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ROSE „Les souvenirs sous ma frange“

Montag, 19. Oktober 2009 | By | Category: News

Die Grande Nation scheint schon immer reich an außergewöhnlichen Gesangskünstlerinnen gewesen zu sein. Von Edith Piaf und Juliette Greco bis hin zu Francoise Hardy und Charlotte Gainsbourg, die Liste des Landes, in dem derzeit selbst die Präsidentengattin ein gefeierter Popstar ist, ließe sich beliebig verlängern.

Rose

Rose

Nicht wenige der derzeit besten französischen Popkünstlerinnen sind bei EMI unter Vertrag, denken wir etwa an Keren Ann, Camille und Coralie Clement. Die 30-jährige Sängerin, Gitarristin, Pianistin und Songwriterin mit dem hübschen Künstlernamen Rose ist dabei relativ neu im Bunde.

Erst vor zwei Jahren setzte sie mit der koketten Single „La Liste“ eine erste Duftmarke und eroberte kurze Zeit später mit ihrem unbetitelten Debütalbum die französischen Charts im Sturm. Ein Doppelplatinalbum zum Karrierestart gelingt wahrlich nicht jeder Novizin, aber das hat bei ihr gute Gründe: Äußerlich ein wenig an die junge Cher erinnernd, verfügt Rose über eine natürlich charmante Ausstrahlung; sie spricht und singt mit rauchzarter, aber kraftvoll tönender Stimme ungemein distinguiert; ihre Songtexte sind schließlich nicht nur traumwandlerisch poetisch, sondern auch präzise beobachtet und mitunter entwaffnend persönlich.

All diese Prämissen treffen auch auf ihrem zweiten Studioalbum zu, „Les souvenirs sous ma frange“, das mit dreizehn neuen Songs aufwartet, die mit raffinierten Arrangements aufwarten und stilistisch noch weiter greifen als die Kompositionen ihres späten Erstlingswerks.

Rose, die eigentlich Keren Meloul heißt, hat ihren Künstlernamen dem Film „The Rose“ von Mark Rydell entlehnt, der darin 1979 das Leben der Janis Joplin nachgezeichnet hatte. Die Liebe zur Musik von Janis Joplin war bei Rose von ihrem Vater geweckt worden, der ihr auch das Werk von Bob Dylan nahe brachte.

Schon als Kind sang sie die Lieder von Francis Cabrel (ebenfalls ein passionierter Dylan-Fan) und Jean-Jaques Goldman. Mit 18 begann sie, ihre Texte, die sich nicht selten ausnahmen wie Tagebuchaufzeichnungen, mit ihrer Gitarre musikalisch zu untermalen. Doch nach ihrer Schule verfolgte die junge Amateurmusikerin aus Nizza erst einmal andere berufliche Pläne und arbeitete nach ihrem Studium einige Jahre als Lehrerin.

Demoaufnahmen landeten schließlich auf Umwegen bei dem Produzenten von Camille, was schließlich zu dem Plattenvertrag mit EMI führte. Rose war inzwischen nach Paris gezogen und nahm dort ihr Debütalbum mit einem der renommiertesten Toningenieure und Produzenten Frankreichs auf, mit Dominique Blanc-Francard (Pink Floyd, David Bowie, Jane Birkin). Ihrem gefeierten Einstand in der französischen Musikszene folgten etliche Konzerte und erste internationale Erfolge.

Rose: Credit-Jan-Welters

Rose: Credit-Jan-Welters

Im letzten Jahr heiratete sie in Nizza den Sänger und Songwriter Bensé, der bereits auf ihrem Debütalbum auf zwei Songs mitgewirkt hatte. Für ihr neues Album arbeitete Rose jedoch in erster Linie mit Jérôme Plasseraud und Thibaut Barbillon zusammen, zwei Musikern von der französischen Band 1973, die auch für die facettenreichen Arrangements mit verantwortlich zeichnen.

„Les souvenirs sous ma frange“ ist bei aller musikalischen Leichtigkeit ein ernstes und sehr ambitioniertes Album, das auf die Wirren der Jugend („J’ai 18“) ebenso zurückschaut wie es einen Blick wagt auf die Gnadenlosigkeit des Alterns („Qui peut dire?“).

Das zweifellos persönlichste Lied und zugleich emotionale Herzstück des Albums ist „Chez moi“, eine pointierte Liebeserklärung an Eltern und Geschwister, eine emotional aufgeladene Familienchronik, die empfindsame Gemüter zu Tränen rühren kann. Die Gitarren erinnern hier an den Harry-Nilsson-Klassiker „Everybody’s Talkin'“ – und auch in den Opener „Comment c’etait déjà vu“ sind sanft seufzende Americana-Gitarren eingeflochten.

Dabei versteht sich Rose nicht minder ausgezeichnet auf herrlich frohlockende Pop-Chansons wie „Yes We Did“. Hinter der Single verbirgt sich eine pfiffige Jahreschronik, eine bitter-ironische Abrechnung mit ihren Landsleuten, bei der sich das Politische mit dem Privaten mischt. Ihren präzisen Blick schärft sie mit Alltagsbeobachtungen („De ma fenêtre“), sie kann sich in ihren Sprachkapriolen verlieren („Quitte moi“) oder, ganz Bohèmiénne, die Freiheit des Augenblicks zelebrieren („Ma corde au clou“). Das maritime „Comme un marin“ überrascht mit der wogenden Schwermut slawischer Klänge und wenn Rose auf dem Titelsong „Les souvenir sous ma frange“ einmal mehr auf ihre französische Spielart von Americana zurückgreift, weiß man, warum die französische Presse die brünette Sängerin vor zwei Jahren noch mit Cat Power und Martha Wainwright verglichen hatte.

Rose macht mit ihrem neuen Album ihrem Namen alle Ehre und offeriert uns mit diesen sehr persönlichen Souvenirs unterschiedlichste musikalische Duftnoten – geradezu betäubend schön sind sie allesamt.

ROSE „Les souvenirs sous ma frange“:  VÖ: 16.10.09

www.dasistrose.de

Quelle: EMI

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