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Amy Macdonald – Deutschland Tour 2009

Montag, 31. August 2009 | By | Category: On Tour

05.09.2009 Bochum,  Festival Kemnade
04.09.2009 Bonn, Museumsplatz Bonn
03.09.2009 Berlin (Deutschland), IFA Sommergarten

Schuld daran ist eindeutig Pete Doherty. Nein, wahrscheinlich liegt sie doch eher bei den Red Hot Chili Peppers.

Amy_MacDonald

Amy_MacDonald

Oder ist vielleicht Fran Healy von Travis der Auslöser? Kann man ihn dafür rankriegen? Nee, lassen wir das. Soll doch ruhig Gras über die ganze Sache wachsen – schließlich können wir’s ja auch einfach auf Ewan McGregor und Jake Gyllenhaal schieben! Immerhin sind das Filmstars, richtig große sogar! Die beiden müssen das abkönnen. Sie sollten sich inzwischen daran gewöhnt haben, die Verantwortung für alle möglichen Dinge zu tragen.
Ohne die besagten Persönlichkeiten wäre Amy Macdonald heute nicht diejenige Singer/Songwriter-Sensation, zu der sie sich in den vergangenen Monaten entwickelt hat. Ganz im Gegenteil: Sie wäre aller Wahrscheinlichkeit nach immer noch irgendein Teenage-Girl in Glasgow, ein x-beliebiger Teenager; sie würde höchstwahrscheinlich als Studentin in der Uni abhängen, Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Geographie studieren. Das alljährliche Highlight in ihrem Leben wäre wohl auch weiterhin ein Besuch beim „T In The Park“-Festival, wo sie gemeinsam mit ihren Freunden im Zelt Party machen würde, zwei Tage lang ohne Pause, bis jeder einzelne seinen Namen vergessen hat – und sie vielleicht sogar ausnahmsweise die eine oder andere Band gesehen hätte, bevor es wieder nach Hause geht. Kurzum: Amy Macdonald wäre heute noch immer ein absoluter Niemand, und eben nicht ein gewisser JEMAND, der vor Ideen für grandiose Songs förmlich übersprudelt.
Amy war gerade 12 Jahre jung, als ihre Welt zum ersten Mal erschüttert wurde. Sie befand sich damals auf einem Familienausflug nach Rothesay, einem Ort an der Westküste Schottlands. Ihre Oma steckte ihr im Laufe des Nachmittags ein wenig Geld zu, wahrscheinlich dachte sie dabei an Süßigkeiten. Doch anstatt zehn Pfund nach und nach in Eis umzusetzen, zog Amy los und kaufte sich eine CD: „The Man Who“ von Travis. Was zugleich ihr erstes Album überhaupt war. Und dann war Amy gänzlich von den Socken: Einfache, brillant eingesungene Songs („Driftwood“, „Why Does It Always Rain On Me?“, „Writing To Reach You“), die ihr komplett den Kopf durchspülten und ihre bislang unwissenden Ohren auf eine Weise berührten, wie sie es noch nie zuvor erlebt hatte.
Davon inspiriert schnappte sich die heranwachsende Amy kurze Zeit später eine der Gitarren, die ihr Vater überall im Haus abgelegt hatte. Er spielte so oder so nie darauf. Und er war auch nie in einer Band gewesen – laut eigener Aussage hatte er immer nur „so herumgespielt“, gemeinsam mit seinen Freunden, vor langer Zeit, als er noch jung war. Nun kam also Amy an die Reihe, und sie brachte sich den korrekten Umgang mit dem hölzernen Apparat im Alleingang bei. Genetische Einflüsse gab’s hier nicht – woher auch?! –, und offizielle Unterrichtsstunden fanden ebenso wenig statt. Sie hatte einfach nur ein feines musikalisches Gehör und dazu ein paar Akkordfolgen im Internet gefunden. Noch wichtiger war nur, dass sie ein unfassbar großes, brennendes Verlangen hatte, eigene Songs zu schreiben und zu spielen.
Zunächst spielte sie nur die Melodien, die sie schon mal im Radio gehört hatte. Und dann saß sie eines Tages im Zimmer ihrer großen Schwester. Schwesterherz war zu jener Zeit der größte Fan von Ewan McGregor, sie war regelrecht besessen. So war natürlich eine gesamte Wand ihres Zimmers mit Postern von Ewan gepflastert, überall prangte das Antlitz des „Trainspotting“-Stars. Amy dachte darüber nach, was das eigentlich bedeutete, und schrieb dann „The Wall“, ein Song „darüber, wie Leute Stars anhimmeln“. „You never fail to amaze me“, so ging’s los, „everything you do is out of the blue…“. Natürlich war das alles Blödsinn, aber die Empfindungen und die Gabe, sie musikalisch umzusetzen, zeigten doch, dass man es hier mit einer angehenden Musikerin zu tun hatte, die ihrem Alter um einiges voraus war.
Amys erster Song, der auch wirklich etwas taugte, war „Fade Away“. Dabei handelte es sich letztendlich um eine Fortsetzung, denn wiederum war es jener Hang zu Celebrities, den sie bei ihrer Schwester beobachten konnte, der sie inspirierte – nur waren es dieses Mal die Red Hot Chili Peppers, die McGregor inzwischen den Rang abgelaufen hatten. Amy war in der neunten Klasse, als eines Tages eine Organisation namens „Impact Arts“ in ihrer Schule auftauchte: Es handelte sich dabei um eine Initiative der Gemeinde, die Musiker aus der Gegend an die Schulen brachte – u.a. sogar einen Typen, der in den Achtzigern bei der schottischen Pop-Band The Bluebells („Young At Heart“, 1984) gespielt hatte –, um interessierte Kids zu fördern. Da Amy ihren Klassenkameraden um Längen voraus war, wurde sie schon bald darauf ausgewählt, um Shows in ganz Glasgow zu spielen, die das „Impact“-Team für sie organisiert hatte.
Sie stand dann immer alleine mit ihrer Gitarre auf der Bühne. Sie war inzwischen 15. Und generell spielte sie hauptsächlich ihre eigenen Songs, allerdings angereichert mit einer Handvoll Cover-Versionen: „Everybody Hurts“ von REM oder „Mad World“ von Tears For Fears – „man muss dazu wissen, dass ich die langsame Version des Songs gespielt habe“, berichtet Amy über „Mad World“. „In dem Tempo, in dem der Song auch in `Donnie Darko´ zu hören ist. Damals war es noch keine Single, und ich hätte auch nie gedacht, dass daraus einmal der absolute Weihnachtshit wird! Ich stand einfach nur total auf Jake Gyllenhaal. Er ist mit Abstand das schönste Ding, das je erschaffen wurde.“ Wie unschwer zu erkennen, ist auch Amy nicht über ein bisschen Star-Verehrung erhaben. Und so kam es, dass sie dem Schauspieler einen Song widmete. Er heißt „LA“. Sie hat fünf Minuten gebraucht, um ihn zu schreiben. So sehr steht sie auf ihn (und so unglaublich talentiert ist sie).
Bald darauf hatte sie einen Auftritt im Starbucks im „Borders“-Buchladen in Glasgow, wo jeden Freitagabend Open-Mic-Nächte veranstaltet wurden. Die Anwesenden waren schon nach wenigen Songs aus dem Häuschen, was Amy gleich den nächsten Auftritt in der Edinburgher Filiale sowie weitere Gigs in offiziellen Konzerthallen wie The Barfly bescherte. Zeitgleich fing sie an, mit anderen Teenage-Musikern abzuhängen. „Früher haben sich meine Freunde und ich immer in diese Kneipe in der Sauchiehall Street geschlichen, immer samstags. Wir waren alle erst 16, aber ich konnte dort ein kurzes Akustik-Set spielen. Wir haben uns dann immer hinter der Bühne versteckt, bis ich drankam – und als meine Songs gut bei den Leuten ankamen, hat mich das schon ein bisschen angestachelt.“
Der Schule kehrte sie schon relativ früh den Rücken, nicht jedoch ohne sich Studienplätze an gleich zwei Universitäten zu sichern. Doch schob sie ihr Studium noch ein Jahr hinaus und blieb stattdessen zu Hause, um wichtigeren Dingen nachzugehen: Songs schreiben, Musik machen – und NME lesen. Und zum Konzert von Babyshambles gehen. Immer wieder. „Ich habe keinen Schimmer, wie oft ich diese Band schon live gesehen habe“, lächelt sie verschmitzt. „Ich habe mir auch Pete Dohertys ersten Gig in Glasgow angeschaut, direkt nach seinem Ausstieg bei den Libertines. Es war der perfekte Konzertabend: Auf der Aftershow-Party hat er sogar noch eine Akustik-Performance hingelegt, und wir waren dabei! Danach bin ich mit meinen Freunden zu irgendwem von uns nach Hause gegangen, und wir haben uns einfach nur hingesetzt, die Gitarre rumgehen lassen und Songs gesungen. Es war einfach perfekt. Am Morgen danach habe ich dann `This Is The Life´ geschrieben, einen Song, der genau von dieser Erfahrung handelt. Mir war nämlich klar geworden, dass genau das das Leben ist.“
Während ihrer einjährigen „Auszeit“ schickte Amy eine Reihe von Demos, die sie in ihrem Schlafzimmer mit einem Achtspurgerät aufgenommen hatte, an alle möglichen Labels, Management-Firmen und Talentschmieden, deren Adressen sie im hinteren Teil des NME fand. Ein paar Leute hatten schon angebissen, als sie sich für einen Deal mit Melodramatic Records entschied, einer Produktions- und Managment-Firma aus London, die von Pete Wilkinson geleitet wird. Wilkinson half Amy, die immer noch keine Erwachsene war, dabei, ihre Demo-Songs in besserer Qualität aufzunehmen und motivierte sie auch in kreativer Hinsicht. Sechs Monate später hatte sie einen Publishing- und einen Plattenvertrag.
Vergangenes Jahr nahm Amy Macdonald schließlich ihr Debütalbum auf, wobei Wilkinson in Soho als Produzent mitwirkte und die Rocklegende Bob Clearmountain in Los Angeles das Mixing übernahm. Auf dem Album jagt eine große Melodie die nächste. Ein Hit folgt auf den nächsten. Neben „This Is The Life“ begegnet man hier auch „Mr Rock & Roll“, bei dem Amys satte, unfassbar klare und druckvolle Stimme über einem rhythmischen Teppich besonders gut zur Geltung kommt – so gut sogar, dass schon jetzt feststeht, dass man mit dem Refrain auch die Zuschauer des „T In The Park“-Festivals von den Camping-Hockern reißen könnte. „Barrowland Ballroom“, durchzogen von einer Spelunken-Klavier-Melodie und schmetternden Bläsern, ist ihre vorwärts gerichtete Verneigung vor der berühmten Glasgower Konzerthalle – und zugleich vor all den unvergesslichen Konzerten (Razorlight, noch mal Babyshambles, Travis zum Zweiten…).
Im Fall von „Footballer’s Wife“ verknüpft Amy verhängnisvoll klingende Streicher mit donnerndem Schlagzeug und eindringlichem Gesang, um insgesamt mit einer pervertierten Popkultur abzurechnen, die lächerlich junge Mädchen (Chantelle, Colleen) dazu bringt, ihre Autobiographien zu veröffentlichen. „Sie sind gerade mal 19 oder 20, und mir will es einfach nicht in den Kopf gehen, wie jemand im dem Alter seine Lebensgeschichte aufschreiben kann! Es ist einfach nur erbärmlich.“
Durchaus patriotisch veranlagt wie sie nun mal ist, hat Amy auch eine neue Version des schottischen Folk-Klassikers „Caledonia“ aufgenommen. Zwar hat sie gehört, dass Paolo Nuttini den Song schon mal live gesungen hat, aber Amy ist das egal. Das Stück bewegt sie. Und genau das ist es, worum es ihr geht: Sie will Songs hören, die ihr etwas bedeuten – ganz egal, ob sie nun aus ihrer Feder stammen oder von anderen Künstlern. Denn genau das war auch, was damals geschah, als sie ihre erste CD anhörte: Travis schafften es, sie zu bewegen, ein großes Gefühl auszulösen. Und an manchen Abenden kann auch Pete Doherty diese Emotionen wecken. Manchmal.
Letztendlich ist es bezeichnend, dass einer der bewegendsten Songs auf Amy Macdonalds Debütalbum das von Trompetern begleitete, überaus atmosphärische „Let’s Start A Band“ ist: ein einfacher Song, brillant gesungen, den man nicht mehr aus dem Kopf bekommt, und der davon handelt, welche Magie mitschwingt, wenn man eine Band liebt, einer Band folgt oder Teil einer Band ist. Wenn man Teenager ist, gibt’s nichts Wichtigeres.

www.amymacdonald.co.uk

Quelle: Universal Music

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