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Coheed and Cambria – The Unheavenly Creatures

Mittwoch, 29. August 2018 | By | Category: Top News

„Was wir machen, ist merkwürdig“, räumt Claudio Sanchez gegenüber Ryan Reed ein, Schreiber des Rolling Stone. „Konzeptalben an sich sind nicht merkwürdig, dass eine Band jedoch über ihre gesamte Diskografie an dem Konzept festhält, kann für einen Außenstehenden ein wenig einschüchternd wirken. So als würde man ein monatlich erscheinendes Comicbuch in die Hände bekommen und sich denken: ‚Ich will mich nicht in die zehn letzten Ausgaben reinarbeiten’.“

                                                       Credits: WMG

Nichtsdestotrotz kehren Coheed and Cambria mit ihrem siebten Konzeptalbum (und achten insgesamt) zu den ausufernden Scifi-Welten von The Amory Wars zurück, zugleich markiert es so etwas wie einen Neustart. Vaxis – Act I: The Unheavenly Creatures ist Teil des epischen Universums, das Sanchez erschaffen hat, jedoch mit einer brandneuen Story. Tatsächlich ist sie die erste einer „Pentalogie“ – eines fünfteiligen Handlungsbogens, der neue Charaktere und eindringliche neue Orte einführt, zum Leben erweckt in 15 Songs, die dem hohen Anspruch des Konzeptes gerecht werden.

Der neue Handlungsbogen folgt auf den nichtfiktionalen Exkurs ihres vorherigen Albums, The Color Before the Sun (2015). „Ich wusste immer, dass ich zu dem Konzept zurückkehren wollte“, merkt Sanchez an. „Es hat eine Menge Spaß gemacht, herumzuprobieren, wo auf der Zeitachse die Geschichte angesiedelt werden soll, wer unsere Hauptdarsteller sind, und dann einen Weg zu finden, wie die Musik uns bei der Inspiration der Visuals unterstützten kann.

Die Protagonisten von The Unheavenly Creatures sind Nostrand alias „Creature“ und Nia, Deckname „Sister Spider“, zwei ehemalige Liebende, deren Beziehung jedoch spätestens von dem Zeitpunkt an unter einem schlechten Stern stand, als sie zu Bankräubern wurden, sowie „Colossus“, ihr rachsüchtiges „fünftes Rad am Wagen“. Die Geschichte beginnt in einem planetarischen Gefängnis namens „The Dark Sentencer“ – zugleich der Eröffnungstrack des Albums. Nostrand und Nia sind, nicht zuletzt dank der Machenschaften des abscheulichen Colossus, seit Jahren voneinander getrennt. In Wahrheit sind sie einander jedoch näher, als sie denken: Nia ist nunmehr bekannt als „The Glass Widow“, die widerwillige Henkerin eben jenes Gefängnisses, in dem Creature auf seine Hinrichtung wartet. Trotz ihrer grundverschiedenen Ausgangssituationen könnten die beiden einander die letzte Hoffnung sein.

Eine komplett für sich alleinstehende, fünfteilige Geschichte innerhalb eines bereits ausgeklügelten Science-Fiction-Universums zu erschaffen, erfordert ein erhebliches Maß an Fokus. Sanchez erreichte es durch einen selten gewordenen Luxus: eine Auszeit von den sozialen Medien. „Es raubte mir meine Konzentration“, sagt Sanchez. „Wenn du an einen bestimmten Punkt kommst, hast du das Gefühl, dich selbst belohnen zu müssen, und das war’s dann. Plötzlich verschwindest du in diesem Kaninchenbau und kehrst daraus nicht immer zurück an die Arbeit. Also sagte ich mich davon los und siehe da: die Songs begannen, sich so richtig zu entfalten.“

Tracks wie „The Pavilion (A Long Way Back)“ nahmen ihren Anfang früh im Prozess und entwickelten sich unabhängig vom großen Ganzen des Albums weiter. Als Sanchez jedoch fortfuhr, schrieb er Songs wie „Old Flame“ bereits mit klaren Bildern im Kopf – so wie jenes, das auf dem Albumcover zu sehen ist, in dem sich Nostrand und Nia umarmen, während hinter ihnen The Dark Sentencer in sich zusammenstürzt. „Plötzlich kam eins zum anderen und präsentierte sich mir als die Geschichte, welche es zu erzählen galt“, erklärt Sanchez.

Musikalisch entschieden sich Sanchez und der Rest von Coheed – Gitarrist Travis Stever, Bassist Zach Cooper und Drummer Josh Eppard –  auf The Unheavenly Creatures, dass sie, um sich wirklich voll und ganz in die umfassende Welt der Musik und der Erzählung zu versenken, die volle kreative Kontrolle behalten mussten. Sie entschlossen sich daher, auch die Produzentenrollen des Albums selbst zu übernehmen.

Eine Voraussetzung dafür war, dass sie alle die Welt von Vaxis erfassen mussten. „Normalerweise kommt die Musik zuerst. Dieses Mal wollte ich jedoch wirklich, dass die Band in das Konzept involviert ist“, sagt Sanchez dazu. „Also machte ich mir die Mühe, Prosa zu Papier zu bringen, damit sie es lesen konnten, und Bilder vor ihnen auszubreiten, um die Geschichte zu visualisieren. Wir kontaktierten sogar eine Reihe von Konzeptkünstlern, damit diese die Bilderwelten vorzeitig zusammensetzen und die Band Zeuge wird, wie die Geschichte mit Leben gefüllt wird und Orte der Inspiration hat, indem sie die Protagonisten und Orte sieht.“

Schon „The Dark Sentencer“ zeigt deutlich, dass sich dieser Ansatz mehr als ausgezahlt hat, mit einem wuchtigen, operesken, 10-minütigen Eröffnungs-Statement, das selbstbewusst in das neue erzählerische Territorium einführt, zu dessen Erkundung sich Coheed aufmachen. Im Folgenden entfalten sich die Bilderwelten weiter, mit dem poppigen Titeltrack und dem scharfkantigen Prog-Pop auf „Toys“ – zwei Tracks, die sich absolut zeitgemäß anfühlen und zugleich die grandiosen 70s-Rock-Einflüsse des Albums unterstreichen, von Supertramp über ELO bis Queen.

Coheed and Cambria waren Genre-technisch nie einfach einzuordnen – sie führen ihr Dasein an der Kreuzung von Prog, Metal und Post-Hardcore –, und auch in den neuen Songs von „Love Protocol“ bis zu „It Walks Among Us“ ist dies immer noch eindeutig der Fall. Auf The Unheavenly fand die Band kreative Befriedigung darin, jegliche Erwartungen gepflegt zu ignorieren.

„Manchmal verfällt man diesen Mustern“, kommentiert Sanchez. „Du gerätst in einen Kreislauf, in dem du unterbewusst diese Idee dessen im Kopf hast, was von dir erwartet wird, und genau das kommt dann auch heraus. Auf diesem Album habe ich das Gefühl, dass es uns gelungen ist, uns davon freizumachen.“ Das Ergebnis ist das bisher längste (78 Minuten) und umfassendste Album von Coheed and Cambria.

Das Breitband-Gefühl des Albums gilt auch für die Veröffentlichung selbst: The Unheavenly Creatures erscheint als Box-Set-Edition, die einen 88-seitigen Hardcover-Roman enthält, illustriert von Chase Stone und geschrieben von Sanchez und Chondra Echert, außerdem eine „Creature“-Maske, ein Poster zum Entfalten, das Album selbst und eine Bonus-Demo-CD.

„Es ist der Beginn eines neuen Kapitels“, befindet Sanchez. „Ich wollte, dass es sich wie eine Metamorphose anfühlt, wie ein Neubeginn für uns. Ich denke, dass man das auf Songs wie „Black Sunday“ oder „True Ugly“ hören kann. Es erinnert mich an die Zeit, als wir noch jünger waren und an das Schreiben der Songs für einige dieser frühen Alben, bei denen ich keine Erwartungen hatte, wie das schlussendliche Ergebnis einmal aussehen würde. Ich habe einfach Musik geschrieben, weil es eine Form des Ausdrucks war und ein Ventil. Nach all den Jahren habe ich das Gefühl, als würde ich zum Ausgangspunkt dieser Geisteshaltung zurückkehren. Und das fühlt sich gut an.“

Quelle: WMG

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