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DEFTONES – „Diamond Eyes“

Freitag, 26. März 2010 | By | Category: News

„Schön“, so bezeichnet DEFTONES-Sänger und Gitarrist Chino Moreno das neue DEFTONES-Album Diamond Eyes im Gespräch. „Wir haben keine Probleme damit, schön zu sein.“ Schön ist ein Begriff, den kaum eine normale Rockband mit harten Riffs benutzen würde, aber letztlich sind die DEFTONES ja auch keine ‚normale’ Hardrock-Band.

Deftones-Diamond-Eyes

Deftones-Diamond-Eyes

Als Kids schulten sie sich an Anthrax, The Smiths, Pantera und The Cure, Skateboarding und „The Smurfs“, nach der Highschool mixten sie im Bandformat Trip Hop mit Thrash, melodische Vocals mit ausschweifenden Hallräumen und, ja, das Schöne mit dem Hässlichen. Sie überschritten Genregrenzen und spotteten der simplifizierenden iPod-Kategorisierung á la „Heavy Metal“, „Hard -Rock“ und „Alternative“. Sie wurden genau damit zu Chart-Toppern und Headlinern gleichermaßen.

Doch mehr als das haben DEFTONES während ihrer gesamten komplizierten Amtszeit zusammen gehalten und präsentieren jetzt eines ihrer besten Alben. Denn das mit Songs bestückte Diamond Eyes ist genau das: Ein Album von Anfang bis zum Ende, so wie Platten in den ‚guten alten Zeiten’ nun mal waren: Jeder Song trägt dich ein Stück weiter aus deinem Alltag, bis du an einem Ort angekommen bist, der sich um einiges besser anfühlt als jener, von dem du losgegangen bist.

„Es gibt so viele Emotionen, die Musik dir eröffnen kann, und wenn du sie alle zulässt, ist es einfach überwältigend“, so Moreno. „Es ist wie mit dem Gefühl der Traurigkeit – es kann schmerzhaft sein und dich quälen, es kann dich öffnen und es kann sogar schön und lieblich sein. Wir schaffen eine Verbindung mit unterschiedlichen Emotionen, denn wir hören auf alles, was draußen passiert; das kann total stumpfe Musik sein oder etwas von Brian Eno. Und wenn wir dann selbst spielen, gibt es keine bewussten Entscheidungen, sondern die Emotionen bauen sich auf und führen uns in unterschiedlichste Bereiche. Ich denke, das ist das, was Musik auch tun sollte.“

Das Gewirr von Stephen Carpenters neblig-wogender Gitarrenarbeit und Morenos zwingendem und verschlossenem Gesang bilden die Grundlage für die bittersüße Dynamik aller DEFTONES-Alben, und Diamond Eyes macht da keine Ausnahme. Die Reibung treibt die Musik genau so an wie die Bandmitglieder, obwohl es das Leben für die Jugendfreunde Carpenter und Moreno nicht gerade einfacher macht. „Was hält uns am Laufen?“, so fragt Carpenter und vermutet: „Naja, Chino würde wahrscheinlich genau das Gegenteil von dem antworten, was ich dazu sage. So ist es mit uns: Wir widersprechen einander andauernd, aber das ist auch das, was unsere Musik ausmacht, was sie intensiv und anders sein lässt.“

Es gibt allerdings noch einen weiteren Fakt, der Diamond Eyes zu etwas Besonderem im DEFTONES-Kanon macht: Die Band nahm das Album auf, nachdem ihr bester Freund und Bassmann Chi Cheng bei einem Autounfall im November eine schwere Gehirnverletzung davontrug. „Nach Chis Unfall, wäre nichts leichter gewesen, als ein trauriges Album zu machen“, erklärt Moreno. „Es war, als hing eine Wolke über uns, also setzten wir uns zum Ziel, etwas Aufmunterndes zu machen. Ich glaube, das ist der Grund dafür, dass sich eine Menge Fantasy-Stoff auf dem Album findet. Ich habe versucht, Alltagsproblematiken aus den Themen der Songs herauszuhalten und alles ein bißchen abstrakter zu gestalten, etwas künstlerischer. Es klingt vielleicht merkwürdig, aber dies ist wirklich ein optimistisches Album.“ Und ein verhältnismäßig spontanes dazu.

Diamond Eyes entstand innerhalb von sechs Monaten mit der Hilfe des ehemaligen Quicksand-Bassers Sergio Vega und des Producers Nick Raskulinecz (Foo Fighters, Alice In Chains, Rush). Bemerkenswerterweise hatten DEFTONES gerade ein komplettes Album mit dem Titel Eros eingespielt, das sie letztendlich in der Schublade verschwinden ließen. „Um ehrlich zu sein, ich wusste, dass da noch etwas besseres kommen würde“, bestätigt Chino. Völlig neu anzufangen ist für einen Band, die sich für jedes Album sehr viel Zeit nimmt, durchaus eine mutige Entscheidung gewesen. Drummer Abe stand dieser Entscheidung zunächst skeptisch gegenüber, vor allem, weil es in der Vergangenheit stets enorm schwierig war, ein Album aufzunehmen: „Jedes der vorherigen Alben war, als würde man einen Zahn gezogen bekommen, oder noch schlimmer: Als würde man ohne Narkose operiert werden,“ sinniert er. „Aber diesmal haben wir uns einfach gesagt: Fuck it, wir sind immer noch beste Freunde, alle von uns. Und wir können das immer noch tun. Also munterten wir uns auf, wurden kreativ und schossen aus allen Rohren.“

Deftones - Credits: WMG

Deftones - Credits: WMG

Heute stehen DEFTONES dichter beieinander als je zuvor, aber das ist nicht immer so gewesen. Die ersten ernsten Spannungen entwickelten sich nach ihrem Durchbruchs-Album White Pony (2000). Es war ihr erstes Billboard #1-Album und wurde mit Platin und einem Grammy ausgezeichnet. Dem Erfolg schloss sich ein nahezu mörderisches Tourschedule an, das die Band sieben Tage die Woche 24 Stunden lang auf die Straße schickte – und schließlich in einen Burn-Out. Carpenters und Morenos Dispute über den Weg, den die Musik nehmen sollte, eskalierte bis zu dem Punkt, an dem beide nicht mehr miteinander sprachen.

Noch heute erzählt Cunningham, wie der Nachfolger Deftones (2003) bei jedem Bandmitglied einen anderen Spitznamen bekam: „Steph nannte es The Downward Spiral. Bei mir hieß es Dark Days.“ Die Konflikte stießen die Band in eine Hölle, aber es gab der Musikpresse natürlich jede Menge Anlass für diverse Artikel über die Zeit zwischen den Alben. „Viel von dem wurde ziemlich übertrieben, aber wir hatten definitiv eine harte Zeit“, bestätigt Keyboarder Frank Delgado, der Mitte der 90er ursprünglich als Turntablist in die Band kam. „Eine der besten Eigenschaften der Band ist aber, dass wir nicht aufgeben. So dysfunktional es manchmal aussieht, wir bringen es immer wieder zum Laufen. Ich habe keinen blassen Schimmer, wie die Presse uns zurzeit einschätzt, aber das gefällt mir auch. Es sollte immer ein bißchen Mythos im Spiel sein.“ Letztlich ist es leichter, die seelische Verfassung der Band auseinander zu nehmen als ihre Musik in eine geschlossene Kategorie einzuordnen.

Kritiker, Marketingfachleute und Radioverantwortliche haben immer ein Problem damit gehabt, die Band eindeutig zuzuordnen. DEFTONES selbst haben im Verlauf ihres Weges mit Punkrockern L7 gespielt, sind mit Metallica auf Tour gewesen und teilen ihre Fanbase bis zu einem gewissen Grade mit Morrissey. Sie entziehen sich einfach jeder gewohnten Klassifizierung. „Wir sind nicht gerade eine Partyband, wir sind aber auch keine Dark-Rock-Band“, stellt Moreno fest. „Wir sind nicht gerade die künstlerischste Band auf dem Planeten, wir sind aber auch nicht leicht und fluffig. Es ist schwierig, uns auf einen Ort festzunageln. Ich werfe es den Leuten nicht vor, wenn sie es versuchen, denn ich kann es selbst gar nicht auf einen Punkt bringen. Aber ehrlich – spielt das eine Rolle?“ Wohl nicht, wenn man eine ansprechende, vielseitige, kraftvolle – und schöne – Band ist wie die DEFTONES.

In diesem Jahr werden DEFTONES sowohl auf dem Hurricane wie auch auf dem Southside-Festival spielen und die geballte Kraft ihrer Emotionalität von der Bühne schleudern.

http://www.myspace.com/deftones

Quelle: WMG

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