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FANFARLO „Reservoir“

Donnerstag, 17. Dezember 2009 | By | Category: Neue Alben

„Die ersten 16 Jahre meines Lebens habe ich vor allem an Seen verbracht. Wisst ihr, ich kann für gewisse Dinge eine ganze Zeit lang eine Leidenschaft entwickeln, etwa für Reservoire.“

Die Leidenschaft, nein, die Besessenheit, für die Auflösung intellektueller Starrheit; Herz und Sehnsucht, die mit Geist und Materie kollidieren, das sind die wiederkehrenden Themen bei FANFARLO. Während eine ganze Reihe von alternden Instrumenten mit einer krächzenden Schönheit zu neuem Leben erweckt wird, ersteht in unserer Mitte eine bizarre Ansammlung von Charakteren.

Fanfarlo-Reservoir-Cover

Fanfarlo-Reservoir-Cover

Und jeder von ihnen ist eine zufällige Metapher – die irrationale Verfolgungsjagd eines ansonsten intellektuellen Geistes. In I’m A Pilot versinkt Howard Hughes im Wahnsinn, in The Wall Are Coming Down erliegt Pellegrino Ernetti dem Irrsinn und Harold T. Wilkins rollt dessen absurde Karriere als Schriftsteller auf – all das in einem Sammelbecken von süß murmelnden Melodie bis hin zu orchestralem Pop.

Wieder und wieder finden FANFARLO Wege, die Unzulänglichkeiten von Worten widerzuspiegeln. Cathy Lucas (Violine, Keyboard, Vocals), Justin Finch (Bass), Amos Memon (Drums) and Leon Beckenham (Trompete, Keyboard) haben sich verschworen, FANFARLO einen Sound zu geben, der sich jedem definierenden Format entzieht. Dabei greifen sie auf eine Ansammlung pop-ungewöhnlicher Instrumente und Geräuscherzeuger zurück, etwa Sägen, Celli, Mandolinen, Klarinetten, Ukulelen, Melodicas, Handclaps und Footstomping.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass alle Mitglieder von FANFARLO clevere, belesene Leute sind. Sie sind eine Band, die von überall her kommt – Frontmann Simon Balthazar stammt zum Beispiel aus Göteborg – , aber wenn sie zusammenkommen, um Musik zu machen, funktionieren sie auf einer fast instinktiven Ebene und erreichen eine ruhelose und subtile künstlerische Vielschichtigkeit. Das Bedürfnis, der Enge der Heimat zu entfliehen, der Kampf mit der Sehnsucht des Herzens, die entfernte Örtlichkeit eines brennenden Hauses: Fire Escape; ein ertrinkendes Dorf: Ghosts; die ungemütlichen Sensationen beim Herumhängen in der Vorstadt: Luna.
In Szene gesetzt wird das von gefangenen und sich im Kreis drehenden Gitarren, insistierend hämmernden Klavierakkorden oder einem beunruhigenden Stampfen. Der Eifer, mit dem FANFARLO spielen, ist so aufwühlend wie ansteckend. Baudelaires fiktive Tänzerin FANFARLO, unerreichbar anziehend, zugleich ein unentrinnbares Objekt der Obsession.

„Ich versuche stets, zugängliche Texte zu schrieben, die die Leute auf Anhieb verstehen, aber es endet immer damit, dass sie undurchdringlich werden“, räumt Balthazar ein. „Dann versuche, ich tiefe, ernste und komplizierte Musik dazu zu schreiben und es kommt immer leichtfüßiger Pop heraus.“
Nun, das ist nicht da schlimmste Problem, das man haben kann, und FANFARLO profitieren davon mehr als reichlich. Die wundervoll verstörende Anhäufung von Charakteren und Szenen auf Reservoir kommt im Verbund mit denkwürdigen Hooklines. In etwas über einem Monat mit Peter Katis (The National, Interpol) in dessen Heimstudio in Bridgeport, Connecticut, aufgenommen, ist die Arbeit an diesem Album zu einem formenden Prozess für FANFARLO geworden.

Die frühen Singles und die gewinnenden Live-Performances führten bereits zu einer kleinen Sensation in der Blogosphäre, sowohl in Europa als auch in den USA. Aber so gut die Singles Talking Backwards, You Are One Of The Few Outsiders Who Really Understands Us, Fire Escape und Harold T. Wilkins, sie waren eine Kleinigkeit, verglichen mit dem kreativen Schritt, den die wenigen Wochen in New England für FANFARLO bereithielten.

In der Arbeit mit Peter Katis ergab sich die erste richtige Gelegenheit, auszutesten, was in dieser Band alles steckt. Cathy Lucas – die Trägerin der begleitenden Vocals bei FANFARLO – ist restlos von der neuen Ebene, die die Band besetzt hält, überzeugt: „Peter hatte auf Anhieb den richtigen Sound gefunden, und ich hatte sofort das Gefühl, dass das Album mehr werden würde als nur eine Serie von Songs…“
„Ich hatte diese Band immer als etwas Großes im Sinn“, bestätigt Simon. „Ich wollte Musik machen, die die Menschen lieben, und das schien angesichts der Reaktionen auf unsere Live-Gigs immer eine realistische Erwartung zu sein. Und es ist eine große Erleichterung, jetzt sagen zu können: ‚ja, genau so sollte es auch klingen’.“

Man sollte sich Reservoir unbedingt einmal anhören, und wer zum Beispiel den freundlich-hintergründigen Pop eines Stephin Merrit mit seinen Magnetic Fields mag, der wird FANFARLO mit Sicherheit in sein Herz schließen.

http://www.myspace.com/fanfarlo

Fanfarlo – Harold T. Wilkins

Fanfarlo – The Walls Are Coming Down

Quelle: WMG

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