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Grigory Sokolov – Ich spiele nur, was ich spielen möchte

Dienstag, 2. Dezember 2014 | By | Category: Neue Alben

Der Genius eines unbeugsamen Individualisten: Grigory Sokolov

Sokolov

Sokolov

 

Kaum ein Pianist unserer Tage ist bereits zu Lebzeiten eine solche Legende wie Grigory Sokolov. Seine Meisterschaft am Klavier erinnert an die großen russischen Pianisten des »Goldenen Zeitalters« des frühen 20. Jahrhunderts, doch die Bandbreite seines Repertoires, seine Expressivität und seine schier grenzenlose Klangfantasie sind etwas ganz Besonderes.

Das vorliegende Soloprogramm, aufgenommen im Sommer 2008 bei den Salzburger Festspielen, spannt ein Spektrum von 300 Jahren und trägt Sokolovs unverkennbare künstle-rische Handschrift. Nach zwei Mozart-Sonaten und Chopins 24 Préludes op. 28 bilden – wie so oft bei Sokolov – großzügige sechs Zugaben den Abschluss des Programms: von Rameau über zwei kurze Poèmes von Skrjabin bis hin zu zwei Chopin-Mazurken und Bachs Choralvorspiel Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. Nach diesem Konzert stimmte Sokolov einer Veröffentlichung des vorliegenden Mitschnitts zu.

In der Musikwelt gilt Sokolov als Einzelgänger, der nur selten Interviews gibt. Unter keinen Um-ständen ist er bereit, von seinen künstlerischen Ansprüchen abzurücken, woraus sich nicht nur seine chronische Abneigung gegen Studioaufnahmen erklärt, sondern auch seine Entschei-dung, nicht mehr als Solist mit Orchester aufzutreten, da der Musikbetrieb in der Regel keine ausreichende Probenzeit zulässt. »Ich mag all die Dinge nicht, die nichts mit der Musik zu tun haben«, sagt er. »Alles, was die Musik stört, entzieht ihr Kraft und hat keinen Platz neben ihr. Es ist ganz normal, daß man diese anderen Dinge nicht mag, wenn man die Musik mag …“

Sokolov wurde 1950 in Leningrad geboren und absolvierte seine musikalische Ausbildung am dortigen Konservatorium. Mit 12 Jahren gab er in seiner Heimatstadt seinen ersten großen Soloabend, vier Jahre später gewann er in Moskau den Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb, nicht zuletzt dank der Fürsprache des damaligen Jury-Vorsitzenden Emil Gilels. Doch im Unterschied zu anderen Siegern dieses Wettbewerbs, die in der Folge rasch international Karriere machten, unterlag Sokolov den üblichen Reisebeschränkungen für Sow-jetbürger. Während sich andere Künstler daraufhin in den Westen absetzten, blieb Sokolov lieber in Leningrad und konzentrierte sich auf seine Kunst, so dass die internationale Musikwelt erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auf ihn aufmerksam wurde.

Sokolovs Credo ist einfach, aber anspruchsvoll, und verlangt viel Geduld und Flexibilität von seinen Veranstaltern: »Ich spiele nur, was ich spielen möchte, oder genauer gesagt: Ich spiele nur, was ich in einem bestimmten Moment spielen möchte. Ich muss ein echtes Bedürfnis spüren, um in einer Saison ein bestimmtes Werk zu spielen; darum ist es immer so schwer für mich, zwei oder drei Jahre im Voraus ein Programm festzulegen. Ich kann das einfach nicht, was natürlich die Organisation dieser Konzerte sehr viel komplizierter macht. Aber damit müssen die Konzertveranstalter leider leben. Ich spiele nicht auf Bestellung.«

Quelle: Universal Music

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