RSS Feed abonnieren


Interview 21 Pilots

Dienstag, 28. Juli 2015 | By | Category: Top News

Woher stammt der seltsame Bandname 21 Pilots?

Tyler Joseph: Aus meiner Collegezeit. Ich musste mich mit dem Drama „All My Sons“ (dt. „Alle meine Söhne“) von Arthur Miller beschäftigen. Der Protagonist stellt während des 2. Weltkriegs Flugzeugteile her und bemerkt, dass sie fehlerhaft sind.

Twenty One Pilots - Credits: JABARI JACOBS

Twenty One Pilots – Credits: JABARI JACOBS

Er steht vor der Entscheidung, diese Teile entweder einzubehalten oder sie an die Air Force zu verkaufen. Da es ihm finanziell nicht gut geht, entscheidet er sich, sie auszuliefern. Daraufhin sterben durch seine mangelhafte Lieferung 21 Piloten durch Flugzeugabstürze. Es geht also im Grunde um Gewissensfragen, um Moral und darum, die menschliche Natur verstehen zu wollen. Die Lehre daraus ist, dass uns vermeintliche Abkürzungen nicht immer schneller ans Ziel bringen.

Was hat das mit euch persönlich zu tun?

Tyler Joseph: Auch uns wurden am Anfang der Band verführerische Abkürzungen versprochen, die uns in kurzer Zeit sehr schnell berühmt gemacht und dahin gebracht hätten, wo wir heute sind. Dafür hätten wir eine Menge unserer Kreativität und unserer künstlerischen Eigenständigkeit aufgeben müssen. Unser Bandname stellt also eine Art Mahnung an uns selbst dar, nicht unbedingt die leichtesten, sondern lieber die richtigen Entscheidungen zu fällen. Auch wenn es härtere Arbeit bedeutet.

Apropos harte Arbeit: Euer aktuelles Album „Blurryface“ ist sofort auf Platz 1 der Billboard-Charts geschossen, ist alleine in der ersten Verkaufswoche über 133.000 Mal über die Theken gewandert und auch eure YouTube-Clips wurden mittlerweile millionenfach geklickt. Wie fühlt sich dieser unfassbare Erfolg heute an?

Tyler Joseph: Es ist ein großartiges Gefühl, oder Josh?

Josh Dun: Natürlich. Absolut kein Grund zur Sorge, würde ich sagen. Ich glaube, uns ist noch gar nicht so richtig klar, was diese Zahlen überhaupt bedeuten.

Tyler Joseph: Wir haben uns noch nie so wirklich um Zahlen und Fakten gekümmert. Ich denke, es zeigt, wie sehr uns unsere Hardcore-Fans wirklich lieben. Wie sehr sie schon seit unseren Anfangstagen an uns glauben und hinter uns stehen.

Könnt ihr eigentlich begreifen, was da grade um euch abgeht, oder verschwimmen diese Ereignisse und Zahlen ein wenig?

Tyler Joseph: Auf Tour geht es uns meistens so, dass man nicht mehr wirklich alles mitbekommt, sondern sehr viel zu einem einzigen Rausch verschwimmt. Wir sind zwar noch nicht auf Tour, aber unser Terminplan ist jetzt schon absolut verrückt. Schon als Josh und ich uns das erste Mal getroffen haben, haben wir davon geredet, wie es wohl sein würde, irgendwann berühmt zu sein, Interviews zu geben und auf Tour zu gehen. Und das ist genau das, was wir immer machen wollten; wir sind momentan wirklich sehr zufrieden mit dem, was passiert.

Josh Dun: Wir sehen es eher als eine Art künstlerische Reise an. Sie begann, als wir damals unsere allererste Show spielten und nach dem ersten Song abbrechen mussten, weil die Cops kamen. Später spielten wir unser erstes ausverkauftes Konzert in unserer Heimatstadt und heute sind wir noch einen riesigen Schritt weiter. Wir haben ganz bewusst immer kleine Schritte gemacht und uns langsam zu dem entwickelt, was wir heute darstellen. Wir versuchen ständig, uns noch zu steigern und uns weiter zu bewegen. Natürlich genießen wir dabei alles, was so passiert.

Was geschah bei eurem ersten Konzert Verrücktes, dass die Polizei anrücken musste?

Tyler Joseph: Es war so ein typischer Last-Minute-Gig. Josh sollte mich während des Konzertes verstärken. Also musste er seinen Job kündigen. Er ließ also seinen regulären Job sausen, um mit mir eine Show zu spielen. In meinen Augen war das der Inbegriff von Punkrock! Wir fuhren zu diesem Hinterhof-Konzert auf einem College-Campus und beim ersten Song stürmte die Polizei diesen Hinterhof und drehte uns den Saft ab. Ich glaube, es ging um Alkohol oder Drogen im Publikum.

Josh Dun: Außerdem habe ich mich dann noch mit einem Typen geprügelt, der auf mein Schlagzeug pissen wollte. Jeder auf dieser Party war absolut besoffen. Dieser Idiot versuchte tatsächlich, auf mein Drumkit und unser Merchandising zu pissen! Während unseres kurzen Auftritts stolperte dann noch der Hausbesitzer völlig besoffen auf die Bühne…

Tyler Joseph: Das spiegelt ganz gut wider, wie es sich anfühlt, eine einheimische Band zu sein: Man ist ständig damit beschäftigt Leute davon abzuhalten, auf deine Sachen zu pissen.

Man muss definitiv einen gewissen Sinn für Humor besitzen, um eure Songs zu verstehen…

Tyler Joseph: Das stimmt. Die Texte können manchmal ziemlich heavy sein… Obwohl wir gar keine heavy Typen sind. Wir spielen uns nur gerne die Bälle zu.

Wer von euch beiden hat mehr Humor?

Tyler Joseph: Ich würde sagen, dass ich definitiv lustiger als Josh bin. Und zwar sehr viel lustiger. Oder?

Josh Dun: Würde ich auch sagen. Ich würde mich gar nicht als humorvoll bezeichnen. Und ich mag auch keine Witze oder sonstige Dinge, über die andere Leute lachen. Aber Tyler ist ein lustiger Bursche (lacht).

Ihr verbindet in eurer Musik die verschiedensten Stile wie HipHop, Indie-Rock und Poppunk. Eure Fans bezeichnen diesen wilden Mix als „Schizophrenic Pop“…

Josh Dun: Diesen Stempel haben wir schon ziemlich früh aufgedrückt bekommen. Bereits in einem der ersten Artikel über uns kam der Autor mit dieser Beschreibung um die Ecke. Uns gefiel diese Genre-Bezeichnung. Die Leute fragen uns immer wieder, wie wir unseren Stil umschreiben würden und wir haben eigentlich keine gute Antwort. „Schizophrenic Pop“ trifft es noch am besten, obwohl es sich wahrscheinlich auch irgendwie verwirrend anhört. Es gibt so viele Musikstile, die wir mögen. Es wäre schwer, für unsere Musik eine einzelne Genre-Schublade herauszupicken, in die man uns dann einsortiert.

Ihr stammt ursprünglich aus Columbus, Ohio. Eine Stadt, in der musikalisch gesehen nicht allzu viel los ist. Stellt eure Musik eine Art Werkzeug dar, aus dieser Mittelwesten-Langeweile ein wenig auszubrechen?

Tyler Joseph: Wir haben uns nie als etwas Besseres betrachtet oder wollten weg aus Ohio. Wir nutzen Ohio als Zentrum, um unsere Fanbase aufzubauen. Fans, die wirklich hinter uns stehen und uns supporten. Wir kennen viele Lokalbands, die auf Tour gehen und auch außerhalb ihres Bekanntheitsradius spielen, wo man sie nicht kennt. Sie arbeiten den ganzen Sommer, schießen das verdiente Geld komplett auf Tour raus und kommen mit nicht einem einzigen verdienten Cent wieder zurück. Das ist die Vorgehensweise vieler Gruppen. Wir haben anfänglich auch so gearbeitet, aber immer versucht, klüger als die anderen zu sein. Ich lebe heute immer noch in Ohio, Josh ist nach Los Angeles gezogen. Aber wir arbeiten in Ohio an unserer Musik. Ohio ist bis heute einer meiner absoluten Lieblingsorte. Es ist ein tolles Gefühl, zu sehen, dass sich unsere Fanbase mittlerweile weit über Ohio ausgebreitet hat. Wir werden Ohio immer treu bleiben und diesem Bundesstaat Credits geben, weil hier für uns alles anfing.

Ihr habt auf eurem aktuellen Album „Blurryface“ mit vielen verschiedenen Produzenten wie  Mike Elizondo (Dr. Dre, Eminem, P!nk), Tim Anderson (Dizzee Rascal, Banks) sowie Ricky Reed (Pitbull, Jason Derulo, Jessie J) in Los Angeles, und mit Mike Crossey (Arctic Monkeys, Foals, Keane) in London gearbeitet. Warum diese Producer-Armee?

Josh Dun: Sie alle haben verschiedene Qualitäten. Wir wollten einfach mal von einer anderen Richtung an die Songs herangehen. Jeder von ihnen hat etwas Unterschiedliches zum Album beigetragen. Das Gesamtergebnis ist ziemlich gut geworden. Es haben sich mit ein paar von den Jungs richtige Freundschaften ergeben.

Eure Single „Stressed Out“ wurde sofort zum Hit – wie entstand er?

Tyler Joseph: Ich saß hinten in unserem Tourbus, als mir dieser echt kranke Beat in den Sinn kam. Ich dachte daran, wie leicht man es damals als Kind hatte und wie schwer das Erwachsenenleben dagegen heute ist.

Josh Dun: Viele Menschen leiden heute unter Stress. Ich denke öfter daran, wie es als Kind war. Man musste sich nicht mit irgendwelchen wichtigen Sachen rumschlagen. Die bedeutendste Frage war, wie man seine Käfer-Sammlung noch erweitern konnte.

In dem Song „Tear In My Heart“ geht es um ein Mädchen, über das ihr nicht immer nur die schmeichelhaftesten Dinge erzählt….

Tyler Joseph: Tatsächlich geht es um meine Ehefrau. Ich liebe sie wirklich sehr; dieser Song war mein erster Versuch, ein Liebeslied zu schreiben. Es sollte sich absichtlich ein wenig ungeschönt und seltsam anhören. Eigentlich mag ich keine Lovesongs, weil sie sich meistens gleich anhören und überall die gleichen Dinge gesagt werden. Ich wollte die Sache aus einer anderen Perspektive betrachten.

Ein weiterer seltsamer Lovesong ist „We Don`t Believe What´s On TV“!

Tyler Joseph: Mein Lieblings-Livesong! Viele sind der Meinung, ich würde über Josh singen. Ich denke, ihm selbst macht das wenig aus. Aber um es deutlich zu sagen: Es geht in dem Stück eigentlich gar nicht um Josh!

Im Herbst seid ihr live in Deutschland zu erleben. Was darf man erwarten?

Josh Dun: Drums, Piano, Tyler wird noch ein Mikro dabei haben. Und vielleicht werden wir während der Shows keine Unterwäsche tragen. Unsere bisherigen Deutschland-Shows waren schon sehr geil – ich erwarte, dass es noch viel besser wird. Wir freuen uns schon extrem darauf. Die Leute sollen einfach das Unerwartbare erwarten.

Quelle: WMG

Tags:

Leave Comment