RSS Feed abonnieren


Lostprophets – „The Betrayed”

Sonntag, 24. Januar 2010 | By | Category: Top News

Niemand kann behaupten, die Lostprophets seien eine Band, die halbe Sachen macht. Keiner kann ihnen vorwerfen, sie würden nicht bis an das Ende der Welt reisen, um zu erreichen, was sie sich in den Kopf gesetzt haben. Und ganz gewiss kann keiner sagen, die Bandmitglieder ließen ihren Worten keine Taten folgen.

Im Januar 2010 veröffentlicht das walisische Sextett mit „The Betrayed” sein viertes Studioalbum. Mit dem Follow-Up zum 2006 erschienenen Nummer-Eins-Album „Liberation Transmission“, dass aus den Lostprophets eine der größten Rockbands des Königreichs machte, folgen die sechs Musiker einmal mehr ihrer Maxime, dass man, wenn man etwas macht, es auch verdammt noch mal richtig machen sollte. Ihre Konsequenz ließ sich die Band dabei einiges kosten: eine dreiviertel Million Dollar – und zwei Jahre ihres Lebens.

"The Betrayed" (c) Sony Music

"The Betrayed" (c) Sony Music

Und? War es das wert?

„Absolut”, sagt Ian Watkins, der einfallsreiche Frontmann der Band. „Es ist das beste Album, das wir bis jetzt gemacht haben – mit Abstand.“

Möglicherweise sind die Lostprophets besser gegen Probleme aller Art gerüstet als andere Bands. Immerhin kennen sich die Mitglieder bereits seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in Pontypridd, South Wales, und waren lange miteinander befreundet, bevor sie Band- und damit Arbeitskollegen wurden.

Mit ihren drei bisherigen Alben, „fakesoundofprogress” (2000), Start Something (2004) und „Liberation Transmission“ (2006) mauserten sie sich vom gefeierten Club-Act zur Platin-Band, die locker die Londoner Wembley Arena und die Manchester Evening News Arena zu füllen vermag. In den USA verkaufte sich alleine „Start Something“ mehr als 700.000 Mal und brachte den Musikern einen Gold-Award ein. Im Sommer 2009 waren die Lostprophets Headliner im Hauptzelt der Festivals in Reading und Leeds. Über die Jahre hinweg wuchs ihre Popularität weltweit, die Band wurde zusehends erfolgreicher und musikalisch besser. Bis heute stehen rund ein Dutzend Top 40 Singles in UK und zwei Millionen verkaufter Alben zu Buche. Mittlerweile zählen sie zu den größten Rockbands Großbritanniens – ohne irgendwelche Kompromisse eingegangen zu sein oder auf irgendeinen musikalischen Trend aufgesprungen zu sein. Die Band blieb sich stets treu und arbeitete kontinuierlich daran, immer besser zu werden – sei es bei beim Songwriting oder bei Live-Konzerten.

Und nun ist die Zeit gekommen, ein neues Album zu veröffentlichen. Es enthält elf Songs, die ohne Zweifel die rauesten aber auch einprägsamten ihrer Karriere sind. Vom apokalyptischen Groove des Openers If It Wasn’t For Hate We’d Be Dead By Now über das poppige For He’s A Jolly Good Felon bis hin zum glorreichen Abschlusssong „The Light That Burns Twice As Bright” birgt „The Betrayed” alle Qualitäten, die sich die Band in den vergangenen zehn Jahren aneignete.

„Genau so soll unsere Band klingen“, sagt Bassist Stuart Richardson, der das Album produzierte (mehr dazu später). „Kein Bullshit, keine Tricks, ungeschliffen, zornig und catchy wie Sau.“

„The Betrayed” war kein einfaches Album. Eigentlich hätte es bereits im Mai 2007 erscheinen sollen, aber die Entschlossenheit der Lostprophets, Dinge richtig zu machen, hatte große Verluste zur Folge: finanziell und zeitlich. Ursprünglich sollte das Album von John Feldmann produziert werden, der in der Vergangenheit u.a. mit Good Charlotte und The Used gearbeitet hatte. Viele Monate verbrachten die Musiker in Feldmanns Studio in Bel Air und arbeiteten an den Songs, die die Band geschrieben hatte. Leider gelang es nicht, den Spirit der Stücke einzufangen, und so beschloss die Band, unzufrieden mit den bisherigen Aufnahmen, die Songs zu nehmen, Bel Air den Rücken zu kehren und sich auf die Suche nach neuen Optionen zu machen.

Als nächsten tauchte die Idee auf, wieder mit Bob Rock zu arbeiten, dem Mann, der sowohl das „schwarze Album“ von Metallica als auch „Liberation Transmission“ produziert hatte – jenes Werk, für das die Prophets einen würdigen Nachfolger zurechtzuzimmern hatten. Die Umsetzung des Vorhabens erwies sich jedoch als kompliziert und letztendlich fruchtlos. Und obgleich der Produzent und die Musiker einige Zeit miteinander verbrachten und Songs aufnahmen, beschlossen Rock und die Band, sich nicht gemeinsam auf die Mission zu begeben, die eines Tages den Titel „The Betrayed“ tragen sollte. Zwei Schritte vor, zwei Schritte zurück.

"The Betrayed" (c) Sony Music

"The Betrayed" (c) Sony Music

Kurioserweise war derjenige, der vom Schicksal dazu auserkoren war, „The Betrayed” zu produzieren (im Sinne von: komplett, von Anfang bis Fertigstellung), der Band bereits die ganze Zeit bekannt. Um genau zu sein: er war in der Band. Es war Stuart Richardson, ein Mann mit Muskeln Popeye’schen Ausmaßes, der als Kind während der Auseinandersetzungen der Minenarbeiter 1984/1985 an der Seite seines Vaters als Streikposten Wache gestanden hatte. Klingt unwahrscheinlich? Okay, möglicherweise auf dem Papier. Aber ganz bestimmt nicht, wenn man sich die Musik anhört.

Was waren Stuarts erste Gedanken, als er gebeten wurde – oder besser gesagt – als ihm mitgeteilt wurde, dass er ein Album produzieren würde, das bislang nichts als Probleme verursacht hatte?

„Ich dachte: ‚Holy Shit!“, erinnert er sich. „Ich bin also der Nachfolger von Bob Rock – na herzlichen Dank. Das war ungefähr so, als wenn man nach Porno-Star John Holmes zum Schwanz-Mess-Wettbewerb antritt.“

Aber jetzt mal im Ernst…

„Mir war klar, dass das Schicksal meiner Freunde jetzt in meinen Händen lag. Wenn das Album ein Misserfolg werden würde, wäre das mein Fehler, nicht ihrer. Ich zitterte beim bloßen Gedanken daran. Doch tatsächlich stellte sich heraus, dass es ein ziemlich geiler Moment war.“

Und es wurde ein ziemlich geiles Album. „The Betrayed“ mag zwar unter größeren Verspätungen gelitten haben als Pendler in der Weihnachtszeit, aber wenn man etwas macht, dann macht man es verdammt noch mal richtig. Denn die Band war sich von Anfang an einig: wenn ihr viertes Album nicht exakt so werden würde, wie sie sich es vorgestellt hatten, dann würden sie ihren Bandnamen nicht dafür hergeben: sie würden es nicht veröffentlichen. Aber woher wissen wir, dass sie die Wahrheit sagen? Weil sie Unsummen für Aufnahmen ausgaben, die sie nie verwendet haben, daher. Weil sie warteten, bis sie genau das hatten, was sie wollten, bevor sie die Leute da draußen darum bitten würden, ihnen Gehör zu schenken.

„Die Menschen werden das Album lieben”, prophezeit Ian Watkins, “das garantiere ich. Es hat einige Zeit gedauert, bis es fertig war, aber es machte einfach keinen Sinn, etwas zu veröffentlichen, das wir selbst nicht liebten und an das wir nicht glaubten. Doch jetzt ist es perfekt und ich kann es nicht erwarten, dass die Leute es zu hören bekommen.“

Lostprophets wurden 1997 in Pontypridd, South Wales, gegründet. Zum Line-Up gehören Ian Watkins (Gesang), Jamie Oliver (Keyboards, Turntables, Gesang), Stuart Richardson (Bass), Mike Lewis (Gitarren), Lee Gaze (Gitarren) and Luke Johnson (Schlagzeug). „The Betrayed” ist ihr viertes Album.

Tourdaten:
14-04-2010     Wiesbaden,  Schlachthof
18-04-2010     Berlin,  Columbia Club
19-04-2010     Hamburg,  Markthalle
21-04-2010     Köln,  Live Music Hall
22-04-2010     München, Theaterfabrik

http://www.myspace.com/lostprophets

http://www.lostprophets.com

http://www.lostprophets.de

Quelle: Sony Music

Tags:

Leave Comment