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Kitty Kat – „Pink Mafia“

Freitag, 25. Februar 2011 | By | Category: Top News

Fünf Jahre sind mittlerweile vergangen, seit sich Kitty Kat erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Es waren nur ein paar anonyme Zeilen, es gab kein Foto und schon gar kein Video. Und doch galt die Berlinerin damals quasi über Nacht als Deutschlands beste Rapperin. Daran hat sich bis heute nichts geändert; unzählige Features, Kollegenlob in Kübeln und nicht zuletzt ihre Debüt-LP „Miyo“ von 2009 zeugen davon. Mit ihrem neuen Album macht die ehemalige erste Dame im Staate Aggro Berlin nun einen weiteren riesigen Schritt nach vorne. Denn „Pink Mafia“ offenbart den Kern unter der gar nicht mal so harten Schale: eine Künstlerin mit Hirn, Herz und Hintern – und einem untrüglichen Gespür für die Gefühlslage einer ganzen Generation.

Kitty Kat - Credits: Universal Music

Kitty Kat - Credits: Universal Music

Musik spielte immer schon eine große Rolle in der Welt der Kitty Kat. Schon als Elfjährige schrieb sie Silbe für Silbe die Texte ihrer Lieblingslieder ab, übte in ihrem Kinderzimmer im heimischen Augsburg, bis ihr inneres Singstar die volle Punktzahl ausspuckte. „Eigentlich wollte ich immer gerne Sängerin werden“, erinnert sich Kat heute. „Aber ich habe mich nicht so recht getraut. Erst als ich eines Tages die Band Salt-N-Pepa im Radio gehört habe, wusste ich ganz genau, was ich tun wollte: rappen. Danach hatte ich die ganze Zeit gesucht, ohne es zu wissen. Es war genau mein Ding!“

Bis ihr Ding zu ihrem Beruf wurde, sollte es allerdings noch eine ganze Weile dauern. Ihrer Mutter zuliebe schloss sie zunächst die Realschule ab, absolvierte sogar eine Banklehre. Sie macht ihre Sache gerne und gut, doch unter dem Büro-Kostüm schlug in jeder Sekunde das Herz einer Vollblutmusikerin. „Seit Sabrina Setlur hatte es in Deutschland keine wirklich erfolgreiche Rapperin mehr gegeben. Ich konnte die ganze Zeit nichts anderes denken als: ‚Die warten auf mich.’ Also habe ich 2003 meine Sachen gepackt und bin nach Berlin gezogen. Ich hatte ja nichts zu verlieren.“ Aber, wie sich (sie) bald herausstellen sollte, alles zu gewinnen.

In der Hauptstadt kochte der Hype um deutschen HipHop gerade auf dem Siedepunkt. Allerdings ohne Kitty Kat. Mit der Szene, die dort die Magazincover und Chartplatzierungen unter sich ausmachte, hatte sie nämlich nichts zu tun. Sprechgesang in deutscher Sprache interessierte sie allenfalls am Rande – ihr HipHop kam aus Amerika. Aufgewachsen in einer 300.000-Einwohner-Stadt mit drei US-Kasernen, war die Kultur für Kat stets allgegenwärtig gewesen. Aus den Autos der großen Jungs schepperten tagein tagaus die Hits von Cypress Hill und Snoop Doggy Dogg, und sie sog alles begierig in sich auf. Die Klamotten, das Tanzen, das Abhängen mit den amerikanischen Kumpels im Jugendzentrum. HipHop war für sie weit mehr als nur ein kurzlebiger Trend. Er wurde zu ihrem Leben.

Wie besessen studierte Kitty Kat in dieser Zeit die großen weiblichen MCs, merkte sich ihre Fehler, lernte aus ihren Stärken. Das Sanfte in der Stimme von Eve. Die Selbstständigkeit des Multitalents Missy Elliott. Das überbordende Selbstbewusstsein von Lil Kim. Erst ein eher zufälliges, aber nichtsdestoweniger prägendes Treffen mit dem Westcoast-Rapper Tim Dog überzeugte sie schließlich davon, es doch mal in ihrer Muttersprache zu versuchen. Und plötzlich kam eines zum anderen. Das erste Mixtape. Die erste Aufmerksamkeit. Die ersten Gastfeatures. Und schließlich der Vertrag beim vielleicht wichtigsten HipHop-Label, das dieses Land je gesehen hat: Aggro Berlin. Es war 2006, und Deutschlands Rap-Regenten hatten ihre First Lady.

Kitty Kat - PHOTO CREDIT (c) Martin Häusler

Kitty Kat - PHOTO CREDIT (c) Martin Häusler

Mit Kitty Kat eilte Aggro Berlin von Erfolg zu Erfolg: Gold, Platin, Echos, mittlere Massenhysterien. Ihr selbst war dabei aber nur eine Nebenrolle vergönnt. Zu erfolgreich waren SIDO und die anderen Jungs in der Crew, zu groß deren Schatten, als dass auch sie hätte scheinen können. Sie war auf allen Veröffentlichungen vertreten, ihre ersten Auftritte hatte sie vor Tausenden von Fans auf Großveranstaltungen wie „The Dome“. Für ein eigenes Album aber war zwischen all dem Wahnsinn kein Platz: Kat blieb nur zuzusehen, zu lernen und den langsam aufziehenden Frust herunterzuschlucken. Als das Label schließlich völlig unerwartet dicht machte, stand Kitty Kat abermals mit leeren Händen da.

Die Fans in den Foren schrieben sie nach dem Aus von Aggro reflexartig ab. Doch Kat weigerte sich, mit ihrem Label auch ihre Karriere wie ein Kartenhaus einstürzen zu lassen, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Sie kämpfte. Und getreu ihrem bis dahin größten Hit, „Beweg Dein Arsch (Move Your Ass)“, nahm sie schließlich all die aufgestaute Energie zusammen und haute innerhalb von nur vier Woche im Alleingang zehn komplette Songs raus. Das Ergebnis war ihr Debütalbum „Miyo“ von 2009: Eine Momentaufnahme aus dem Leben von Kitty Kat. Ein erstes Ausrufezeichen hinter ihrem Ehrgeiz und ihrem riesigen Talent. Und nicht zuletzt die Grundlage für ein Monster namens „Pink Mafia“.

Mit ihrem neuen Album nämlich etabliert sich Kitty Kat nun endgültig als komplette Künstlerin. Mit ihrem frühen Image als männerfressende Raubkatze spielt sie dabei eher schmunzelnd, fast schon selbstironisch. „Ich mache Jungs kalt mit meinen Styles“, singt sie auf ihrer Download-Single „Mörderpuppe“. Logo, macht sie mit links. Aber beweisen muss sie das längst niemandem mehr. Vielmehr präsentiert sich Kitty Kat auf „Pink Mafia“ als erwachsene Frau, mit klarer Botschaft und fesselnden Geschichten, die weit über den Horizont des üblichen Deutschrap-Dünkels hinausreichen. Sollen andere über Rap rappen, Kitty Kat erzählt aus dem Leben. Dem echten.

So reflektiert sie in verschiedenen Songs zwischenmenschliche Beziehungen und schickt Mut dorthin, wo man längst vergessen hat, wie man Hoffnung überhaupt buchstabiert. Mit „Hey Madame“ hält sie allen selbstverliebten Berufsjugendlichen und Dauerdiven zwischen Berlin-Mitte und RTL2 schonungslos den Spiegel der Realität vor. „Jetzt“ ist ein mitreißendes Plädoyer für das Leben im Augenblick. Und „Verzeih Mir“ ist ein tief berührendes Lied für Kitty Kats ungeborenes Kind, das sie als gerade einmal 17-Jährige abtrieb.

„Viele wollen in mir die harte Rapperin sehen. Aber ich bin vor allem ein einfühlsamer Mensch. Ich versuche, den Leuten in meiner Umgebung zuzuhören und sie zu bestärken, wie eine große Schwester oder ein cooler Kumpel. Der Öffentlichkeit diese Seite an mir zeigen zu können, war eine riesige Befreiung für mich.“

Die passende musikalische Unterlage kommt auf „Pink Mafia“ vom Berliner Produzenten Kraans de Lutin, der schon erfolgreich mit so unterschiedlichen Künstlern wie Culcha Candela, SIDO und Nena zusammengearbeitet hat. Aus unzähligen Einflüssen haben Kraans und Kat ausgefeilte, universal gültige Songs geschaffen, die punktgenau am Herzschlag einer ganzen Generation pumpen. Gastbeiträge kommen dem entsprechend unter anderem von einer der größten Stimmen der deutschen Musiklandschaft: Xavier Naidoo, erklärter Kitty-Kat-Fan und langjähriger Wegbegleiter. Auf der Single „Fliegen Üben“, einer rasenden Electro-R&B-Hymne direkt aus dem Herzen der Hauptstadt, ist zudem der Moabiter Chefstyler Megaloh zu hören. „Pink Mafia“ ist urbane Popmusik aus dem Hier und Jetzt. Der Sound für bebende Tanzflächen und überlebensgroße Kopfkinos. Hits für die perfekte Radiostation, wie man sie sich auf dem Weg zum See oder in den Club immer schon gewünscht hat.

„Ich wollte für das Album unbedingt mit einem Produzenten arbeiten, der Gefühle vermitteln kann. Der einen coolen Beat zum Abgehen und Partymachen raushauen, aber auch echte Gänsehautmelodien schreiben kann. Wenn ich etwas Trauriges zu sagen habe, dann soll einen alleine schon der Beat zum Heulen bringen! Mir ist auch egal, wenn die Leute sagen, dass das gar kein HipHop mehr sei. Ich habe mich nie auf eine Schublade beschränkt. Ich bin Musikerin, ich liebe Musik, und diese Liebe will ich mit anderen teilen.“

Wer würde so ein Angebot schon ausschlagen wollen?

Die Single „Fliegen Üben feat. Megaloh / Braves Mädchen“- ab dem 04.03.2011
Das Album „Pink Mafia“- ab dem 18.03.2011
Der Freetrack „Mörderpuppe“ unter:www.kittykat.cc

Quelle: Universal Music



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