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Green Day, – Das Musical „The Original Broadway Cast Recording – American Idiot“

Dienstag, 25. Mai 2010 | By | Category: Neue Alben

Was mal als erstes Punkrock-Konzeptalbum das Licht der Welt erblickte, ist nun zum ersten Punkrock-Musical geworden: Am 15. September 2009 wurde die Story des American Idiot im Berkeley Repertory Theatre uraufgeführt.  Am 20. April lief American Idiot im St. James Theatre an und ist wohl eines der spektakulärsten und aufwühlendsten Stücke, die der Broadway je gesehen hat.

The-Original-Broadway-Cast-Recording - Green-Day

The-Original-Broadway-Cast-Recording - Green-Day

Das musikalische Repertoire für die Musical-Aufführung entspringt in der Hauptsache den beiden sensationellen Alben American Idiot und 21st Century Breakdown, die bis dato als künstlerische und kommerzielle Höhepunkte GREEN DAYs gelten dürften. Beide Alben erreichten jeweils Platz 1 auch in den deutschen Charts, wurden mit je einem Grammy belohnt und gehören zu den weltweit meistverkauften und meistgelobten Rockalben der vergangenen Dekade.

Das Buch zum Musical wurde von Billie Joe Armstrong und dem vielfach prämierten Broadway-Autoren Michael Mayer geschrieben, die Musik stammt (natürlich) durchweg von Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool, die musikalische Leitung und die Orchestrierung übernahm Tom Kitt, als leitende Produzenten fungierten Ira Pittelman und Tom Hulce.

Das Musical American Idiot erzählt die Geschichte dreier durchschnittlich hoffnungsloser Jugendlicher am Anfang des 21. Jahrhunderts: Einer sucht die Liebe und findet die Drogensucht, der andere sucht die Familie und findet die Einsamkeit, und der dritte sucht das Abenteuer und findet den Krieg. Es geht um Johnny, Will und Tunny, von denen jeder auf seine eigene grausam zeitgemäße Art scheitert. Alle drei wachsen in einer kleinen, amerikanischen Industriestadt auf (vermutlich Jingletown, die Heimatstadt der GREEN DAY-Mitglieder) und beschließen, übersättigt von Fernsehwerbung, dem vermeintlichen Wohlstand der Unterschichten und der alltäglichen Manipulation, auszubrechen.

Zunächst erfährt Will, dass seine Freundin Heather schwanger ist und versucht sich in seine Vaterrolle zu fügen. Das funktioniert allerdings nicht, und er endet Bier trinkend vor der Glotze, völlig unfähig, mit der Situation klar zu kommen. Heather ist ihrerseits schockiert von der Unreife Wills, und als das Kind geboren ist, packt sie ihre Sachen und verlässt ihn. Währenddessen beschließen Johnny und Tunny in die Stadt zu gehen und sich in das urbane Leben zu stürzen. Aber Tunny findet das reizlos, und als er im Fernsehen eine Werbung für die Army sieht, beschließt er, in die Armee zu gehen und die Welt kennenzulernen, um sich irgendeinen Kick zu verschaffen. Aber alles, was er kennen lernt, ist der Krieg, Tod und Brutalität. Er wird schwer verwundet und findet sich im Lazarett wieder, wo er sich in seine Krankenschwester verliebt (hier gibt es eine sphärische Ballett-Szene).

Johnny (=Jesus of Suburbia) ist derweil angepisst von der Tatsache, dass beide Freunde ihn so schmählich haben hängen lassen, strolcht durch die Stadt und glaubt, in einem Mädchen namens Whatsername seine große Liebe gefunden zu haben. Doch der Weg zu ihr führt über St. Jimmy, einen Drogendealer, der ihm Frauen und Spaß verspricht. Das klappt auch zunächst, aber zusehends gerät Johnny in den Kreislauf von Sucht und Gewalt. Nachdem Johnny mehr und mehr durchdreht, versucht er zunächst Whatsername abzustechen und dann sich selbst. Whatsername beschließt daraufhin, ein neues Leben anzufangen, und eröffnet Johnny, dass Jimmy nichts weiter war als eine Figur seiner eigenen Phantasie, ein Sinnbild seiner Wut gegen seine Eltern und das Establishment. Als Jimmy erneut auf Johnny zukommt, vernichtet er ihn. Er versucht, einen Bürojob anzunehmen, muss sich (und seinem Stiefvater) aber eingestehen, dass er auch dies nicht schafft und nicht in das bürgerliche Leben zurückkehren kann.

Am Ende kommen alle drei wieder zusammen: Tunny hat seine Krankenschwester an seiner Seite, Will ist mit seinem Kind vereint, und nur Johnny hat seine große Liebe verloren und fragt sich, wo sie wohl sein mag.

Im Musical beschreibt 21 Guns die Situation, wie Will allein und von Frau und Kind verlassen auf seiner Couch sitzt. Es ist die Katharsis, kurz bevor er nach Jingletown zurückkehrt und beschließt, sein Leben in den Griff zu bekommen.

Als im Februar dieses Jahres die Grammy-Verleihung stattfand, gehörte die Performance von GREEN DAY zu den definitiv spektakulären Ereignissen auf der Bühne. Zusammen mit dem Original-Cast der Berkeley-Aufführung gaben sie einen packenden Einblick in die Inszenierung, die im Allgemeinen sehr positiv bewertet, aber auch mit Kritik bedacht wurde. In der Oakland Tribune verglich Jim Harrington das Musical mit dem Original-Album, beurteilte es als verwässert und hätte es am liebsten an den Broadway geschickt – wo es nun ja auch hingeht. Charles Isherwood (New York Times) bemäkelte die fehlende Tiefe der Charaktere, betont aber auch, dass die Show „eine stimulierende Energie und die Vision einer verschwendeten Jugend besitzt, die uns fest in ihrem Griff hält“. In den meisten Fällen zeigte sich die Kritik begeistert: „Unterhaltsam auf eine Art, die genau jene hohle Medienkultur aufs Korn nimmt, gegen die sich das Album richtet“ (Charles McNulty, latimes.com). „Es tut das, was Rockbands schon immer wollten: Einen Stil schaffen, der einen neuen Zeitgeist definiert“. Karen D’Souza (Mercury News) nannte die Produktion „eine dreschende Collage von Songs, die voller hypnotisierender Bewegung und Visualisierung steckt […] So anziehend wie konzentriert, kanalisiert sie den grungigen Geist des Punkrock, während sie alle Fäden des Herzens zieht.“

http://www.greenday.com

Quelle: Wikipedia/MPN

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