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Freddy Sahin-Scholl – Der Mann mit den zwei Stimmen

Dienstag, 21. Dezember 2010 | By | Category: News

„Der Mann mit den zwei Stimmen“ hat es geschafft – in der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember setzte sich der ehemalige Krankenpfleger Freddy Sahin-Scholl im „Supertalent“-Finale durch und ist der Sieger der vierten Staffel der RTL-Erfolgsshow.

Mit seinen Auftritten hatte der 57-jährige nicht nur die Jury (Dieter Bohlen, Bruce Darnell und Sylvie van der Vaart) sowie das Studiopublikum begeistert, sondern auch Millionen Menschen an den TV-Geräten. Seine Ausnahme-Fähigkeit, dank seiner Bariton- und Sopran-Stimme mit sich selbst im Duett singen zu können, machte Freddy Sahin-Scholl im Nu zur absoluten musikalischen Hauptattraktion der Show.

Freddy Sahin-Scholl - Foto: Thomas Fähnrich

Freddy Sahin-Scholl - Foto: Thomas Fähnrich

Der Mann, der seine Eltern nie kennengelernt hatte, bei Pflegeeltern aufgewachsen war und 25 Jahre als Krankenpfleger gearbeitet hatte, begeisterte Menschen jeden Alters, faszinierte sie und rührte sie gleichermaßen zu Tränen.

Vor mehr als zehn Jahren hatte er seinen Job aufgegeben, alle Ersparnisse zusammengekratzt, um seinen Traum zu verwirklichen und eine eigene CD aufnehmen – im Jahre 2010 zahlt sich diese mutige Investition tausendfach zurück: das Album „Carpe Diem“ erscheint nun bei Sony Music erneut und ist ab sofort als Download und ab Montag, 20.12., als CD erhältlich.

Freddy Sahin-Scholl zählt mit Sicherheit zu den ungewöhnlichsten musikalischen Castingshow-Teilnehmern, die das deutsche Fernsehen erlebt hat. Zum einen ist der 57-jährige nicht einmal im Besitz eines Fernsehgerätes, zum anderen hatte sich der Sänger, den mittlerweile ganz Deutschland als den „Mann mit den zwei Stimmen“ kennt, in den vergangenen Jahren unter dem Künstlernamen „Galileo“ bereits einen durchaus zufriedenstellenden Bekanntheitsgrad ersungen. Zwanzig bis dreißig Auftritte hatte der ehemalige Krankenpfleger im Schnitt pro Jahr absolviert und im Alleingang einige tausend CDs verkauft, bevor er sich zur Teilnahme an der RTL-Show „Das Supertalent“ bewegen ließ. Doch DAS kostete einige Überzeugungsarbeit.

„Ein Bekannter, den ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte, rief mich irgendwann an und fragte mich, ob ich die Sendung kenne. Ich müsse da unbedingt mitmachen“, erinnert sich Sahin-Scholl. Nachdem sich der in Karlsruhe lebende Musiker monatelang erfolgreich gegen die verhasste Audition wehren konnte, setzte ihm der Anrufer bei der 4. „Supertalent“-Staffel schließlich entschlossen die Pistole auf Brust. „Er meinte: ‚Es ist für mich eine Herzenssache, ich bin dein größter Fan. Du musst da hin, das ist ein Auftrag. Am nächsten Sonntag ist das letzte Casting in Köln, wenn du da nicht hinkommst, dann hole ich dich um sechs Uhr mit meinem Auto ab'“, schmunzelt er heute.

In der Nacht vor besagtem Sonntag tat Freddy kein Auge zu. Er hatte den Mann zehn Jahre nicht gesehen, war nicht einmal mit ihm befreundet. „Da dachte ich mir: ‚Möglicherweise ist das eine Art Vorsehung‘. Ich bin schließlich hingefahren – allerdings nicht als ‚Galileo‚, sondern als Freddy Sahin-Scholl. Mein Gedanke war: Wenn’s schiefgeht ist mein Künstlername unbeschadet und wenn ich nicht genommen werde, bekommt das ja auch keiner mit. Dass es sich dann aber so entwickelt, konnte wirklich niemand ahnen…“

Freddy Sahin-Scholl - Foto: Thomas Fähnrich

Freddy Sahin-Scholl - Foto: Thomas Fähnrich

Die Wirkung, die seine Auftritte bei der Jury (Dieter Bohlen, Bruce Darnell und Sylvie van der Vaart), dem Studiopublikum und den Millionen Menschen an den TV-Geräten zu Hause entfachte, war nahezu unbeschreiblich. Seine Ausnahme-Fähigkeit, dank seiner Bariton- und Sopran-Stimme mit sich selbst im Duett singen zu können, machte Freddy Sahin-Scholl im Nu zur absoluten musikalischen Hauptattraktion der Show. Der Mann, der seine Eltern nie kennengelernt hatte, bei Pflegeeltern aufgewachsen war und 25 Jahre als Krankenpfleger gearbeitet hatte, begeisterte Menschen jeden Alters, faszinierte sie und rührte sie gleichermaßen zu Tränen.

Vor mehr als zehn Jahren hatte er seinen Job aufgegeben, alle Ersparnisse zusammengekratzt, um seinen Traum zu verwirklichen und eine eigene CD aufnehmen (mehr dazu im „Track by Track“ unten) – im Jahre 2010 zahlt sich diese mutige Investition tausendfach zurück: das Album „Carpe Diem“ erscheint beim Majorlabel Sony Music. Es ist ein Ereignis, dass sich perfekt in Freddy Sahin-Scholls Biographie fügt: er ist nicht nur der Mann mit den zwei Stimmen und mit den zwei Künstlernamen, sondern ab sofort auch der Mann mit den zwei Karrieren.

Doch nach wie vor bestimmt nur ein Lebensmotto sein Dasein, dass er lebt wie kein Zweiter: „Carpe Diem – nutze den Tag“.

Track by Track „Carpe Diem“:

01. „Intro“
Freddy Sahin-Scholl: „Dies ist eigentlich nur der Vorspann zu dem eigentlichen Werk ‚Carpe Diem‘. Er ist als einzelner Track auf dem Album, weil das Entrée inklusive Intro bei Live-Auftritten manchmal etwas zu lang wäre, also haben wir es getrennt, damit man es überspringen kann. Musikalisch gehört es aber natürlich zu ‚Carpe Diem‘.“

02. „Carpe Diem“
FS-S: „Das Stück habe ich, wie alle anderen Songs der CD, 1999 geschrieben. In diesem Jahr gab es eine Sonnenfinsternis. Ich besuchte damals ein älteres Ehepaar im Krankenhaus, das sich zum Sterben dorthin begeben hatte. Sie wollten nicht alleine aus dem Leben gehen, deshalb beschlossen sie, es gemeinsam zu tun. Ich kannte die beiden durch meine Arbeit als Krankenpfleger im Krankenhaus. Ich besuchte sie am besagten Tag und habe sie im Rollstuhl auf das Dach des Krankenhauses mitgenommen. Dort haben wir dann dieses einmalige Ereignis zusammen verfolgt. Ich hatte zwei Sonnenbrillen dabei, die sie aufsetzten. Auf diese Weise ist die Inspiration für ‚Carpe Diem‘ entstanden. ‚Nutze den Tag‘ – es war für die beiden noch einmal ein gemeinsames Riesenerlebnis, da oben zu stehen und die Sonnenfinsternis zu betrachten. Zu Hause hat mich die Sache sehr beschäftigt und ich habe sofort am Klavier das Motiv ausgearbeitet. Erst aufgrund dieses Erlebnisses kam mir überhaupt die Idee, eine CD zu machen. Ich habe das Album selbst produziert, ohne Plattenfirma. Dafür gab ich alle meine Sicherheiten auf, ich kündigte meine Lebensversicherung, nur, um mir diesen Wunsch zu erfüllen. Die Aufnahmen fanden im Studio von Edo Zanki in Karlsdorf statt, zusammen mit Freunden, die mich unterstützten.“

03. „Sarah“
FS-S: „‚Sarah‘ ist eine ’nicht gelebte Liebe‘. Ich war damals verheiratet und hatte mich in meine ganz große Liebe verliebt, aufgrund der Konstellation konnte daraus allerdings nichts werden. Wir hatten ein Kind, es war alles sehr schwierig und ich konnte es ausschließlich musikalisch bearbeiten, indem ich diesen Song schrieb.“

04. „Ombra Mai Fu“
FS-S: „Die Inspiration war das Phänomen des Sopran / Falsetts / Countertenors. Den Song nahm ich auf die Platte, weil mich der Film über den Kastraten ‚Faranelli‘ so bewegt hatte. Ich wollte diesen Klassiker von Händel einmal bearbeiten. Ich habe ihn schneller gemacht und – was in der ursprünglichen Fassung nicht vorkommt – einen Bariton dazu gestellt. Normalerweise hören wir nur eine Sopranstimme.“

Freddy Sahin-Scholl - Cover: Carpe Diem

Freddy Sahin-Scholl - Cover: Carpe Diem

05. „No Man’s An Island“
FS-S: „Der Lied ist das Ergebnis meiner 25-jährigen Tätigkeit im Krankenhaus. Dort erlebt man alles. Man erlebt Trauer, man erlebt Freude, man erlebt alles, was das menschliche Spektrum zu bieten vermag. Und dies in einer Nähe, die oft sehr ans Herz geht und mit der man sich einfach befassen muss. ‚No Man’s An Island‘ sind meine Gedanken dazu. Wenn Menschen etwas wollen, wenn sie etwas für ihr Leben bezeichnendes kreieren wollen, geht das nur gemeinsam mit anderen Menschen. ‚Reiche dem anderen die Hände, dann kannst du etwas erreichen‘. Wir können nur gemeinsam etwas erschaffen.“

06. „A Love Eternal“
FS-S: „Dieser Titel beschreibt so ein bisschen die Zeit der Siebziger und Achtziger, als die Temptations meine Favourites waren. Er ist ein wenig an den klassischen ‚Temptations-Sound‘ angelehnt.“

07. „Ave Maria“
FS-S: „Das ist eine ganz spezielle Geschichte. Ich hab die Bearbeitung gemacht, als in Jugoslawien dieser furchtbare Krieg stattfand. Und ich hatte recht viele Freunde, die Kroaten, Serben oder Bosnier waren. Ich habe zwar verstanden, was ‚da unten‘ los war, dass sie sich gegenseitig bekriegt haben – was ich aber nicht verstand, war, dass sie sich auch in Deutschland nicht mehr über den Weg trauten. Ich habe also ‚Ave Maria‘ umgesetzt, selbst produziert und meinen Freunden zu Weihnachten geschenkt. Und ich sagte ihnen: ‚Vergesst nicht eure Freundschaften, vergesst nicht die vielen Jahre, die ihr hier toll miteinander umgegangen seid.‘ Und deshalb habe ich auch einen anderen Text genommen, ich habe nicht den Originaltext verwendet, sondern ich wollte Worte haben, die an die Menschen auf der Straße gerichtet sind. Nicht an diejenigen, die schon in der Kirche sitzen. Deshalb ist dieses ‚Ave Maria‘ sehr berührend. Gegen Ende wird das Stück auch sehr ‚soulig‘. Das ist eine ganz andere Anmutung als am Anfang: dort nehme ich das Thema von Bach Gounod und leite es dann über in eine sehr offene, rhythmische und soulige Interpretation. Ich habe meinen Freunden den Song zu Weihnachten mit der Bitte geschenkt, darüber nachzudenken, ob es wert ist, wegen des Konflikts in Jugoslawien alle Freundschaften zu kündigen.“

08. „Solo Angelica“
FS-S: „Ich bin verliebt in tolle Arien. Ich bin sehr von der Klassik inspiriert, obwohl ich kein Klassiker bin. Ich bin nicht der Opernsänger, für den man mich möglicherweise durch die ‚Das Supertalent‘ halten könnte. Mein Spektrum ist viel größer, viel offener. Das hört man auch im Gesamtkontext der Stücke. Es soll eine Hommage an die Anmutung sein, wenn man auf der Bühne steht und ganz intim eine Arie singt. Es geht auch hier um eine platonische Liebe, also man spricht nicht aus, dass man jemanden liebt oder anhimmelt, das Gefühl wird nur lyrisch verarbeitet. Früher war es ja Gang und Gäbe, dass es auch eine platonische Liebe gibt. Man gibt nicht zu erkennen, dass man jemanden begehrt, anstatt dessen erhöht man die Person und beschreibt sie auf eine andere Art und Weise. So ist das Stück angelegt.“

09. „No Never My Love“
FS-S: „Das ist ganz einfach eine schöne Liebesballade. Das ist ebenfalls ein Teil von mir, der sagt: ‚Es kann auch ein bisschen ans Herz gehen, es darf dann doch nicht alles zu klassisch wirken, es muss nicht immer diesen opulenten Aufbau haben‘. Es ist eine nette Ballade, die ich den Menschen schenke. Darin kann sich jeder wiederfinden und was sie oder er empfindet.‘

10. „Galileo“
FS-S: „Mein bisheriger Künstlername war ‚Galileo‘ und deshalb wollte ich ein kleines Intro einbauen, um auch ein musikalisches Branding zu haben. Die Wahl des Namens hat ebenfalls etwas mit Sonnenfinsternis zu tun. Freunde, die die Musik gehört hatten, sagten mir, ich solle mich doch nach einem Planeten benennen, angesichts der ‚abgespaceten Stimmen‘, die ich mache. ‚Lupo‘ wollte ich nicht heißen, ‚Mars‘ war auch schon belegt und dann kam mir der Astrophysiker Galileo in den Sinn, weil auch er Thesen aufgestellt hat, die die Menschen anfangs sehr irritierten – so wie ich das mit meinem Gesang ja auch ein wenig tue. Die meisten sind zunächst etwas verwirrt und können gar nicht glauben, dass das funktionieren kann – in einem Song die Stimmen so zu wechseln, dass man mit sich selbst im Duett singt. Und deswegen fand ich den Namen recht passend, der darüber hinaus auch weltweit funktioniert.“

11. „I’m A Dreamer“
FS-S: „Das ist eine Erinnerung an meine Kindheit. Die Träume, die man als Kind hat, sollte man nie aufgeben, sondern weiter tragen, deshalb habe ich das Stück nur sopran gesungen, also mit einer kindlichen Knabenstimme. Es ist ein wunderschöner Song.“

12. „Seize The Day“
FS-S: „Das ist eine andere Version von ‚Carpe Diem‘, eine andere instrumentale Umsetzung, die ein bisschen sphärischer ist. Das Stück soll die Gesamtgeschichte zu einem Abschluss bringen, ‚Carpe Diem‘ ist für mich eine Art Konzeptalbum, also nicht nur eine Aneinanderreihung von Titeln. Jeder Song erzählt im Kontext ein Kapitel der Geschichte, die ich mir vorgestellt habe.“

13. „My Love“ (Bonusstück)
FS-S: „Den Titel hab ich ursprünglich für eine Fernsehsendung aufgenommen, die dann aber nicht stattfand. Zucchero ist ein Komponist, den ich sehr verehre. Er schreibt ganz einfach wunderschöne Sachen. Ich fand es interessant, ‚My Love‘ einmal in einer anderen Anmutung zu hören, Diese Version hat einen Live-Charakter, damit es sich von den Studio-Einspielungen etwas abhebt.“

Supertalent 2010 Gewinner – Freddy Sahin-Scholl „Carpe Diem“

Quelle: Sony Music

Supertalent 2010 Gewinner – Freddy Sahin-Scholl „Carpe Diem“

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