RSS Feed abonnieren


James Blunt – Interview

Montag, 15. November 2010 | By | Category: News

1. Mr. Blunt, wie gut ist eigentlich Ihr Spanisch?
Es ist okay. Ich habe inzwischen genug gelernt um zurecht zu kommen und keinen Ärger mit der Polizei zu haben. Aber um ein Interview zu machen oder ein richtiges Gespräch zu führen, reicht mein Spanisch noch nicht aus.

2. Wie lebt es sich auf Ibiza?
Es ist nicht weit weg von England, es sind nur zwei (Flug-)Stunden. Ich habe ein Kissen auf meinem Sofa, auf dem steht: ’Du weißt nicht, wie viele Freunde du hast, solange du nicht eine Villa auf Ibiza hast!’ – denn es gibt viele Leute, die nach Ibiza kommen und bei dir wohnen wollen. Es ist eine sehr freie Insel. Um dorthin zu gehen, muss man in seinen Gedanken ein freier Mensch sein.

James Blunt - Credits: WMG

James Blunt - Credits: WMG

Aber wenn man dort ist, fragt man sich, warum es nicht jeder tut. Als ich nach Ibiza kam, fragte ich mich, warum nicht jeder seine Zelte abbricht und hier her kommt, denn es ist einfach magisch.“

3. Sicher hat der Ort an dem man lebt, keinen unmittelbaren, direkten Einfluss auf die Songs, aber das Leben auf Ibiza scheint doch etwas abgefärbt zu haben, oder?
Als mich Leute fragten, ob dieses neue Album von Ibiza beeinflusst sei, war meine erste Reaktion: Nein. Ich habe es in London geschrieben und aufgenommen. Aber ich lebe auf Ibiza und natürlich hat mich das beeinflusst. Das Leben im Sonnenschein und die ganz eigene Art des Lebens auf Ibiza hat natürlich Auswirkungen. Deshalb würde ich sagen, dass Ibiza mein Heim und London mein Office ist.

4. Was würden Sie erwidern, wenn man „Some Kind Of Trouble“ als Ihr Sommer-Album bezeichnet?
Absolut. Und es hat viel Spaß gemacht. Ich wollte kein drittes ausschließlich melancholisches Album machen, denn das wäre nicht sehr befriedigend und es hätte auch keinen Spaß gemacht. Ich bin kein ständig trauriger Mensch. Ich habe viel Spaß bei den vielen Dingen, die ich tue. Und ich finde es schön, wenn ich das mit meinen Songs einfangen kann. Aber das ist mir in der Vergangenheit ziemlich schwer gefallen, wenn ich meine Songs auf der akustischen Gitarre geschrieben habe. Ich bin ja lange nur mit der akustischen Gitarre herumgereist. Und das sorgte für einen bestimmten Schreibstil. Jetzt habe ich die tolle Möglichkeit, in einem Studio zu arbeiten, das viele Instrumente zur Verfügung hat.

5. Wie ist der Song „Stay The Night“ entstanden?
Ich glaube, es ist ungefähr sechs Monate her. Die Zeit vergeht ja so schnell, obwohl es noch gar nicht solange her scheint. Der Song hat sich quasi selbst geschrieben. Wir waren zu dritt in Kalifornien und haben zusammen diesen Song geschrieben. Wir saßen mit unseren akustischen Gitarren im Kreis – es war so, als wenn man um ein Lagerfeuer herum sitzt, nur dass wir kein Lagerfeuer hatten. Die Temperatur war wirklich 72 ° (Fahrenheit). Wir haben einfach die Dinge beschrieben, die um uns herum geschehen sind.
Ein paar Leute haben gefragt, ob es eine Hommage an Michael Jackson ist (wegen der Erwähnung von „Billie Jean“). Aber das ist es nicht. Es ist einfach eine Beschreibung dessen, was dort passiert ist. Genauso wie „Vodka – Redbull“, das trinken die Leute halt. Es ist ein einfacher Song, der Spaß macht und der ein bestimmtes Feeling beschreibt. Wir haben versucht, ein paar Momente und diese Energie einzufangen. Das war erregend. Wir fühlten uns voller Energie und haben versucht, diese Energie einzufangen.

6. Im Gegensatz zu Ihren beiden ersten LP’s wirken die meisten neuen Songs sehr munter, geradezu draufgängerisch, wenn man z.B. an „Turn Me On“ denkt…
Das ist genau, wie ich mich fühle. Bei diesem Album habe ich viele Songs, die ich gerade fertig geschrieben hatte, sofort als Demo aufgenommen. Und aus dem Demo ist dann der fertige Song entstanden. Das war sehr wichtig für mich, denn wenn man den Song sofort aufnimmt, erhält man die Spontanität, die Energie und dieses spezielle Etwas des Moments am Leben. Und der Song „Turn Me On“ ist genau das Demo.

7. Wollten Sie mit „Turn Me On“ allen Leuten zeigen, dass Sie auch anders können?
Es geht nicht so sehr um andere Leute, ich schreibe die Songs zuallererst für mich selbst. Aber es stimmt schon und es ist einer meiner Lieblingssongs. Viele Leute sagten: Oh Gott. Und dass der Song jetzt Nr. 13 ist, liegt daran, dass meine Plattenfirma den Song ursprünglich nicht auf dem Album haben wollte. Aber da ich eine gute Beziehung zu meiner Firma habe, sagte ich den Leuten: Der Song kommt auf’s Album, aber ich tue Euch einen Gefallen. Wir haben die Reihung der Songs von 1 bis 11. Und dieser Song kommt dann als Nr. 13. – Aber das sorgt nun dafür, dass der Song noch mehr heraus sticht. Aber es gibt viele Leute, die meinen, dass das nicht James Blunt sei.

8. Wie ist es, wenn Sie diesen Song live spielen? Wie reagieren die Leute?
Sie lieben den Song. Im Konzert sind die Leute auf meiner Seite. Ich kann sie mit auf eine Reise nehmen. Und wo immer die Reise hingeht, sind die Leute offen dafür.
Es ist ein Problem, wie Songs und Alben derzeit vermarktet werden, denn es werden nur Singles veröffentlicht und die Leute reden eben nur über die Singles. Als Künstler wird man nur durch seine Singles bekannt und darin liegt die Schwierigkeit.

James Blunt - Credits: WMG

James Blunt - Credits: WMG

9. Wo haben Sie die Frau kennen gelernt, von der Sie in dem Song „She’s Dangerous“ singen?
Irgendwo auf dem Weg. Es gibt ein paar Frauen, die man irgendwann irgendwo kennen lernt. Ich bin sicher, sie haben auch schon so eine Frau getroffen. (lacht) Dieses Gefühl, das der Song beschreibt, passt gut zum Titel des Albums „Some Kind Of Trouble“. Es ist zugleich ein Gefühl der Furcht aber auch der Erregung. Und was mir an dem Song gefällt, ist, dass er von Dingen im Leben handelt, die man nicht richtig versteht, die vielleicht sogar schlecht für dich sind, in die man sich aber dennoch stürzt.

10. In dem Song „Best Laid Plans“ singen Sie „Why all the best laid plans fall apart in your hands“. Haben Sie eine Erkärung dafür?
Nein, ich habe keine Antwort. In gewisser Weise hat der Song eine Beziehung zu „Carry You Home“ (vom Album „All The Lost Souls“). Er hat einen ähnlichen Hintergrund. Er handelt von einem Menschen, dessen Leben aus dem Ruder läuft und der sich nicht zu helfen weiß. Und noch wichtiger: Ein Mensch, der anscheinend gar nicht will, dass es wieder Ordnung kommt. Die einfachste Erklärung wäre wohl, dass es sich dabei um einen Süchtigen handelt, der sich nicht helfen lassen will. Jeder weiß, dass man niemandem helfen kann, wenn er es selbst nicht will. Egal, wie sehr man sich bemüht, kann man nichts ausrichten. Man wird höchstens selbst davon angesteckt. Der Song handelt von der Frustration und der Verzweiflung, jemanden in einer solchen Situation zu sehen und nicht helfen zu können, weil derjenige sich selbst nicht helfen will.

11. Viele Musiker sagen, dass sie von Musik besessen sind. Wie geht es Ihnen?
Viele Leute, die mit Musikern zusammen leben, sagen, dass dies schwierig sei. (lacht) Denn es ist kein Job, sondern eine Lebensweise. Ich habe ein paar Freunden bestimmte Songs vorgespielt, und sie waren ziemlich schockiert, wie intensiv ich die Songs lebe. Sie waren sogar ein bisschen verängstigt, wie sehr ich diese Songs lebe.

12. Es gibt also eine bestimmte Besessenheit bei Ihnen?
Ich glaube, bei mir läuft das in Zyklen, in den Album-Zyklen. Ich habe das Album „All The Lost Souls“ aufgenommen und bin dann auf Tour gegangen. Die Tour dauerte zwei Jahre. Da lebt man die ganze Zeit wie in einer Blase. Danach kam ich nach Hause  und hing mit meinen Freunden ab. Ich hatte also eine Periode von sechs Monaten, in denen das Leben ganz normal verlief. Das Songschreiben und das Aufnahmen war dann auch noch einigermaßen normal, jedenfalls konnte ich noch tagsüber arbeiten. Aber da wird es schon schwierig. Ich denke, wenn man mit den Aufnahmen anfängt und vor allem, wenn man die Songs live präsentiert und auf Tour geht, dann bestimmt das das ganze Leben.

13. Und wie kommen Sie dann wieder runter?
Wenn ich mit der Tour fertig bin, geht’s nach Hause. Aber das ist keine lange Zeitspanne, so zwischen vier und sechs Monaten. Vielleicht sollte ich diesmal eine längere Pause einlegen. (lacht)

14. Ihre Albumtitel haben immer eine bestimmte Bedeutung. Was verbinden Sie mit „Some Kind Of Trouble“?
Ich nenne meine Alben nie nach einem bestimmten Song, denn es geht immer um die Gesamtheit der Songs. Und es stimmt, der Albumtitel ist schon wichtig. Den Albumtitel „Some Kind Of Trouble“ hatte ich viel später gefunden als bei den anderen beiden Alben. Den Titel „All The Lost Souls“ hatte ich schon, bevor ich überhaupt etwas für dieses Album aufgenommen hatte. Aber ich war mir sicher, dass dieser Titel das Gefühl des ganzen Albums ausdrücken würde. Beim neuen Album war mir das Grundgefühl schon bewusst, bevor ich es geschrieben und aufgenommen habe. Ich war sehr aufgeregt, aber ich konnte dieses Gefühl nicht in Worte fassen. Erst ganz zum Schluss wurde es mir klar, denn es geht in allen Songs um irgendwelche Probleme. Aber diese Probleme sind irgendwie aufregend. Es ist vielleicht so, als würde ich jetzt zu ihnen sagen: Hey, wir sind gerade in Hannover, lass uns ein bisschen Aufregung suchen!

James Blunt - Credits: Andrew Zaeh

James Blunt - Credits: Andrew Zaeh

15. Der Song „So Far Gone“ hat eine eigenwillige Stimmung. Was steckt dahinter?
Ich wurde schon gebeten zu erklären, was dieser Song bedeutet. Viele Leute haben mir gesagt, dass sie diesen Song mögen und dass er ihnen viel bedeutet. Für mich ist der Song fast wie eine nicht zu Ende entwickelte Idee. Mir ist nicht ganz klar, woher die Frustration kommt, um die es in dem Song geht. Diese Frustration hat offensichtlich mit einer Beziehung zu tun. Es geht offensichtlich um die Schwierigkeiten am Ende einer Beziehung und den Mangel an Kommunikation. Aber ich nehme an, es geht um eine Partnerschaft, die in der Schwebe ist. Deshalb denke ich, dass diese Frustration damit zu tun hat, dass ich mich mit einer Beziehung, die in der Schwebe ist, unwohl fühle. Wogegen es in dem Song „These Are The Words“ um eine Beziehung geht, die zu Ende ist, aber es ist okay. Man tanzt mit einem zerbrochenen Herzen, aber man ist auch froh, dass es vorbei ist. Der Song ist völlig entspannt. Wenn man den Text liest, ist es wie eine Mischung aus Trauer und Komödie. Ich singe diesen Song mit einem Lächeln und es ist ein Song, bei dem ich mich gut fühle, obwohl es ganz offensichtlich ein bisschen Traurigkeit gibt.

16. Der Song „Superstar“ beschäftigt sich mit dem Streben nach Ruhm und Erfolg. Welche Anregungen gab es für diesen Song?
Der Titel ist auf den ersten Blick ein bisschen irreführend, denn viele Leute glauben, dass ich in dem Song von mir spreche. Das stimmt aber nicht. Es geht nicht um mich als Musiker. Aber es geht darum, was ich empfinde. Ich habe den Song aus der Perspektive eines Teenagers geschrieben. Denn ich denke, dass es ein wichtiger Weg ist, wie man beschreiben kann, was gegenwärtig in unserer Welt passiert.
Wenn man Kinder gefragt hat, als sie oder ich ein Kind waren, was sie später einmal werden wollen, dann haben sie geantwortet: Rennfahrer, Feuerwehrmann, Polizist, Arzt, viele verschiedene Berufe. Wenn man die Kids heute fragt, sagen sie: Ich will berühmt werden. Das war’s.

17. Welche Gründe gibt es dafür?
Es liegt an der Welt, in der wir leben. Unsere Welt ist besessen von Ruhm und Erfolg. In jedem Magazin, das man liest, gibt es Bilder von berühmten Leuten. – In früheren Zeiten haben wir durch unsere Gardinen unsere Nachbarn beobachtet um zu sehen, welches Auto sie haben. Wir standen sozusagen in Konkurrenz zu unseren Nachbarn. Heute konkurrieren wir mit den Leuten in den Magazinen. Der hat diese Uhr. Die muss ich auch haben! Wir reden in der westlichen Welt so oft von Freiheit. In Amerika wird ständig davon palavert: Wir sind frei. Aber das stimmt nicht. Viele Leute haben nicht die Freiheit der Wahl, nicht die Freiheit der Entscheidung, denn ihnen wird ständig gesagt, was ihnen zu gefallen hat, welche Klamotten sie zu tragen haben und welche Musik sie hören sollten.

18. Was denken Sie über Erfolg?
Wir bezeichnen es als Erfolg, wenn man Ruhm und Vermögen hat. Aber wir sollten es als Erfolg bezeichnen, wenn wir glücklich sind. Das wäre wichtig. Ich werde oft gefragt, was für mich Erfolg ist. Ich habe Freunde in England, die in einem Caravan leben und kaum Geld haben. Aber sie lieben sich und sie haben drei Kinder und ein großes Lächeln auf dem Gesicht. Ich denke mir dabei: Was für einen großen Erfolg haben sie in ihrem Leben erreicht.

19. Ist diese Fokussierung auf den Starrummel ein Grund, warum Sie nach Ibiza gegangen sind?
Nein, nicht unbedingt. Ich habe auch in London ein ziemlich normales Leben. Ich kann wählen. Ich weiß, wenn ich in bestimmten Orten auftauche, werde ich auch besonders behandelt. Und das kann durchaus Spaß machen. Wenn’s mal ein bisschen oberflächlicher zugeht, macht mir das auch Spaß. Es wäre fürchterlich, diesen Job zu haben, wenn ich es nicht so empfinden würde. Andrerseits finde ich es sehr wichtig, dass ich wie ein normaler Mensch behandelt werde und dass mich meine Freunde als normalen Menschen betrachten. Ich treffe manchmal andere Künstler, die bei ihren Reisen immer einen Assistenten und einen Bodyguard oder jemand anderen dabei haben, der für sie arbeitet. Sie machen Urlaub und haben all diese Leute um sich herum. Ich würde mich in einer solchen Umgebung unwohl fühlen. Wenn ich mit Freunden in Urlaub fahre, würde niemand auch nur davon träumen. Das Wort „Star“ gibt es da nicht.

20. Sie wären nicht Sie selbst, wenn es nicht auch ein paar leidenschaftliche Liebeslieder auf dem Album geben würde. Aber zwischen „If Time Is All I Have“ und “I’ll Be Your Man” liegen gefühlsmäßig Welten…
Der Song „If Time Is All I Have“ ist ein sehr verzweifelter Song und “I’ll Be Your Man” ist sehr locker und draufgängerisch. „If Time Is All I Have“ handelt davon, dass man nicht in der Lage ist, mit einem anderen Menschen zu sprechen. Und die einzige Möglichkeit, diesen Menschen zu erreichen, ist es mit diesem Song über das Radio zu ihm zu sprechen. Es ist der einzige Song (auf dem Album), der wirklich verzweifelt ist.

Quelle: WMG

Tags:

One comment
Leave a comment »

  1. Die Stimme von Herrn Blunt ist zweifelsfrei sein Trumpf, auch aus den schräpigsten Laptopboxen klingt er noch heraus. Das neue Album ist leider im negativen Sinne „Ibiza“ – hinzu kommt, dass er sein Produktionsteam gewechselt hat, die geniale Linda Perry – ehemals Four non Blondes – ist nicht mehr dabei und es ist wirklich nur ein Wetten-dass-Popalbum geworden. Mit dem dritten Album sind natürlich die Kriegsgeschichten des Herrn Blunt vorbei, aber so ein Sonnentrallala-Album hätte es auch nicht gebraucht. Von You´re beautiful meilenweit entfernt – nicht nur 2 Flugstunden. Aber er ist ein netter Kerl, warten wir aufs 4. Album.

Leave Comment