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Joe Cocker – „Hard Knocks“ – VÖ: 29.10.2010

Freitag, 29. Oktober 2010 | By | Category: Top News

Seit mehr als vierzig Jahren ist er eine ganz große Nummer im internationalen Musikbusiness. Er hat 21 Studio- und 4 Live-Alben veröffentlicht. Seine Stimme ist eine musikalische Trademark. Er hatte überall auf der Welt Riesenhits und seine Platten verkauften sich millionenfach.

Er ist ein Grammy-, Golden Globe- und Oscar-Preisträger. Jüngst erhielt er sogar den „Order Of The British Empire (OBE)“. Kein Zweifel: Joe Cocker ist nicht nur eine Musiklegende, sondern auch einer der kommerziell erfolgreichsten und populärsten Sänger der vergangenen vier Jahrzehnte. Doch trotz der zahlreichen Auszeichnungen und Millionenseller sympathisiert und identifiziert er sich nach wie vor mit denjenigen, die nicht so viel Glück im Leben hatten: den Underdogs und Außenseitern.

Joe Cocker - Foto: Olaf Heine

Joe Cocker - Foto: Olaf Heine

Es ist also keine große Überraschung, dass er – befragt nach seiner Meinung über TV-Competitions wie „American Idol“ (wo er bis dato zweimal auftrat, einmal in Frankreich und einmal in den USA) – gar nicht so unglücklich ist, dass es diese Show-Formate in seiner Jugend noch nicht gab. „Wenn man einmal an all die Verlierer denkt, die einfach ins Nirgendwo verschwinden…“, grübelt er. „Es wäre für mich wohl wesentlich desillusionierender gewesen, wenn ich an einem solchen Wettbewerb teilgenommen und verloren hätte, als in Pubs zu arbeiten und es auf diesem Weg geschafft zu haben.

Kaum zu glauben, aber dieser Mann, der für Generationen von Musikfans und Musikern eine Ikone ist, kann sich immer noch nicht vorstellen, ein Sieger zu sein. Sein neues Album, das erste für das Sony Music Label Columbia Deutschland, trägt den Titel „Hard Knocks“.

„Ich habe vermutlich mehr Zeit auf der Straße zugebracht als in der Schule“, erklärt der 66-jährige Brite. „Fans, die lange genug dabei sind, um sich an meine Lebensgeschichte zu erinnern, werden mit dem Titel vermutlich etwas anfangen können.“ Doch im Gegensatz zur toughen Atmosphäre, die der Name des Albums suggeriert, müssen Cocker-Anhänger (die immerhin drei Jahre auf neues Material warten mussten) keine Sorge haben, dass ihr Lieblingssänger mit „Hard Knocks“ eine neue, musikalisch knüppelharte Richtung eingeschlagen hat. Ganz im Gegenteil. Das neue Album ist wesentlich poppiger als die Cocker-Veröffentlichungen der vergangenen Jahre – allen voran sein letztes Album. „Mit Ethan Jones, den ich sehr mag, produzierten wir ‚Hymn For My Soul’ 2007 fast wie eine ‚Demo-Platte’. Wir verwendeten kaum Elektronik und keinerlei ‚Special Effects“’, erinnert er sich.

Die Aufnahmen der zehn neuen Stücke, die sich auf „Hard Knocks“ finden, entstanden unter der Regie von Matt Serletic. Es ist die erste Zusammenarbeit zwischen den beiden. Der Kalifornier machte sich erstmals Mitte der Neunziger mit seinen Arbeiten mit der Alternative-Rockband Collective Soul einen Namen. Später produzierte er u.a. Matchbox Twenty, Rob Thomas, Blessid Union Of Souls und Carlos Santana. „Zu der Zeit, als ich Matt begegnete, traf ich mich auch mit einigen anderen Produzenten”, sagt Cocker. „Wir plauderten ein wenig in seinem Studio. Ich sagte ihm, dass ich eine moderne Platte machen wollte, allerdings nicht zu modern. Mir ist klar, dass ich mich heutzutage mit 25-jährigen Kids messen muss, trotzdem bin ich nicht Green Day! Ich hatte bei ihm das Gefühl, dass wir etwas zusammen entwickeln konnten, das etwas anders war.

Die Aufnahme-Sessions fanden in Serletics Emblem-Studios in Los Angeles statt, mit dabei waren u.a. großartige Musiker wie die Gitarristen Ray Parker Jr., Tim Pierce und Joel Shearer, die Drummer Josh Freese, Matt Chamberlain und Dorian Crozier, Bassist Chris Chaney und Keyboarder Jamie Muhoberac. Gemischt wurden die Songs von Chris Lord-Alge, das Mastering übernahm Bob Ludwig.

Joe Cocker - Foto: Olaf Heine

Joe Cocker - Foto: Olaf Heine

Ein anderer Produzent, mit dem er zusammenarbeitete, war kein Geringerer als Nashville-Legende Tony Brown, der in seiner langen Karriere u.a. Pianist für Elvis Presley gewesen war. „Lustigerweise haben wir den gleichen Steuerberater“, schmunzelt Cocker über das Zustandekommen der Kollaboration. „Er ist wirklich ein ziemliches Unikum. Wir nahmen insgesamt zwei Songs auf, allerdings passte nur einer davon auf die Art Album, die ich mir vorgestellt hatte.“ Jenes Lied, das es letzten Endes ins Tracklisting  schaffte, ist überdies die einzige Coverversion auf „Hard Knocks“ – der Dixie-Chicks-Song „I Hope“ (von ihrem 2006er-Album „Taking The Long Way“).

Für einen Sänger, der sich u.a. mit der Veredelung von Songs anderer Leute mit Hilfe seiner einzigartigen Stimme und seines unverkennbaren Interpretations-Stils einen legendären Ruf erarbeitete, ist die Menge an Neu-Kompositionen auf „Hard Knocks“ durchaus erstaunlich, selbst für langjährige Anhänger. „Ich wurde für meine Coverversionen oft heftig kritisiert, besonders von jüngeren Leuten und der Presse“, erinnert er sich.

„Mitten in der Produktion meinten einige: ‚Okay, Joe, ich denke, die Leute erwarten wohl ein paar Coverversionen von dir’ und es gab auch Diskussionen über ein Duett mit Joss Stone. Ich würde wirklich sehr gerne mit ihr singen, aber aus irgendwelchen Gründen fanden wir einfach keinen geeigneten Song. Als ich dem Label letzten Endes die zehn Stücke ablieferte, waren die Leute dort komplett happy damit, und ich dachte mir: ‚Das ist doch mal eine Abwechslung.’“

Anders als viele andere Bands und Musiker, die verlässlich jede neue Veröffentlichung als ihre bislang beste preisen, macht sich Joe Cocker angenehmerweise nicht viel aus dem üblichen „Next Level Shit“-Hype. Viel lieber lässt er den Hörer beurteilen, welchen Rang „Hard Knocks“ innerhalb seines Gesamtwerks einnehmen wird. „Es ist ja erst mein 21. Album in etwas über vierzig Jahren, das ist ja sowieso nicht so wahnsinnig viel“, erklärt er. „Ich werde abwarten, wie das Feedback der Leute ist. Ich habe ihnen die Songs ja noch nicht einmal vorgespielt.“

Track by Track

1. “Hard Knocks”

JC: „Dieses Lied wurde von Marc Broussard geschrieben, einem Musiker aus dem Süden der USA. Er stammt aus New Orleans, und sein Text handelte ursprünglich von Fischfang und Krustentieren und solchen Sachen, das konnte ich natürlich nicht singen. Wir nahmen uns also die Freiheit und tauschten ein paar Wörter aus, spielten ein wenig mit dem Song herum. Ganz die traditionelle Cocker-Herangehensweise, würde ich sagen.“

2. “Get On“

Joe Cocker: „Matt Serletic war Co-Autor bei diesem Stück, zusammen mit Danny Myrick und Stephanie Bentley. Er versuchte, das Lied für mich maßzuschneidern, was viele Songwriter tun. Wir wollten ein Stück auf dem Album haben, das richtig rockt. Aber ich musste doch zweimal darüber nachdenken, als er mit der Zeile ‘…listen to some Joe Cocker’ ankam.“

3. “Unforgiven”

JC: „Dieser Song wurde von Kara Dioguardi, Mitch Allan und Nick Lachey geschrieben. Ich habe Freunde, die mich unbedingt Blues singen hören wollen. Wenn ich denen dieses Lied vorspiele, flippen sie nicht gerade aus vor Begeisterung. Aber für mich ist es so ziemlich mein Lieblingssong auf dem Album, ich weiß auch nicht genau, warum. Ich nahm den Gesang in einer einzigen ‚Solo Performance’ auf. Oft ist es so, dass man verschiedene Teile der Aufnahmen nimmt und sie zu einer Gesangslinie zusammenfügt, aber bei ‚Unforgiven’ war ich so richtig drin im Song. Wie bereits gesagt, wenn man ein bisschen älter wird und man die Texte mit Überzeugung singen will, dann muss man manchmal tief graben, um solche Dinge ans Tageslicht zu bringen. Und bei diesem Stück musste ich wirklich verdammt tief graben.“

4. “The Fall”

JC: „Abermals geschrieben von Matt und Danny zusammen mit Aimee Proal. Der Song brachte die ganze Sache ins Rollen, dieser und ‚Hard Knocks’. Die Sache ist die: wenn man etwas älter ist, dann wird es recht schwierig, ein Thema zu finden, das nicht zu teenager-haft ist. Also bat ich ihn etwas zu schreiben, das ich auch mit Überzeugung singen kann. Und ich denke, das Ergebnis ist ziemlich gut.

Ich bin mir nicht sicher, welchem Genre man dieses Album zuordnet: Rock? Pop? Es ist auf jeden Fall poppiger als die Sachen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Das hat mir manchmal auch etwas Angst eingejagt. Nachdem ich die ‚Basic Tracks’ eingesungen hatte, verschwand Matt damit und machte einige Overdubs mit seinem ganzen elektronischen Equipment. Manchmal dachte ich nur: ‚Oh, mein Gott…’. Aber ich wollte unbedingt mit ihm zusammenarbeiten. Und mir war natürlich zu jedem Zeitpunkt bewusst, welche Art von Platte wir da machen.“

5. „So It Goes”

JC: „Auch hier war Matt als Co-Songwriter beteiligt, diesmal zusammen mit Jeffrey Steele und Danny Myrick. Wir haben nicht allzu viele sanfte Balladen auf dem Album, und es war deshalb gut, mit diesem Song das alles etwas aufzubrechen. Als ich das Stück allerdings im Studio einsingen wollte, konnte ich plötzlich nichts mehr sehen! Matt hatte mich gebeten in einer bestimmten Tonart zu singen, und da waren einige Noten dabei, die etwas zu hoch für mich sind. Ich drucke mir die Texte immer aus, aber als ich auf das Blatt hinüber sah, konnte ich nichts erkennen. Ich hatte ziemlich große Angst und musste zum Arzt gehen. Sie sagten, ich hätte einen ‚Schlag’ im Auge – das ist allerdings nicht zu vergleichen mit einem ‚Hirnschlag’, aber es ist nie wieder ganz geheilt. Die Ärzte meinten, es sei wohl ein Stück Plaque (eine Wandanlagerung an der Innenschicht arterieller Blutgefäße) abgebrochen und oben in einem Blutgefäß hängen geblieben. Dadurch entstand eine Art ‚Wolke’ in meinem Auge und das Blut kommt nicht zur Netzhaut durch. Das ist natürlich nur eine kleine Nebengeschichte, aber jedes Mal, wenn der Song erwähnt wird, denke ich: ‚Oh ja, DER.’“.

6. “Runaway Train”

JC: „Ein Freund von mir, Ollie Marland, schrieb diesen Song. Manchmal kann man sich ein Lied nach dem anderen anhören, und nichts spricht einen so richtig an. Aber dieses hier hatte etwas an sich, das ich einfach mochte, die Akkordfolge, bei der man nie vorhersagen kann, wie sie weitergeht. Sie ändert sich oft. Der Song fiel mir auf, weil er einfach etwas anders war. Und deshalb habe ich ihn mir ausgesucht.“

7. “Stay The Same”

JC: „Ich habe keine Ahnung, woher dieser Song kam, aber ich liebe ganz einfach die Melodie. Es ist wahrscheinlich eines der kommerziellsten und ‚spielbarsten’ Stücke auf dem Album. Als die Zusammenarbeit mit Sony begann, nahm ich mir vor, ein paar Songs zu machen, die in Europa gut im Radio laufen könnten. Und das ist einer, von dem ich glaube, dass er Airplay bekommen würde.“

8. “Thankful”

JC: „Abermals war Matt an dem Song beteiligt, diesmal zusammen mit Kara Dioguardi. Sie ist Jury-Mitglied bei ‚American Idol’. Ich habe sie einige Male getroffen. Den beiden war meine ‚Soul-Connection’ sehr bewusst, meine große Liebe zur Soulmusik, die mich mein ganzes Leben begleitet. Wir nahmen einen Gospelchor mit dazu. Dieses Lied ist wesentlich mehr ‚traditioneller Cocker’ als die meisten anderen Stücke.“

9. “So”

JC: „Was teenagerhafte Texte angeht, so muss ich sagen, dass ‘…tell me your secrets…’ schon ein wenig an der Grenze ist. Im Verlauf der Albumproduktion habe ich mir bestimmt fast fünfhundert Songs angehört – um letzten Endes zehn zu haben. Wir haben uns tonnenweise Stücke angehört. Und bei ‚So’ ist einfach etwas ganz Besonderes in der Melodie. Einige Noten weckten etwas in mir, das mir gefiel. Chantal Kreviazuk und Tawgs Salter waren die Songwriter.“

10. “I Hope”

JC: „Dieser Song wurde von Tony Brown produziert. Die Aufnahmen fanden bereits im Dezember statt, und ich war mir nicht sicher, was die Position des Produzenten anging. Ob wir mit zwei oder drei verschiedenen arbeiten sollten, manchmal macht man das. Ich fuhr also nach Nashville, wo Tony eine kleine Band zusammengestellt hatte. Ich kann mich nicht an ihre Namen erinnern, aber das waren alles Spitzenmusiker, die auf einer Menge Platten mitgespielt haben. Keb’ Mo’ und die Dixie Chicks hatten den Song geschrieben, aber Tony war der Ansicht, dass deren Interpretation, die er ebenfalls produziert hatte, dem Stück nicht gerecht wurde. Er wollte ihm eine zweite Chance geben, weil er der Meinung war, er wäre eine Wiederholung wert.“

http://www.cocker.com/de

Quelle: Sony Music

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