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Rock am Bach 2010 – Festivalbericht

Dienstag, 13. Juli 2010 | By | Category: Festivals

Es hätte wohl so einige triftige Gründe gegeben, bei angekündigten 35 Grad Celsius den Tag am ortsansässigen Badesee und nicht im 140 km entfernten St. Wendel zu verbringen. Ich entschied mich trotzdem, die beschwerliche Reise anzutreten, da in der saarländischen Idylle das „Rock am Bach“-Festival stattfand.

Gegen 12 Uhr kam ich an einem der Festival-Campingplätze an und wurde erst einmal freudig durch mehrere Fontänen Sonnencreme aus der Sprühflasche gut gelaunter Rockfans begrüßt. Ich liebe dieses duftende Geschmiere übrigens genauso wie unsere einheimischen Wespenarten.

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Nach einem kleinen Umweg und einiger Nachfragen gelangte ich etwa eine halbe Stunde später zum Festivalgelände, vor dessen (noch geschlossenen) Toren ca. 20 hitzeresistente Jugendliche saßen und auf den Einlass warteten. Bis 13.30 Uhr mussten sie sich allerdings noch in Geduld üben. Dieses Geduldsspiel wurde für den einen oder anderen durch die Einnahme diverser alkolischer Getränke erträglicher gemacht. Das Rote Kreuz sah das zwar etwas anders, aber reine win-win-Situationen gibt es bekanntlich eher selten im Leben.

Dann endlich strömten die Massen auf das Gelände, auf dem bereits die Eröffnungsband „Blurred by rain“ ihr Stelldichein gab. Musikalisch war das auf jeden Fall hörenswert und ließ bei mir die (Vor-)Freude auf die kommenden Bands noch ein wenig größer werden.

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Gegen 14.10 Uhr kam dann die einzigartige, oft kopierte, jedoch niemals erreichte „Sondaschule“ auf die Bühne und bewies wieder einmal, dass sie live eine der besten deutschen Ska-Punkbands ist. Und zudem haben die Jungs das Riesenglück, den besten Merchandise-Verkäufer ever dabei zu haben, der sich besonders um einige weibliche Fans im Anschluss des Konzertes besonders bemühte.

Musikalisch war leider bereits nach 30 Minuten Schluss und ich nahm mit großem Interesse zur Kenntnis, dass an einem Stand Getränke im praktischen 1-Liter-Becher verkauft wurden. Warum ich allerdings von der nachfolgenden Band „The Haunted“ so wenig mitbekam, erscheint mir bei nüchterner Betrachtung irgendwie nebulös.

Auch bei den alten Rock-Haudegen von „Crowbar“ blieb ich meinem Getränk auf der schattigen Wiese am Rande des Festivalgeländes treu. Ich nahm aber mit Interesse zur Kenntnis, dass sich der Gesang stellenweise wie Verstopfung im Endstadium anhörte.

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Interessanter waren die unzähligen Tätowierungen und Piercings auf den Leibern der Festivalbesucher. Ich zählte schätzungsweise 377 Tätowierungen am Ellenbogen meist männlicher Festivalbesucher. Hauptmotiv war, welche Überraschung, das Spinnennetz, es gab aber auch tätowierte Sterne sowie Pentagramme zu sehen. Eine Asiatin schoss mit der tätowierten Lisa Simpson sprichwörtlich den Vogel ab. Ich meine, Homer oder Bart wären für mich noch ok gewesen, aber Lisa???

Zu den Piercings möchte ich nur so viel anmerken, dass ich teilweise die Stellen, an denen manche Besucher ihre Ringe etc. zur Schau stellten, bis dahin nur vom Hören-Sagen kannte…

Lassen wir das und wenden uns der Kleidung des Publikums zu. So trugen geschätzte 50% T-Shirts von „Flogging Molly“ oder von „Wizo“. Der dritte Platz wurde von mir inoffiziell an die Anhängerschaft der „Sondaschule“ verliehen.

Aber zurück zur Musik, denn die wurde mit „Alexisonfire“ auch wieder richtig gut. Die fünf Kanadier waren für mich mit ihrer Mischung aus melodischem Hardcore-Punk die Entdeckung des Abends. Die mittlerweile auf einige Tausend angewachsene Zuschauerzahl vor der Bühne sah das genauso und feierte die Band ab.

Converge“ folgte im Anschluss und ich verschwand für eine Weile, weil mein Sonnenschutz erneuert werden musste und ich auf eine erneute „Knüppelcombo“ einfach keine Lust hatte.

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Die Lust kam bei „Danko Jones“ zurück- der Band, welche im Saarland bereits in aller Munde ist. Und wenn der Sänger nicht so dermaßen arrogant und unsympathisch durch seine Ansagen und die Pöbeleien gewirkt hätte, , hätte ich mir vielleicht im Anschluss der Show noch eine CD gekauft. Aber auch hier macht der Ton bekanntlich die Musik aus und so ein unangebrachtes Betragen brauche ich nicht finanziell zu unterstützen!

Dann betrat die letzte Sau bzw. die letzten Säue in Gestalt von „Wizo“ die Bühne. Jener Band also, die vor fünf Jahren ein Abschiedsalbum veröffentlichte, auf Abschiedstour ging und nun, in veränderter Besetzung, wieder da ist. Bumsfidel und musikalisch raketenhaft, wie ich zugeben muss. Ich selbst hatte mich auf „Wizo“ gefreut, da ich es als Jugendlicher versäumt hatte, ein Konzert der Schwaben zu besuchen.

Manche Dinge muss man im gesetzteren Alter aber nicht nachholen, wie ich im Nachhinein zugeben muss. Und ich sage das nicht aus Häme, sondern aus dem Grund heraus, dass man manch jugendlichen Zauber durch so ein Konzert ungewollt zerstören kann. „Wizo“ verstehen sich immer noch als Super-Punker, aber ich bin eben doch altersträge geworden oder zum Spießer mutiert (ich tendiere eher zum letzteren), der mit seinem Kaffee und einer Waffel mit Puderzucker vor der Bühne steht und sich über die pogenden Jungpunker königlich amüsieren kann und zudem von den „Wizo-Texten“ mittlerweile angefeindet wird. Schon seltsam, wie einem manche Textzeile, manche Ansage und so manche Geste im Jahr 2010 so fremd erscheint… Na ja, damit hat sich dann wieder eine Band aus Jugendtagen aus meiner ewigen TOP-100 verabschiedet.

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Rock am Bach 2010 - Foto: Rolf Ruppenthal

Aus diesem kurzzeitigen Tief holte mich die irische Tanzmusik von „Flogging Molly“, der letzten Band des Abends. Das war großes Kino und jeder, der sich bis dahin aufgrund der Temperaturen tanztechnisch zurückhielt, holte dies nun euphorisch nach. So auch ich, nachdem mein Kaffeebecher leer getrunken  war.

Doch nach ca. einer Stunde Dauertanzens war ich dann endgültig physisch am Ende(Mist, also doch schon altersträge) und begab mich auf die wohlverdiente Heimreise.

Sven D.

http://www.rab-festival.de

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3 comments
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  1. Ich dachte nur: „Ich muss mich schützen!“.
    Die Sonne ist toll und ich mag sie, aber zuviel ist zuviel. Aber woher soll ich die Infos zu all den Markisen bekommen? Auf http://www.markise.net hab ich tolle Infos zu Markisen und die Adressen von Fachhändlern gefunden. Es scheint mir nicht mehr auf den Kopf, deshalb sag ich es gerne weiter!

  2. Es war nur noch geil! Lieben Gruß an Torsten! Warte immer noch auf deinen Anruf,…

  3. du hast ja gar keine ahnung 😀
    wer den humor von danko jones nicht versteht ist selbst schuld 😀 😀 😀 😀 😀
    haste die beste band des festivals vergessen! 😉 SUICIDAL TENDENCIES Bitch! 😀

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