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Here Comes The Electric Lady: Janelle Monáe

Montag, 17. Juni 2013 | By | Category: Top News

Endlich. Die preisgekrönte und unnachahmbare Songwriterin, Produzentin, Performerin und Avantgarde-Künstlerin Janelle Monáe ist zurück. Sie ist bereit uns, der Masse, einen weiteren emotionalen Spielfilm zu zeigen. Doch über ihre neue Musik möchte sie fürs Erste nicht reden. Sie möchte viel lieber erstmal von vergangene Erfahrungen erzählen und erklären, wie diese sie dazu gebracht haben, dieses Album aufzunehmen: The Electric Lady.

Janelle Monáe - Credits: Marc Baptiste

Janelle Monáe – Credits: Marc Baptiste

„Ich bin mit meinem Debüt „The ArchAndroid“ sehr lange getourt, danach ging ich zunächst zurück nach Kansas City“, erzählt Monáe. „Als ich mich dort das erste Mal umsah erkannte ich, dass mein nächstes Album organisch und wahrhaftig klingen soll. Es sollte sich um alles drehen, was ich im Laufe meines Lebens in meiner Heimat erlebt habe – das Gelächter in den Parks, die Beats, die aus den vorbeifahrenden Autos pumpen, die Witze am Küchentisch. Ich wollte all das Leben, die Wärme und die Kämpfe, die mich dort beschäftigten, aufgreifen. Aber ich wollte auch versuchen herauszufinden, wie Kansas City wohl in der Zukunft aussehen und klingen mag. So wie ein surrealistisches Parliament Album mit Lyrics von Octavia Butler und einem Artwork von Salvador Dali!

Zeit ging ins Land und Monáe fand sich selbst zunehmend zu den Geschichten und Erfahrungen der starken Frauen in ihrem Leben hingezogen. All diese Frauen teilten ein Talent: Sie konnten Menschen für sich einnehmen und sie dazu bringen das Richtige zu tun. Das beschäftigte Monáe nachhaltig. „Irgendwann realisierte ich, dass die Frauen das eigentliche Herz unserer ‚Community‘ sind. Meine Mama, meine Oma und meine Tanten gehören zu den taffsten Lebewesen auf diesem Planeten. Unter ihrer Führung wurde ich vom Dienstmädchen zu der Welt-bereisenden Performerin, die ich heute bin. Sie gaben mir die Kraft, die ich brauchte, um Kansas zu verlassen und meinen Träumen nachzujagen. Viele Leute denken, dass ich auf der Bühne so hart arbeite, weil ich James Brown nacheifere. Doch diese Leute kennen meine Mutter nicht!

Inspiriert von ihrer Mutter und all den anderen starken Frauen um sie herum, schrieb Monáe Songs über rebellische Frauen, die sich nicht unterbuttern lassen wollten und anstatt dessen ein kühnes Leben ohne Entschuldigungen in der fernen Zukunft führen. Monáe erklärt: „Als ich ins Studio zurückkehrte hatte ich das Gefühl ich müsste meinen Teil tun. Ich musste mit meiner Kunst die Frau erschaffen, wie ich mir sie selbst vorstellte. Während meiner Konzert-Reisen habe ich Jahre lang immer die Statur derselben Frau gezeichnet – die Silhouette ihrer Hüften – ich habe Hunderte von Zeichnungen dieser femininen Figur gezeichnet..diese leuchtende Frau in Technicolor..betrachtet von hinten..majestätisch und elektrisch..meine Kollegen und Freunde meinten ich müsste dieser mysteriösen Figur endlich einen Namen geben, schließlich schien sie für mich ein sehr bedeutsames, mächtiges Symbol, gar ein Totem, zu sein. Also nannte ich sie ‚The Electric Lady‘ und der Titel meines Albums war geboren.

Als sie die kühne Aufgabe auf sich nahm ihre von der Kritik hoch gelobte Debüt-LP „The Arch Android“ zu toppen, engagierte sie zwei vertrauenswürdige, mutige Gefährten: Nate „Rocket“ Wonder und Chuck Lightning von Wondaland Productions, die Produzenten von „The ArchAndroid“. Zusammen schufen sie eine Reihe jammender Songs, die sie mit der Silbe „ish“ bezeichneten. „Ish“, das ist eine, in der HipHop-Community verbreitete, Kurzform für das englische Wort für Exkremente. Jedoch wie Monáe erklärt arbeiteten sie und ihre Produzenten so wie Alchemisten daran sprichwörtlich – sie verwandelten minderwertige Substanzen in Gold. „Wonder & Lightning haben das ganze Projekt produziert. Wir arbeiteten an diesem Album mit dem Anspruch einen Soundtrack für die Obama-Ära zu schreiben. Musik, die die wunderschöne, majestätische und revolutionäre Zeit verkörpert, in der wir leben. Wir sprechen eine eigene, musikalische Sprache, wir nennen sie ‚Ish‘. Die afro-amerikanische Community verwandelt seit Jahren übrig gelassenes (wie Schweine-Gekröse) und soziale Nachteile (wie Armut) in Delikatessen und Kunst. Wir sind aufgebrochen, um all den Mist um uns herum in etwas Schönes zu verwandeln.“

Hört man „The Electric Lady“ müsste man dieses „Ish“ wohl als dringliche und gefährliche Variante der Dance Music bezeichnen. Es ist Musik für Rebellen, die einen dazu bringt zu kämpfen, sich zu bewegen und sich zu verlieben. Wie schon auf „The ArchAndroid“ sind die akustischen Texturen der Musik äußerst vielseitig. In den Songs von Janelle Monáe kommen die Vergangenheit und die Gegenwart zusammen, um dann zu explodieren und eine überwältigende Zukunft der Pop- und Soul-Musik zu entwerfen. Erstaunliche Streicher, die an Curtis Mayfield erinnern, erklingen, orchestrale Töne wie aus der Hand von Bernard Hermann tauchen auf, Hendrix-Gitarrensolos flirren durch die Luft und Outkast-mäßige Raps fließen über Punk Rock-Riffs. Dazu erklingen sozialkritische Lyrics, die sich mit der Suche nach der eigenen Seele und dem Kampf für Veränderung beschäftigen. Währenddessen bringt der Funk deine Lautsprecher zum Schmelzen: 808s wummern und Prince-artige Synthesizer setzen sich in deinen Hörgängen fest. Stillsitzen ist bei dieser Musik unmöglich.

Wir bei Wondaland pflegen zu sagen: Der Hintern lügt nicht. Der Hintern beugt sich stets dem Gesetz des ‚Jams‘. Niemand kann einen Song hassen, der dich in Bewegung bringt und dir dabei hilft eine gute Zeit zu haben. Der Hintern wird dir immer die Wahrheit über jemanden sagen. Du kannst zu jeder Zeit erkennen, was ein Mensch oder eine Community glaubt – einfach, indem du  die Bewegungen seines Hinterns studierst. Sie können behaupten, sie würden diesen oder jenen lieben oder an diesen oder jenen Gott glauben, aber was sagen ihre Taten? Was ihre Hintern tun oder nicht tun, das zeigt dir die Wahrheit.

Der Aufnahmeprozess machte Spaß, belohnend, doch Monáes neues Bedürfnis mutigere und offenere Texte zu schreiben machte ihn auch aufreibender. „Damit dieses Album gut werden konnte musste ich einige der schwierigen Kapitel meines Lebens neu aufrollen, Erfahrungen aus meiner Kindheit musste ich neu bewerten. Ich hatte Fragen zu so vielen Dingen. Fragen zu Sexualität, Geschlecht, Rasse und Erinnerungen. Dinge, von denen ich dachte, ich hätte sie hinter mir gelassen. Dinge, die ich neu entdeckte. Am Ende sah ich mich selbst, wie ich meine Mutter und meine Großmutter nachahmte und ihre Stärken nutzte, um meine eigenen Ängste zu besiegen. Ich musste das tun, bevor ich diese neuen Songs überzeugend singen und performen konnte. Ich kann nicht jede Nacht Songs performen, an die ich nicht glaube und die nicht meinen echten Erfahrungen entsprechen.“

Ebenso inspiriert und ermutigt wurde Monáe von ihren wunderbaren Kollegen: Von Roman Gian Arthur,  Wunderkind und Haus-und-Hof-Künstler der Wondaland Arts Society, der wieder die Ouvertüre des Albums schrieb; vom frisch gebackenen Soul-Star Miguel, mit dem Janelle die Ballade „Primetime“ (der perfekte Song zum Babys machen) einsang; Erykah Badu, ihr Zwilling im Geiste, dessen kosmische Eleganz die erste Single des Albums („Q.U.E.E.N.“) zu einer Hymne für weibliche Selbstermächtigung machte; und ihr lebenslanger Held, der legendäre Prince höchstselbst, der auf unterschiedlichste Art und Weise an diesem Album beteiligt war. Er sang Vocals ein, trug aber auch musikalisch und spirituell dazu bei, dass diese Platte zu dem wurde, was sie heute ist. Immer, wenn sich Janelle Monáe ihres künstlerischen Weges unsicher war, rief sie Prince auf seinem lilafarbenen Telefon in Minneapolis an.

Während sie an dem Album arbeitete fand sich Monáe ebenfalls, so wie eigentlich immer, von ihrer anderen Liebe, der Science Fiction, angezogen und sich an die Heldentaten von Cindi Mayweather, der Protagonistin ihrer ersten EP „Metropolis“ erinnernd. Tatsächlich fungiert das neue Album als Suite IV und V ihrer Metropolis-Saga. In diesem neuen Kapital verändert sich die Androidin Cindi. Zuvor hatte sie das Wissen um ihre einzigartigen Kräfte erlernt, nun nutzt sie sie, um die Welt um sie herum zu verbessern. Monáe sagt: „Ich glaube man kann jetzt endlich hören, wie ich meine Superkräfte benutze. Ich rede nicht mehr nur über sie. ‚The Electric Lady‘ ist die große Action-Szene im dritten Akt des Films. Jede Party, die mit diesem Album beginnt und jedes Baby, das wegen ihm geboren wird ist ein weiterer Sieg gegen den großen Graben zwischen uns.“

Im Studio zeigte Monáe diese Superkräfte auf ganz neue Art und Weise. Sie entdeckte, dass manche ihrer besten Songs erst dann entstehen konnten, wenn sie alle Teile der Produktion selbst übernahm. „Es gab da ein paar Schlüsselmomente, zum Beispiel den Rap-Part auf ‚Q.U.E.E.N.‘ – bei dem musste ich einfach alleine im Studio sein. Ich dimmte das Licht, schloss das Mikrofon an und nahm mich selbst auf. Ich ließ die Worte und Sounds einfach durch meinen Körper fließen.“ Außerdem hatte sie auf diesem Album die Chance, nicht nur sich selbst, sondern sogar ihre Gäste Miguel, Erykah Badu und Prince selbst aufzunehmen. „Ich fühle mich immer noch geehrt. Ich hatte tatsächlich die Chance für einige meiner Helden zu schreiben und zu produzieren. Und durch mein Label Wondaland Arts Society hatte ich zusätzlich auch die Chance für Künstler wie Deep Cotton und Roman GianArthur als Executive Producer zu arbeiten. Ich bin stolz auf unser Movement und auf diese neue Phase in meinem Leben als Künstlerin, Produzentin und Geschäftsfrau.“

Nun, da das Album fertig ist, hat Monáe endlich eine Formel gefunden, die die Electric Lady perfekt beschreibt. Zusammengefasst ist diese im Titel ihrer ersten Single. „’Q.U.E.E.N.‘ fungiert als Akronym für eine Frau, die ‚Quirky, Unafraid, Electric, Epic and Nicety‘ ist“, erklärt Monáe. „Das ist man, wenn man nett und gemein, aber auch vornehm und unartig ist.. und das alles zur selben Zeit. Selbst Superhelden brauchen mal ein Glas Rotwein. Auch rebellische Frauen brauchen ab und zu mal einen Kuss. Wie korrektes und akzeptables Verhalten aussieht, das hängt ganz einfach von der Tageszeit ab..und davon, wie gut oder schlecht deine Woche gerade läuft.“

www.jmonae.com
https://www.facebook.com/Janelle-Monae
https://twitter.com/JanelleMonae

Quelle: WMG

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