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Revolverheld – „In Farbe“

Samstag, 2. Januar 2010 | By | Category: Top News

Guten Tag & Howdy, mein Name ist Johannes, und ich spiele seit nunmehr sieben Jahren in einer Band namens Revolverheld. Für mich ist das ein großer Glücksfall, und ich möchte keinen Tag der letzten Jahre missen…

Revolverheld

Revolverheld - Foto: Michael Petersohn

Alles ging los im Sommer 2002, als mein Bandkollege Jakob mich nach dem „Popkurs“ (www.popkurs-hamburg.de), den wir gemeinsam besucht hatten, in einen wirklich widerlichen Hamburger Proberaum unter einer S-Bahn-Brücke mitnahm. Die anderen Jungs hatten sich zu dem Zeitpunkt schon in der Hamburger Musikerszene kennengelernt, und Jakob hatte Flo beim Zivildienst aufgegabelt. Ein bisschen geprobt hatten die Vier auch schon und waren seit längerem auf der Suche nach einem Sänger.

Nachdem wir in dem Proberaum dann die ersten Töne gespielt hatten, war ziemlich schnell klar: Das passt hier gerade irgendwie alles zusammen! So entstanden schnell die ersten Songs, die Niels und Kris im winzigen Gartenhaus von Niels’ Eltern zurechtproduzierten, und wir fingen an, die ersten Konzerte zu spielen. Nach ungefähr zwei bis drei Jahren, zahlreichen Konzerten und der ein oder anderen großartigen Supportshow ergab sich über unseren Manager Sascha, der mittlerweile auch ins Boot geklettert war, ein Kontakt zu unserer Plattenfirma, die uns nach einer wahnsinnig krassen Show als Vorgruppe von Silbermond in München Anfang 2005 unter Vertrag nahm. Danach sollte sich unser Leben komplett ändern, was wir damals aber natürlich noch nicht wussten…

Wir gingen daraufhin bald ins Studio, produzierten unsere erste Platte und spielten eine ganze Tour im Vorprogramm von Silbermond vor irre vielen Menschen. Unsere erste Single „Generation Rock“ kam parallel im Juni 2005 raus und wenig später das Album „Revolverheld“. Das stieg allen Ernstes auf Platz 10 der Charts ein. Wie bitte?! Für uns der totale Wahnsinn, und wir dachten erstmals darüber nach, vielleicht doch nicht zu Ende zu studieren… 😉

Ich erinnere mich noch gut an eines unserer ersten Konzerte in jenem Sommer 2005, bei dem wir in Bonn vor damals – für uns – wirklich ordentlich vielen Leuten (60 zahlende Gäste) in einem Miniladen spielten. Man konnte durch die Tür hinter der Bühne direkt in den Bonner Bahnhof gelangen, und so standen wir vor den Zugaben völlig verschwitzt in der leeren Bahnhofshalle. Wir freuten uns wie kleine Kinder über unseren ersten echten eigenen Auftritt, während neben uns die hektischen Menschen zu den Zügen rannten.

Seitdem gab es viele solcher besonderen Momente für uns. Beispielsweise in Basel, wo wir auf einem Schiff mit „selbstgezimmerter“ Bühne spielten. Eigentlich kein Problem, für uns damals jedoch schon, da in unserem jugendlichen Springwahn die Bühne irgendwann nachgab und das ein oder andere Loch im Boden entstand. Zur Zugabe fiel Jakob dann so unglücklich in eines der Löcher, dass er bis heute eine „Erinnerungsnarbe“ am Bein hat.

Szenenwechsel: Wir standen außerdem einmal bei minus 19 Grad Celsius auf einem Gletscher in Österreich, und Niels und Kris guckten mich verzweifelt an, weil sie nicht wussten, wie sie irgendeinen Ton aus ihren eingefrorenen Saiten bekommen sollten.
Schön auch unsere mittlerweile legendäre Support-Tour für „Die Happy“ Ende 2005. Wir waren damals sehr knapp bei Kasse, so dass wir mit einem Sprinter-Bus mit Mini-Betten hinten drin unterwegs waren. Fahrer war unser Kumpel Alexi, der eigentlich Pilot ist, zum damaligen Zeitpunkt aber bei uns als T-Shirt-Verkäufer und Fahrer eingesetzt wurde. Nach zwei Wochen ohne Schlaf, aber dafür mit viel Bier, bin ich im Nachhinein froh, dass wir noch leben. Mit „Die Happy“ verbindet uns seitdem eine große Band-Liebe!  Auf der Tour besuchte uns übrigens Klaas Heufer-Umlauf von VIVA fünf Tage für eine Reportage. Ich habe diesen Menschen noch nie so fertig gesehen, wie nach den Nächten bei uns im Bus… Sorry Alter!

Beim „Bundesvision Songcontest 2006“ sind wir mit „Scheiß auf Freunde bleiben“ wirklich unverhofft Zweiter geworden, hatten mit „Mit Dir Chilln“ einen tollen Sommer und bekamen als großes Highlight im Mai 2006 nach zwei ausverkauften Shows in der Großen Freiheit 36 in Hamburg eine Goldene Schallplatte für unser Debüt verliehen! Das alles, nachdem wir noch zwei Jahre zuvor oft nur vor einer Hand voll Leuten gespielt hatten… Was für ein Irrsinn! Das war alles emotional völlig verwirrend und echt schwierig einzuordnen.

Revolverheld - Foto: Michael Petersohn

Revolverheld - Foto: Michael Petersohn

Es folgten weitere super Tourneen und 2007 das zweite Album „Chaostheorie“. Für die erste Singleauskopplung „Ich werd’ die Welt verändern“ fuhren wir zum Videodrehen fünf Tage nach Kapstadt und drehten das wohl entspannteste Video unseres Lebens. Unser zweites Album stieg sogar noch höher in die Charts ein und landete hinter „Linkin Park“ und „Wir Sind Helden“ auf Platz drei!!! Es folgte wieder eine sehr schöne Tour und im Sommer 2007 ein großes Highlight mit unseren Auftritten bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“, den bis dato größten Shows unseres Lebens!

Im selben Sommer traten wir dann auch noch bei der weltweit wohl größten Musikveranstaltung „Live Earth“ auf und spielten in der Hamburger HSH Nordbank Arena, wo wir uns die Bühne z.B. mit dem legendären Chris Cornell teilen durften.

Das Jahr 2008 drehte sich bei uns komplett um Fußball und die Europameisterschaft, zu der wir mit unserem Song „Helden 2008“, dem offiziellen DFB Fansong, unseren eigenen Soundtrack beisteuern durften. Im Vorfeld spielten wir in zahlreichen Stadien, im legendären „Aktuellen Sportstudio“, zum Halbfinale auf der ZDF Seebühne in Bregenz und nach dem leider verlorenen Finale am Brandenburger Tor mit der Mannschaft im Rücken vor 500.000 Menschen, die bis zur Siegessäule standen. Ich kann euch sagen, so was kann man gar nicht richtig fassen!

Mittlerweile ist es Oktober 2009. Ich sitze gerade mit den Jungs in einer Garderobe in Berlin, und wir werden gleich zum Tag der deutschen Einheit am Brandenburger Tor vor 1.000.000 Menschen spielen. Mir zittern also langsam die Finger beim Schreiben… Rückblickend können wir alle sagen, dass die letzten Jahre mit Sicherheit die besten unseres Lebens waren! Wir haben uns Anfang des Jahres alle etwas Zeit genommen, um die ganzen Ereignisse und Momente ein bisschen sacken zu lassen und einzuordnen. Wir sind wirklich sehr dankbar und froh für das, was da alles mit uns und um uns herum geschehen ist – seit dem ranzigen Proberaum im Winter 2002!

Über die letzten zwei Jahre haben wir viel geschrieben, geprobt und aufgenommen und sind gerade zurück aus Köln, wo wir in den Maarwegstudios mit Moritz Enders unser drittes Album „In Farbe“ aufgenommen haben. Für die Drums waren wir davor zwei Wochen in der dänischen Einsamkeit, haben uns im PUK-Studio eingemietet und den Grundstein dazu gelegt. Rausgekommen ist – wie ich finde – das beste Revolverheld-Album ever! Ja, ja, das sagt man immer, aber ich glaube es wirklich! Fragt mich beim nächsten Album noch mal… 😉

Revolverheld - Foto: Michael Petersohn

Revolverheld - Foto: Michael Petersohn

Inhaltlich ging es uns darum, einen positiven und optimistischen Blick auf uns und die Welt da draußen in die Songs zu packen. Wir glauben trotz der allgemeinen schlechten Stimmung und Newslage immer noch daran, dass man gerade jetzt Träume haben muss und viel erreichen kann, wenn man es nur will und dafür lebt.

Es gibt viele Chancen da draußen, viel zu tun, viel zu erleben. Dafür stehen auch sinnbildlich der Albumtitel „In Farbe“ und die in einer sehr nassen Fotosession entstandenen Bilder für unser Artwork. Wir sind für dieses Album wieder ein bisschen zurück zu unseren Wurzeln gegangen, mit direkten Aussagen, mit Energie, mit Kraft, so wie wir auf der Bühne sind und so wie wir es mögen! Gepaart mit ein paar neuen Elementen und von Moritz Enders modern, organisch und krachig festgehalten, stehen wir jetzt da und wollen damit raus! Im Frühjahr 2010 wird es soweit sein: die Platte wird erscheinen, und wir werden wieder viel live unterwegs sein. Ich kann euch sagen, darauf freuen wir uns gewaltig!

Wir freuen uns auf schöne Konzerte, auf große Feiern und auf euch alle! Alle ein paar Jahre älter geworden, haben wir wirklich sehr viel erlebt in den Jahren als Revolverheld und wissen jetzt ganz sicher: Wir würden mit niemandem tauschen wollen!

Cheers & bis bald, euer Johannes

In Farbe“ „Track by Track“


1. Ich werden nie erwachsen
„Ich werde nie erwachsen“ ist einer der ersten Tracks, die für „In Farbe“ entstanden sind. Startschuss war damals eine gemeinsame Band-Klassenfahrt nach Dänemark Anfang 2008, wo wir uns für zwei Wochen in einem kleinen Ferienhaus eingemietet haben. Dort haben wir unseren ganzen Krempel aufgebaut, Tage und Nächte geprobt und insgesamt 22 Songs aufgenommen. Übrig geblieben ist davon nur „Ich werde nie erwachsen„, welcher somit offiziell zum Grundstein unseres Albums mutierte. Der Song beschreibt ein bisschen unser eigenes Gefühl, irgendwie doch nie erwachsen zu werden…

2. Spinner
Kris: „Seit Jahren will meine Freundin ihren Traum verwirklichen: ein eigenes Café. Sie hat einen sicheren Job und eigentlich ist alles gut, doch dieser Gedanke lässt sie nicht los. Wir sprachen immer wieder darüber: Soll man solch einen Schritt wagen? Ist das die richtige Zeit? Aus diesen Gesprächen reifte der Song „Spinner„, denn die Antwort ist eigentlich einfach: Wenn man es nicht versucht hat, weiß man es ja nie!“

Grundsätzlich beschreibt der Song ganz gut das, was auch in unseren Anfängen für uns so maßgeblich war: nämlich auch gegen große Widerstände seine Idee und seine Träume durchzusetzen und dafür einzustehen und zu kämpfen.

3. Mein Leben ist super
Der Song passt mit am besten zu unserem „positiven Film“, unserer Grundidee von „In Farbe“, und hat maßgeblich die weitere Entstehung des Albums beeinflusst. Er bedeutet für uns Energie, Kraft und diese euphorische Grundstimmung, die uns bei der gesamten Arbeit am Album umgeben hat! Es ist eine kleiner, feiner Brettertrack, der natürlich völlig überzogen erzählt, dass das Leben doch gar nicht immer so schlecht sein muss. Für uns ein Gegenpol zu der aktuellen Stimmung, in der jeder über Rezession und Krise jammert, anstatt selbst das Heft in die Hand zu nehmen und Gas zu geben!

4. Halt dich an mir fest
Johannes: „“Halt dich an mir fest“ habe ich direkt nach der Trennung von meiner Ex-Freundin geschrieben. Ich glaube, jeder kennt den Moment, in dem man alles noch zusammenhalten möchte, obwohl man eigentlich weiß, dass es nichts mehr zum Zusammen-festhalten gibt. Ich habe damals das erste Demo bei mir im Arbeitszimmer eingesungen. Danach war es mir nie wieder möglich den ersten Refrain so passend und emotional wie an diesem Tag zu singen, so dass wir uns schließlich entschlossen haben, den Demogesang auf die Platte zu nehmen. Im ersten Refrain hört man also den allerersten Take aus meiner Wohnung. Manchmal kann man Stimmungen einfach nicht rekonstruieren…“

5. Immer einen Grund zu feiern
Kris: „An einem der schlimmsten Katertage des letzten Jahres nach einer zünftigen Party am Vorabend rief mich nachmittags ein Freund an und sagte mir, dass ausgerechnet heute eine noch viel derbere Party am Start sei. Da ging bei mir das Kopfkino deluxe ab, ob es in meinem Alter noch erlaubt sei, zwei Mal hintereinander so dermaßen steil zu gehen?! Antwort: Auf jeden Fall!“

Wie „Mein Leben ist super“ ist auch dieser Song ein Bestandteil unseres „positiven Films“, der Grundlage für unser Album war. Es ist erstmalig in unserer Historie ein sehr tanzbarer Track, der auch schon bei der einen oder anderen Show live erprobt wurde. Die Aussage erschließt sich ja wohl von selbst. 😉

6. Alles anders
„Alles anders“ ist ein klassischer Revolverheld-Rocksong, der natürlich nicht fehlen darf. Wird live bestimmt ein Fest!

7. Darf ich bitten
Johannes: „Einen Track wie „Darf ich bitten“ hätten wir ehrlich gesagt selbst von uns nicht erwartet. Trotzdem ist es bei den Arbeiten zu „In Farbe“ dazu gekommen, dass wir immer wieder abends unterwegs waren und ein bisschen auf den Elektro-Film gekommen sind. So kam der Herr Hünecke irgendwann mit „Darf ich bitten“ um die Ecke, und wir haben gefeiert, geprobt und den Song dann mit aufs Album genommen. Boom!“

8. Keine Liebeslieder
„Keine Liebeslieder“ ist auch ein Song, der in ganz kleinen Teilen aus der ersten Dänemarksession 2008 hervorging. Der Song hatte damals noch einen anderen Namen und war unser größter Patient. Nach 1000fachem „daran herumschrauben“ kam uns zum Glück unser Produzent Moritz Enders zu Hilfe, der mit uns zusammen den Song im Proberaum final auf den Punkt brachte. So konnten wir unseren Patienten dann doch noch aufnehmen.

9. Alles wird gut
In manchen Situationen wünscht man sich jemanden, der einem einfach sagt: „Alles wird gut!“ Da ist es einem fast egal, ob das jetzt ernst gemeint ist oder nicht. Es hilft!

10. Die Liebe liebt mich nicht
Johannes: „Am Schlagzeugsound zu „Die Liebe liebt mich nicht“ haben Jakob, Moritz und Sven (Engineer) wirklich zwei gesamte Tage lang rumgebastelt, während der Rest der Truppe sich völlig entnervt von diesen Nerds ferngehalten hat. Am Ende des Tages sollten die Soundschergen allerdings Recht behalten, indem sie das Drumset mit nur zwei Mikros abnahmen und so einen wirklich großartigen Retro-Sound gebastelt haben. Gut Ding will Weile haben…“

Kris: „Das Zwiegespräch mit der Liebe lag schon lange auf unserem Schreibtisch. Ein paar Mal umgeschrieben und wieder zur Urform zurückgekommen ist er soundlich und inhaltlich wirklich ein für uns besonderer Song geworden. Wer hat sich nicht schon mal gefragt, ob das, was man da fühlt, wirklich das ist, wovon alle reden?“

11. Laute Menschen
Ein derber Ballersong in alter Revolverheld-Tradition, der beim Einspielen einen Heidenspaß gemacht hat! Yeehaa!

12. Um unser Leben
Johannes: „Auch eine Überraschung für uns, wie ich finde. „Um unser Leben“ ist einer der Songs, auf den wir uns in Hinblick auf die Live-Saison am meisten freuen! Ein energiegeladener Rocksong mit ein paar elektronischen Elementen. Ab geht’s!“

13. Hamburg hinter uns
Johannes: „Es war November 2008, ich kam gerade aus dem schönen Kalifornien zurück ins kalte, regnerische Hamburg, inklusive Jetlag. Das Erste, was ich tat, war mich hinzusetzen und „Hamburg hinter uns“ zu schreiben, um wenigstens in Gedanken wieder zurück in die Sonne zu fliegen. „Auf nach Los Angeles, wir brauchen keinen Grund…“ Schön war’s da!“

Tourdates:
13-04-2010     Hannover, Musik Zentrum
14-04-2010     Dresden, Beatpol
17-04-2010     Görisried bei Kempten, Go to Gö Festival
18-04-2010     München, Backstage
21-04-2010     Stuttgart, Röhre
22-04-2010     Köln, Live Music Hall
23-04-2010     Berlin, Lido
25-04-2010     Hamburg, Große Freiheit 36

http://www.revolverheld.net/

Quelle: Sony Music

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