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Lenka – „Two“

Dienstag, 22. Februar 2011 | By | Category: Top News

Es war das Jahr 2008, Lenkas selbstbetiteltes Debütalbum war noch nicht veröffentlicht und auch sonst stand der zierlichen Australierin noch so einiges bevor, u.a. ein Umzug in die USA, Live-Auftritte bei Conan O’Brien und anderen US-Talkshows, und nicht zuletzt der feierliche Moment, als „Lenka“ auf Platz drei der Billboard‘s Heatseekers Charts auftauchte. Oh… und natürlich die Verlobung mit James Gulliver Hancock, einem Künstler, mit dem sie oft zusammen gearbeitet hatte. In diesem Jahr löst sie nun ihre Versprechen ein und veröffentlicht mit „Two“ ein Album voller Liebeslieder.

Lenka (c) Sony Music

Lenka (c) Sony Music

Doch wie man sofort hören kann, entspringen nicht alle Songs auf „Two” der behaglichen Romantik-Stimmung gemeinsam verbrachter Kuschel-Vormittage – nicht zuletzt eine Konsequenz aus dem großen Erfolg ihres Erstlings. Denn Lenka verbrachte nahezu das komplette Kalenderjahr 2009 auf Tour durch die ganze Welt, trat in winzigen Clubs und bei riesigen Festivals wie „Bumbershoot“ und „Summer Sonic“ auf.

Doch obwohl die Bühne für sie alles andere als Neuland war (sie sang zuvor bei der Indieband Decoder Ring und hatte als Teenager professionell geschauspielert), bescherte ihr die zehnmonatige Konzertreise in 21 Länder einige Aha-Erlebnisse. „Es war sehr intensiv. Das Leben ist so hochkonzentriert, wenn man auf Tour ist. Ein Tag fühlt sich an wie ein Monat”, erklärt sie, „aber ich war schon immer eine kleine Zigeunerin, mir gefiel das. Ich wollte aber nicht nur ein Musiker sein, der auf Konzertreise ist. Ich wollte in Kontakt mit den Menschen treten und am liebsten so tun, als wenn ich nur ein ganz normaler Reisender wäre, ein Backpacker oder so. Jemand, der verschiedene Kulturen erleben will.“ Viele der Länder, die sie zum ersten Mal bereiste, beeindruckten sie nachaltig, wie z.B. Dänemark, Japan oder Thailand. Der Höhepunkt war allerdings Vietnam. „Man hat als Musiker nicht oft die Gelegenheit, dort aufzutreten“, erläutert sie, „ich fühlte mich extrem geehrt und glücklich.

Doch die aufregenden Erlebnisse hörten nicht auf, und inmitten des ganzen Lifestyle-Tohuwabohus versuchte Lenka, einen Weg zu finden, all die neuen Eindrücke, die Sounds und die einhergehenden Gefühle zu verarbeiten. Sie setzte dafür jenes Talent ein, dass sie überhaupt erst an diese Orte gebracht hatte. „Ich schrieb Lieder. Das ist das Wunderbare daran, ein Songwriter zu sein: ein Mittel zu haben, mit dem man seine Gefühle und Reaktionen auf Dinge, die man sieht, ausdrücken kann. Bei den Arbeiten für das neue Album entstanden insgesamt 35 Stücke.“

Das Verarbeiten beinhaltete natürlich auch die Entbehrungen, die es mit sich bringt, wenn man weit weg von allen Menschen ist, die man kennt. Auch der Eingewöhnungsprozess nach ihre Umzügen von Sydney nach Los Angeles und anschließend von Los Angeles nach Brooklyn spielten eine Rolle. Sie waren u.a. die Inspiration für Songs wie das entschlossene „Roll with the Punches” oder das beherzte „Sad Song“. „Ich habe mich einer depressiven Stimmung hingegeben und war gerade dabei, mich wieder daraus zu befreien“, sagt Lenka über letzteres Stück. „Wir alle stolpern ständig und fallen hin, und normalerweise schreibe ich Songs, wenn ich wieder am Aufstehen bin.”

Doch die Wachstumsschmerzen hatten auch positive Auswirkungen. „Ich denke, dass ich im vergangenen Jahr sehr viel reifer geworden bin. Ich habe so viel über die Welt und mich selbst als Künstler gelernt, und ich hatte auch das Gefühl, mir meiner Rolle als Frau bewusster zu werden. Ich bin jetzt weit weniger befangen als früher, ein bisschen frecher und mutiger.”

Diese innere Stärke führte sie zu dem Entschluss, nach London zu reisen, und einen Teil von „Two” mit David Kosten (Bat For Lashes) aufzunehmen. „Ich war praktisch das ganze Jahre auf Achse gewesen, deshalb wollte ich dem Album einen ‚internationalen Sound‘ verpassen. Und London ist eine so große Musikstadt.“ Und obgleich sie zugeben muss, dass die geographische Lage keine allzu maßgebliche Rolle mehr spielt, wenn man erst einmal im einem dunklen Aufnahmeraum steht, war die Erfahrung, im Studio der Kinks  aufzunehmen, ein einzigartiges Erlebnis. „Es war eine tolle Atmosphäre und dauernd kamen Touristen vorbei. Manche von ihnen zitterten vor Aufregung. Für uns war es eine ziemliche coole Sache, denn die ganzen Original-Instrumente der Kinks waren da und ich durfte ihr Mellotron aus den Siebzigern verwenden.“

Lenka (c) Sony Music

Lenka (c) Sony Music

Sie hatte auch den Mut, ihrem Album eine andere musikalische Richtung zu geben als dem erfolgreichen Vorgänger – eine wesentlich elektronischere. Das wird schon bei den ersten Klängen des Album-Openers „Two“ klar, einem freundlichen Dance-Pop-Song, den sie zusammen mit dem Briten Eg White (Adele, Emiliana Torrini, Natalie Imbruglia, James Morrison etc.) schrieb. Auch an der Entstehung des emotional höchst intensiven „Here to Stay” war er beteiligt. Ausgesprochen elektronisch geht es auch bei der ersten Single-Auskopplung „Heart Skips A Beat“ zu, die auf dem persönlichen Erlebnis mit ihrem behandelnden Arzt basiert.

Als Lenka ihm mitteilte, sie leide ab und an unter Herzrhythmusstörungen, mutmaßte der Mediziner, dies könnte unter Umständen auf akutes Verliebtsein zurückzuführen sein. Für die Umsetzung des Liedes wandte sie sich an den Musiker und Produzenten Guy Sigsworth (ehemals Frou Frou), der u.a. mit Björk an einer Vielzahl ihrer bekannteren Stücke gearbeitet hatte. „Als Teenager mochte ich elektronische Musik nicht so sehr”, erinnert sie sich, „Björk war schließlich die erste Künstlerin, bei der mir klar wurde, dass es nicht illegal ist, einen Computerbeat in einem Song zu verwenden. Es kann trotzdem schön und gefühlvoll klingen.“ Aus einem Stück wurden schließlich drei, als sie Sigsworth bat, an zwei weiteren ihrer Lovesongs zu arbeiten: „Shock Me Into Love” und „You Will Be Mine”.

Doch ganz gleich zu welchem Thema – ob Liebe oder Selbstfindung – die Songs auf „Two“ zeigen ein mutigere Lenka, die noch mehr dazu bereit ist, es mit der ganzen Welt auf zu nehmen.

Gute Verbündete für diese Aufgabe weiß die Musikerin dabei in Deutschland an ihrer Seite. „Ich freue mich so sehr, mein zweites Album in Deutschland zu veröffentlichen! Ich liebe es, dorthin zu reisen und ich versuche mein bestes, die Sprache zu sprechen (mein Deutsch ist furchtbar, aber alle sind viel zu höflich, es mir zu sagen). Beim letzten Mal hatten wir eine tolle Zeit und haben viele Städte besucht. Meine Lieblingsorte sind Berlin, Hamburg und München. Ich hoffe sehr, dass meinen deutschen Fans die neuen Songs gefallen.

Quelle: Sony Music

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