehr persönliche, kathartische Erfahrungen mit dem Publikum teilt“, erklärt der Sänger.

Mit der Herausforderung, die Messlatte noch zu übertreffen, die man sich mit „Let The Ocean Take Me“ gesetzt hatte, machte sich das Songwriter-Team Stringer/ Brown an die Arbeit. Trotz enormen Drucks entstanden die Songs fast im Alleingang. „Als wir Dan 2013 mit an Bord holten, konnten wir unserem Puzzle ein weiteres aufregendes Teil hinzufügen. Mit ihm haben wir erwiesenermaßen unser bisher bestes Album geschrieben“, so Stringer. „Zwischen uns scheinen die Ideen einfach so zu fließen; wir haben ein sehr ähnliches Musikverständnis. Der Sound des neuen Albums ist viel erwachsener. Beim letzten Mal haben wir uns noch sehr auf heavy Keyboards fokussiert; diesmal haben wir sie wieder ein wenig runter gefahren und als atmosphärische Elemente benutzt, während wir die Gitarren so fett und laut wie irgend möglich gemacht haben.“ Mit einem Ergebnis, das wahrlich für sich selbst spricht: Schon der Opener „I Bring The Weather With Me“ biegt in einer übermenschlichen Größe ums Eck, während sich das gedrückte „All Fucked Up“ eher zerbrechlich und fließend präsentiert. Mit Tracks wie „Tearing Me Apart“ oder „Fight My Regret“ zeigt sich die Band von ihrer bewegendsten und hymnischsten Seite. „Ich glaube, wir haben den Nagel mit jedem einzelnen Lied auf den Kopf getroffen, doch der Titeltrack ist definitiv ein echtes Meisterwerk“, erzählt Stringer mit leuchtenden Augen über den mit einem fast poppigen Rockriff beginnenden Song, der sich später mit einem massiven Refrain zum echten Vorschlaghammer steigert. „Das Ding ist in meinen Augen der beste Song, den wir je geschrieben haben! Er vereint alles, was wir mit diesem Album ausdrücken wollten.“

Für die Aufnahmen von „This Could Be Heartbreak“ haben sich The Amity Affliction erneut mit Produzent Will Putney zusammengetan, unter dessen Aufsicht das Material im Holes And Corners Studio in Melbourne entstand. Zusätzliche Drum-Spuren wurden außerdem in den Sing Sing Studios eingespielt. Schon auf „Let The Ocean Take Me“ hatte sich die Zusammenarbeit mit Putney als ebenso genialer, wie auch produktiver Glücksgriff erwiesen – so auch auf dem neuen Album. „Will ist ein toller Freund, mit dem wir sehr gut zusammenarbeiten. Wir können ihm blind vertrauen; zwischen uns gibt es kaum Meinungsverschiedenheiten. Es ist eine tolle, unkomplizierte Zusammenarbeit. Wir könnten nicht zufriedener sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir noch eine sehr lange Zeit mit ihm arbeiten werden“, so Stringer weiter. Eine weitere Klangfacette wurde durch drei professionelle Studiosängerinnen herausgearbeitet, die zusammen einen kleinen Chor bilden und mit ihren verschiedenen Stimmlagen wie „ein Raum voller Engel“ klingen; selbst nachzuhören auf „I Bring The Weather With Me“ und „All Fucked Up“. Auf dem Titelsong sind zusätzlich noch Members von Stray From The Path und Stick To Your Guns zu hören, die den choralen Charakter der Tracks unterstreichen. Anders jedoch verhält es sich beim Chorus der Bridge in „Fight My Regret“, die einzig und alleine auf dem Schaffen von Stringer beruht. „Es klingt echt großartig und sogar ein wenig nach `Bohemian Rhapsody`. Ich habe die verschiedenen Harmonie-Schichten selbst eingesungen und auch noch meinen regulären Gesang oben drauf gesetzt.“

Wie alle TAA-Longplayer lebt auch das neue Album nicht nur von seiner enormen musikalischen Strahlkraft alleine, sondern wird von Birchs ganz persönlichem Beitrag zusammen gehalten. Wie sich viele Fans erinnern, wurde der 2010er „Youngbloods“-Release nach seinem gescheiterten Selbstmordversuch geschrieben; „Let The Ocean Take Me“ wurde von einer Nahtoderfahrung inspiriert, die Joel während der Warped-Tour im Jahr 2013 machte. Nach einem Krampfanfall aufgrund akuten Alkoholentzugs erlitt er einen Schlaganfall, bei dem sein Herz aufhörte, zu schlagen. Wäre er nicht so schnell gefunden worden, hätte er dies nicht überlebt. Während der Rehabilitationsphase wurde ihm nach und nach der Schaden und das Leid bewusst, das er nicht nur sich, sondern auch seinem Umfeld mit der Sucht angetan hatte. Auf dem folgenden Album exorzierte er all die persönlichen Dämonen, die ihn bis dato geplagt hatten. Doch wie in so vielen Fällen von schwerer Depression hält dieser Exorzismus nicht lange vor: Unbemerkt selbst von seinem engsten Umfeld begann Birch, an seinem Leben zu zerbrechen. „Rein äußerlich wurde das Leben immer besser und besser, je größer und erfolgreicher die Band wurde. Innerlich wurde es dagegen schlimmer und schlimmer, bis ich schließlich komplett in die Verhaltensmuster verfiel, die ich zu der Zeit hatte, als der Zwischenfall auf der Warped-Tour passierte. Es wird jedes Mal schlimmer, wenn man sich wieder in eine solche Situation bringt. Für mich wurde es viel, viel, viel schlimmer“, bekennt der Sänger heute aufrichtig. Die Arbeiten am neuen Album und seine damals bevorstehende Vaterschaft machten seine Situation nur noch komplizierter. Heute gibt Birch nicht nur zu, das Album unter starkem Alkoholeinfluss aufgenommen zu haben; ebenfalls sah er sich in einem schweren Moment dazu gezwungen, die Notrufnummer einer Selbstmord-Hotline zu wählen, um Schlimmeres während der Aufnahmen zu verhindern. Trotz alldem entstand so Zeile um Zeile das, was heute als „This Could Be Heartbreak“ vorliegt:

Ehrliche Gefühle in ehrlichen Worten. Trotzdem erkannte Birch erst beim Hören des Rough Mixes des ganzen Albums, wie schlimm es eigentlich um ihn stand. „Ich habe mir die Songs angehört und musste heulen. Ich habe gedacht: What the f**k? Was geht denn hier ab? Ich muss dringend etwas ändern! Jemand, der an schweren Depressionen leidet und währenddessen noch dazu die ganze Zeit über trinkt, spielt buchstäblich mit dem Feuer. Ich habe dadurch alles noch viel schlimmer gemacht.“ Mit dem Eröffnungs-„One, two“ von „I Bring The Weather With Me“ und dem Titeltrack sagt Birch seinem alten Ich nun goodbye; eine Anlehnung an Nick Caves Tränenhymne „The Weeping Song“, von dem er schon immer wollte, dass er eines Tages auf seiner Beerdigung gespielt wird. Eine Stimmung, an die auch das verzweifelte „Blood In My Mouth“ anschließt. Birch gibt sich in den Texten diesmal weitaus weniger metaphorisch als sonst. Weniger Symbolistik, mehr Gefühl. „Obwohl man sich aus den Texten auch seine eigenen Bilder formen kann, ist es ein sehr deutliches Album mit viel weniger Bullshit zwischen den Zeilen. Ich spiele nicht mehr so sehr mit Worten; ich sage ganz deutlich heraus, was ich fühle und was ich durchmache.“

Nachdem Birch seine mehr als desolate Lage nach Beendigung der Arbeiten zu „This Could Be Heartbreak“ erkannt hatte, begann er, an regelmäßigen Treffen der Anonymen Alkoholiker teilzunehmen und mit der Unterstützung seiner Frau und seiner Bandmates, sein Leben langsam wieder in den Griff zu bekommen. Heute ist Birch stolz auf die Songs, die ihm geholfen haben, das Ruder im letzten Augenblick noch einmal herum zu reißen und sein Leben zu ändern. Zudem ist er kürzlich stolzer Vater eines Sohnes geworden; eine Tatsache, die ebenfalls ganz neue Zukunftsperspektiven mit sich bringt. Mit anderen Worten: Mehr Optimismus geht nicht. „Ich war nie jemand, der lange im Voraus geplant hat. Einfach deshalb, weil ich nie sicher war, ob ich am nächsten Tag noch am Leben sein würde. Heute bin ich offen für all die wunderbaren Dinge, die das Leben zu bieten hat. Ich lebe sehr bewusst und merke, dass es vorwärts geht. Ich lerne so langsam das wertzuschätzen, was ich habe. Das war früher nicht so.“

Schon immer waren The Amity Affliction auf besondere Art mit ihren Fans verbunden, die Birch ihre ganz persönlichen Geschichten über ihren Kampf mit Depressionen oder anderen Krankheiten gebeichtet haben. Heute hofft Birch, seinen treuen Hörern mit „This Could Be Heartbreak“ genau die Hilfe und Kraft zu geben, die er selbst durch den Aufnahmeprozess gefunden hat. „Ich finde, es ist gut und wichtig, dass die Leute erkennen, dass ihr Idol am Ende des Tages genau den gleichen Mist durchmachen muss, wie sie selbst. Ich bin ihnen nahe und habe mit genau den gleichen Problemen zu kämpfen. Keiner von uns ist in dieser Situation alleine!“

Quelle: WMG

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