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Enno Bunger – „Hier & Jetzt“ – VÖ: 05.03.2010

Dienstag, 12. Januar 2010 | By | Category: News

Ganz schön larmoyant. Das war das erste, war ich dachte, als ich die Lieder von Enno Bunger hörte. Es war ein Sonntagnachmittag, und da ich sonntagnachmittags in der Regel durchaus offen bin für Larmoyanz, hörte ich das Album gleich noch einmal. Und noch mal. Und noch mal.

Enno-Bunger

Enno-Bunger

Als ich mich am Abend auf dem Weg zum Kino dabei ertappte, wie ich in der U-Bahn leise vor mich hinsummte „Alles wird gut, alles wird gut“, war mir klar, dass ich die Schublade mit dem Schildchen „traurige junge Männer“ noch mal aufmachen musste, in die ich Enno Bunger voreilig gestopft hatte (gestopft deshalb, weil die schon ziemlich voll ist). Ich hörte die Platte noch mal und noch mal, studierte die Texte und lauschte den Lieder so aufmerksam wie man ein Buch liest.

Hernach stellte ich mir Enno Bunger als einen glücklichen jungen Mann vor. Nicht nur, weil er ein Talent hat für anrührende Popsongs. Auch weil seine Lieder so klingen, als hätte er sie geschrieben, nachdem er aus einer sehr dunklen Zeit ans Licht getreten ist. „Ein neuer Tag öffnet mir meine Augen/ Alles strahlt in goldenem Licht/ Ich bin verwirrt/ Und ich kann es kaum glauben/ Ich glaube endlich wieder an mich“, lauten die ersten Zeilen des Debütalbums seiner Band, die so heißt wie er. Und die Musik scheint diese hoffnungsvollen Zeilen zu bestätigen. Ennos Klavier perlt wie Tautropfen eines neuen Tages, Bernd Frikkes Bass und Nils Dietrichs Schlagzeug treiben den Song voran, machen aus einer melancholischen Pianoballade großen, gen Himmel strebenden Pop.

Enno Bungers großes Thema ist die Hoffnung. Nicht die Hoffnung auf irgendeinen glücklichen Zufall oder einen Erlöser aus Wolkenkuckucksheim, sondern eine Hoffnung, die sich aus seinem Glauben an die Kraft von Liebe, Freundschaft und Solidarität stützt. Klingt das arg pathetisch? Nun, das soll es ja auch. Mit Bedenken und In-Konjuktiven-Reden lässt sich die Angst, die uns alle beizeiten verfolgt, nicht besiegen. Mit einem Chor aus Menschen, die in Freundschaft zusammenstehen und singen „Alles wird gut“ schon eher.

Enno-Bunger

Enno-Bunger

Das ist das Besondere an diesen Lieder: Sie verharren nicht in der Songwriter-Introspektion, sondern sind zu Hause im „Hier und Jetzt“, gehen vom Ich zum Du zum Wir. Auf die berechtig-te Frage „Warum muss alles so kompliziert sein?“ folgt mit „Ich kann’s nicht mehr hören“ ein echter, wütender, ganz und gar unlarmoyanter Protestsong, der die herrschenden Verhältnisse in Frage stellt. „Weltuntergang“ spendet Trost, ruft aber zugleich zur Aktion.

Enno Bunger, der Mann, der auf sein Herz hört, stellt die richtigen Fragen und findet nicht selten auch die richtigen Antworten. „Verlier nicht die Hoffnung/ Bitte gib dich nicht auf/ Hör nicht auf zu tanzen/ Halt den Himmel nicht auf.“

Ein frischer Wind weht da aus Ostfriesland herüber. Der Vorhang fällt, die Lichter brennen au-und wir wissen, alles wird gut. Für Enno Bunger – und nun vielleicht auch für uns.

www.myspace.com/ennobunger

www.ennobunger.de

Quelle: MPN

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