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CHUMBAWAMBA – „ABCDEFG“

Freitag, 12. Februar 2010 | By | Category: Neue Alben

Sieben Buchstaben, die andeuten, womit sich die Mitglieder von Chumbawamba ihr ganzes Erwachsenenleben lang beschäftigt haben: etwas leicht Schräges, Lustiges, Exzentrisches und Anspruchsvolles aus den Möglichkeitern einer siebensprossigen Tonleiter zu erschaffen. Oder, anders gesagt, aus Musik.

Dies ist das siebzehnte Album der Band, ein Konzeptalbum („Konzept“ steht hier für „Idee“ – Schließlich sind Ideen der Grundstein des Erfolgs von Chumbawamba), ein Album voller Ideen – speziell zum Thema Musik – gute und schlechte Musik, gefeierte und belächelte Musik.

ABCDEFG

ABCDEFG

Musik. Nachdem sie seit fast 25 Jahren auf Keksdosen getrommelt und an über Teekisten gespannten Saiten herum gezupft haben, ist es vielleicht an der Zeit, dass Chumbawamba ihre Aufmerksamkeit diesem riesigen, ausufernden, Hydra-köpfigen Monster zuwenden – seiner Geschichte, seinen Geschichten, seinen Helden und seinen Schurken. Eine Reise durch mehrere Jahrhunderte dessen, was Musik für die Menschen bedeutet und was sie für die Band bedeutet.

ABCDEFG ist musikalisch vielschichtig und breit gefächert, von ‚a cappella‘ über Pop und Folk bis zu Jazz, ein buntes Durcheinander von Ideen, das die Materie greifbar machen soll. Mit dabei ist eine sanfte Hymne auf die Erfahrung, die ein Teenager macht, der heimlich spät nachts unter der Bettdecke einem Transistorradio lauscht und die Musik für sich entdeckt; eine feierliche Erinnerung an die Marschlieder, die von Soldaten im ersten Weltkrieg geschrieben wurden; eine Geschichte darüber, wie hart Menschen gegen die kommunistische Staatsideologie kämpfen mussten, um ihre Musik spielen zu dürfen; ein augenzwinkernder Hinweis auf die Besessenheit der Welt des Folk mit Greatest-Hits-Alben und Authentizität; die Geschichte eines Überlebenden eines Konzentrationslagers, der die erste Aufführung einer Wagner-Oper in Israel mit dem Krach einer Fan-Rassel sabotierte.

Man findet vieles auf diesem Album – sowohl ernst Gemeintes (Chumbawamba lieben es, die Musik als Medium zu verwenden, um über Geschichte, Politik und Philosophie zu sprechen) als auch weniger ernst Gemeintes (Chumbawamba sind sicher ganz vorn mit dabei, wenn es darum geht, die Ernsthaftigkeit eben dieser Geschichte, Politik und Philosophie zu torpedieren). Die Stücke auf diesem Album werden auf einer ganzen Batterie von Instrumenten (von der Band selbst) gespielt und einige Songs werden durch musikalische Beiträge der folgenden Künstler bereichert:

Chopper von Oysterband am Cello
Jon Boden von Bellowhead an der Geige
Belinda O’Hooley (ex-Unthanks) am Klavier

…und viele andere, die in der Pressemitteilung nicht erwähnt werden, weil sie nicht berühmt genug sind. Es ist schließlich die Musikbranche, was kann man anderes erwarten? Diese Branche basiert auf den abstrakten Begriffen von Kunst und Ego, Entertainment und Kommunikation. Wo sonst als auf ABCDEFG kann man einen Song über Metallica hören, die es billigen, wenn ihre Musik als Foltermethode in Guantanamo eingesetzt wird? Über Stalins Kulturkrieg gegen Schostakowitsch? Über die allgegenwärtigen iPod-Kopfhörer (tsk tsk tsk tsk tsk tsk tsk tsk), die das Vogelgezwitscher übertönen?

Musik. Es wurde langsam Zeit, dass jemand ein ganzes Album voller Songs über Musik schreibt, und sei es auch nur, um die Idee vor den vielen MOR-Lobpreisungen auf die „Macht der Musik“ zu retten, die einem sogleich einfallen – „Thank you for the Music“ von ABBA drängt sich da einem zum Beispiel auf. Damit hat dieses Album überhaupt nichts zu tun.

Als Besonderheit und „Zugabe“ bietet das Album einen Song, den Chumbawamba in Zusammenarbeit mit der No Masters Kooperative geschrieben haben. „Dance, Idiot, Dance“ ist eine Reaktion auf die Entscheidung der rechts gerichteten British National Party, sich der englischen Folk Music zu bemächtigen und sie im Namen rassistischer Borniertheit „zurückzufordern“. Eine wunderbare Gelegenheit die Neofaschisten lächerlich zu machen, wenn man „Cold Lasagne“ auf „Britannia“ reimt.

ABCDEFG wurde in Leeds, UK, aufgenommen

http://www.chumba.com

http://www.myspace.com/acoustichumbawamba

Quelle: Westpark Music

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