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Funny van Dannen – Konzertbericht

Dienstag, 12. Oktober 2010 | By | Category: On Tour

Ist es eigentlich angemessen, Funny van Dannen als Allroundgenie zu bezeichnen? Eigentlich schon, nur dass der Westfale in den letzten Jahren vor allem als Musiker die Menschen zum Lachen, Weinen und Nachdenken brachte. Seine Songs sind allesamt konzeptionell gebunden, da sie vom Leben als solchem handeln. Dabei klingen sie manchmal so authentisch, dass der Eindruck entstehen könnte, als ob nicht van Dannen, sondern das Leben selbst sämtliche Texte mit all den ironisch-sarkastischen Wortspielen geschrieben hätte und er „nur“ für die Vertonung zuständig gewesen ist.

Funny van Dannen ©Sven Hagolan

Funny van Dannen ©Sven Hagolan

Ob dieses Konzept auch live fruchtet, sollte ich am 8.10.2010 in der Halle 02 in Heidelberg erfahren. Kurz nach 9 Uhr begann der Barde mit dem mittlerweile leicht schütteren Haar und dem immer noch unbändigen Bedürfnis nach Publikumsnähe zu musizieren.

Seine Wut auf die selbstgerechten Egomanen, welche in den Schaltzentralen dieser Welt ihr Unwesen treiben und für das Leid von vielen Menschen mitverantwortlich sind, ist weiterhin ungebrochen. Doch anstatt ihnen Gewalt anzutun oder sie ins finstere Kerker zu stecken, empfiehlt van Dannen eine heilsame Behandlung mit seiner „Katzenpissepistole“.

Aber eigentlich ist es auch mühsam, immer den Weltverbesserer und Rebellen spielen zu müssen und so sinniert er in „Integrieren“, wie es wohl wäre, wenn auch er mal mit dem Strom schwimmen würde. Ganz sicher einfacher, aber nicht unbedingt schöner. Und die wahre Schönheit des Lebens und der Liebe wird deutlich, wenn van Dannen von einem ergreifenden Nana Mouskouri-Konzert („Nana Mouskouri“) berichtet, bei dem seine Bekannten endlich das tun können, was sie im Alltag vermeiden wollen: Gefühle zu zeigen.
Bei „Herzscheiße“ wiederum werden eher zu viele Gefühle von Seiten einer Frau vorgetragen, was die Sache ebenfalls nicht wirklich besser macht. Wer allerdings der Liebe zu Menschen entsagen will, dem bleibt nicht viel, höchstens die Liebe zu seinem Fußballverein und/ oder zu Gott, wie sie eindrucksvoll und heiter-ironisch in „Kopftuchmädchen“ vorgetragen wird.

Weitere Publikumslieblinge an diesem Abend sind die Werke „Lesbische schwarze Behinderte“ und „Saufen“, welche bereits durch die Interpretation der „Toten Hosen“ und der „Schröders“ hohe Bekanntheitswerte erreichten. Und auch die sozialkritischen Songs wie „Vaterland“ oder „Saharasand“ werden mit reichlich Applaus bedacht, wenngleich sie bei manchem der Anwesenden mehr als nur einen kleinen Klos im Hals hinterlassen haben dürften. Aber besser an einem solchen Klos zu leiden, als an „Schilddrüsenunterfunktion“! Zahllose Ehen, Karrieren, Schicksale und wasweißichnochalles wurden anscheinend im Laufe der Menschheitsgeschhichte maßgeblich durch dieses Zipperlein negativ beeinflusst. Ich denke, dass es an der Zeit sein sollte, dass sich nun auch die Historiker in diesem Land mit dieser These auseinandersetzen …

Fazit: Dieses gut zweistündige Konzert war ein wahres Wechselbad der Gefühle, bei dem es trotz aller Ernsthaftigkeit stets eine Menge zu lachen gab. Das zahlreich anwesende Publikum ließ in dieser Zeit nie einen Zweifel daran aufkommen, Funny van Dannen ein Heimspiel zu bereiten. Seine unglaubliche Stärke war an diesem Abend, ohne Verwendung großspuriger Ansagen, übertrieben wirkenden sprachlichen Mitteln und Schenkelklopfern auf den Punkt zu kommen und seine Botschaft über das Leben in seinen unterschiedlichsten Facetten zu vermitteln.

Sven Dehoust

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