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Opeth „Pale Communion“

Dienstag, 1. Juli 2014 | By | Category: Neue Alben

Seit fast 25 Jahren stellen Opeth eine unverrückbare Größe dar, die sich zu jeder Zeit konsequent sämtlichen Genrevorschriften und sonstigen Konventionen verweigert, sondern sich stattdessen mit ihrem einzigartigen Sound irgendwo zwischen Metal und Progressive ihren ganz eigenen Weg gebahnt hat. So wie auch auf dem neuen Werk, für das die Schweden den bedeutungsschwangeren Titel „Pale Communion“ gewählt haben.

Opeth - Pale Communion

Opeth – Pale Communion

Schon seit ihrer Gründung im Stockholm des Jahres 1990 zählt die Band um Sänger, Gitarrist und Songwriter Mikael Åkerfeldt zu den eigenbrötlerischsten Combos innerhalb der harten Musik, deren Mitglieder aus der seinerzeit in voller Blüte stehenden schwedischen Death Metal-Szene sich schon seit ihren ersten Aufnahmen zu keiner Zeit in irgendeine stilistische Schubladen pressen oder auf nur ein einziges musikalisches Genre haben limitieren lassen. Ein fast unstillbarer Drang nach Weiterentwicklung und ständiger Bewegung, der sich schon auf Opeths ersten drei Alben widerspiegelte: Bereits mit „Orchid“ (1995), „Morningrise“ (1996) und „My Arms, Your Hearse“ (1998) definierte man seine Maßstäbe als Band und hob sich überdeutlich von dem ab, was ansonsten im Metalbereich der 90er Jahre vor sich ging. Drei absolute Meilensteine, die sich im Rückblick als ebenso mutig, wie auch irgendwie geheimnisvoll und bahnbrechend für eine ganze Bewegung charakterisieren lassen. Oberflächlich betrachtet, könnte man vielleicht schlicht von Progressive Death Metal reden, wobei Opeths eigentlicher Künstlerkern viel tiefer liegt:

Opeths kreativer Motor war schon immer der Wille, ihrer unbändigen Liebe zur Musik Ausdruck zu verleihen. Und das auf alle nur erdenklichen Arten, auf die man die verschiedenartigsten Einflüsse in seinen metallischen Trademark-Sound mit einwob. Spätestens seit dem Release von „Still Life“ im Jahre 1999 (auf dem man sich auf spirituelle wie auch professionelle Weise verbunden mit Prog-Ikone Steven Wilson zeigte – eine Verbindung, die auch heute noch ungebrochen ist) spielten Opeth in ihrer ganz eigenen Liga, was den wegweisenden Crossover von Metal mit diversen Genre-fremden Stilen angeht. Mit dem 2001er Klassiker „Blackwater Park“ machten Opeth schließlich den entscheidenden Schritt und avancierten zu einer international gefeierten Formation, die auf ihren ausgedehnten Touren die Massen begeisterte. Ein Status, den man auch mit den Folgealben, dem 2002er „Deliverance“ (für das man den schwedischen Grammy in der Kategorie „Best Hard Rock Performance“ erhielt) und das eher zurückgenommene „Damnation“ (2003) weiter ausbaute. Angetrieben von Åkerfeldts musikalischer Vision und der gleichzeitigen Verweigerung, sich irgendwelchen schnelllebigen Trends zu unterwerfen, präsentierten sich Opeth als würdige Erben, die dem Geist des Prog Rock immer neue Impulse gaben. Auf dem 2005 erschienenen „Ghost Reveries“ hatte die Band schließlich ihren Sound perfektioniert und begann mit dem drei Jahre später folgenden „Watershed“, sich pünktlich zu Beginn ihrer dritten schöpferischen Dekade stark in experimentelle und teilweise sogar verstörende Klanggefilde zu begeben. Die Sold-Out-Show in der legendären Londoner Royal Albert Hall (festgehalten auf dem 2010er CD/ DVD-Mitschnitt „In Live Concert At The Royal Albert Hall“) untermauerte Opeths Ausnahmestellung zusätzlich.

Den bis dato wohl mutigsten Schritt machte die Band auf ihrem 10. Album, dem 2011er Release „Heritage“: Einen weiteren, großen Schritt hinein in eine experimentelle Soundwelt, in die die meisten ihrer Mitbewerber sich wohl kaum getraut hätten, auch nur einen einzigen Fuß zu setzen – geschweige denn, diese völlig unbekannte Klangsphäre mit ähnlichem Entdeckerdrang zu erforschen und zu beackern. Eine stilistische Neuerfindung im besten Sinne, bei der man sich größtenteils von seinen liebevoll kultivierten Death Metal-Vocals verabschiedete, um Platz für neue, frische und unverbrauchte Elemente zu schaffen. Auf den anschließenden Tourneen präsentierten sich Opeth von einer unerwartet reduzierten, akustischen Seite, die für zusätzliche neue Impulse für die Band sorgte. Und trotz vereinzelter Negativkritiken von entwicklungsresistenten Die Hard-Fans stellte sich die „Heritage“-Schaffensperiode als gelungene Revitalisierung und Neudefinition einer Band dar, die bereits mehr als zwanzig Jahre auf dem kollektiven Buckel hatte. Eine kreative Rundumerneuerung, die sich heute auf dem ungeduldig erwarteten 11. Album „Pale Communion“ fortsetzt.

„Die beste Art für mich, Songs zu schreiben, ist einfach Zeug zu schreiben, das ich selbst hören möchte“, so Mikael über seine Arbeitsweise. „Ich bin ziemlich eigenwillig; ein paar wenige negative Stimmen zu `Heritage` haben mich nicht von meinem ursprünglichen Kurs abgebracht. Mit dem Album hat für uns etwas Neues begonnen. Jedes Album könnte man als Glied in einer Kette bezeichnen. Wir hätten `Heritage` in dieser Form nicht ohne die vorherigen Platten machen können; das gleiche gilt auch für `Pale Communion`. Ich habe mich einfach hingesetzt und die Stücke geschrieben – ganz genauso, wie ich es auch für `Heritage` und die Alben davor tat. `Heritage` hat dazu beigetragen, diese Band ein wenig zu verjüngen und mir aufgezeigt, dass es möglich war, neue Wege zu finden, ohne uns darauf beschränken zu müssen, wofür wir sowieso bekannt sind. Wir haben diesen ganz besonderen Stil über so viele Alben durchgezogen, dass ich wirklich die Nase voll hatte. Heute haben wir wieder eine echte Zukunft – und `Pale Communion` ist die Fortführung dessen.“

Auf „Pale Communion“ erweitern Opeth ihre ohnehin schon extrem breit aufgestellte Soundpalette um diverse neue Elemente, ohne jedoch ihre Wurzeln zu verleugnen – angefangen bei der Mischung aus verzerrten Grooves und der sinneverwirrenden Atmosphäre des Openers „Eternal Rains Will Come“ bis zur melodischen Genauigkeit des Rausschmeißers „Faith In Order“: „Die Stücke sind rein intuitiv und ohne irgendwelche Kompromisse entstanden“, erklärt Mikael weiter. „Angetrieben von der Magie und der besonderen Chemie, die zwischen uns fünf herrscht. Heute sind wir eine sehr glückliche Band; es gab Zeiten, zu denen dies ganz und gar nicht so war. Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen; es fühlt sich an wie eine Gemeinschaft, die den gleichen Ideen folgt. Wir sind sehr lange mit dem `Heritage`-Album auf Tour gewesen – eine dementsprechend gut eingespielte Einheit sind wir also. Außerdem verbringen wir auch viel Zeit als Freunde miteinander abseits der Arbeit. Wir spielen sehr gut zusammen und wir verstehen uns privat ebenso gut; wir haben ein gemeinsames Verständnis dafür, wohin die Reise mit dieser Band gehen soll. Und ich weiß ganz genau, dass diese Jungs absolut alles drauf haben! Sie sind einfach phantastische Musiker! Während ich die Songs schrieb, kam Fredrik (Åkesson, Gitarre) zu mir ins Studio, um ein paar Soli einzuspielen. Er war sehr in den ganzen Entstehungsprozess eingebunden und hat sich angehört, was immer ich ihm vorgeschlagen habe. Für Joakim (Svalberg, Keyboards) war dies das allererste Album – er ist total ausgeflippt. Schon lange bevor wir mit den Aufnahmen begannen, erzählte er uns, wie ungeduldig er wäre, endlich mit der Platte anzufangen. Und er hat tatsächlich Großartiges geleistet. Auch Axe (Drummer Martin Axenrot) und (Bassist Martin) Mendez bilden eine tighte Einheit. Axe flog zu Mendez nach Barcelona, um ein paar Tage zu proben; im Studio haben die beiden dann ihre Parts in nur drei oder vier Tagen eingespielt. Es war ein sehr leichtes Arbeiten; für jeden von uns.“

Ganz dem bandeigenen Faible für Classic Rock, Hard Rock und Prog der frühen 70er entsprechend, zog man sich für die Arbeiten an „Pale Communion“ in die legendären Rockfield Studios in Wales zurück. Wo seinerzeit unsterbliche Klassiker wie Judas Priests „Sad Wings Of Destiny“ oder Queens „Sheer Heart Attack“ entstanden, ließen auch Opeth die ganz besondere Atmosphäre auf sich und ihr neues Material wirken. „Ich mag eine Menge Alben, die dort entstanden“, so Mikael. „Heute zollen wir diesem Zeug unseren Tribut. Das Studio, in dem wir damals `Heritage` aufnahmen, hat durch Abba eine gewisse Berühmtheit erlangt. Rockfield war gerade nicht ausgebucht, es war verhältnismäßig preiswert, man konnte dort auch wohnen und für uns wurde sogar gekocht! Es liegt in völliger Abgeschiedenheit, so dass wir absolut keine Ablenkung hatten. Ich bin sicher, dass wir überall ein gut klingendes Album aufnehmen könnten, doch die Lage und die allgemeinen Gegebenheiten haben sehr gut gepasst.“

Während Opeth auf „Heritage“ einen weiteren Schritt weg von der konfektionierten Uniformität modernen Metals, hin zu einem warmen Analogsound alter Schule machten, reflektiert „Pale Communion“ einen deutlich lebendigeren Entwicklungsabschnitt. Melodisch, unendlich facettenreich und hochgradig unberechenbar repräsentiert das neue Material die wohl faszinierendsten Songs in der bisherigen Bandgeschichte. Angefangen beim pulsierenden „Cusp Of Eternity“, über das 10-minütige Epos „Moon Above, Sun Below“, über das atmosphärische Instrumental „Goblin“ (welches von der italienischen Prog-Kultband gleichen Namens beeinflusst wurde), bis hin zu dem rhythmisch-rumpelnden „River“ oder „Faith In Orders“ (dem laut Steven Wilson „besten Song, den Mikael jemals komponiert hat“) stellt das neue Album den definitiven Höhepunkt im bisherigen Schaffen Opeths dar.

„Nächstes Jahr feiern wir unser 25. Bandjubiläum und insgesamt 11 Alben; wir werden sehen, wo uns das hinführt. Wie immer eigentlich“, erklärt Mr. Åkerfeldt abschließend. “Ich hoffe, die Leute wissen zu schätzen, dass wir nicht nach denselben Regeln wie alle anderen spielen. Ich möchte, dass Opeth für das akzeptiert werden, was wir sind. Und nicht, wie das Publikum uns gerne hätte. Ich denke, dass wir schon irgendwo eine Rockband sind; eine Rockband, die alles irgendwie mal ausprobiert. Und genau das mag ich an dieser Band. Die Tatsache, nicht kategorisiert zu werden, macht es für uns als Musiker interessant und aufregend. Es wäre wohl mein kreativer Tod, wenn ich als Musiker nur einen Stil verfolgen würde. Ich bewundere Bands, die das auf diese Art durchziehen können, doch muss man sich immer fragen, ob sie sich dabei auch treu bleiben. Einem festgelegten Stil zu folgen, ist in meinen Augen schwerer, als sich zwischendurch immer wieder auszuprobieren und andere Wege zu gehen. Statt nur einem Pfad zu folgen, gehen wir viele verschiedene Wege. Ich kann nicht sagen, wohin er uns als nächstes führt – aber genau das macht es so aufregend!“

Quelle: WMG

 

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