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BEATSTEAKS – „BOOMBOX“

Donnerstag, 6. Januar 2011 | By | Category: Top News

Das neue Beatsteaks- Album ist ein Paralleluniversum der Popmusik, ein futuristischer Gegenentwurf zu versteinerten Hörgewohnheiten.

Diese auf den ersten Blick marktschreierische These kann nur durch Hören des Tonträgers wirklich erklärt werden – was den Text hier leider zur Redundanz verurteilt. Versuchen wir es also noch einmal:

Das neue Beatsteaks- Album ist eine äußerst attraktive junge Frau mit Drei-Tage-Bart und lässig über die Schulter gehängter AK47. Hmm. Schon irgendwie besser, kann man sich was drunter vorstellen: sexy, bedrohlich, überraschend – klingt aber auch noch nicht so, daß jetzt jeder sofort losrennen will, um sich die CD zu holen, oder? (Außer vielleicht für gewisse Fetischisten… man mag ja gar nicht darüber nachdenken, wen sowas anmacht!) Ok, aller guten Dinge sind drei:

Beatsteaks - Credits: Alexander Gnaedinger

Beatsteaks - Credits: Alexander Gnaedinger

Das neue Beasteaks- Album ist nicht nur super, sondern sogar superer als alle bisherigen!

Fassen wir kurz zusammen, was wir an dieser Band schätzen: Sie sind zu fünft! Sie sind aus Berlin! Außer einem, der ist aus dem Ländle! Aber das macht nix! Sie schreiben heute schon die Musik, die man übermorgen hören will! Sie sind live unschlagbar! Sie haben einen Playmo am Bass. (Diesen „Witz“ versteht jetzt keiner!) (Stimmt!!)  Sie sind von Album zu Album besser, berühmter, schöner und besser geworden! Und schöner auch! Und berühmter sowieso!! Diese Ausrufezeichen nerven langsam!! Ich glaub, ich lass die mal weg! Ja, gute Idee! Danke, find ich auch!!

Aber genug davon. Schließlich geht es hier um das neue Album – also hören wir uns das mal an:

Die Beatsteaks haben alles gegeben. Sie benutzen den 6/8el- Takt auf ihrem neuen Album – und NICHT NUR BEI EINEM LIED! Sie experimentieren mit Bottlenecks, als hätte Elmore James Dynamit getrunken – und eröffnen mit dem dabei entstandenen Song „Fix it“ ihre BoomBox – übrigens ihr sechstes Studioalbum, gleichzeitig Zusammenfassung und Verlängerung der Vorgängeralben.

Die Beatsteaks nehmen eine eigentlich allseits bekannte Musikrichtung, zum Beispiel den Reggae, kreuzen ihn aber in ihrem Übungsraumlabor mit den B- Seiten britischer Untergrundbands der frühen 80er- Jahre – und brüten so den unglaublichen MonsterSommerHit „Automatic“ aus. Spinnen die denn? Ja!! Überhaupt: es gibt keine Grenzen mehr auf diesem Album. Alles ist möglich, jeder mit jedem, alle gegen alle! Atemlos versucht man, die kurz aufblitzenden Musikstile und Zitate zu erhaschen: Motown! Punkrock! Metal! Ska! NewWave! Hardcore! Hey, war das nicht der Chor aus „Ghost Town“? Singt Arnim hier nicht wie Curtis Mayfield? Und das klingt doch nach, wie hießen sie noch, ach ja: Flipper?! Woran erinnert mich dieser Basslauf…?

Passenderweise herrschten wechselnde Dresscodes während der Aufnahmen; die Band wollte die eigene musikalische Vielfalt auch optisch umsetzen und optimal unterstützen. Aber weiter: Thomas spielt Schlagzeug, als ginge es um sein Leben. Das macht er zwar immer, aber bei „Bullets from another dimension“ müssen ihn die anderen im Refrain schon mindestens mit Macheten bedroht haben.

Arnim wiederum hat beängstigende Botschaften für uns („This is the time for pigs to fly“), beruhigende („My house is on fire, but I´m alive!“), metaphysische („I´m gonna be where I´m at!“) und zögerliche („I guess I will be with you; trying to please and to comfort you…“).

Peter schenkt uns die romantischsten Zeilen der CD („No matter what will come: I´m gonna cheer you up!“), aber er hält auch mit heimlichen Sehnsüchten nicht hinterm Berg („Stand naked before the crowd…“).
Bernd schimpft wie ein Rohrspatz auf die menschenverachtende Kleidungsindustrie („I´m not gonna wear your shirt!!!“), während Torsten sich von seiner Tochter nochmal die Namen der Bandmitglieder erklären läßt. Dafür baut er dann aber auch gemeinsam mit Thomas ein Fundament, auf dem Bernd und Peter ihren komplexen Irrsinn austoben können – gelegentlich als Autisten rechts und links verteilt, als hätten sie nicht einmal dasselbe Playback gehört, um dann im Refrain präzise und machtvoll gemeinsame Sache zu machen, oft so intelligent arrangiert, daß selbst XTC anerkennend den Hut zögen, falls XTC überhaupt Hüte trugen – was weiß denn ich. Kopfbedeckungen sind eh überschätzt, im Gegensatz zu den Beatsteaks.

Zusammenfassung für alle, denen blumige Sprache nicht so zusagt: große Band, einmaliges Album – Kaufen! Hören! Und glücklich werden! Hohet Jericht: jut Nacht.

JAN VETTER

Quelle: WMG


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2 comments
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  1. Die Jungs spielen super Musik.

    Berichte auf meinem Blog (http://tuneit.at) dauernd, vorallem über das neue Album!

  2. So, und nicht anders. Schöne Besprechung!

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