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Daniel Merriweather – Impossible steigt in die Airplay Charts ein!

Mittwoch, 23. September 2009 | By | Category: Top News

Drei lange Jahre ist es nun schon her, seit der 26-jährige Daniel Merriweather die Straßen von Melbourne und seine Heimat Australien hinter sich ließ, um sich ins kosmopolitische Getümmel Manhattans, Downtown NYC, zu stürzen. Die Spurensuche nach den Anfängen seines Debütalbums „Love & War” führt indes noch viel weiter zurück – über Kontinente, Jahrzehnte, Beziehungen, Stimmungen und allerlei Widrigkeiten hinweg.

Daniel Merriweather (c) Sony Music

Daniel Merriweather (c) Sony Music

Der eine oder andere erinnert sich sicherlich: Vor zwei Jahren war Daniel der Sänger der Mark-Ronson-Hitsingle „Stop Me“, einer Coverversion des Smiths-Klassikers „Stop Me“, die Platz zwei der britischen Charts erreichte. Dass der Mittzwanziger jedoch weitaus mehr ist als ein stimmlich begabter Mietmusiker, beweist er nun mit seinem Debütalbum „Love & War“. Doch eigentlich braucht der Wahl-New-Yorker dafür nicht mal seine Musik: Fünf Minuten in seiner Gesellschaft genügen vollkommen, um allen Beteiligten klar zu machen, was für ein unbeirrbarer, begabter und hartnäckiger Typ Merriweather ist. Dazu begeistert er seine Zuhörer mit beneidenswertem Charme, Humor und Selbstbewusstsein und ist weit eloquenter und weltgewandter, als man das Menschen in seinem Alter normalerweise so zutraut.

Mit „Love & War” hat Daniel Merriweather eine Platte gemacht, die sich im Spannungsfeld der beiden Kultur-Metropolen bewegt, die in seinem Leben entscheidenden Einfluss auf ihn hatten. Eine Aufgabe, die er trotz ihrer offensichtlichen Komplexität mit großer Leichtigkeit bewältigt – und ohne dabei völlig schizophren zu werden. Bewusst widerstand er den Versuchungen, eine glatte Pop-Platte oder ein smoothes, zeitgemäße Neo-Soul-Album zu produzieren.

Stattdessen gönnte sich Merriweather die Zeit und den Raum für emotionale Intimität, beherzte Erweiterung des eigenen Sound-Spektrums und akribisches Soul-Searching. Das Ergebnis ist außergewöhnlich: „Love & War“ ist eine hymnische und z.T. abgedrehte Akustik-Folk-Platte, beseelt vom Geist klassischer Motown- und Stax-Produktionen, mit einem Herz so groß wie Alaska. Es ist ein klassisch-grandioses Debütalbum von hoher Qualität, voller potenzieller Hitsingles und Lichtjahre entfernt von Daniels Alltag als Straßenmusiker in Melbourne.

Geboren und aufgewachsen in einer Arbeitergegend im Osten Melbournes, wuchs Daniel Paul Merriweather als einer von drei Söhnen eines Lehrer-Ehepaars auf. „Ich lebte in einer Stadt am Ende der Bahnlinie, dahinter begann gleich der Wald. In meiner Kindheit ging es für meine Familie stets immer nur darum, irgendwie über die Runden zu kommen. Es war ein sehr einfaches Leben. Ich verbrachte als Kind ziemlich viel Zeit auf mich alleine gestellt, ich legte weite Strecken zurück und dachte sehr viel nach.“ Nachdenken, Gedanken verwerfen und wieder neu überdenken ist ein immer wiederkehrendes Thema in Merriweathers Jugend – auch als junger Mann spielt das Sinnieren immer noch eine große Rolle. „Ich stellte mir als Kind sehr viel vor, und ich war auch sehr an Philosophie interessiert“, erinnert er sich.

Als Teenager war Daniel auf der Suche nach Zerstreuung, die er häufig in Dingen fand, die ihm Ärger einbrachten. „Ich habe gegen irgend etwas rebelliert“, glaubt er heute. In jener Lebensphase fand er sich häufig in brenzligen und gefährlichen Situation wieder. Als er schließlich eines Tages wegen Körperverletzung vor Gericht stand, schien es, als wenn sein Weg genau dorthin führen sollte, wo bereits viele seiner Altergenossen vor ihm gelandet waren: ins Gefängnis. „Ich brachte meinen Vater mit zum Prozess. Und ich habe es nur ihm zu verdanken, diesem höflichen, zurückhaltenden, bescheidenen, netten Mann in seinem alten Anzug mit den zu kurzen Hose, den er seit den Siebzigern besaß, dass der Richter zu dem Schluss kam: ‚Die Sache mit diesem Jungen kann vielleicht doch ein gutes Ende nehmen.’“

Daniel-Merriweather (c) Max Dodson

Daniel-Merriweather (c) Max Dodson

Den Strafvollzug konnte Daniel zwar noch abwenden, das vorzeitige Ende seiner High-School-Karriere war aber nicht zu verhindern. „Damals hatte ich nicht allzu viele Möglichkeiten”, erinnert er sich. „Eigentlich bin ich ja nicht dumm, ich hätte mir also mehr Optionen erarbeiten können. Doch das ist nicht einfach, wenn man gleichzeitig Geld verdienen muss, um zu überleben. Ich habe einige Monate bei KFC gearbeitet, das war aber nichts für mich und schließlich kam ich zu dem Schluss, dass ich es mit Musik versuchen sollte“, schmunzelt er.

Musik war in seinem Leben Gott sei Dank von jeher ein ständiger Begleiter gewesen. „Mit vier Jahren hatte ich mit Geigespielen angefangen, es war eine Suzuki Violine, auf der man nur nach Gehör lernt, ohne Noten zu lesen“, erzählt er. „Man beginnt mit einem Lineal und einem kleinen Karton, lernt zuerst die richtige Körperhaltung und Fußstellung, dann nach und nach immer mehr Technik. Mit dreizehn habe ich Vivaldi-Konzerte gespielt, ohne dass ich Noten lesen konnte.“

„Ich habe immer gesungen und eigentlich war meine Stimme schon immer mein erstes, richtiges Instrument. Zuerst habe ich Elvis Presley unter der Dusche gesungen, in den Neunzigern verfiel ich komplett dem R&B und HipHop. Mir gefielen immer Sachen, bei denen der Gesang außergewöhnlich war oder jemand mit seiner Stimme einen besonderen Klang erzeugte, ob das nun D’Angelo, Boyz II Men, Nas, Thom Yorke, Otis Redding oder Jeff Buckley waren. Gefühle auf den Punkt zu bringen muss nicht immer kompliziert sein. Man kann meist mit einigen wenigen Worten viel mehr sagen. Mir ist klar geworden, dass man nicht ewig versuchen sollte, alles zu erklären, da jagt die Katze nur ihren eigenen Schwanz“. Eine Philosophie, die er auch 1:1 auf seine eigene Arbeit anwendet.

Schnell zog Daniel Merriweather die Aufmerksamkeit der australischen Musikindustrie auf sich, unterschrieb alsbald beim Indielabel Marlin und begann mit der Arbeit an den Stücken für sein Debütalbum – das allerdings nie veröffentlicht wurde. „Das Label war einfach noch nicht so weit“, erklärt er, „und auf die Art und Weise wollte ich es nicht herausbringen.“ Zwar wurde er von den Majorlabels des Landes umworben, doch kaum einer sah in dem Land, in dem bodenständige Rockmusik die Charts dominierte, eine Marktchance für einen Sänger wie ihn. Glücklicherweise mischte sich das Schicksal ein und beförderte seine Demos auf den Schreibtisch von Mark Ronson, der sofort Feuer und Flamme für Daniels Stimme war. Dies war nicht nur die Geburtsstunde einer einzigartigen Arbeits-Partnerschaft, sondern auch einer großen Freundschaft.

Nach einigen anstrengenden Jahren des Hin- und Herpendelns nach Australien waren Mark und sein Partner Rich Kleinman mit ihrem neugegründeten Label Alllido Records (das in Zusammenarbeit mit J Records ins Leben gerufen wurde) endlich soweit, mit ihrer Mission zu starten, Daniel Merriweathers Musik an die Leute zu bringen.

Doch der Weg zu „Love & War“ war noch lange nicht zu Ende: achtzehn Monate Schreiben und Aufnehmen, unterbrochen von monatelangen Konzertreisen mit Ronsons „Version Players“, sowie ein unangenehmer Zwischenfall mit einem Polypen auf den Stimmbändern mit anschließendem Genesungsprozess waren bis zur Vollendung des Longplayers zu absolvieren. „Nachdem ich wieder gesund war, merkte ich, dass sich etwas verändert hatte“, erinnert sich Daniel. „man sollte denken, dass man nach so einem Ereignis etwas vorsichtiger wäre, doch ganz im Gegenteil: ich war wie befreit. Ich dachte mir: ‚Man könnte morgen schon tot sein, also gebe ich bei diesen Songs einfach alles, was ich habe.’ Singen ist eine sehr emotionale Sache, man gibt sehr viel. Nach ein oder zwei Monaten außer Gefecht wieder zurück ins Studio zu kommen, war ein tolles Gefühl.“

„Jeder Song fing damit an, dass ich mit meiner Gitarre da saß und anfing zu spielen – doch jedes Mal landete ich ganz woanders. Und genau deshalb war die Arbeit mit Mark eine wirkliche Wohltat. Er arbeitet viel mit den Dap Kings. Ich brachte ihnen eine ganze Reihe Songs, die sie normalerweise nie spielen würden, aber durch ihre Klasse als Musiker gelang es erst, die Lieder richtig zu entwickeln. Ich wollte mich von dem Konzept der Genres lösen und einfach ein Album mit Songs machen, die von wirklich guten Leuten gespielt werden. Ich wollte, dass es ein ‚natürliches’ Album wird, das sich ganz unschuldig und vielleicht sogar etwas naiv seinen eigenen Platz sucht. Heutzutage denkt man viel zu viel nach und singt viel zu wenig. Warum zum Kuckuck singen die Leute eigentlich keine Lieder mehr?“

Der Song „Getting Out“ handelt von der Illusion, man bedeutet jemandem sehr, sehr viel, doch in Wirklichkeit ist es gar nicht so. Die Person hat dich satt, und du hattest davon keine Ahnung. Es ist eine klassische, universell gültige Trennungs-Hymne in jeder Hinsicht. „Cigarettes“ handelt davon, immer nur Mist zu bauen. „In Beziehungen oder auch anderen Bereichen sind Reue und Ablehnung sehr unangenehme Gefühle, über die man lieber nicht nachdenkt. Ich habe z.B. mit dem Rauchen aufgehört, aber wenn man nachts heimkommt und die Jacke riecht nach Rauch, ist es so einfach, den Schwarzen Peter weiter zu geben an den Typen, der neben einem geraucht hat, als sich selbst zu fragen, warum man da überhaupt hingegangen ist.“ „Chainsaw“ handelt von einer kaputten Beziehung, in der es viel mehr Destruktives als Gutes gibt, kann aber auch als Song über den menschlichen Hang zur Flasche interpretiert werden. „Alkohol ist ein großartiger Gleichmacher, er kann eine sehr schöne Sache sein, der große Tröster. Und lachen auch, das ist so unterschätzt, einfach über irgendeinen Mist lachen. Letzten Endes ist nichts perfekt und es bleibt einem nicht anderes übrig, als wenigstens darüber zu lachen. Ich lache sehr viel über mich.“ Das Stück „Impossible“ ist ein Schlüsselmoment auf „Love & War“ und wurde erst in der Endphase der Studioarbeiten aufgenommen. „Es handelt davon, alles abzuwehren und herunter zu machen – das Thema ist zwar ziemlich traurig, aber diesem Shuffle-Beat entkommt keiner.“

Und was ist mit „Krieg“? „Ich bin erst 26 und ich bin noch nicht des Lebens überdrüssig. Ich versuche lediglich, für mich eine Sinnhaftigkeit in Allem zu erkennen. Als ich ein Kind war, hatten die Lichter der Großstadt etwas sehr Romantisches und ich dachte, ich würde bereits alle Antworten auf alle wichtigen Fragen kennen. Doch jeder ist genauso verwirrt wie alle anderen und versucht nur, es sich so gut es geht irgendwie passend zu machen.“ „For Your Money“ beschreibt die Beziehung zu seiner Wahlheimat New York. So wie James Browns „Down And Out In New York City“ sorgt der Bombast des Songs für gehobene Laune – anstatt Depressionen. Sean Lennon steuert ein mitreißendes Gitarrensolo bei – eindeutig ein Aufschrei der Hoffnung und nicht der Verzweiflung.

„Wenn ich mir das Album anhöre, ob es einen roten Faden gibt, der sich durch alle Songs zieht, dann ist es wohl mein eigenes Erwachsenwerden. Es gibt auf jeden Fall ein paar ich-heule-in-mein-Bier-Songs, das gute alte Bier-und-Tränen-Ding eben. Ich wollte schon immer ein Album machen, das klassisch klingt. Eines, das ich in zwanzig Jahren noch auflegen kann und das ich mir dann immer noch gerne anhöre. Ich mag Sachen, die über die Jahre hinweg Schrammen und Kratzer abbekommen, aber letzten Endes immer noch z.B. ein Tisch sind, auf dem man sein Glas abstellen kann. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich sehr stolz auf meine Kinder wäre, wenn ich welche hätte – so wie ich jetzt sehr stolz auf die Songs bin, die ich geschrieben habe. Es fühlt sich alles sehr gut an.“

Wohin also führt Daniel Merriweathers Weg im Jahre 2009? „Ich denke wirklich keine Sekunde darüber nach, welchen Eindruck Menschen von mir haben. Ich habe schon immer Songs geschrieben und sie gesungen. Ich wollte schon immer etwas machen, das mir etwas bedeutet. Letzten Endes habe ich ja nicht mit vier Jahren mit dem Geigespielen angefangen, um den Bloggern zu imponieren. Diese sinnlose Popkultur, wo eine Platte für ein halbes Jahr cool ist und als Gesprächsfutter herhalten muss, nervt mich. Ich habe für mich beschlossen, da nicht mit zu machen. Ich denke auch nicht, dass es möglich sein kann, der perfekte Künstler zu sein, der alles sagt und in einem Satz auf den Punkt bringt, was eine ganze Generation beschäftigt. Denn dann ahmt das Leben die Kunst nach.“

„Love & War“ spricht für sich selbst und den Moment. Daniel Merriweather bleibt aber auch in Zukunft ein Liebhaber und Kämpfer.

http://www.danielmerriweather.de/

Quelle: Sony Music

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  1. […] den Weg in deutsche Plattenshops, Playlists und Charts fand, ist zweifellos bemerkenswert: Nach Daniel Merriweather, Lisa Mitchell, Gabriella Cilmi und Lenka macht sich im Sommer 2010 nun die Sängerin und […]

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