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WESTLIFE – „Where We Are“

Mittwoch, 16. Dezember 2009 | By | Category: News

Nach einer Auszeit von einem ganzen Jahr versammelten sich die vier Mitglieder von Westlife im April 2009 in Mark Feehilys Wohnung im Zentrum von London. Mit vierzehn Nummer-Eins-Singles, zehn Alben an der Spitze der Charts und Verkaufszahlen von mehr als vierzig Millionen waren Shane Filan, Kian Egen, Nicky Byrne und Mark Feehily zu den wohl weltweit bekanntesten irischen Gesichtern nach Bono geworden. Jedes Jahr aufs Neue hatten sie mit ihren Touren sämtliche Rekorde gebrochen, mit pyrotechnisch spektakulären Lifeshows ihre Fans immer wieder begeistert und ganze Stadien gefüllt. 2008 war es dann Zeit für eine Pause.

Westlife - Foto: Nino Munot

Westlife - Foto: Nino Munot

Ein Jahr später dachten sie nun in Feehilys Wohnzimmer über das Jahr nach, das sie getrennt voneinander verbracht hatten. „Und wir waren uns einig“, erzählt Filan begeistert, „dass wir nicht unbedingt noch ein Album aufnehmen mussten. Wir mussten es selbst wirklich wollen.“

Mit unglaublichem Charme und guten Umgangsformen erfüllt jeder der vier eine Vorbildrolle im Show-Business. Auch während ihrer Auszeit haben sie den Kontakt zueinander bewahrt – vor allem bei Egans Hochzeit auf Barbados – sie haben aber auch zwölf entscheidende Monate damit verbracht, sich darüber klar zu werden, wer sie als Menschen sind, fernab von ihrer Rolle als meistverkaufte britische Band des letzten Jahrzehnts. Die Früchte des Erfolgs hatten am Ende ihrer ununterbrochenen Zeit an der Spitze weniger bedeutet als die Mühe, die sie in das Projekt gesteckt hatten. Es versteht sich wohl von selbst, dass sich die Millionen von Platten nicht von allein verkauft haben. Um ein Teil von Westlife zu sein, braucht man Zeit, Kraft und ein enormes Durchhaltevermögen, um nicht das alltägliche Training der Stimme und der Performance zu erwähnen. „Wir hatten schon fast vergessen, wer wir außerhalb der Band waren“, sagt Feehily.

Erinnern wir uns an die Zeit bevor sie mit Flying Without Wings“, „World Of Our Own“, „What Makes A Man“, „Fool Again“ oder „My Love ihre endlose Hitliste von platinprämierten Balladen einleiteten, die fast alle diesen unglaublichen Moment haben, an dem sich die Tonart ändert und den Hörer emotional mitreißt. Als Westlife gegründet wurde, waren die Jungs mit siebzehn bis neunzehn Jahren gerade einmal den Kinderschuhen entwachsen. Damals waren All Saints, Steps und B*witched ihre größten Konkurrenten in der aggressiven, gerade zu neuem Leben erwachten britischen Pop-Szene. Die heute längst vergessene Band Busted war zu dieser Zeit noch entfernte Zukunftsmusik für ihr Management. Während sich ihre Freunde zuhause darauf vorbereiteten, aufs College zu gehen, Ausbildungen zu beginnen, in die Geschäftswelt einzutreten oder die Welt zu bereisen, zogen sich Mark, Kian, Shane und Nicky Anzüge an und machten sich zurecht für ein ganzes Jahrzehnt harter Arbeit an ihrer Musik. Das Ziel war das Herz der internationalen Pop-Welt. Und was ist passiert? Genau dorthin haben sie es auch geschafft! Im Alter von 29 bis 31 Jahren war es nun einmal an der Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen, auf die unglaublichen musikalischen Leistungen zurückzublicken und die nächsten Schritte zu planen.

Westlife - Foto: Glen Gratton

Westlife - Foto: Glen Gratton

Shane verbrachtet den Großteil seiner Auszeit mit seiner Familie – Ehefrau und zwei Kinder – und mit gelegentlichen Abstechern auf den Golfplatz oder aufs Fußballfeld. „Es war ein Urlaub zuhause. Etwas, was ich noch niemals hatte. Unser Leben ist völlig anders verlaufen als bei den meisten Menschen unseres Alters. Wir haben mit dem Erfolg begonnen und mussten uns dann die Zeit nehmen, uns als Menschen zu entwickeln. Und dazu war jetzt die richtige Zeit.“ Er hatte nun die Gelegenheit über den Wahnsinn der ersten paar Jahre des Westlife-Hypes nachzudenken, sowohl aus der Perspektive der Fans, die die Band zur größten Pop-Sensation des Landes ernannten, als auch aus der Sicht ihres eigenen außergewöhnlichen Alltags.

Es gibt viele verrückte Dinge, die vier Jungs unternehmen können, während sie die Welt erobern. Und so dachte Shane beispielsweise an die erste Tour der Band, bei der er gemeinsam mit Kian einen Trinkwettbewerb ins Leben rief, der unglaubliche sechzig Tage dauerte. „Ich habe mitgezählt“, sagt er. „Wir waren abgefüllt mit Smirnoff. Wenn wir auf der Bühne standen, zwinkerten wir uns zu: ‚Und gehen wir heute aus, Jungs?’ Sogar an unseren freien Tagen waren wir unterwegs. Wir mussten einfach. Wir waren jung, neunzehn oder zwanzig. So war unser Leben. Aber Kian wurde immer ganz übermütig vom Red Bull. An einem dieser glorreichen Abende haben wir aus Spaß miteinander gekämpft und er hat mich gebissen.“ „In jeder Stadt gab es so einen schrägen Barbesitzer, der seinen Laden für den Abend dicht machen und ihn nur für uns und die Crew zur Verfügung stellen wollte“, fügt Kian hinzu. „Und wir haben das Angebot immer angenommen. Es war Wahnsinn. Wir haben auf den Tresen getanzt.“ Auch er ist im letzten Jahr erwachsen geworden. „Jetzt mische ich meinen Wodka nur noch mit Soda. Sogar die Limetten lasse ich weg. Ich habe mich wirklich befreit.“

Für Kian wurde die Auszeit von mehreren Ereignissen bestimmt: von der tragischen Erkrankung seines Vaters an einem Gehirntumor, von der überwältigenden Freude bei der Hochzeit mit seiner langjährige Freundin und von einem neuen Projekt mit Westlife-Manager Louis Walsh: gemeinsam managen sie eine neue Girlband. „Es gab nicht einen Tag, an dem ich mir überlegen konnte, ‚so, was soll ich denn heute machen?’ Das Leben hat alles für mich geplant“. Gutes und Schlechtes. „Es ist viel passiert, aber es  war Zeit für ein Comeback. Bei all der Sorge um meinen Vater, konnte ich nicht länger einfach herumsitzen und grübeln. Ich wollte wieder das tun, was ich liebe. Er konnte nicht zur Hochzeit kommen, weil er zu krank war und wir haben so lange hin und her überlegt, ob wir die Hochzeit verschieben sollten, noch ein Jahr warten, aber seine Einstellung zum Leben war immer: Leg los und tu es einfach. Also hatten wir das Gefühl, dass wir ihn eher würdigen und respektieren, wenn wir es einfach durchziehen. Und das gilt auch für die Band. Solche Dinge geschehen im Leben.“

Westlife - Foto: Nino Munot

Westlife - Foto: Nino Munot

Wie für Shane stand auch für Nicky die Familie – ebenfalls Ehefrau und zwei Kinder – im Vordergrund. Die ersten sechs Monate verbrachten sie gemeinsam in ihrem neuen Anwesen in Portugal, die nächsten sechs Monate ging es dann wieder in sein geliebtes Dublin. „Die Zwillinge waren anderthalb Jahre, als wir uns die Auszeit nahmen und zweieinhalb Jahre, als sie vorbei war. Es ist so ein Privileg, deine Kinder in dieser Phase wachsen zu sehen. Die meisten berufstätigen Väter haben diese Gelegenheit nicht. Und diese Zeit kannst du niemals zurückgewinnen. Du kannst wirklich eine Verbindung schaffen.“

Mark verbrachte die ersten drei Monate seiner Auszeit mit „absolut gar nichts. Ich hatte mich so sehr danach gesehnt, wieder in Irland zu sein, also ging ich zurück. Dann, nach vier oder fünf Monaten wurde ich ein wenig panisch und dachte, jetzt ist fast die Hälfte des Jahres rum und ich habe immer noch nichts gemacht. Also ging ich ins Internet und buchte Flüge um die ganze Welt. Wenn ich es zu der Zeit nicht getan hätte, hätte ich es wohl niemals geschafft. Thailand, Indonesien, Japan, Indien und dann zu Kians Hochzeit auf Barbados. Ich war schon an vielen Orten gewesen, aber ich wollte, dass Kevin [sein Partner] sie auch sieht und während wir reisten, stellte ich fest, dass ich vorher nicht viel mehr als das Innere von Hotelzimmern gesehen hatte. Wir haben zusammen unser eigenes Abenteuer erlebt.“ Mark verbrachte viel Zeit damit, sich die großen Fragen des Lebens zu stellen. „Was macht mich glücklich und was macht mich traurig? Manchmal musst du Abstand nehmen, um dir über so etwas klar zu werden.“

Wenn alle vier Bandmitglieder von Westlife heute reifer und erwachsener wirken, hat das vergangene Jahr die Basis dafür gelegt. Als sie schließlich wieder zusammenkamen, um über ein neues Album zu sprechen, war die neue Reife bereit in die Musik eingebracht zu werden. „Die Wahrheit war, dass wir keine Comeback wollten ohne das passende Album dafür zu haben“, sagt Mark. „Es wäre sehr einfach gewesen, so erholt zurück zur Plattenfirma zu laufen und einfach zu sagen, ‚OK, wir wollen noch mal eine Million Alben verkaufen, was habt ihr für uns?’ und dann alles aufzunehmen, was uns angeboten wird“, sagt Kian. „Aber stattdessen haben wir uns in Marks Wohnung getroffen, nur wir vier, und haben über Musik gesprochen. Danach haben wir uns ans Label gewandt und gesagt: ‚wir sind absolut und ganz klar dazu bereit, hier nicht noch ein Album zu machen. Wir würden gern wieder anfangen, wir wollen ein Album aufnehmen, aber wenn wir das tun, muss die Songauswahl uns allen gefallen.’“

Der Titel des Albums „Where We Are“ könnte nicht besser gewählt sein. 2009 waren Westlife Lichtjahre von der Zeit entfernt, zu der sie als Teenager gegen Ende des letzten Jahrtausends die Pop-Welt eroberten. „Wir fingen an, an Leute zu denken, die sich nie für Westlife interessiert haben“, sagt Nicky. „An Leute, die im Radio einen Song hören und nicht glauben können, dass er von uns ist. Wir wollten wieder etwas ganz Besonderes machen. Nicht ein weiteres Album, das die Fans vielleicht nur kaufen, um ihre Sammlung zu vervollständigen.“

Bei ihrer Rückkehr hatten sie das Album „Millennium“ von den Backstreet Boys im Hinterkopf – für sie eine Inspiration für alles, was in der Popmusik des 21. Jahrhunderts möglich ist. „Wir hatten das Gefühl, dass wir noch kein Album herausgebracht hatten, auf dem jeder einzelne Song eine potenzielle Single hätte sein können“, sagt Shane. „Auf dem Album gibt es keinen schwachen Song und genau das wollten wir auch für ‚Where We Are’.“ Dieses neue Denken fügt sich perfekt ins iTunes-Zeitalter ein. Jeder hat sich daran gewöhnt, seine drei Lieblingssongs aus einem Albums auszuwählen und diese für 2,97€ herunterzuladen. „Wir sind als Band an dem Punkt angelangt, an dem wir wissen, was einen großartigen Song ausmacht“, sagt Mark. „Es geht nicht darum, auf andere Leute zu hören und alles umzusetzen, was sie sagen. Um zu wissen, wie Songs für eine moderne Popband funktionieren, müssen wir auf unser eigenes Bauchgefühl hören.“

Mit einem völlig neuen Team von Produzenten und Songschreibern machte sich die Band in LA an die Arbeit. Der erste Song, den sie aufnahmen, war I’ll See You Again, eine eindringliche Ballade über Verluste und ein persönlicher Favorit von allen Bandmitgliedern. Ein neuer Sound entwickelte sich und fügte sich zu einer gewagten und epischen musikalischen Landschaft zusammen, angesiedelt irgendwo zwischen Bryan Adams, Jim Steinmans Produktionen für Meat Loaf und den bewegenden Songs von Celine Dion. Neue Facetten wurden dem hinzugefügt, was längst als der typische Westlife-Sound bekannt ist; das mitreißende, chorartige, hymnische und heroische sanft ansteigende Crescendo, das scheinbar den exakten Brennpunkt zwischen traditioneller Folkmusik und zeitgenössischem Pop bildet. Ein Keyboard-Leitmotiv bestimmt den Anfang von Sound Of A Broken Heart. Durch die verstärkten Harmonien nehmen Kian und Nicky auf diesem Album eine ebenso große Rolle ein wie Mark und Shane. Bis zum Ende des ersten Refrains ist bei No More Heroes kein Schlagzeug zu hören, was den unglaublichen Effekt verstärkt, wenn zum Beginn der zweiten Strophe eine fulminante Orchesterbegleitung einsetzt. Marks Stimme auf Talk Me Down trägt die emotionale Überlastung eines Mannes kurz vor dem Nervenzusammenbruch, eine überragende Gesangsleistung mit gewaltiger Kraft. Der modifizierte Background-Gesang zu Beginn von The Difference ist eine kleine Verbeugung vor elektronischer Musik. Die erste Single What About Now geht etwas mehr in Richtung Rock und ebnet als echter Radio-Kracher schon einmal den Weg für die neue Richtung der Band. „Where We Are“ ist ganz klar Westlife, aber auch ein wenig mehr.

Auf diesem Album wollten sich die Jungs wesentlich mehr selbst einbringen. „Wir haben wieder hart gearbeitet“, sagt Mark. „Und wir haben keine Angst mehr davor, zu verlieren, was wir hatten. Wir sind jetzt so gut wie jede andere Popband der Welt. Aber wir mussten erst einmal lernen, ‚Nein’ zu sagen, wenn es um die Songauswahl geht.“ „Dieses Album wird uns langfristig begleiten“, sagt Shane. „Hoffentlich werden wir noch bis ins Jahr 2011 damit touren. Wir haben aufgehört, über Zeiträume nachzudenken. Wir denken nicht einmal darüber nach, wann wir das nächste Album machen werden. Wir wollen mit diesem Album auf Tour gehen, es überall in der Welt vorstellen, wo man Westlife hören möchte. In uns ist noch eine Menge Leben.“

Eine Menge Leben, und scheinbar das Leben von erwachsen gewordenen Musikern. Die Pause hat hier einen Wandel mit sich gebracht. „Where We Are“ zeigt Westlife in Höchstleistung, kampflustig und bereit dazu, das zweite Kapitel ihrer unglaublichen Geschichte zu eröffnen.

http://www.westlife.de/

Quelle: Sony Music

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