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Interview mit Üni, dem Sänger von „Frau Doktor“

Montag, 27. September 2010 | By | Category: News

In den späten 80er Jahren des letzten Jahrtausends wurde deutschsprachiger Ska durch Bands wie „El Bosso and the Ping-Pongs“ bekannt und vor allem in der Punk- und Skinszene beliebt. Seit etwa fünf Jahren erreicht dieser Musikstil durch das „Farin Urlaub Racing Team“ und „Sondaschule“ auch zahlreiche Menschen außerhalb der Subkulturen.


Stellt sich angesichts dieser Tatsachen eigentlich die Frage, ob „Frau Doktor“ zu spät oder eher zu früh gegründet wurde?

Üni - Frau Doktor

Üni - Frau Doktor

Üni: Wow, ist das eine Frage. Ich gebe zu, dass ich zu jener Zeit auch „El Bosso“ gehört habe, aber eigentlich hatte der mit unserer Bandgründung eher weniger zu tun. Wir wollten uns vor 15 Jahren so jamaikanisch wie möglich anören und da waren andere deutschsprachige Künstler eher nicht so von Bedeutung.

Ich finde es erstaunlich, dass von Bandseite stets betont wurde, dass bei euch der Spaß im Vordergrund stehen sollte und gleichzeitig habt ihr in 15 Jahren sieben Alben aufgenommen und Hunderte von Konzerten gespielt. Kam euch- oder von Seiten der Plattenfirmen- nie der Gedanke, das Ganze professionell aufzuziehen?

Üni: Es gab da schon mal so eine Zeit, wo wir uns das überlegt haben. Nicht umsonst hatten wir großes Interesse, beim damals größten deutschen Label für Ska-Musik („Moskito-Records“, S.D.) unter Vertrag genommen zu werden. Der Deal kam zustande und wir spielten in der Zeit eine Menge Gigs u.a. auch als Vorgruppe von „Mr. Review“. Nur blieb eben der große Erfolg, der sich für die Plattenfirma v.a. in verkauften Tonträgern misst, aus. Übrigens waren die häufigen Live-Auftritte damals auch nur möglich, weil wir beruflich und privat relativ ungebunden waren. Als dieser Abschnitt zu Ende ging war klar, dass der Traum ausgeträumt war und fortan nur der Spaß zählen sollte.

Apropos Plattenfirmen: Über die Wechsel zwischen „Moskito“-, „Wolverine“-, „Elmo“- und „Rookie-Records“ könnten wahrscheinlich auch mehrere Bände verfasst werden. Welche Auswirkungen hatten diese Wechsel auf euren Sound?

Üni: Wir hatten mit unseren Plattenfirmen nicht immer ein glückliches Händchen und mit manchen von denen gab es ordentlich Ärger. Mit „Rookie-Records“ haben wir allerdings sehr viel Glück gehabt, da dieses Label von unserem guten und langjährigen Freund Jürgen Schattner (Ex-„Walter Elf“, S.D.) geführt wird. Auch unser letztes Album mit dem Titel „Grenzen der Gemütlichkeit“, das neben den unserer Ansicht nach besten 15 „Frau Doktor“- Songs der letzten 15 Jahre noch vier komplett neue Lieder beinhaltet, ist vor einigen Tagen auf dem Label erschienen. Die Veränderung unseres Sounds, der im Laufe der Jahre tatsächlich poplastiger wurde, hatte mit den unterschiedlichen Plattenfirmen jedoch nichts zu tun.

Kann man diese Zusammenarbeit zwischen euch und „Rookie-Records“ auch so verstehen, dass ihr es satt hattet, wie bei „Moskito“ oder „Elmo“ in eine bestimmte musikalische (Ska-) Ecke gedrängt zu werden?

Üni: Nein, das hatte wirklich persönliche Gründe, weil wir uns auf „Rookie“ einfach wie zu Hause fühlen. Dass auf dem Label noch andere grandiose Bands wie „Steakknife“, „Spermbirds“ vertreten sind, ist zwar großartig, war für unsere Zusammenarbeit allerdings nicht ausschlaggebend.

Zum Schluss noch ein Best-of-Album zu veröffentlichen, ist eine nette Geste an alle Freunde und Fans, die euch in den letzten 15 Jahren begleitet haben. Gibt es nach der Veröffentlichung des Silberlings demnächst auch für die Freunde des Vinyls Grund zur Freude?

Üni - Frau Doktor

Üni - Frau Doktor

Üni: Leider nein. Beinahe wäre die Scheibe auch auf Vinyl erschienen. Es gab da aber einige finanzielle Probleme, weil die vielen Songs nicht auf eine Platte gepasst haben. Folglich wären zwei Platten nötig gewesen, was wiederum eine Vergrößerung und damit eine Verteuerung des Booklets zur Folge gehabt hätte.
Ich persönlich hätte mir auch noch eine Vinyl-Single zur Tour gewünscht, aber das wurde durch den straffen Zeitplan, der für die Realisierung des neuen Albums angelegt wurde, unmöglich gemacht. Schade, aber so wenig Zeit wie diesmal hatten wir echt noch nie.

Heute Abend beginnt in Weinheim eure Abschiedstour, auf der den Zuschauern ihre und eure „Grenzen der Gemütlichkeit“ aufzeigen werdet. Welche Erinnerungen verbindet ihr mit dem Cafe Central?

Üni: Das Cafe Central ist ein toller Club, in dem ich schon einige grandiose Konzerte besucht habe. Allerdings muss ich gestehen, dass bei der Planung unserer Abschiedstour Weinheim gar nicht im Gespräch war. Als dann unser geschätzter Freund „Dr. Woggle“ mit uns in Kontakt trat und uns bat, im Central zu spielen, sagten wir zu. Eigentlich hätte er mit seiner Band heute auch mit uns spielen sollen, aber das hat leider nicht geklappt. Wir sind trotzdem hier.

Könnt ihr euch aus heutiger Sicht vorstellen, in ein paar Jahren- genau wie „Walter Elf“- einmal pro Jahr in eurem Stammclub „Schlachthof“ ein Konzert zu veranstalten, obwohl das eure Abschiedstour ist?

Üni: Das ist momentan überhaupt kein Thema. Wir konzentrieren uns jetzt voll und ganz auf die Abschiedstour und das war´s. Obwohl…man soll ja nie nie sagen.

Was fangt ihr jetzt eigentlich mit eurer vielen Freizeit an?

Üni: Gute Frage. Die mit Familie werden schon wissen, was sie machen. Ich hingegen könnte mir vorstellen, dass mir sonntags schon langweilig werden könnte, da wir seit 1995 immer an diesem Tag unsere Probe hatten. Vielleicht treffe ich mich ja mit Andi und wir trinken gemütlich unser Bier.

http://www.myspace.com/dauercamper

http://www.fraudoktor.de

Sven Dehoust

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