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Kellerkommando – „Dunnerkeil“

Mittwoch, 3. April 2013 | By | Category: Neue Alben

„Die Zeit für Musik wie die unsere scheint reif zu sein, weil der Zeitgeist dafür da ist:
Die Menschen interessieren sich wieder für Heimat, eigene Wurzeln, bis hin zur Regionaltheke im Supermarkt. Demgegenüber steht das allseits Globale, die Verfügbarkeit aller Informationen der Welt.

Kellerkommando - Credits: Severin Schweiger

Kellerkommando – Credits: Severin Schweiger

Darin verkörpern wir die Realität ziemlich gut: das erneute Hervorholen der regionalen Eigenheiten einerseits, um sich irgendwo in dieser globalisierten Welt noch mit etwas Individuellem zu positionieren, und das Öffnen für die Verschmelzung kultureller Gegensätzlichkeiten andererseits. Deswegen muss man ja nicht gleich sein Smartphone wegwerfen…“

Dada Windschi im März 2013

Volksmusik? Volksmusik! Nicht als Gag, als ulkige Idee, als fröhlicher Einwurf zwischendrin. Sondern als Kernkompetenz, als das besondere Gut, als etwas unbedingt Erhaltenswertes. Doch trotz eines Selbstverständnisses als fränkische Volksmusiker steht das siebenköpfige KELLERKOMMANDO aus Bamberg mit allen 14 Beinen im Hier und Jetzt, in der Moderne, der Popkultur und urbanen Musik. „Dieser Tage passiert recht wenig Ungewöhnliches in der Musik“ findet Sänger und Akkordeonspieler Dada Windschi, der das Projekt vor vier Jahren aus der Taufe hob. „Man erlebt selten einen Aha-Effekt, wo man denkt: Das ist jetzt mal echt neu. Das ist sicher ein Vorteil für uns.“

Alles begann damit, dass sich Dada Windschi und der Bassist Sebastian Schubert zusammensetzten. Sie kannten sich über eine gemeinsame Projekt-Arbeit am Theater; der eine steckte seine Leidenschaft in Volksmusik, der andere schraubte HipHop-Beats. Sie trafen sich, probierten einen Nachmittag herum, und es fühlte sich sofort wahnsinnig natürlich für beide an. Und schon waren sie bei dem Gedanken: Das funktioniert so großartig, daraus muss man eine Band machen. Danach ging es an die Rekrutierung der weiteren Musiker. Man suchte nicht nur in Bamberg, sondern auch in Würzburg und Nürnberg, denn man suchte Leute, die einerseits technisch draufhaben, was sie machen wollen, die aber andererseits nicht so klassisch verbildet sind, dass sie keine rotzigen Töne spielen können. Denn der Rotz: Der ist wichtig, nicht nur bei Kellerkommando, sondern gerade, um die Tradition der Volksmusik wiederzubeleben. Niemand weiß das besser als Dada, der ein abgeschlossenes Studium in Ethno-Musikologie mitbringt. Denn entgegen der Vorstellung vieler Menschen ist Volksmusik früher einfach Tanzboden- und Unterhaltungsmusik gewesen, und nicht das, was man lange im Fernsehen erleben konnte, wo Leute mit versteinerten Mienen auf einer Zither klampfen. Volksmusik war einmal etwas Wildes und Ungepflegtes, und dafür braucht man auch die richtigen Leute. Die fanden sie in Rapper Ali A$, Keyboarder Patrick Köbler, Trompeter Stefan Schalanda, Posaunist Ilya Khenkin und Drummer Norbert Weinhold.

Schon immer lautete das Credo der Band: Volksmusik ist Popmusik im besten Sinne des Wortes – eben: populäre Musik. Und das Kellerkommando kommt, um diese Popmusik in die Gegenwart zu holen, sie neu zu beleben und ihr den Gout des Altbackenen und Bäuerlichen und Hinterwäldlerischen zu nehmen. Der Schwank darf und soll bleiben. Das Muffige hingegen hat keinen Platz. Gar keinen. Dadas Interesse an regionaler Musik-Folklore entstand im Rahmen seines Studiums. Er verbrachte damals ein Jahr in Finnland und war beeindruckt, was die Finnen mit ihrer traditionellen Musik anstellen. Dort entdeckte er, dass sie diese traditionellen Weisen hochspannend weiter entwickelten und ganz wilde Sachen mit Free-Jazz, Drum’n’Bass, Ska und Rock ausprobierten. Mit diesen Erfahrungen kam Dada zurück nach Bamberg und dachte sich: „Verflixt, es muss doch auch bei uns eine moderne Musik mit tiefer Verwurzelung möglich sein. Etwas Traditionelles, das cool ist.“ So begannen seine Nachforschungen über das alte fränkische Liedgut: über das Fremde zum Eigenen.

Woran es liegt, dass es hier so gut funktioniert? Weil es menschlich ist. Musik von Menschen, die mit Achtung, großem Gespür und einer ordentlichen Portion Unverfrorenheit die Schätze ihrer Ahnen heben und mit absoluter Natürlichkeit in die Moderne transportieren. Eine neue Form von Zeitgeist – geschichtsverbunden, aber niemals -klitternd, voller Tradition, aber nicht schnarchnasig oder plump. Sondern voll berstender Energie, aufgeladen mit Spielwitz und Lebensfreude, die sich überträgt. Hier ist er: der kaleidoskopisch farbenfrohe Bock für die Generation Erlebnishunger. Das zeigt sich auch in den Texten, die stets lustig sind, ohne albern zu sein. Auch hier folgt die Band einem eindeutigen Traditionsverständnis, ohne sich sklavisch an die überlieferten Vorlagen zu halten.

Die Integration des in der Rap-Szene bereits bekannten MCs Ali A$, der zwischen 2006 und 2009 vier Tonträger auf Samy Deluxe’ Label ‚Deluxe Records’ veröffentlichte, zählt zu den größten Husarenstücken in der Frühgeschichte von Kellerkommando. Ali kommt aus München und ist ein echter Großstadtmensch. Als er zu der Band stieß, gab es also eine ganze Reihe von kulturellen Clashes: Er hatte bis dahin nichts mit Volksmusik oder der Provinz zu schaffen, auch nicht mit Dialekt oder der Tradition, die hinter dieser Musik steht. Aber es war von Anfang an ein großes Interesse da. Alis Textideen und der Humor der volkstümlichen Vorlagen verdichten sich in Kellerkommandos Musik nun zu einem zeitgemäßen Storytelling mit großer Geschichtsverbundenheit. Denn die Themen in diesen überlieferten Liedern sind meist Themen, die die Menschen heute noch beschäftigen. So schlagen sie eine Brücke und setzen diese Themen in einen modernen Kontrast mit den Dingen, die Ali textlich zu den Stücken ergänzt.

Wo sie auch spielen, sie werden frenetisch empfangen – vom Metal-Open Air über ausverkaufte Clubkonzerte bis hin zum letztjährigen Reeperbahn Festival, wo Kellerkommando gleich zwei Mal spielten: Bei einer speziellen Eröffnungsveranstaltung, moderiert von Ray Cokes, und später in einem restlos überlaufenen Docks, wo ihr Konzert kollektiv zu einem der Höhepunkte des Festivals erklärt wurde. Selbst in der wertkonservativen Szene der heutigen Volksmusik werden sie äußerst liebevoll aufgenommen. „Die spüren einfach, dass wir das mit Herzblut machen, dass wir diese Musik nicht veralbern wollen, sondern sie Ernst nehmen, damit etwas Neues anstellen möchten“, so Dada. Neulich waren sie auf einem Volksmusik-Festival in Niederbayern. Eine Freundin der Band, die neben zwei richtig traditionellen Gamsbart-Hutträgern mit Rauschebart saß, erzählte hinterher, sie hätten sich das ein paar Songs lang angeschaut, und dann sagte der eine zum anderen: „Oah, leck mi fett: Da rührt sich was.“ Besser kann man das, was bei Kellerkommando geschieht, wohl nicht in Worte fassen.

12 Punkte, die man über Kellerkommando wissen sollte

1.     Das Kellerkommando gründete sich 2009 als Ergebnis eines Projektes des Sängers, Akkordeonspielers und studierten Musik-Ethnologen Dada Windschi, der sich mit traditioneller Volksmusik beschäftigt hatte, und des Bassisten Sebastian Schubert, der HipHop-Beats produzierte. Nach nur einem gemeinsamen Nachmittag entschieden sie, eine Band zu gründen. In ihrer Musik verschmelzen Kellerkommando traditionelles fränkisches Volksmusik-Liedgut mit urbaner Modernität, Dialekt battelt sich mit Deutsch-Rap, Humpta-Humpta wird zu einem rotzig rockenden Polka-Fest.

2.     Die Süddeutsche Zeitung verfasste über ihr Debütkonzert 2009 unmittelbar eine halbe Seite. Ihr erster Fanbrief kam von Star-Autor Tommy Jaud, der schrieb: „Endlich mal was Neues. Endlich mal was Mutiges! Respekt!“

3.     Kurz darauf teilten sie sich schon die Festivalbühnen u.a. mit den Fantastischen Vier, Napalm Death, Haindling und Samy Deluxe und spielten auf Einladung des Goethe-Instituts in Mexiko. Sieben fränkische Gringos brachten dort 3.000 Mexikaner förmlich zum Ausrasten.

4.     In der Folge verlieh man ihnen die Creole, Deutschlands bedeutendsten Weltmusik-Preis. In ihrer Laudatio würdigte die Jury „die wundervoll dreckige Bühnenshow, die hochvirtuose und gnadenlos romantische Darstellung und den Beweis, dass Punk und Frank zusammen gehen.“

5.     Seit einem Jahrzehnt veranstaltet Dada Windschi jährlich den ‚Anti-Stadl’, seinen Gegenentwurf „zu der Volksmusik-Soße, die man im Fernsehen zu sehen bekommt.“ Jährlich tanzen hier viele hundert Aufgeschlossene zu einem Sound zwischen Bauernstübl und Rock’n’Roll-Show. „Die Idee entstand, als Karl Moik mit seinem Musikantenstadl nach Bamberg kam und ich dachte: Wir würfen ihm nicht kampflos das Feld überlassen.“

6.     Ihr MC Ali A$ ist kein unbeschriebenes Blatt: Von 2006 bis 2009 stand er bei Samy Deluxe’ Plattenlabel ‚Deluxe Records’ unter Vertrag, wo er vier Tonträger veröffentlichte, darunter sein Debütalbum „Bombe“ sowie eine Kollabo zwischen Samy, ihm und Tua. Mit der Single „Ich bin ein Star holt mich hier raus“ sammelte er weitere Meriten und lief mit dem Video auf MTV und Viva.

7.     Im vergangenen Jahr erschien die erste EP „Mondscheinbrüder“, seither tourt die Band fleißig durch Deutschland, die nächste große Tour ist bereits in vollem Gange und läuft noch bis Anfang Mai. Tourdaten unter www.kellerkommando.com

8.     Neben dem Frontmann Dada Windschi und dem MC Ali A$ besteht die Band aus Bassist Sebastian Schubert, Keyboarder Patrick Köhler, Trompeter Stefan Schalanda, Posauinist Ilya Khenkin und Drummer Norbert Weinhold.

9.    Bereits dreimal hat sich on3 südwild das Kellerkommando in die Sendung geholt. Auch durch andere Auftritte sind die Kommandeure beim Bayerischen Rundfunk quasi Stammgäste. Demnächst bei „Heimatsound“, „Freitag auf d’Nacht“ und mit einem 40-minütigen Konzertmitschnitt.

10.  Das Kellerkommando hat Songs für zwei Kinofilme beigesteuert: Zu „Die vierte Macht“ von Dennis Gansel mit Moritz Bleibtreu und zu „Resturlaub“ von Georg Schnitzler mit Maximilian Brückner.

11.  In der Kinodokumentation „Sound Of Heimat“  aus dem Jahre 2012 begibt sich ein neuseeländischer Musiker auf die Suche nach den Wurzeln der deutschen Musik und stolpert dabei unweigerlich auch über den Antistadl und Kellerkommando.

12.  Im Sommer erscheint ihr Debütalbum „Dunnerkeil“ mit 14 Songs zwischen pumpenden Bassdrums und Offbeat-Bläsern, Vocoder-Effekten und Akkordeonweisen, knalligen Raps und Schunkel-Refrains. Die Zeit ist reif für Kellerkommando.

www.kellerkommando.com

Quelle: WMG

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