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Interview mit Timo von Small Town Riot

Dienstag, 30. November 2010 | By | Category: Top News

War es für euch als Streetpunkband von Vorteil, aus der Kleinstadt Buxtehude zu kommen?

Timo: Da gibt’s keine Vorteile!… ganz im Gegenteil!… In einer Kleinstadt kann man sich als Punker nicht verstecken, jeder weiß wo der andere wohnt. Sobald du Ärger mit irgendwelchen Gruppierungen hattest, ist es nicht selten gewesen, dass Leute, noch Wochen nach dem Vorfall, vor Deiner Haustür stehen und dir noch im eigenen Hausflur auffe Fresse hauen, während man in der Stadt doch noch eher untertauchen kann.

Small Town Riot

Small Town Riot

Naja, und was die Band betrifft gibt’s dann natürlich eher begrenzte Möglichkeiten zu spielen. Juz, Freizeithaus und ne Kneipe, das war’s…

Ok. was vielleicht wirklich ein Vorteil sein könnte ist, dass die Aufmerksamkeit der Kids auf eine lokale Band natürlich viel größer ist, als wenn man in einer Stadt wie Hamburg versucht, sich Gehör zu verschaffen.

Welche Bands waren zu Beginn eures Musizierens eure Vorbilder?

Timo: Das ist immer schwer zu sagen. Ich kann immer nur von Norman und mir sprechen. Gaanz zu Angang waren es AC/DC, Nirvana, Body Count usw. und vielleicht auch Guns’n’Roses (ja, ich weiss)… Zwischendurch gabs auch mal ne harte Metal-Phase und dann kamen die ganzen amerikanischen Punkbands der 90’er, über britischen Punk bishin zu Deutschpunk und alles was sich so auf den Plattenteller verirrte, also auch gerne mal HipHop, Rock’n’Roll, Britpop, Hardcore, Crossover und was-weiss-ich…. Eben Alles….

In der Vergangenheit durftet ihr bereits im Vorprogramm namhafter Szenegrößen wie Broilers oder Sick of it all spielen. Welche dieser Bands hat euch am meisten musikalisch und auch persönlich beeindruckt?

Timo: Puh!… Keine Ahnung!…Man versteht sich mit einzelnen Leuten der Bands. Es gibt keine Band wo ich sagen würde, dass ich mit jedem dicke bin. Wir kommen mit kleineren Bands meistens besser zurecht, da sie nicht so unnahbar sind  wie etwa die Leute von Sick of it All, mit denen wir z.B.: auch kein einziges Wort gesprochen haben, außer ein kurzes „Hi!“ im Vorbeigehen. An dem Abend gab es 120 Mischkanäle von denen wir 10 benutzen durften + ner Lautstärkenbeschränkung damit der „Hauptact“ auch schön einen drauf setzen kann… Fuck off, Aller!!! .. ok. sind aber bestimmt ganz nette Typen…

Es folgten viele Auftritte auf den größten deutschen Punkfestivals sowie eine eigene Tour, die euch nach Finnland führte. Da gibt es sicherlich einige lustige Anekdoten aus dem Reich der Lappen zu berichten…

Timo: Es gab viele lustige Momente. Ich könnte jetzt ewig aus dem Nähkästchen plaudern, aber das macht man lieber bei Bier und Korn inner Eckkneipe. Es war aber alles dabei. Die Tour hatte ja ein finnischer Kumpel von uns organisiert, bei dem wir auch ein 2 Tage im Elternhaus verbracht haben. Ich sag nur soviel: geht niemals (niemals!) mit einem Finnen in die Sauna! Es war die Hölle! Am coolsten fand ich aber solche Finnen, die gegen 12uhr mittags auf die Raststätte fahren, um sich einfach nur ins absolute Koma zu saufen, unglaublich. Wobei wir uns immer fragten, wie diese Typen wieder nach Hause kommen, oder ob die gleich für zwei drei Tage bleiben und dann hinter der Tanke den Rausch ausschlafen, damit sie weiterfahren können. Aber auch die Leute der Support-Bands waren immer super-üble Säufer, mit anderen Worten grundauf sympathisch 😉

Im letzten Jahr habt ihr vor allem an Wochenenden Live-Auftritte gehabt. Müsst ihr während der Woche einer bürgerlichen Existenz nachgehen und arbeiten?

Small Town Riot

Small Town Riot

Timo: Ja, die Wochenendkonzerte sollen jetzt verstärktem Touren weichen bzw. mit Konzerten unter der Woche ausgefüllt werden, haha…. Wir kommen gerade von einer 10 Tagestour durch Süddeutschland und Österreich wieder und im Januar geht’s nochmal los für 10 Tage… Ist nicht grad einfach, alle unter einen Hut zu bekommen wg. der Arbeit:  Norman ist Maler (oder auch Landstreicher genannt), Heiko ist selbständig als Lichttechniker, ich bin Mediengestalter und Andy ist eigentlich arbeitslos bzw. Frührentner.

Euer Album „Selftitled“ erschien kürzlich in China und ein Best Of Small Town Riot-Album der letzten zehn Jahre kann demnächst der amerikanische Punkrockfan käuflich erwerben. Habt ihr schon erste Reaktionen auf diese Veröffentlichungen erhalten und ist von euch ggf. geplant, in diesen Ländern zu touren?

Timo: Jo, wir ham auf jeden Fall noch vor, die große weite Welt in Angriff zu nehmen, das Problem sind natürlich wie immer die Kosten. Wir wurden natürlich schon von beiden Labels eingeladen, ne Tour in China bzw. Amiland zu machen und bald müssen wir uns entscheiden. Mitte/Ende 2011 soll es losgehen. Ich hoffe wirklich, dass das alles noch klappt,denn dafür sind wir eigentlich schon ganz schön spät dran.

In Deutschland erschien am 12.11. euer neues Album „Suicidal Lifestyle“. Viele der darauf vertretenen Songs sind in diesen Zeiten ungewöhnlich politisch und gesellschaftskritisch. Ist das eure Art, jeder Art von „Grauzonen-Thematik“ innerhalb der Streetpunkszene den Kampf anzusagen?

Timo: Hmm, ich finde unsere Scheibe ja gar nicht soooo politisch. So waren unsere Texte eigentlich schon immer. So’n Song wie „burning flags“ hatte ich schon Ewigkeiten inner Pipeline, und nu is er raus 😉 Oh ha, die berühmte einschläfernde Grauzone… Das Problem ist, glaub ich, dass die Leute der Grauzone gar nicht kapieren, dass sie die Grauzone sind. Die Lösung ist geradezu einfach:  positionier´ dich eindeutig oder verpiss dich! Fertig aus….

Vielleicht habe ich deswegen in letzter Zeit auch überhaupt keine Probleme mit irgend ner Grauzone. Ich kenne eigentlich gar keine Krawall-Stomper-Haggis-Proll-Säufer mehr… Ich gehe solchen Leuten einfach  ausm Weg… oder man verweist sie unfreundlich des Weges….  das war früher wohl mal anders…

Beim ersten Lied Fuck STR teilt ihr ordentlich gegen Religion, Hippies, Musikindustie usw. aus, um dann in Selbstironie zu versinken.Ist dieses Lied euer Statement, sich nicht zu ernst zu nehmen?

Timo: Joa, so könnte man das ausdrücken. Jeder labert über jeden. Man zerreißt sich ewig das Maul darüber, wie scheiße alle doch sind, ohne zu merken, wie kacke man selbst doch manchmal ist…

Dinge zu kritisieren sind eine Sache, machbare Alternativen zu haben, ein andere. Wie würde euer Utopia aussehen oder wie lauten die Dinge, für die es sich nach euer Meinung zu kämpfen lohnen würde.

Timo: Hm, dass dieses Land und diese Welt mit all ihren Machthabern absolute Scheiße ist, dazu braucht man jetzt wirklich kein interleckduelles Buch über humane Staatsformen/Vorlagen gelesen zu haben. Überhaupt,  der anarchistische Staat (Gott hab ihn selig), in dem alle friedlich miteinander leben, ist auch irgendwo ganz schön „utopisch“, so leid es mir tut… denkt man nur mal an ein Punk-Konzert auf dem sich ja sogar schon „Gleichgesinnte“ wegen ner versehentlich  runtergeschmissenen Flasche den Schädel einschlagen. Ja ja, es gibt ja immer ein paar Idioten, ist klar… aber diese Welt ist VOLL von kranken Idioten und Bekloppten!

Ich weiss echt nicht, ob es sich lohnt für die zu kämpfen. Wir sollten also weiterhin für uns und unsere Sache kämpfen, eben Freiräume schaffen und natürlich auch verteidigen. Außerdem für Menschen, die sich nicht selbst verteidigen können. Ein bißchen gesunder Menschenverstand wär nicht schlecht -der ist ja in unserer Regierung und Ämtern überhaupt nicht vorhanden-… ansonsten einfach draufscheißen, Drogen nehmen und so schnell wie möglich vergessen !… Haha, vielleicht will ich jetzt auch nur meine Faulheit rechtfertigen. Cheers!

Eure Wünsche für 2011.

Timo: Na, endlich mal das „Ficken“ im  „Saufen, Ficken ,Oi!“ ins Repertoire aufnehmen 😉

Vielen Dank für das Interview.

Timo: Danke zurück.

Das Interview führte Sven von track4

http://www.smalltownriot.de

http://www.myspace.com/smalltownriothamburg

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