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Feuerschwanz – Interview vom 26.12.2009

Montag, 28. Dezember 2009 | By | Category: News

Sogar im Mittelalter wurde gelacht, gehurt und gesoffen, auch wenn die große Mehrheit der heute agierenden „schwarzen“ Bands diese historisch bewiesenen Fakten nicht zum Bestandteil ihrer Liedtexte macht und eher gedrückte Stimmung verbreitet. Positive Ausnahme ist und bleibt die fränkische Mittelalter-Comedy-Rock Band „Feuerschwanz“, welche mit Dudelsack und elektrischen Gitarren bewaffnet für den ultimativen Spaß mit Met und Miezen kämpft. Da er diesen beinahe heiligen Kampf für unterstützenswert hält, hat sich unser Reporter Sven entschlossen, am Zweiten Weihnachtsfeiertag die Band Feuerschwanz nach ihrem Konzert in der Heidelberger Halle 02 zu interviewen.

Hauptmann Feuerschwanz: Hallo, ich bin Hauptmann Feuerschwanz und für den Sven der Peter
Prinz Hodenherz: Und ich bin Prinz Hodenherz und für den Sven der Benny.

Sven: Und das (die Feuerschwanz-Mädels betreten den Backstage-Raum) sind eure beiden Tänzerinnen, die Miezen? Sind das alle?

Feuerschwanz

Feuerschwanz

Hauptmann Feuerschwanz: Wie das eben bei Miezen ist, so kann es immer sein, dass sie irgendwann heimisch werden. Der Nachschub wird uns allerdings nie ausgehen, weil wir sogar einen Internetaufruf an unsere weiblichen Fans gerichtet haben, sich als Feuerschwanz-Miezen zu bewerben.

Sven: Welchen Eindruck hattet ihr vom heutigen Konzert?

Hauptmann Feuerschwanz: Heidelberg ist für uns bis jetzt ein unbekanntes Pflaster gewesen und von daher waren wir überrascht, wie viel Leute unsere Texte bereits kannten oder erfolgreich die Laute mit den Lippen nachahmten. Es war sehr schön zu erleben, welche Stimmung heute Abend hier war.

Sven: Was sagst eigentlich du, Prinz Hodenherz?

Prinz Hodenherz: Ich glaube, die haben ihre „Weihnachtsganssperre“ ganz gut überwunden. So wie du, Hauptmann.

Hauptmann Feuerschwanz: Ja, aber vielleicht hättest du heute eine „Kalbsbratennachwindsperre“ einbauen sollen.

Prinz Hodenherz: Tut mir leid.

Sven: Verliefen die ersten Konzerte eurer Tour ähnlich erfolgreich?

Hauptmann

Hauptmann

Hauptmann Feuerschwanz: Es ist so, dass wir in den vergangenen fünf Jahren fleißig waren und viele Auftritte absolvierten. Musikalisch sind wir auf jeden Fall rockiger geworden, was man auf dem neuen Album „Met und Miezen“ feststellen kann. Das hat wohl auch unsere Tour mit Saltatio Mortis sowie weitere Engagements begünstigt.

Prinz Hodenherz: Dieser Sound hatte sich eigentlich schon auf „Met und Miezen“ abgezeichnet und wurde jetzt von uns weiterentwickelt. Live bekam dieser rockigere Sound bereits auf der letzten Tour mit Saltatio Mortis sehr viel positive Resonanz.

Sven: Vor einigen Tagen seid ihr sogar in Moskau gewesen, um dort zwei Konzerte zu spielen.  Wie waren sie?

Prinz Hodenherz
: Eigentlich war es wie ein Kurzurlaub,  der uns alle komplett aus dem Alltag herausriss. Wir wurden umsorgt von liebevollen Russen und das Konzert war der Wahnsinn.

Hauptmann Feuerschwanz: Obwohl wir ein bisschen Angst hatten.

Prinz Hodenherz: Ja, vor den englischen Ansagen. Das fiel uns schon sehr schwer.

Hauptmann Feuerschwanz
: Englisch ist auch keine Sprache, obwohl ich nichts runtermachen möchte, was ich nicht kann.

Sven: Funktioniert euer Humor sogar dort oder zählte da vor allem die Musik?

Hauptmann Feuerschwanz: Die russische Vorgruppe war schon enorm gut, da hatten wir schon ein bisschen Schiss. Unser Vorteil war, dass die Russen unsere coole Rittershow noch nicht kannten und uns mitsamt unserer Musik und den deutschen Texten (die sie nicht verstanden) abfeierten. Der Alkohol trug bestimmt auch zum Erfolg dieses Abends bei.

Hodenherz

Hodenherz

Prinz Hodenherz: Für viele der anwesenden Gäste war unsere Show, die immer zum Mitmachen animiert, neu. Anstelle von gemeinsamen Gymnastikübungen, wie wir sie auch heute in Heidelberg machten, vollführten die Russen vor allem ihre Kreistänze und hatten trotzdem ihren Spaß.

Sven: Ihr widmet euch musikalisch und textlich auf eher unterhaltsame Art und Weise dem Mittelalter, das meines Erachtens in der „schwarzen“ Musikszene eher düster und morbide dargestellt wird. Wie seht ihr das?

Hauptmann Feuerschwanz: Es war für mich schon immer so, dass die Mittelalter-Szene aufgespalten war. In der Pathetik hat es mit Corvus Corax angefangen, dann  ist es mit In Extremo, Subway to Sally usw. sehr rockig geworden. Natürlich gibt es auch noch die romantische Form, wie sie u.a. Schandmaul darstellt.
Die erste Band, die das Mittelalter ein wenig lustiger darstellte, war Saltatio Mortis, aber der Auftrag, eine richtige Party zu starten, ist und bleibt Teil von Feuerschwanz.

Prinz Hodenherz: Wir wollen den „arschwitzigen“ Humor der Spielleute, die auf den heute stattfindenden mittelalterlichen Märkten für Stimmung sorgen, auf die großen Bühnen tragen.

Sven: Neben der Verbrweitung von guter Stimmung seid ihr nach eigenen Angaben auch die „Verfechter des wahren Mets“. Wie seid ihr zu diesem Titel gekommen?

Hauptmann Feuerschwanz: Das beste Getränk, das das Mittelalter hervorgebracht hat, ist der Met. Und meines Wissens gab es 2001 noch keine andere Band, die dieses Getränk würdig vertreten hat. Ich denke, dass wir unseren Beitrag zur Steigerung der Beliebtheit des Mets geleistet haben und noch immer leisten.

Sven: Schmecken euch die fränkischen Biere etwa nicht?

Hauptmann Feuerschwanz: Doch, Franken hat natürlich die besten Biere der Welt! Das Heidelberger 1603 ist aber auch ganz lecker.

Sven: Echt?

Prinz Hodenherz: Ja. Auf jeden Fall leckerer als das Bier in Moskau. Würg. Aber dieses Bier finde ich echt super.

Miezen_Hauptmann

Miezen_Hauptmann

Neben dem Met handeln eure Lieder auch von Erotik und Sexualität. So beschreibt ihr in „Ferdinand“, wie ein Junge mit sieben Fingern an der rechten Hand zum Liebling der mittelalterlichen Frauenwelt wird. Kommt da Neid auf?

Prinz Hodenherz
: Na ja, er könnte auch der „2-Penis-Ferdinand“ heißen oder eben der „7-Penis-Ferdinand“.

Hauptmann Feuerschwanz: Feuerschwanz hat eben ein Herz für Randgruppen, die wir in den Songs „Ferdinand“, „Der Glöckner“ und „Der Foltermeister“ besingen. Wir geben diesen Menschen, die besondere Berufe oder Missbildungen haben, eine Stimme. Der „7-Finger-Ferdinand“, gesamt also der „12-Finger-Ferdinand“ gehört zu diesen gesellschaftlichen Randfiguren. Auf der einen Seite erfährt er die Ablehnung, andererseits ist er durch seine Behinderung der Chef an der Klitoris.

Sven: Im Song „10 kleine Ritterlein“ singt ihr davon, dass man sich auf Feuerschwanz-Konzerten nicht verstellen muss, sondern authentisch bleiben kann.

Hauptmann Feuerschwanz: Diese Zeile hat bis jetzt noch kaum einer erwähnt und es ist eine meiner Lieblingszeilen. Uns ist wichtig, dass Feuerschwanz zwanglos bleibt. Das bedeutet, dass du dich auf unseren Konzerten in unseren „Film“ hineinfallen lassen sollst, um dich so sehen so zu können, wie du wirklich bist. Du wirst dann vielleicht mit anderen Leuten wild im Kreis tanzen und bist dann nicht mehr nur der Physikstudent, sondern derjenige, der wie blöde im Kreis tanzt. Und vielleicht kommt dann die Selbsterkenntnis, dass man selbst über humoristisches Potenzial verfügt, das man sogar nutzen kann. Im Prinzip kann bei uns alles live passieren, aber nichts muss passieren. Und deswegen sind wie trotz der ganzen Animationsspielchen nicht sauer, wenn die Leute sich entschließen, nicht mitzumachen.

Feuerschwanz

Feuerschwanz

Prinz Hodenherz: Auf dem Wave-Gothik-Treffen, bei dem die Leute teilweise mit Gasmasken kamen, fand ich erstaunlich, wie viele von denen mit uns in der Spaßzone Party machten. Du kannst bei uns eben so sein, wie du willst.

Sven: Würdet ihr also sagen, dass generell die Toleranz in der „schwarzen“ Szene groß ist?

Hauptmann Feuerschwanz: Auf jeden Fall, zumal wie bereits erwähnt die meisten ihrer Anhänger sehr offen sind. Auch gegenüber unserem Sound oder dem beispielsweise von Mambo Kurt. Der ist mittlerweile auf dem Wacken Open Air eine lebende Legende.

Sven: Wie sehen eure Pläne für 2010 aus?

Hauptmann Feuerschwanz: Wie müssen unsere Botschaft Metvernichter natürlich auch 2010 weiterverbreiten. Wie arbeiten auch an neuen Songs, wobei wir als feiernde Band da ein wenig länger als andere brauchen. Deswegen wird es wahrscheinlich im nächsten Jahr kein ganzes Album geben.

Prinz Hodenherz: Wir wollen auf jeden Fall zahlreiche Konzerte spielen und zusätzlich auf möglichst vielen Festivals auftreten.

sd

Konzerttermine Feuerschwanz

16. Jan.  2010 20:00    Lindenkeller, Freising
05. Mrz. 2010 20:00    Winternacht der Spielleute, Leipzig
13. Mrz.  2010 20:00    Lenzmondfestival – Jurahalle, Neumarkt in der Oberpfalz
18. Mrz.  2010 20:00    Pumpe – mit Saltatio Mortis!, Kiel
19. Mrz.  2010 20:00    Kaserne – mit Saltatio Mortis!, Celle
20. Mrz. 2010 20:00    Börse – mit Saltatio Mortis!, Wuppertal
25. Mrz. 2010 20:00    Lindenpark – mit Saltatio Mortis!, Potsdam
26. Mrz. 2010 20:00    Beatpol – mit Saltatio Mortis!, Dresden
27. Mrz. 2010 20:00    Alte Brauerei – mit Saltatio Mortis!, Annaberg
10. Apr. 2010 20:00    Club Schulz, Ottweiler
17. Apr. 2010 20:00    E-Werk – Drachentanzfestival, Erlangen
24. Apr. 2010 20:00    Spectaculum Mundi, München
07. Mai. 2010 20:00    Club Manitu, Forst
15. Mai.  2010 20:00    Mittelalterliches Spectaculum, Rastede
16. Mai.  2010 20:00     Mittelalterliches Spectaculum, Rastede
19. Jun.  2010 20:00    Feuertanz Festival, Burg Abenberg b. Nürnberg
10. Jul.   2010 20:00    Brande-Hörnerkirchen – Hörnerfest, Brande-Hörnerkirchen
15. Jul.   2010 20:00    Burg Bilstein / Elbenwaldspektakel,Lennestadt (bei Siegen)
17. Jul.   2010 20:00    Mittelalterliches Spectaculum, Bückeburg
18. Jul.   2010 20:00    Mittelalterliches Spectaculum, Bückeburg
13. Aug. 2010 20:00    Drachenstich, Furth im Wald
21. Aug. 2010 20:00    Schlosshof-Festival, Höchstadt/Aisch
28. Aug. 2010 17:30    Burgfolk, Mühlheim a.d. Ruhr

http://www.feuerschwanz.de

http://www.myspace.com/feuerschwanz

Rezension zu Feuerschwanz – Metvernichter auf track4.de

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