RSS Feed abonnieren


Donots – Interview mit Guido von den Donots vom 11.04.2010

Dienstag, 13. April 2010 | By | Category: Top News

Seit 16 Jahren gibt es mittlerweile die Donots. Eine lange Zeit also, die den Mitgliedern wichtige Erkenntnisse lieferte. Ein paar davon gibt Guido, der Gitarrist der Donots, im Interview mit track4 preis und verrät unter anderem, warum man Schifferklavier am besten zu zweit spielt, wie man ohne Vorkenntnisse gut Mandoline spielt und warum die Donots die Reviews ihrer Platten nicht zu ernst nehmen.

Donots

Donots

Gibt es eigentlich eine Eingangsfrage, die zu einem sofortigen Abbruch des Interviews führen könnte?

Guido: Na gut, es gibt natürlich immer wieder diese typischen Nachfragen, wie z.B. unser Bandname entstanden ist. Aber das ist eigentlich kein Problem für uns und ok. Von daher muss ich die Frage verneinen.

Also nicht einmal die ausgelutschte Frage, warum ihre euren musikalischen Wurzeln teilweise verlassen habt?

Guido: Nein, auch die passt zu unserer Band, weil wir schon seit 16 Jahren immer wieder unseren Stil verändert haben. Und wenn man das aktuelle Donots-Album mit dem letzten vergleicht, sind die Unterschiede ganz klar zu erkennen. Aber wir stehen hinter dieser musikalischen Entwicklung der Band.

Bands wie AC/DC hingegen sind der Beweis, dass eine musikalischeVeränderung nicht dringend erforderlich ist, um erfolgreich sein zu können. Ist es deiner Meinung tendenziell eher leichter oder schwerer, den bandeigenen Sound bis in alle Ewigkeit beizubehalten und seinem Publikum immer wieder aufs Neue schmackhaft machen zu müssen?

Guido: Die Frage kann ich eigentlich nicht beantworten, weil wir als Donots uns schon immer weiterentwickelt haben. Auf der anderen Seite gibt es wirklich Bands, für die eine musikalische Veränderung von Nachteil wäre. Zu dieser Gruppe zähle ich eine meiner Lieblingsbands. Als Fan von Bad Religion erwarte ich einfach, dass die Jungs ihrem Stil treu bleiben, was bis jetzt ja auch der Fall war.

DONOTS_-_The_Long_Way_Home

DONOTS_-_The_Long_Way_Home

Ihr gebt an, dass eure musikalischen Vorbilder in den unterschiedlichsten Stil-Genres (Country, Punkrock, Metal, Hardcore, Folk etc.) zu finden sind. Beim neuen Album „The long way home“ wird dies durch den vielfältigen Einsatz außergewöhnlicher Musikinstrumente deutlich. Habt ihr dafür Gastmusiker engagieren müssen?

Guido: Wir haben eigentlich alle Instrumente selbst eingespielt, bis auf Tuba und Cello. Die Tuba hat ein alter Freund aus Münster eingespielt, bei dem wir auch unsere allererste CD produziert haben. Und wie es unter Musikern üblich ist, gibt es immer einen, der jemanden kennt, der wiederum einen kennt, der dieses und jenes Instrument spielen kann. Aber wie gesagt, das meiste wurde von uns selbst eingespielt.

An der Stelle passt auch die kleine Anekdote zum Einsatz des Schifferklaviers: Zwei von uns spielten das eine Schifferklavier, wobei Ingo am Drücken und Dirk am Schieben und Ziehen war. Und  bei der Mandoline haben wir im Vorfeld gegoogelt, wie die Griffe gehen.

Bei Instrumenten wie dem Cello funktioniert das leider nicht ganz so einfach.

Trotz aller Experimente hört sich die CD in sich sehr geschlossen an. Kann man eigentlich sagen, dass es sich bei „The long way home“ um ein Konzeptalbum handelt?

Guido: Ja, das kann man aufgrund des Songs und der Liedtexte schon sagen. Wir haben uns bei den Aufnahmen eben wie „Zuhause“ gefühlt, weil wir wie in unseren Anfangstagen alles selbst gemacht haben. Da fühlte sich alles schön heimisch an. Und hinzu kam, dass wir uns mit unserem Produzenten Vincent Sorg viel Zeit für die Platte nehmen konnten.

Gab es denn früher großen Zeitdruck von Seiten eurer ehemaligen Label?

Guido: Es ging. Die haben natürlich auch gesagt, dass sie das Album dann und dann aus Marketinggründen gerne hätten und das hat auch soweit meistens geklappt.

Selbst bei eurem ehemaligen Label Gun Records?

Guido: Ja, auch da war zeitlich immer alles ok. Und ein weiterer Vorteil war, dass das Label uns zu unserem Sound nie Vorschriften gemacht hat. Kompromisse mussten wir natürlich auch eingehen, z.B. bei der Frage, welcher Song als Single erscheinen sollte.

Richtig Probleme gab es mit dem Label wegen dessen Vermarktung der Donots. Wir fühlten uns als Band einfach falsch durch das Label präsentiert, was letzten Endes zum Bruch führte.

Donots - Calling

Donots - Calling

Die erste Single-Auskopplung „Calling“ beweist, dass ihr auch nach 16 Jahren Donots immer noch richtig gut abrocken könnt. Beim Video hingegen bin ich trotz der schönen ästhetischen Darstellungen von Natur, Mensch und Tier ein wenig ratlos. Welche Idee lag diesem Clip zugrunde?

Guido: Das Schöne ist, dass das Video eher ein gewisses Gefühl ausstrahlen soll, als eine Geschichte zu erzählen. Der Typ, mit dem wir das Video gedreht haben, hat schon mehrfach mit uns gearbeitet und uns von seiner „Wahnsinns-Arbeit“ überzeugen können. Der bringt sich erst mit diversen alkoholischen Getränken in Fahrt und schreibt dann abgefahrene Video-Ideen im Stil von „See zugefroren. Tiere außenrum. Ihr spielt in Sternenanzügen.“ Und dann lassen wir den das machen.

Prinzipiell finde ich es ganz gut, wenn eher Gefühle als Geschichten in Musikvideos vermittelt werden.

Kann ein solcher Regisseur nicht auch schlecht für eine Video-Produktion sein, bei der aus Zeit- und Kostengründen effizient gearbeitet werden muss?

Guido: So abgefahrene Ideen der hat, so strukturiert und organisiert ist er auch. Und so haben wir wie geplant an zwei Tagen zwei Videos mit ihm gedreht.

Es gibt auf der CD auch einige Balladen, von denen mir vor allem „Forever ends today“ und „The years gone by“ zu gefallen wissen. Hatten diese ruhigeren, tiefgründigen Lieder eine andere Entstehungsgeschichte als beispielsweise „Calling“ und Co.?

Guido: Das liegt daran, wie du gerade drauf bist. Ich habe bei diesem Album die Band wirklich mal als Arbeit im positiven Sinn angesehen. Also habe ich mir den Wecker gestellt und von morgens bis abends Lieder geschrieben. Mal hatte ich eben einen guten Tag, mal einen schlechten und da kam immer was anderes bei raus. Ich merke immer gleich, dass ich je nach Stimmungslage ganz anders die Gitarre spiele. Musik ist bei mir eine absolute Bauchsache.

Sind die vermehrt dargeboten Balladen auch dazu gut, ein kraftraubendes Live-Set zu entzerren?

Guido: Wenn ich zu Konzerten anderer Bands gehe und höre, dass es das ganze Konzert nur auf die „12“ gibt, denke ich, dass eine ruhige Nummer die Sache vielleicht ein wenig auflockern würde. Das würde zudem auch dazu führen, dass die nachfolgenden Stücke umso mehr knallen würden.

Außerdem kann man mit ruhigen Songs und der richtigen Beleuchtung eine sehr schöne Atmosphäre schaffen.

Gut, dann haben die Balladen bei euren Auftritten nicht so sehr die Funktion, eure Kondition zu schonen…

Guido: Bei den anderen vielleicht schon, bei mir nicht (lacht).

Heute Abend findet das vierte Konzert eurer aktuellen Tour statt. Seid ihr mit dem bisheringen Verlauf der Tour bis jetzt zufrieden?

Guido: Also bis jetzt hat uns die Resonanz umgehauen. Hamburg ausverkauft, Krefeld fast ausverkauft, Köln ausverkauft und heute Frankfurt. Auch ausverkauft. Das fühlt sich echt gut an. So richtig können wir das aber durch die volle Konzentration auf unser neues Live Set, bei dem wir viele neue Instrumente einbauen und zeitweise noch einen dritten Gitarristen haben, noch nicht  richtig wahrnehmen.

Ist die Resonanz von Seiten der Medien auf euer neues Album ähnlich positiv?

Guido: Wir schauen uns die Reviews schon an und da waren bis jetzt eigentlich auch alle super, bis auf eine Ausnahme. Aber eigentlich sollte man auf Reviews generell nicht zu viel geben, denn je nach Laune des Rezensenten fällt die Kritik so oder so aus. Das schönste Lob für mich findet live statt, wenn die Leute auf die Songs abgehen.

Zum Abschluss würde ich dich bitten, einige Bands vorzustellen, die man gehört haben muss, um nicht als Chef einer Investmentbank enden zu müssen.

Guido: Ganz großartig finde ich Bands wie Rancid, Bad Religion, Face 2 Face. Oder Ryan Adams. Aber ich möchte auch auf die eher unbekannteren und dennoch hervorragenden Bands The Vaders, December Peals, Dramamine, Press Gang hinweisen.

Dem kann ich mich doch anschließen und möchte mich bei dir für das Interview bedanken.

Sven Dehoust

mehr von den Donots auf track4-info.de

Donots – “The long way home” – Review

Donots – “Calling”  Review

DONOTS – VIDEO TRACK BY TRACK ONLINE

DONOTS „The Long Way Home“

DONOTS: TOURDATEN & NEUES ALBUM IM MÄRZ

ROYAL REPUBLIC – u. a. Support von Donots im April


Tags:

One comment
Leave a comment »

  1. […] erkennen. Ich hatte für eine genauere Recherche ja auch kaum Zeit, da vor dem Konzert noch ein Interview mit Guido von den Donots […]

Leave Comment