RSS Feed abonnieren


Bullet For My Valentine – „Fever“

Sonntag, 11. April 2010 | By | Category: Top News

Als es an die Arbeiten zu ihrem dritten Album ging, wollten sich Bullet For My Valentine auf keinen Fall damit begnügen, sich auf ihren bisherigen – wenngleich extrem beeindruckenden – Lorbeeren auszuruhen. Obwohl sich ihr zweites Werk „Scream Aim Fire“ im Februar 2008 auf Anhieb sensationell auf Position vier der US Billboard Charts platziert hatte, in der Folge mehr als zwei Millionen Mal verkaufte und Goldstatus in Großbritannien und Kanada erreichte, verspürte die walisische Metalband den unstillbaren Drang, das bisher Erreichte ein weiteres Mal zu toppen.

Bullet For My Valentine - Foto: P.R. Brown

Bullet For My Valentine - Foto: P.R. Brown

Hungrig, abermals etwas Neues zu erschaffen, machte sich das Quartett daran, ein „finsteres Hardrock-Album mit Metal-Blitzen“ zu produzieren, wie Sänger und Gitarrist Matthew Tuck erklärt. „Unser Ziel war es, alles zu übertreffen, was wir musikalisch zuvor gemacht hatten.“

Nimmt man die heftigen Ergebnisse auf „Fever“ zum Maßstab, so hat die Band ihre eigenen, rigorosen Ansprüche und Erwartungen zweifelfrei übererfüllt. Bullet For My Valentine, die neben Tuck aus Drummer Michael „MooseThomas, Gitarrist Padge und Bassist Jason „Jay” James bestehen, haben ihr bis dato melodiösestes, aber auch ihr lautestes und erbarmungslosestes Album aufgenommen. Fast muss man befürchten, dass die mächtigen Riffs mit ihrer ungebremsten Intensität den Hörer ausknocken. Tucks alles zerfetzender Gesang, einst durch Stimmbandprobleme beeinträchtigt, die gut und gerne sein Karriere-Ende hätten bedeuten können, ist 2010 stärker als je zuvor.

„Der Plan für ‚Fever’ war, die Sache einfach zu halten und uns auf das Steak zu konzentrieren, nicht auf das Brutzeln und Braten“ erklärt Schlagzeuger Thomas. „Es ist sehr verführerisch, die eigenen Grenzen auszureizen und zu versuchen, mit einer Geschwindigkeit von tausend Stundenkilometern zu spielen. Aber das ist überhaupt nicht notwendig. Dieses Album ist kraftvoll, nicht nur schnell.“

Bullet For My Valentine - Foto: P.R. Brown

Bullet For My Valentine - Foto: P.R. Brown

Die Gruppe, die 2008 und 2009 vom Metal-Magazin „Kerrang!“ zur „Best British Band“ gekürt wurde, hatte sich vor zehn Jahren in der walisischen Stadt Bridgend gegründet. Nach zahllosen Gigs, nach Jahren „on the road“, in denen sie wichtige Tour-Erfahrungen sammeln konnten, unterschrieben sie 2004 schließlich einen Plattenvertrag bei Sony. Ihr Debütalbum erschien in den USA am Valentinstag 2006 und erreichte in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, Deutschland und Kanada Gold. Schnell wurden ihre rückhaltlos frenetischen Live-Shows zum Publikums-Magneten.

Noch während der „Scream”-Tour begannen Bullet For My Valentine Anfang 2009 in Wales mit dem Schreiben an der Musik für „Fever“. Der Wunsch, ihre bisherigen Alben in den Schatten zu stellen, war so gewaltig, dass die Vier sich in ein Studio im englischen Lincolnshire einmieteten, um alles hinter sich zu lassen und sich einzig und alleine auf die Arbeit zu konzentrieren: das Zuhause, die Familie und die Freunde. „Wir brauchten einen Ort, an dem es keine Ablenkungen hab“, erinnert sich Thomas, „es war 24 Stunden am Tag ausschließlich Bullet for My Valentine.“

Als Produzent verpflichtete die Band Don Gilmore, den man vor allem durch seine Arbeiten mit Linkin Park und Good Charlotte kennt. „Er war sich sicher, dass er uns auf ein nächst höheres Level bringen könnte“, sagt Tuck, „er identifizierte die Stärken und die Schwachpunkte. Da wir wussten, dass wir ungefähr auf dem richtigen Weg waren, musste er uns lediglich irgendwie auf Kurs halten und uns Druck machen, damit die Sache funktionierte.“

Nachdem die grundlegende Musik fertig war, verkrochen sich Tuck und Gilmore im Studio, um die Texte und die Melodien zu schreiben. Dabei durfte niemand im Raum sein, nicht einmal die übrigen Bandmitglieder. Für diese war die Trennung anfangs recht hart, aber als sie die fantastischen Ergebnisse zu hören bekamen, war der Grund für die Maßnahme nachvollziehbar. „Wir ließen sie alleine“, sagt Thomas, „wenn viele Leute in einem Raum sind, dann geht es drunter und drüber. Wenn man nur zu zweit ist, dann kann man sich die Bälle besser zuspielen, als wenn jeder seine Meinung dazwischen ruft. Es vereinfachte die ganze Sache für die beiden ganz erheblich.“

Bullet For My Valentine - Foto: P.R. Brown

Bullet For My Valentine - Foto: P.R. Brown

Die Songtext-Sessions fanden in einer recht intensiven Phase statt, in deren Verlauf sich Tuck abwechselnd euphorisiert und dann wieder völlig erschlagen fühlte. „Jeden Tag nach dem Aufstehen ging es direkt ins Studio und ich dachte: ‚Mist, jetzt geht das wieder von vorne los’“, erinnert er sich. „Ein paar Mal musste ich einfach abhauen und ein paar Tage verschwinden, um meinen Kopf wieder frei zu bekommen. Aber all das geschah nur im Sinn der Sache. Nach ungefähr der Hälfte der Gesangsaufnahmen hatte ich den Bogen raus. Zwischen Don und mir machte es ‚klick’ und alles passte.“

Gilmore pushte Tuck mehr als jemals jemand zuvor. „Früher schrieb ich Texte und Melodien, und wenn es gut klang und sich gut anfühlte, dann blieben sie auch so“, sagt Tuck, „doch er ließ es mich immer und immer wieder neu schreiben. Ich musste so lange Melodien verändern, bis es einfach nur unglaublich klang. Und das war der Unterschied. In der Vergangenheit hatte ich mich nur zurückgelehnt.“

Jeder mühevoll vergossene Schweißtropfen ist auf „Fever“ zu hören. Der Song „Your Betrayal“ entfacht mit dem alles versengenden Instrumental-Intro und den bitteren Worten des Misstrauens einen musikalischen Flächenbrand. „Der Song handelt davon, betrogen zu werden und von dem Gedanken daran besessen zu sein. Man will Rache und es heimzahlen, was dieser Person passiert ist“, sagt Tuck mit dem Hinweis, dass der Text an den „super finsteren“ Stil von „The Poison“ erinnert.

Auch das Thema Drogen wird behandelt. Der Song „The Last Fight“ schildert, wie die Menschen, die einen Abhängigen umgeben, oft genauso leiden wie der Betroffene selbst. „Die Leute glauben, dass der Drogenabhängige das Opfer ist. Doch niemand denkt an die Menschen, die ihnen helfen und versuchen, sie aus der Sache herausholen und weggestoßen werden“, erklärt Tuck. „’The Last Fight’ handelt davon, dass es deine letzte Chance ist. Ich versuche, dir zu helfen, aber du versuchst, mich weg zu stoßen. Fick dich. Dies ist der letzte Kampf, den ich für dich ausfechte.“

Die Band scheut sich aber auch nicht davor, sanftere Töne anzuschlagen, wie z.B. auf dem ernüchternden „A Place Where You Belong“, einer traurigen, sorgenvollen Geschichte, die von all den unerledigten Dingen des Lebens handelt. „Du bekommst keine Chance, Dinge zu korrigieren, bevor jemand stirbt, man jemanden nicht mehr wieder sieht und dann muss man einfach damit leben“, sagt Tuck. „Im Prinzip ist es das, was zwischen mir und meiner Freundin passiert ist. Wir haben und getrennt und dann ist etwas Furchtbares passiert.“ Schnell stellt der Sänger allerdings klar, dass seine Freundin nicht tot ist. „Keiner unserer Songs ist biographisch“, erläutert er, „natürlich greife ich einige Sachen auf und verändere sie, weil ich finde, dass das wesentlich interessanter ist.“

Etwas leichter geht es bei dem kecken Titelsong zu, bei dem es um das altehrwürdige Traditions-Sujet „hot girl meets boy“ (oder in diesem Fall: Boys) geht. Der Rest der Geschichte ist hinlänglich bekannt. „Einen derartigen Song haben wir noch nie gemacht“, sagt Tuck, „das ist Party Rock’n’Roll pur. Ein Jungs-Song eben. Die Jungs sind wieder auf Tour. Seit Anbeginn der Zeit wollen Männer nur nackte Chicks sehen und sie vögeln, nicht mehr und nicht weniger.“

Apropos Tour: Natürlich können es Bullet for My Valentine, legendär für ihre dynamischen Live-Shows, kaum erwarten, die „Fever“-Songs endlich live zu spielen. „Ich liebe den Buzz und die Energie des Publikums“, sagt Tuck, „das ist einfach ein Wahnsinnsgefühl“.

Mit ihrem neuen Album will die Band ihren Fans jenes Gefühl geben, dass sie selbst in ihrer Jugend hatten, wenn sie eine neue Platte ihrer musikalischen Helden zu hören bekamen. „Wenn ich sechzehn wäre und anfangen würde, mich für Rockmusik zu interessieren, dann würde ich komplett ausflippen und eine Band gründen wollen, wenn ich ‚Fever’ in die Finger bekommen würde – so wie das bei mir mit Metallica war“, erinnert sich Tuck. „Es ist so zeitlos und so real. Nichts an uns und dem, was wir tun, ist Fake.“

Tourdates
04-06-2010 – Nürburgring – Rock am Ring
04-06-2010 – Nürnberg  – Rock im Park
08-06-2010 – Herford     – X
22-06-2010 – Hamburg – Markthalle

http://www.myspace.com/bulletformyvalentine

http://www.bulletformyvalentine.com/de/home

Quelle: Sony Music

Tags:

Leave Comment