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Kate Hall – „Du gehörst zu mir“

Donnerstag, 12. November 2009 | By | Category: News

War der Sommer besonders groß, ist man immer ein bisschen wehmütig, wenn er vorbei ist. Man ist dünnhäutiger als sonst, weil der letzte Sonnenbrand vielleicht noch spürbar ist, aber man doch schon die Jacke enger um die Schultern ziehen muss. Dann läuft man durch die Stadt und sieht zu, wie in den Alleen die Blätter treiben und hat irgendwie das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Kate-Hall-Cover

Kate-Hall-Cover

Kate Hall blickt nach oben und runzelt die Stirn. „Es wird Herbst“, sagt sie und fröstelt ein bisschen. Rührt in ihrem Milchkaffee, zögert kurz und lächelt dann breit. „Egal“, fügt sie an, „ich möchte draußen sitzen und das Wetter spüren“. Wenn Kate spricht, möchte man automatisch mehr hören, weil ihr Akzent ihrer Sprache eine zauberhafte Klangfarbe verleiht.

„Ich bin in England geboren, in Dänemark aufgewachsen und in Deutschland zu Hause. So klinge ich auch“, sagt Kate und grinst breit. Sprachliche Missverständnisse sind bei ihr nicht nur alltäglich, sondern auch sympathisch. Wenn Kate erzählt, dass sie gerne mit dem Fahrrad durch Berlin cruist, aber demnächst mal in den Fahrradladen gehen will, „um sich ein bisschen Luft zu leihen“, muss man einfach lächeln.

Doch die Sprache ist eine Hürde, die Kate problemlos beiseite wischt. Sie träumt zwar auf Deutsch, Englisch und Dänisch, schreibt ihre Songs aber auf Deutsch. Und selbst, wenn sie manchmal eine dänische Phrase eindeutscht und niemand versteht, was sie sagen will, lässt sie sich nicht entmutigen. Dann spielt sie weiter mit vertrauten und fremden Worten, bastelt an Lyrics – und findet den perfekten Titel für ihr neues Album. Ein bisschen poetisch, ein bisschen romantisch, ein bisschen abstrakt. Aber er ist 100 Prozent Kate – der „Himmel um die Ecke“.

Kate bestellt einen Espresso, den sie in ihren Milchkaffee kippt. Die Kellnerin runzelt die Stirn, verkneift sich aber einen Kommentar. Kate bemerkt das und grinst. „Ich bin halt ein Kaffee-Junkie“, sagt sie feixend und nimmt einen Bissen von ihrem Rührei. Dann ist sie wieder voll da. „Es ist kein Album, das du dir Samstagabend vor dem Weggehen anhörst. Sondern am Sonntag, wenn du im Bett liegst und es vielleicht regnet.“ Es klingt ein bisschen kitschig, ist aber nicht so gemeint. Kate hebt den Blick. „Ich bin eine bodenständige Romantikerin.“ Deshalb tragen ihre Songs zwar große Gefühle, aber nie zu dick auf. Es ist deutschsprachiger Emotion-Pop mit Geschichten über die Liebe. Wie sie kommt, wie sie geht, wie sie schmerzt.

Kate mag den Wechsel der Jahreszeiten. Weil die Leichtigkeit des Sommers der Schwermütigkeit des Herbstes Platz macht und dazwischen genug Raum ist, beides zu vermischen und eine schwermütige Leichtigkeit zu empfinden. Dann hält sie die Nase in den Herbstwind und weiß: Ich bin traurig, ich bin glücklich – und es ist gut so. Weil der Herbst genauso groß werden kann wie der Sommer und sich nicht nur die Jahreszeiten ändern, sondern auch Gefühle – und manchmal die Menschen und die Musik, die sie machen, mit ihnen.

Kate Hall wirkt anders. Sieht man genau hin, kann man die Sommersprosse in ihrem Gesicht zählen. „Zwanzig Schichten Make-up lassen meine Stimme auch nicht besser klingen“, sagt sie trocken und spielt auf eine Vergangenheit an, in der man ihr lieber das tussieske Püppchen als die talentierte Sängerin attestierte. „Es ist nie leicht, wenn dir ein Image aufgedrückt wird“, ergänzt sie Schulter zuckend, als wolle sie damit sagen, dass man nicht vermeiden kann, manchmal über die eigene Vergangenheit zu stolpern, in der man versucht hat, jemand zu sein, der man nicht ist. Kate schmunzelt, wenn sie daran denkt. „Ich habe begriffen: Ich bin nicht cool. Also versuche ich erst gar nicht mehr, es zu sein.“, sagt sie und grinst keck. Vielleicht ist sie nicht cool. Aber vielleicht sind Sympathie, Herzlichkeit und Bodenhaftung auch die besseren Attribute.

Wenn im Herbst die Witterung launisch wird und Regentage sich mit Altweibersommertagen abwechseln, zieht eine Melancholie auf, die man schwer abschütteln kann. Wie manche Fragen, die man ständig gestellt bekommt, aber auf die man eigentlich nicht antworten möchte. Kates Lächeln wird ein bisschen dünner. „Es war die große Liebe“, erklärt sie, „aber manchmal ist groß eben nicht groß genug“, wenn sie auf ihre Trennung von Ben angesprochen wird. Damit ist alles gesagt, was darüber zu sagen ist, nur ein Hauch „melancholic mood“ hängt in der Luft. Wie bei den zärtlichen Balladen und eingängigen Midtempo-Nummern auf „Himmel um die Ecke“.

Aber Kate ist bei weitem nicht nur Sängerin, Fernsehgesicht oder Ex-Freundin. „Ich bin Musikerin. – Punkt.“, sagt sie bestimmt. „Ich schreibe Songs, ich schreibe Texte. Ich bin nicht eine von denjenigen, die sich einfach nur auf die Bühne stellen und aus der Konserve singen.“ Wenn Kate mit fester Stimme sagt: „Ich will singen, wo mein Herz schlägt“, dann fühlt man die Entschlossenheit, mit der sie an „Himmel um die Ecke“ gearbeitet hat. „Es ist wie die Ankunft nach einer langen Reise, wenn man spürt: Ich bin zu Hause.“ Ja, der Herbst ist angekommen. Kate auch. Sie hat die Mitte gefunden, aus der sie jetzt nach oben startet. In ihren „Himmel um die Ecke“.

© Jasmin Kreulitsch | United-Editors.de

Quelle: MPN

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