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Puddle Of Mudd – Volume 4: Songs in the Key of Love & Hate

Dienstag, 5. Januar 2010 | By | Category: Top News

Fragt man Wes Scantlin, den Sänger von Puddle of Mudd, nach der Entstehung des neuen Albums Volume 4: Songs in the Key of Love & Hate, so schwingt in seiner Antwort jene Mischung aus Unbekümmertheit und Entdeckergeist mit, die seine Band schon immer auszeichnet: „Oh, das war doch Pille-Palle, Alter, überhaupt keine große Sache…“

Puddle Of Mudd - PHOTO CREDIT (c) Universal Music

Puddle Of Mudd - PHOTO CREDIT (c) Universal Music

Zumindest nicht für ihn, wie’s aussieht. Wes Scantlin ist der ultimative Musiker des neuen Jahrtausends: Ein Rockstar ohne jegliche Allüren und zugleich ein Frontmann, dessen Spontaneität und Schlagfertigkeit ihn nicht nur auf der Bühne sondern auch in ganz alltäglichen Situationen zu einer Ausnahmeerscheinung machen. „Wes passt sich permanent der jeweiligen Stimmung im Raum an; er gibt pausenlos seinen Senf dazu und versucht andauernd, die Leute zum Lachen zu bringen“, erklärt Bassist Doug Ardito. „Dabei klingt er jedoch keinesfalls wie David Lee Roth, der jeden Abend dieselben Sprüche bringt. Wes macht das alles aus dem Stehgreif, vollkommen spontan.“

Auf Volume 4 präsentiert Scantlin wieder einmal diejenigen intelligenten Texte, die Fans schon seit der Veröffentlichung von Come Clean, ihrem Platin-Debüt, mit dem Namen Puddle of Mudd verbinden: Er kombiniert subtile Anspielungen und weniger subtile Wortspielereien mit Refrainzeilen, die so gewaltig sind, dass er einem selbst die eher bitteren Aspekte des Lebens überraschend schmackhaft machen kann. Da genügt es schon, an Psycho zu denken, jene Single vom Famous-Album aus dem Jahr 2007, in der er eine Beziehung mit folgender Zeile beschreibt: „Maybe I’m the one, who is, a schizophrenic psycho…“

Famous verkaufte sich, wie schon die beiden Vorgänger, allein in den Staaten über 500.000 Mal und wurde dafür mit Gold ausgezeichnet. Nicht zuletzt dank „Psycho“ werden Puddle of Mudd spätestens seit der Veröffentlichung dieser LP als astreine Hit-Garanten gehandelt – so gewannen sie letztes Jahr z.B. den Billboard-Award in der Kategorie „Bester Mainstream-Rocksong“ und landeten zugleich ganz oben in der Liste der „Besten Rockbands des Jahres“, als sie gleich hinter den Foo Fighters Platz #2 belegten. Daran anknüpfend geht auch das neue Album direkt ins Blut und runter wie Öl – oder wie der allerbeste Schnaps, den es gibt. Allerdings braucht man in diesem Fall nichts, um ihn herunterzuspülen; es sei denn, man bestellt noch ein kühles Blondes hinterher, wie Scantlin und Gitarrist Paul Phillips es tun würden…

Puddle Of Mudd - PHOTO CREDIT (c) Universal Music

Puddle Of Mudd - PHOTO CREDIT (c) Universal Music

Zugleich markiert Volume 4 die Rückkehr von Phillips, der die Band während der Arbeit an Famous zwischenzeitlich verlassen hatte. Auch wenn „Psycho“ demnach ganz ohne seine Mithilfe durch die Decke ging, fehlte doch irgendetwas, und als sich Phillips und Scantlin Anfang 2009 nach längerer Zeit wieder über den Weg liefen, hatten sich sämtliche Spannungen in Luft aufgelöst und mit einem Mal war auch die alte Chemie wieder da.

„Uns ist die Arbeit an einer LP wohl noch nie so leicht gefallen wie dieses Mal, und wir haben noch nie so gut zusammengearbeitet“, meint Phillips, der den gesamten Entstehungsprozess mit den Worten „ein absolutes Kinderspiel, Mann“ zusammenfasst – auf der Skala der Puddle-of-Mudd-Ausdrücke dürfte das haargenau dort angesiedelt sein, wo auch „Pille-Palle“ steht. „Ich quartierte mich bei Wes ein, und dann haben wir uns bis spät in die Nacht bei einer Flasche Ketel One und einer Flasche Southern Comfort neue Songs ausgedacht. Nur wir beide auf seiner Couch mit Akustikgitarren; und ich habe dann ein paar Sachen mit seinem tragbaren Aufnahmegerät mitgeschnitten, sie mir am nächsten Tag noch einmal angehört – und ich konnte mich an nichts davon erinnern!“

Auch wenn das ein wenig übertrieben sein mag, zeigt es doch schon sehr gut, wie diese Band tickt und wie einzigartig die Chemie zwischen den Bandmitgliedern ist; ein Element übrigens, das man auf Volume 4 auch deutlich heraushören kann. Gleich die erste Single Spaceship schießt geradewegs in die Puddle-of-Mudd-Stratosphäre, in eine Welt wilder Metaphern und sexuell aufgeladener Mitsing-Hooks. Oder sagen wir so: Das im Titel erwähnte Raumschiff ist nicht das einzige, was sich hier aufrichtet und in andere Sphären eindringt…

Bedenkt man die Airplay-Erfolge der Band – Blurry war im Jahr 2001 der am meisten gespielte Song in sämtlichen US-Rockformaten, während zuvor schon ihr erster großer Hit Control (auch als der „Smack My Ass Song“ bekannt) rauf und runter gelaufen war –, klingt es vielleicht etwas seltsam, Puddle of Mudd als „unterschätzt“ zu bezeichnen – aber letztlich sind sie genau das. Ein paar Kritiker orientierten sich hauptsächlich an Scantlins Frisur, die gleichzeitig nach Grunge-Rocker und Surfer-Dude aussieht, während andere Puddle of Mudd kurzerhand als „irgendeine Band fürs Radio“ einstuften. Weit daneben lagen sie natürlich alle. Denn Puddle of Mudd sind einfach nur sie selbst, und etwas anderes würde ihnen auch niemals in den Sinn kommen. Das, was man sieht, bekommt man auch, selbst wenn das, was man da zu sehen bekommt, gelegentlich etwas „Blurry“ (also verschwommen) rüberkommt.

Puddle Of Mudd - PHOTO CREDIT (c) Universal Music

Puddle Of Mudd - PHOTO CREDIT (c) Universal Music

„Wir schreiben nun mal große Hooks und eingängige Melodien, denn so arbeiten wir halt“, kommentiert Wes und gewährt abermals nicht allzu tiefe Einblicke in den kreativen Prozess; dafür schwingt in seiner Stimme eine Offenheit mit, die so erfrischend ist wie ihre Songs. „Manchmal ist es sogar cool, eher unterschätzt zu werden, denn dann bist du automatisch der Underdog… fast schon wie Cuba Gooding, Jr. in ‘Jerry Maguire – Spiel des Lebens’, der davon berichtet, dass ihn die Leute nicht genügend schätzen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Sei mit ganzem Herzen bei der Sache und früher oder später werden die Leute schon auf das stehen, was du machst. Wir sind mit ganzem Herzen bei der Sache, und wir würden uns niemals darüber beklagen, dass wir von irgendetwas nicht genug bekommen; stattdessen schreiben wir einfach weiter unsere Hits. Letzten Endes muss man dabei bedenken, dass ich aus Missouri stamme – dem „Show Me State“ –, und so haben wir auch immer noch diese „Show Me The Money“-Attitude wie Maguire!“

Diese Haltung ist es letztlich, die Scantlins Texte so grandios macht. „Natürlich gibt es Menschen, die alles Mögliche in uns sehen wollen, aber ich persönlich betrachte es sogar als ein Geschenk Gottes, dass mein Leben alles andere als rund läuft – als ob er sich da oben sagen würde: ‘Hey, der Typ braucht schließlich das ganze Drama, damit er weiterhin so reizende Textchen schreiben kann.‘ Die Texte entstehen aus Frustration, aus Liebe, aus Gefühlen der Aggression; ich verarbeite alle möglichen Gefühle und Stimmungen darin. Und ich kann dir sagen, wenn ich immer glücklich und zufrieden wäre, würden die Platten definitiv zum Kotzen sein!“

Puddle Of Mudd - PHOTO CREDIT (c) Universal Music

Puddle Of Mudd - PHOTO CREDIT (c) Universal Music

Ein Hoch also auf ihren Zynismus und diese durchaus bissige Extraportion Gleichgültigkeit, schließlich kann nur so etwas dermaßen Großes wie Volume 4: Songs in the Key of Love & Hate entstehen. Ob nun mit den verrauchten Gitarrenschleiern des Songs „Stoned“ oder jener geschmeidigen Entschlossenheit der Ballade „Keep It Together“ – zwei Songs, die jeweils ein Ende des Klangspektrums markieren –, finden Puddle of Mudd auf Volume 4 denjenigen Ort, an den sie gehören. Auf Stücken wie „Pitchin’ a Fit“ oder „Better Place“, mit dem er sich vor einem Cousin verneigt, der an einer Überdosis starb (und dabei jedem aus der Seele spricht, der einen wichtigen Menschen verloren hat), verarbeitet Scantlin absolut persönliche Dinge. Wer hingegen eher auf Anekdoten steht, in denen die Frau aus der Schulküche attackiert wird, sollte sich „Hooky“ anhören, an dem sogar der 12-jährige Sohn von Scantlin mitgeschrieben hat.

Das Fundament für diese Songs legt dabei stets Schlagzeuger Ryan Yerdon, der Mitglied von Puddle of Mudd wurde, als es darum ging, das Famous-Album live zu präsentieren. Folglich war er für Volume 4 erstmals mit der Band im Studio. „Mein Ansatz als Drummer ist mit meiner generellen Einstellung zur Musik vergleichbar“, sagt er, „denn mir geht es immer um Leidenschaft, Überzeugung und eine Attitude, und diese Elemente sind auf jeden Fall viel wichtiger als irgendwelche raffinierten Tricks und Spielereien. Wenn ich zwischen den Ramones und Rush wählen müsste, würde ich immer die Ramones nehmen, wenn du verstehst, was ich meine?“

Oh ja, das tun wir – denn genau darum passt Yerdon auch so perfekt in die Band. Puddle of Mudd haben schließlich jede Menge Druck und Attitude, dazu einen ganzen Haufen Hits, und auf jeder einzelnen Platte ist so viel Selbsttherapie zu finden, dass andere wahrscheinlich ein ganzes Leben lang zum Seelenklempner rennen müssten, um das alles aus sich herauszuholen.

Letzten Endes ist es wohl Paul Phillips, der Volume 4: Songs in the Key of Love & Hate am treffendsten auf den Punkt bringt: „Es klingt halt wie ein Album von Puddle of Mudd!“

Noch „pille-palle-mäßiger“ hätte man es nun wirklich nicht sagen können!

www.puddleofmudd.com

Quelle: Universal Music

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