RSS Feed abonnieren


PASSION PIT – TO KINGDOM COME

Samstag, 5. September 2009 | By | Category: Top News

Paranoia. Schuld. Erlösung. Und ab und zu das kurze Aufblitzen einer vagen Vorahnung auf ein besseres Morgen. All dies aufgepeppt mit Pop-Hooklines, gemischt mit treibenden Beats und elektronischen Anleihen der 80ties, die dafür sorgen, dass man die „Medizin“ auch tatsächlich runter bekommt – das ist, in einige dürre Worte gefasst, das Debütalbum der aus Cambridge, Massachusetts, stammenden Band Passion Pit.

passion-pit_foto

passion-pit_foto

Beim ersten, anonymen Hören könnte man „Manners“ auch für eine weitere verloren geglaubte LP aus Brian Wilsons „Sandkisten“-Phase halten. Bei genauerer Betrachtung ist die Faktenlage allerdings ganz anders: Passion Pit ist das Projekt des 21-jährigen Michael Angelakos, der ganz offensichtlich weit mehr in seinem durchgeknallten Hirn hat als Girls, Girls und noch mal Girls, sondern vielmehr eine ganze Reihe relevante Dinge, wie z.B. das Ende der Welt und wie man lernt, jemand anderen zu lieben als die Person, die man im Spiegel sieht.

Und gerade jenes Element wurde von vielen Menschen übersehen, als die Passion-Pit-Debüt-EP „Chunk Of Change“ im September 2008 in den USA erschien. Okay, die Songs waren ursprünglich als Valentinstag-Geschenk für seine Freundin gedacht, als Dank, dass sie sich die Beziehung mit Michael überhaupt „antut“. Aber dieses Detail ist lediglich die Hälfte der Story, die bei weitem nicht so kuschelig ist, wenn man die genaueren Umstände kennt.

Angelakos schreibt Songs, seit es ihm im Alter von fünf Jahren erstmals gelang, einem Klavier Töne zu entlocken. Sein in den Folgejahren zusammenkomponiertes Repertoire erstreckte sich dabei von minimalistisch-unheilvollen Folksongs bis hin zu schmissigem Ska-Punk. Doch eines Tages hörte er einfach damit auf. Allerdings nicht ganz freiwillig: Angelakos kreativer Brunnen war plötzlich versiegt und benötigte dringend eine Komplett-Neubetankung. Also fing er an, mit Plug-Ins und den unendlichen Möglichkeiten moderner Computerprogramme zu experimentieren. Sechs Songs später war „Chunk Of Change“ geboren, allerdings eher aus der Not heraus. Quasi als improvisierte Dankes-Karten verschickte Angelakos die Lieder ganz zwanglos an Gott und die Welt – und das in einer Zeit, in der sowohl Blogs als auch Labels fieberhaft besessen davon sind, das „Next Big Thing“ aufzuspüren.

Wir spulen vor in das Jahr 2008. Mit der offiziell ungemischten/gemasterten Pressung von „Chunk Of Change“ im Gepäck spielt Angelakos mit der kontinuierlich wachsenden Passion-Pit-Band ein ausverkauftes Konzert im New Yorker Bowery Ballroom. Das versammelte Publikum hat ganz offensichtlich kein Problem damit, jede Songzeile mitzusingen. Selbst einige Stücke des damals natürlich noch nicht veröffentlichten Album
„Manners“ haben die Fans – offenbar durch eine Art Osmose – bereits bei der zweiten Strophe im Repertoire. Doch auch mit einer ganzen Batterie Blitzlichter im Antlitz, die ihn ins Visier nimmt wie eine Kompanie Scharfschützen, registriert Angelakos die bizarre Szenerie, die sich vor ihm abspielt. Und er vergisst nie den Grund, warum er überhaupt hier ist: um sensationell perfekte Popsongs zu schreiben, mit Hooklines, die sich an dir festbeißen und Refrains, die dir nicht mehr aus dem Kopf gehen.

In anderen Worten: dieser Mann ist dazu auserkoren, ein großartiges Album zu machen. Eines, das Glückseligkeit verheißt und all jene großen Versprechen einlöst, die mit frühen Fan-Favourites wie „Sleepyhead“ einst gemacht wurden. Auf dem Weg dahin musste die Band allerdings zwei Monate lang einige hochexplosive, improvisierte Sessions mit Produzent Chris Zane (Les Savy Fav, The Walkmen) absolvieren. Doch obwohl das ganze Album in großer Eile geschrieben und aufgenommen wurde, ist „Manners“ ein makelloses Debüt ohne Füller – und gleichzeitig ein erster Blick in die Welt eines Mannes, der ohne Zweifel zu einem späteren Zeitpunkt in seiner Karriere sein eigenes „Pet Sounds“ veröffentlichen wird.

Die Hinweise darauf sind eindeutig: Man beachte nur das behutsam konstruierte Songwriting, die Synthesizer-Panoramen und den ein wenig unheimlichen Kinderchor (direkt von P.S. 22 in New York) bei den Songs „Little Secrets“ und „The Reeling“, den Hackbrett-Loop und die schmeichelnden Melodien von „Moth’s Wings“, den ekstatisch-aufbrausenden Höhepunkt von „Folds In Your Hands“. All diese Elemente sind Teil eines größeren Plans, dessen nächster Schritt die Ausgestaltung der Passion-Pit-Live-Auftritte in einer Art und Weise vorsieht, die den Ambitionen und Kaleidoskop-haften Klanglandschaften von „Manners“ gerecht wird, oder sie optimalerweise noch übertrifft. Denn eines kann man sich sicher sein: wenn Angelakos sagt, dass er der nächste Randy Newman werden will, dann ist es ihm damit verdammt Ernst. Und wenn er dann noch hinzufügt, dass Passion Pit „eine Band mit einem Hauptsongwriter“ sei, und nicht nur „Michael Angelakos und diese anderen Typen“, wird einem schnell klar, dass DAS erst der Anfang der Geschichte ist.

AKTUELLE TERMINE
13.11. München
14.11. Köln
16.11. Berlin
17.11. Hamburg

Quelle: Community Promotion

Tags: ,

Leave Comment