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Interview mit Mambo Kurt im Cafe Central in Weinheim

Mittwoch, 30. Dezember 2009 | By | Category: Top News

Es gibt Tage, an denen ist „Abba“ zu hart oder „Slayer“ zu weich. Für alle anderen Gemütszustände gibt es Mambo Kurts durchgeknallte Neuinterpretationen allseits beliebter Melodien auf seiner Hammond-Heimorgel. Die sind so unnachahmlich und kultig (z.B. „Rage against the machine“ als Swing, „Nirvana“ als Mambo usw.), dass sie den Zuhörern ein Lächeln ins Gesicht zaubern und zum Tanzen animieren. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass Mambo Kurt nicht singen kann und einige Songpassagen einfach auslässt. Er ist und bleibt der König der Alleinunterhalter und verrät u.a. im Interview, warum er ein gemeinsames Konzert mit Rammstein einem Duett mit Tina Turner vorziehen würde.

Mambo Kurt

Mambo Kurt

Interview mit Mambo Kurt

Sven: Der Alleinunterhalter Mambo Kurt führte bis vor einigen Jahren ein bürgerliches Leben, in dem er als Arzt tätig war. Würdest du sagen, dass es zwischen beiden Berufen Gemeinsamkeiten gibt?

Mambo Kurt: Absolut! Man verkleidet sich; man stellt etwas dar; man hilft den Menschen. Als „Popstar“ bist du wie der Arzt, der Kioskbesitzer oder der Friseur ein verkappter Sozialarbeiter. Wir machen, dass die Menschen sich wieder gut fühlen und dafür sind sie bereit, Geld zu bezahlen. Deswegen bin ich eigentlich Sozialarbeiter, nur mit Musik. Ich schwitze auch genauso viel wie früher im OP.

Sven: Aber die Witze werden mittlerweile von der „Kundschaft“ besser honoriert…

Mambo Kurt: Ja, obwohl wir im OP auch gute Laune hatten. Ich kann sogar noch hinter dem Mundschutz Witze machen.

Sven: Seit 2004 kommst du regelmäßig nach Weinheim, ins Cafe Central…

Mambo Kurt: Nein, mein Freund! Ins Central komme ich bereits seit 1999. Da, ganz unten im Backstage-Raum hängt mein allererstes Plakat. Der Michael (Betreiber des Cafe Centrals) hat schon damals an mich geglaubt und mich gebucht. Und er bucht mich immer noch.

Sven: Gut, dann war das mal wieder der Beweis, dass eine gute Interview-Vorbereitung enorm wichtig ist. Aber Fakt ist doch (hoffentlich), dass du seit 2004 hier immer am 29.12. spielst. Hat das besondere Gründe?

Mambo Kurt: Der Michael möchte zwischen den Jahren seine persönlichen Lieblingskünstler einladen, die keinen zu großen Ärger machen und nicht zu viele Umstände auf der Bühne. Deswegen bin ich hier.

Sven: Vor ein paar Jahren warst du gemeinsam mit deiner Orgelpraktikantin hier.

Mambo Kurt

Mambo Kurt

Mambo Kurt: Also ich mache immer gerne was Neues. So hatte ich einmal eine weibliche Metall-Begleitband, die Bosanova-Babes, mit auf Tour. Oder eben die Orgelpraktikantin. Prinzipiell nehme ich lieber eine Frau oder mehrere Frauen mit, weil man mir als Mann dann nicht auch noch die Butter vom Brot nimmt. Wenn ich nämlich einen anderen Mann mitnehmen würde, könnte es Stimmen geben, die ihm die größere Coolness als mir bescheinigen würden.Dass ich in den letzten beiden Jahren solo aufgetreten bin, war wohl reiner Zufall. Für die Zukunft schauen wir mal, was kommt. Du kannst sehr gerne als Aushilfstänzer mit auf Tour gehen- wenn du willst.

Sven: Sehr gerne, wenn ich Zeit habe. Auf Festivals aufzutreten hat sicher auch seinen Reiz. Würdest du ein Festival-Auftritt einem Clubauftritt generell vorziehen?

Mambo Kurt: Also zu große Festivals mit einem Kameragraben müssen nicht wirklich sein. Das ist für mich fast so, als würde ich im Proberaum stehen, weil der Kontakt zu dem Publikum fast vollständig fehlt. Ich finde das einfach langweilig! In Wacken spiele ich auf keiner so großen Bühne, die keinen Graben hat, wenn ich hingegen auf dem Full-Force-Festival auftrete, hat die Bühne einen Graben. Ich finde Hallen und Festivals bis 2000 Besucher am schönsten, weil man da noch jedem in die Augen schauen kann. Und außerdem ist das Cafe central super und der Laden scheint heute sogar ausverkauft zu sein. Was will man mehr?

Sven: Trotz deiner Abneigung gegenüber großen Festivals hast du in Wacken deine Live- DVD „Wacken- The Orgel has landed“ produziert. Wich dabei deine Abneigung gegenüber den Kameras?

Mambo Kurt: Nee, gegen Kameras habe ich überhaupt nichts, nur gegen den zehn Meter langen Graben, in dem die Kameras stehen. Aber den gab es, wie bereits erwähnt, in Wacken glücklicherweise nicht.

Sven: Manche Wacken-Festivalgänger bezeichnen dich mittlerweile als eine „lebende Legende“.

Mambo Kurt
: Die Menschen neigen zu Übertreibungen, aber vielleicht ist da auch ein bisschen was dran. Ich bin auf jeden Fall da mittlerweile so eine Art Maskottchen geworden und darf sogar das Festival eröffnen. Das ist schon cool.

Sven: Gab es zu Beginn deiner Auftritte auf Metall-Festivals musikalische „Berührungsängste“ bzw. ein langsames Herantasten zum Publikum?

Mambo_live

Mambo_live

Mambo Kurt: Nein, überhaupt nicht. Da ist keine Absicht hinter dem was ich mache. Ich spiele ja nur Heimorgel. Und bereits auf meiner ersten Platte hatte ich einige Songs von Metall-Bands gecovert und dadurch bereits eine erste „Fan-Base“. Die Jungs und Mädels wollen ja auch, nachdem sie ca. 33 Bier getrunken haben, Dr. Alban hören. Und da komme ich ins Spiel. Übrigens geht bei meinen Wacken-Auftritten der Deichkind-Song „Remmidemmi“ am meisten ab. Hip-Hop ist natürlich für die Metall-Fans erst einmal böse, aber in Wirklichkeit hören viele von ihnen ganz gerne auch mal Querbeet, auch wenn sie das nicht immer offen zugeben wollen.

Sven: Nicht nur deine Live-Auftritte genießen große Popularität, sondern auch die zahlreichen Videomitschnitte, die man sich auf diversen Internet-Plattformen anschauen kann. Guckst du dir diese Videos selbst an und interessierst du dich für die teilweise niederschmetternden Kommentare oder lässt dich das eher kalt?

Mambo Kurt: Das ist sowieso meine Maxime: Man kann mich nur lieben oder hassen. Das ist besser, als Fahrstuhlmusik zu produzieren. Und daher interessiert es mich nicht, was andere Leute von mir denken! Dennoch gebe ich zu, dass ich einmal in drei Monaten das Internet aus Neugierde durchforste…

Sven: Dieses Polarisieren konnte man meines Erachtens gut auf dem Onkelz-Tribute-Festival G.O.N.D. beobachten, auf dem du aufgetreten bist.

Mambo Kurt: Das war ein Experiment! Der Veranstalter wollte, dass ich ein paar Onkelz-Songs spiele und hat mich gebucht. Das hat nicht ganz so gut funktioniert, aber egal! Live habe ich seitdem den Onkelz-Song „Mexiko“ im Programm, der übrigens auch auf meiner neuen Platte im kommenden Jahr sein wird. Dieses Lied hört sich auf der Heimorgel ein bisschen wie „Take on me“ von Aha an. Ein Kracher!

Ich freu mich schon jetzt! Willst du über die neue Platte noch weitere Details verraten?

Mambo Kurt: „Remmidemmi“ kommt drauf und „Ice, Ice, Baby“ von Vanille Ice. Weil ich so gerne rappe. Weiterhin kommt man heutzutage einfach nicht an Mando Diao und Robbie Williams vorbei. Und an Motörhead. Ursprünglich sollte es eine CD mit ausschließlich englischen Songs werden, davon bin ich momentan aber wieder weggekommen. Es gibt so viele geile deutsche und amerikanische Interpreten! Wie Lady GaGa. Ist ein Super-Tango!!!

Sven: Und coverst du noch ein Lied von Tina Turner?

Mambo Kurt: Früher, als ich so 12 Jahre alt war, fand ich Tina Turner geil. Und den den Song „Private Dancer“ hörte ich rauf und runter. Diese Zeiten sind jedoch lange her und heute würde ich gerne im Vorprogramm von Rammstein spielen. Ich habe auch schon mal angefragt, ob sie mich auf USA-Tour mitnehmen würden, aber bislang hüllen sich die Jungs in Schweigen. Besser wäre es jedoch, mit Rammstein gemeinsam zu spielen. Ich spiele die Strophe, sie den Refrain! Das Tempo bliebe das gleiche und würde funktionieren!

Sven: Gibt es außer diesem Traum und der Veröffentlichung der neuen CD weitere Pläne für 2010?

Mambo Kurt: Viel Urlaub machen. Das Leben ist kurz und Geld spielt keine Rolle. Heutzutage ist es Luxus, Zeit zu haben!

Sven: Ein schönes Schlusswort! Danke für das Interview!

sd

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