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Interview mit The Toten Crackhuren im Kofferraum – T.C.H.I.K. (www.THETCHIK.de)

Sonntag, 19. Januar 2014 | By | Category: News

Manchmal schreibt das Leben die spektakulärsten Geschichten von alleine. Manchmal braucht es aber mehr. Mehr Schlager, mehr Punk, mehr Electro, mehr Beat –  eben mehr von allem, was Spaß macht.  Und mit Spaß kennt sich die Berliner Band T.C.H.I.K. aus.

Lulu und Netta erklären im Interview am 10.01.2014 in Weinheim, warum sie in Zukunft nur noch Schminke geschenkt haben wollen und warum ihre Band dennoch niemals eine echte Girl-Group sein kann.

TCHIK - Credits: Sveni

TCHIK – Credits: Sveni

 

Electro, Punk, Schlager? Zu viel für das herkömmliche musikalische Schubladendenken. Ist euer Sound wirklich so unbeschreiblich?

Lulu: Eigentlich sind wir Deutschlands „erste und noch einzige Riot-Girl-Band“. Nein, noch besser trifft es „hängen gebliebener Asi-Pop auf Billig-Beats“.

Vor gut 20 Jahren konnte die Terrorgruppe die verkrustete und langweilig gewordene Punkszene mit provokativ-ironischen Aggro-Pop beeindrucken, hatte mit ihrem Bandnamen jedoch spätestens seit dem 1. September 2001 einigen Ärger und Nachteile. Wie sind die Reaktionen von Konzertveranstaltern etc., wenn sie euren ebenso provokativen Namen lesen?

Netta: Da haben wir schon von Anfang Gegenwind gespürt. Auch in der eigenen Familie kommt es nicht so gut an, wenn man erzählt, dass man bei „den Crackhuren“ singt.

Lulu: Wir haben noch nie was geschenkt bekommen, außer einmal, da gab es Socken und Schuhe für uns. Die waren allerdings unglaublich hässlich.

Socken und Schuhe. Warum, weil ihr Frauen seid?

Lulu: Anscheinend schon. Und dann waren die auch noch alle viel zu groß. Ich will endlich so bekannt sein, dass ich auch mal Schminke geschenkt bekomme!!!

Netta: Ich auch.

Spätestens nach eurem Auftritt bei Stefan Raab im Rahmen des Bundesvision Song Contests ist das doch nicht mehr so unrealistisch. Wie habt ihr den Medienrummel auf Pro7 wahrgenommen?

Lulu: Das war eine fröhliche, schöne Veranstaltung, bei der alle, inklusive Stefan Raab, sehr locker drauf waren. Eigentlich wollte ich über den einen oder anderen Künstler noch abhetzen und mal persönlich die Meinung sagen, aber selbst unter denen gab es nur nette Menschen.

Und die Reaktionen eures Umfelds?

Netta: Endlich wurden wir auch in der Familie wahrgenommen und der eine oder andere war sogar stolz darauf, dass wir im Fernsehen gezeigt wurden. Das Problem ist eben, dass viele Menschen die Musikszene fernab der Massenmedien gar nicht wahrnehmen, auch wenn es im engsten Familienkreis Menschen gibt, die dieser angehören.

Lulu: In meiner alten Heimatgemeinde gab es sogar eine BuViSoCo-Party mit Großleinwand, Bier, Chips. Ein Mega-Event eben, bei der leider kaum jemand die Sendung bis zum Ende verfolgte, weil am nächsten Tag gearbeitet werden musste. War aber trotzdem eine super Sache!

So super wie Archi Alert, seines Zeichen ehemaliger Frontmann der Terrorgruppe, der euer Album „Mama ich blute“ produzierte und euch managt? Inwiefern beeinflusst der Aggro-Popper euren Sound oder eure Texte?

Lulu: Eigentlich macht er das nicht. Ich war schon immer asi. Und Archi behauptet zwar immer wieder, dass man ihn nicht mehr schocken könne, aber durch meine Ausdrucksweise sah er sich neulich dann doch genötigt, mir den Rat zu geben, auch mal „was Politisches zu singen.“ Nicht nur über Penis und Co.

Hat der Erfolg, der sich durch den BuViSoCo als auch durch eure im Internet rauf- und runtergespielten Videos dazu geführt, dass ihr vermehrt als Girl-Band wahrgenommen werdet?

Lulu: Nein, Girl-Bands können singen, machen Sport. Wir sind eher faul, trinken hin und wieder ein Bier und haben sogar Spaß!

Mir gefällt, dass ihr auf einem Video als die „Pussycat Dolls aus Weißensee“ angekündigt werdet. Mit so einem Namen könnte man vielleicht noch mehr Fans gewinnen. Kurz, käme für euch eine Bandumbenennung in Frage, um erfolgreicher zu sein?

Netta und Lulu: Nein!!!

Gut, das war eindeutig. Mich würde noch interessieren, wie sich die Zusammenarbeit mit Destiny Records ergeben hat, einem Label, welches in der Vergangenheit eher weniger durch elektronische Musik auffiel.

Lulu: Das hat sich so ergeben, weil Archi und Jacho  sich sehr gut kennen. Das ist allseits bekannt, dass auch im alternativen Musikgenre einiges nach Inzest-Methode produziert und veröffentlicht wird (grinst). Und das ist in Berlin nicht anders.

Netta: Das stimmt, aber wir fühlen uns bei Destiny sehr wohl und die Leute, die unsere Konzerte besuchen, gehören auch mehrheitlich der Punkszene an.

Lulu: Und spätestens nach dem vierten Lied fangen die meisten an mitzusingen. Vorher müssen viele noch eine innere Grenze überschreiten, aber dann gefällt vielen unsere Musik. Das ist gut und ich merke, dass die Szene zunehmend toleranter für andere Einflüsse wird. So sieht man auch bei K.I.Z.-Konzerten mittlerweile viele Punkrocker.

Euer Debütalbum wurde jetzt auf Destiny wieder veröffentlicht. Ist nunmehr einfach die Auflage eine größere oder wurde am Sound nachgearbeitet?

Lulu: Da wurde nichts nachgearbeitet. Mittlerweile sind wir nicht mehr bei Universal unter Vertrag und da lag es nahe, dieses mittlerweile vergriffene Album auf Destiny wieder neu aufzulegen. Generell sind wir alle mit den Verkaufszahlen der T.C.H.I.K.- CDs und natürlich auch mit denen meiner zweiten Band „Lulu und die Einhornfarm“ absolut zufrieden.

Welche Ziele und Pläne habt ihr für 2014?

Lulu: Wir machen jetzt auf jedem Konzert Penis-Bilder und daraus erstellen wir eine riesige Collage in Penis-Form. Wer bei T.C.H.I.K. im Vorprogramm spielen möchte, muss sich übrigens auch auf diese Weise bei uns bewerben. Dieses Mal konnten uns die Jungs von „Kontrast.“ (facebook.com/kontrastpunkt) überzeugen.

Netta: Ja, die sind süß. Gestern hatten wir in Aachen wieder einen Freiwilligen aus dem Publikum, der sein bestes Stück fotografieren ließ. Leider haben wir zu spät gemerkt, dass er eine Böhse Onkelz-Tätowierung hatte. Das muss nachträglich retuschiert werden.

Na, dann…In diesem Sinne danke ich Lulu und Netta für ein kurzweiliges Interview und wünsche, dass ihnen die männlichen Fans auch 2014 weiter treu die Stange halten bzw. zeigen werden.

Sveni


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