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Interview mit Berlins „Local-Punk-Heroes“ Kumpelbasis

Donnerstag, 30. Juni 2011 | By | Category: News

Berlins Local Heroes begannen vor ca. 11 Jahren mit ihrer Kreuzberger Mischung aus 80er Jahre D-Punk, „Hi-Energy“-Schweinerock und diversen Ska-, Reggae-  oder Worldbeat Ausflügen.

Ausserhalb der Stadt kennen sie eigentlich nur Punkrock-Insider, Fanziner und Sammler […]“ (Quelle: Label-Info)

Grund genug also, mit den Jungs ein Interview zu führen.

Kumpelbasis live Postdam

Kumpelbasis live Postdam

Wenn man wie ihr in einer Großstadt wie Berlin wohnt, kann man da überhaupt- und sei es „nur“ im Bereich einer Subkultur- den Status des „Local-Hero“ erreichen?

Toxic: Also wenn ich dieses Wort schon höre, kommt mir direkt der Song von den Stranglers in den Sinn. „No more Heros anymore“. So seh ich das ehrlich auch. Leute die Helden brauchen sind doch im Grunde genommen sehr suspekt. Ich will kein Held sein und möchte auch keine haben. Ich versteh schon wie du die Frage meinst, aber kann mit sowas nicht soviel anfangen.

Es gibt natürlich schon immer gute Berliner Bands, Künstler undsoweiter. Ich denke aber die meisten kochen auch nur mit Wasser und gehen morgens erstmal ins Bad. Und wer will schon so ein trauriger Held werden. Helden sind die einsamsten Geschöpfe die es gibt.

Tom:  Local heros,was ist das überhaupt? Die Beatsteaks sind Local heros. Wie und ob? Keine Ahnung.

Was macht ihr also besser oder eher anders als viele andere in Berlin ansässige Punkbands, von denen es bekanntermaßen nicht gerade wenig gibt?

Tom: Was wir besser machen??…Wir nehmen das alles nicht so ernst, kann sein das es genau der Grund ist, warum wir so erfolglos sind. (kicher)

Toxic: Wir machen nichts besser, schlechter oder sonstwie anders als es schon tausend andere Berliner Bands gemacht haben. Wir machen es halt einfach. Und aus welchem Grund sollten wir uns jemals für was besseres halten? Das wär meiner Meinung nach ne Frechheit den ganzen Bands gegenüber die es in unserer stressigen Stadt gibt. Ich hoffe da kommt immer wieder was neues und Berlin rockt weiterhin.

Kumpelbasis myfest

Kumpelbasis myfest

Mit welchen Bands fühlt ihr euch musikalisch, aber auch persönlich am ehesten verbunden?

Toxic: Ich persönlich fühle mich meistens eher einem oder mehreren Mitgliedern von Bands persönlich verbunden. Kann sein das man sich über die Band kennengelernt hat. Aber das spielt dann auch ziemlich schnell keine Rolle mehr. Das ist dann eher so ein Nebenschauplatz der Freundschaft oder der Bekanntschaft. Klar, man spielt immer mal wieder mit den gleichen Leuten Gigs. Da gibt’s so Leute aus Bands die man schon lang kennt.  Das sind aber inzwischen so viele, das man da eher keine Namen nennt, da dann die die nicht benannt werden beleidigt wären. (Grins)

Tom: Meistens sind das Bands die keiner kennt oder die seit Ewigkeiten nicht mehr existieren.

Nach eurem ersten Album im Jahr 2003 erscheint nun am 24.06.2011 „Der Luxus unter wilden Tieren“. Ein Konzeptalbum oder eher eine Ode an das Leben in und um Berlin?

Toxic: Neeee!!! Konzept ist wenn man keins hat, war da eher die Devise. Und Oden haben wir uns auch nicht vorgenommen aufzunehmen. Wenn das jemand für Oden hält, ist es natürlich demjenigen selbst überlassen das für Oden zu halten (Kicher) Wir haben halt über Sachen gesungen, die uns grad so eingefallen sind. N paar Songs sind auch erst in der Nacht vor dem Aufnehmen in feuchtfröhlicher Runde entstanden und es waren 20 Stücke, die wir insgesammt aufgenommen haben. Unter anderem war eines Nachts Heiland, der alte Schlagzeuger von VKJ bei uns, und wir haben ihn direkt ans Mikro gestellt und er hat in seiner unnachahmlichen Art zum Beispiel den Mittelpart bei Albtraum eingesungen. Das war alles eher spontan und hat mit Konzept soviel zu tun wie Gänseblümchen mit Fußball.

Tom: Weder noch.  Konzeptalbum passt nicht ins Konzept und Oden schreiben nur Idioden. Wir haben das Album gemacht, weil es eben überfällig war und raus musste. Wir haben uns ja nie aufgelöst sondern immer gesagt wenn es zeitlich und menschlich für alle passt, dann legen wir wieder los

Meines Erachtens enthält das Album ein breites musikalisches Spektrum und macht es daher auch für Menschen wie mich interessant, die mit stumpfem Deutschpunk nichts anfangen können. So hören sich manche eurer Songs zwar brutal nach 80er Jahre Punkrock im Stil von „VKJ“ an, andere können mich durch ihren Reggae- bzw. Rocksteady-Sound („Der Tag“) musikalisch überzeugen.

Gibt es innerhalb der Band unterschiedliche musikalische Vorlieben einzelner Bandmitglieder, die ihr aus basisdemokratischer Überzeugung in eure Songs mit einfließen lasst?

Toxic: Das mit den Songs kommt von ganz alleine zustande. Es wird ein bisschen gespielt und dann arbeiten mehr oder weniger alle dran, das es ein guter Song wird. Und das ist ja auch subjektiv. Manchmal denkt man, man hat den Oberhit am Start und nach ner kurzen Zeit geht einem das Lied voll auf die Ketten. Aber Basisdemokratie ist so ein Wort, wo mir gleich ma das Kotzen kommt. Wenn einer echt garnicht mit dem Song kann, dann geht es meistens auch nicht. Aber das wird dann meistens nicht ausdiskutiert, sondern einfach nicht gemacht. Bei uns herrscht da schon eher Anarchie auf Kumpelbasis. Das heißt, man ist froh wenn neue Sachen angeschleppt werden. Erstmal wird alles ausprobiert. Und innerhalb der Band gibt es die unterschiedlichsten Vorlieben. Das geht von Latin-ska über Breakbeats bis Frank Zappa. Und wir wollen uns da auch einfach nicht einengen lassen. Es kommt wie es kommt.

Kumpelbasis

Kumpelbasis

Tom: Basisdemokratisch ist ein mir verhasstes Wort.  Ungefähr so gewöhnlich wie den FC. Sankt Pauli gut zu finden.  Aber  nicht ganz so schlecht wie die SPD (Grins)…natürlich darf jeder Songs und Texte anschleppen und wir probieren alles aus. Über die Auswahl von dem was veröffentlicht wird herrscht Einigkeit, ohne scheiß , wir haben uns noch nie darüber gestritten ob dieses oder jenes Lied verwendet wird.

Beim Sound seid ihr enorm experimentell, inhaltlich hingegen absolut kompromisslos und knallhart. Dies finde ich ehrlich gesagt schade, denn aus meiner Sicht würde die Offenheit, die ihr beim Sound an den Tag legt, auch euren Liedtexten stehen.

Stattdessen covert ihr den gesellschaftskritischen „Slime“-Song „Albtraum“, der in der Hochzeit des Kalten Kriegs aufgenommen wurde und aus meiner Sicht nicht zeitgemäß ist. Warum habt ihr euch für dieses Lied entschieden?

Toxic: Knallhart würde ich das nicht nennen, sondern eher ehrlich. Und die Wahrheit ist leider ab und zu etwas verworren und hart. Kompromisslos sind wir nicht. Nicht menschlich und nicht musikalisch. Was meinst du denn mit Offenheit in den Liedtexten?? Ich denke doch das ein Lied wie : „dunkle Bilder“ oder „der Tag“ sehr offen mit Dingen umgehen. Und das Albtraum nicht Zeitgemäß ist, finde ich auch nicht?? Schau dich doch in der Welt um! Was hat sich denn, außer das Raketen auf uns direkt gerichtet sind, groß geändert?? Täglich werden weltweit Menschen mit deutschen Waffen massakriert, ermordet und überall verhungern Kinder und sterben Zivilisten. Und die da oben sitzen immernoch in ihren Bunkern und spielen Poker um die Welt. Wenn das alles kein Albtraum ist, dann weiß ich ja nicht. Über die neuerliche Aufnahme kann man sagen was man will. Aber unzeitgemäß ist das Lied auf keinen Fall. Sollte irgendwann alles anders sein und der Song unzeitgemäß, wäre es für mich eine Freude. Solange das nicht so ist, sing ich das Lied mit Inbrunst. Außerdem macht mir es echt Spaß zu spielen weil die Leute drauf abfahren und immer gut getanzt und gefeiert wird bei unserer Version des alten Kultsongs.

Tom: Jaja, mit Albtraum finde ich auch geschmacklich begrenzt.  Zumal wir eine schöne Version vor 7/8 Jahren aufgenommen haben als Bush Jr. das zweite Mal im Irak einmarschiert ist, aber unser Schlagzeuger war so begeistert von dem Lied das es unvermeidlich war….

Welches sind deine drei Lieblingstitel auf der neuen CD?

Tom: Der ungleiche Bruder , bei Inge, dunkle Bilder

Toxic: Die von Tom genannten find ich auch sehr gut. Dazu noch „der Tag“, „Berlin“, und „Kreuzberg ist tot“

Gibt es eigentlich auch Themen, die ihr aus Prinzip nicht in euren Songs verarbeitet?

Toxic: Prinzipien sind uns unbekannt. Keine Ahnung. Wir lassen uns eigentlich ungern musikalisch, wie auch textlich in ein Korsett spannen. Da kann doch alles vertarbeitet werden. Die Frage ist für mich eher nicht was sondern wie was textlich verarbeitet wird. Also mir fällt ernsthaft grad nichts ein was ich mir von vorne rein verbieten würde.

Tom: DsdS und griechische Mythologie

Toxic: dann wird jetzt mal gleich ein Song über Dieter den Sohn des Zeus geschrieben (hahahahaha)

Letzte Frage: Wann kann man euch als Nichtberliner im Süden, Norden oder Westen der Republik live erleben?

Toxic: Jetzt erstmal beim Force Attack am 30.7. und dann werden wir mal schauen wie die Scheibe anläuft und was es für Konzertangebote gibt. Natürlich müssen wir bei Konzerten im Süden und Norden der Republik schon schauen, das wir da nicht draufzahlen und vielleicht auch mal was für die Bandkasse hängenbleibt. Aber jedes Angebot wird beantwortet und besprochen. Also schreibt uns auf der Fratzenbookseite und bald steht auch wieder unsere offizielle Web-Seite zur Verfügung. Bis bald in eurer Stadt.

sd

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