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Roger Cicero – „In diesem Moment“

Dienstag, 13. September 2011 | By | Category: Neue Alben

Es war einfach Zeit für eine Zäsur. Mal ein paar Träume erfüllen, eine abendfüllende Show auf dem legendären Montreux Jazz Festival spielen etwa, oder ein gemeinsames Konzert mit Jools Holland in London. Gelegenheiten nutzen, um Ausflüge in Moderation und Film zu wagen, ein Buch zu schreiben. Zeit, um zurück zu schauen. Und dann voraus.

Roger Cicero - Credits: Mathias Bothor

Roger Cicero - Credits: Mathias Bothor

„Der Erfolg kam zwar nicht schnell, wenn man meinen Lebensweg betrachtet”, sagt Roger Cicero mit Blick auf seine bisherige Karriere, “aber dafür ziemlich plötzlich. Und auch ziemlich massiv: Ich hatte drei Jahre lang weder Zeit noch Kopf, irgendetwas zu verarbeiten.” 2006 war der Erstling Männersachen erschienen, bis 2009 folgten zwei weitere hochdekorierte Alben, über 300 Konzerte und ungezählte Termine. “Ich musste das alles für mich erstmal einordnen.

Der Erfolg brachte Sicherheiten, die es in meinem Leben zuvor nicht gegeben hatte und die ich jetzt, als Familienvater, nicht mehr missen möchte. Im Gegenzug steigerte er die Erwartungen an mich und meine Musik – nicht zuletzt meine eigenen. Aber die wichtigste Erkenntnis war: Erfolg macht es möglich, Dinge zu tun, von denen ich vor Männersachen nur träumen konnte – nämlich kompromisslos meine musikalischen Ideen zu verwirklichen.“

Aus dieser Diagnose folgte zwangsläufig das weitere Aufbrechen des mittlerweile zu eng gewordenen Swing-Korsetts, und zwar Stück für Stück eingeleitet bereits auf dem letzten Album Artgerecht. Auch wenn Roger Cicero diesem Stil und Style viel zu verdanken hat: Der elegante Sound der 50er bot nur Spielfläche für einen kleinen Teil seiner stimmlichen Möglichkeiten. Und die dazugehörige Attitüde lenkte den Fokus weg von jener Person, die mit 41 Jahren bereits ein an Erfahrungen und auch Entbehrungen reiches Musikerleben hinter sich hat, das mit einer Babysitterin namens Josephine Baker schon unter eindeutigen Vorzeichen begann.

Alles auf null also. Neue Energien freisetzen, in völlig neuen Konstellationen denken und arbeiten. “Anfangs gab es diese amüsanten Situationen, die eigentlich immer entstehen, wenn neue Musiker sich zusammen finden: Viele Leute sitzen an einem Tisch, reden über Musik und sind sich völlig einig – bis bei der ersten Aufnahme klar wird, dass jeder etwas ganz anderes im Kopf hatte”. Roger Cicero muss lachen. “Aber genau das war gewollt: Man musste sich gegenseitig völlig neu nähern.” Das tat er ausgiebig.

Roger Cicero - Credits: Mathias Bothor

Roger Cicero - Credits: Mathias Bothor

Über ein Jahr schrieb und komponierte er, unter anderem mit dem Kölner Tinseltown-Kollektiv, aber auch mit Kollegen wie Rea Garvey oder Musikern von Jamiroquai, Juli und Stanfour.

Für die Produktion zog Roger Cicero mit Kiko Masbaum sowie dem für drei Titel verantwortlichen Roland Spremberg ebenfalls neue Namen hinzu, deren detailverliebte Arbeitsweise perfekt mit der eigenen harmonierte. Gemeinsam feilten sie in den Studios am Kölner Maarweg an den Aufnahmen, justierten viele Stellschrauben und holten den Sound aus den 50ern ins Hier und Jetzt.

Zweieinhalb Jahre nach Artgerecht legt Roger Cicero nun Album Nummer vier vor. Mit großer Vorfreude, aber auch mit erhöhtem Pulsschlag – und vielleicht ein klein wenig feuchten Händen: “Es gab keine Referenzen für unsere Arbeit, keine vorgetretenen Pfade, nichts, anhand dessen ich mir hätte ausmalen können, wie das Ergebnis wohl werden würde. Ich hatte schlicht keine andere Wahl, als mich immer wieder auf den Moment einzulassen. Und aus diesen ‚Momenten’  heraus ist das Album entstanden.

Quelle: WMG

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One comment
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  1. Hoffentlich hat Roger Cicero da nicht zu viele Leute am Start.#Das kann danebengehen.

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