RSS Feed abonnieren


ROBERT FRANCIS – „Before Nightfall“

Freitag, 29. Januar 2010 | By | Category: Top News

„Ich weiß, dass es für manche Musiker wie eine Therapie ist, Songs zu schreiben, und ein Weg, ihre Gefühle auszudrücken“, erklärt Songwriter und Multi-Instrumentalist ROBERT FRANCIS aus Los Angeles. „Aber für mich ist es viel mehr als das – es ist ein Weg, mich davor zu bewahren, vollkommen durchzudrehen.“ Ein solches Statement aus dem Mund eines 21-Jährigen mag vielleicht etwas überemotional klingen, aber wenn man sich die beiden Alben FRANCIS’ anhört, nämlich die Indie-Veröffentlichung One By One aus dem Jahr 2007 und das nun vorliegende Major-Debüt Before Nightfall, dann wird schnell klar, dass es die Wahrheit ist.

Robert Francis - Credits: Julia Brokaw

Robert Francis - Credits: Julia Brokaw

Der amerikanische Radio-Verbund NPR betonte ausgiebig seinen modernen Ansatz zum zeitlosen American Rock: „Er hat sich selbst in seinen Songs dargelegt und kreierte einige unglaublich bewegende und schöne musikalische Momente.“

„Aufrichtigkeit macht einen guten Song aus“, erklärt FRANCIS. „Ich glaube, es gibt keinen Grund zu schreiben, wenn Du nicht über etwas schreibst, das tief in deinem Inneren wichtig für Dich ist. Wenn ich etwas schreibe, muss es 100% aus dem Herzen kommen. Es gibt nicht einen Schnipsel in meinen Songs, der nicht zu 100 Prozent echt ist.“

FRANCIS’ Musik pulsiert mit einer Freimütigkeit, die man nicht vortäuschen kann. Die Songs auf Before Nightfall sind so persönlich, dass FRANCIS selbst Schwierigkeiten hat, genau zu erklären, worum es in ihnen geht. Aber er eröffnet, dass zum Beispiel One By One aus dem emotionalen Chaos stammt, das er nach einer fehlgeschlagenen Beziehung durchschritt, wogegen der Song Before Nightfall durch das heilende Prisma der Zeit auf eine Beziehung zurückblickt und zugleich Hoffnung darin findet, nach vorn zu schauen und einen neuen Anfang zu machen. „In Songs wie Darkness, Climb A Mountain, Junebug oder Keep On Running geht es darum, dass Du weißt, dass die Person, die du liebst, irgendwo allein da draußen ist und du ihr nicht helfen kannst“, erklärt FRANCIS. „Sie beschreiben, wie eine unmögliche Liebe immer unmöglicher wird. Aber es steckt auch Optimismus in den Songs; ich halte sie nicht für traurig. Ich finde, sie sind sogar ziemlich aufbauend.“

Dank seiner heiseren Bariton-Stimme, seinem melodischen Fingerpicking und den klaren Arrangements kommt FRANCIS’ Offenheit viel besser an, als man vermuten würde. Es ist die fast heimische Atmosphäre, in der FRANCIS die gesamte Bandbreite von Country und Folk über den Blues bis zum Roots-Rock miteinander verschmilzt. Seine Tastenarbeit – er selbst spielt Piano, Mellotron, Hammond B3, Wurlitzer, Farfisa und einen Solina Synthesizer – wird unterstützt von Graham Lathrops eleganter Steel Guitar und den Backing Vocals seiner Schwestern Juliette und Carla Commagere. Zu den Highlights gehören dabei das bereits erwähnte Climb A Mountain, das eine Slide Guitar seines frühen Mentors Ry Cooder erklingen lässt (übrigens der Schwiegervater seiner Schwester Juliette), das Country-angehauchte Playground und die abschließende, akustische Ballade Do What I Can, deren Emotionalität nahezu greifbar ist, wenn man hört, wie FRANCIS’ Stimme bebt, wenn er in die oberen Stimmregister gleitet.

Der intime Sound ist laut FRANCIS voll beabsichtigt: „Auf allen Platten, die ich mag, ist die Stimme stets sehr präsent. Man hat das Gefühl, man stehe in einem Raum mit dem Sänger und die Instrumente unterstützen die Story, um die es geht. Die besten Platten wurden so gemacht. Ich habe keinesfalls versucht, ein Album zu machen, das in die 60er oder 70er zurückführt, aber die Songs riefen förmlich nach einem intimen Vibe. Ich wollte die Band in einem Raum haben, so live wie möglich, und es so direkt wie möglich klingen lassen.“

Um dies zu erreichen, engagierte FRANCIS Grammy-Gewinner D. Sardy (Oasis, Red Hot Chili Peppers, Marilyn Manson u.v.m.) als Produzenten. FRANCIS: „Er half mir, zu meiner Stimme zu finden. Sardy half mir, frei heraus zu singen und meine Stimme so rau und intensiv wie möglich einzusetzen. Er ist nicht der Typ, der stundenlang versucht, den besten Synthie-Sound zu finden, er ist der Typ, der sagt: ‚Lasst uns eine Old-School-Rockplatte machen!’“

Sardy und die Band (Alex Kweskin am Bass, Richard Gowen an den Drums und Graham Lathrop an der Gitarre) sorgten für größtmögliche Entspanntheit, indem sie dem Studio eine heimische Atmosphäre gaben. „Ich habe sozusagen mein Wohnzimmer in die Sunset Sound-Studios mitgebracht“, bestätigt FRANCIS. Wir haben alle die Teppiche, Poster und Lampen mitgebracht und rekreierten unsere kleine Welt, in der wir gewohnt waren zu proben. Wir stellten alles, was wir brauchten, im Kreis auf und fingen an.“

Genau so, stellte FRANCIS sich vor, haben seine Lieblingsbands gearbeitet: The Band. Gene Clark, Bob Dylan und die Greenage Village Folkheads Karen Dalton und Dino Valenti. „Es gab eine Zeit, in der ein paar herausragende Künstler raus nach Bearsville fuhren, um von der Stadt wegzukommen und einfach schöne Musik zu machen“, sinniert er. „Sie haben sich nicht darum gekümmert, was außerhalb ihrer Blase vor sich ging. Sie schufen ihr eigenes Universum. Und das ist das, was ich auch tun wollte – alles vergessen und mich nur auf vier Leute konzentrieren, die gemeinsam in einem Raum stehen und genau die Musik machen, die sie machen wollen.“

Robert Francis - Credits: Julia Brokaw

Robert Francis - Credits: Julia Brokaw

ROBERT FRANCIS wurde 1987 in Los Angeles geboren und wuchs inmitten von Musik auf. Sein Vater, ein Produzent für Klassische Musik, war der stolze Besitzer einer der größten Notensammlungen in den USA. Zu FRANCIS’ frühesten Erinnerungen gehört, wie sein Vater „in einem vollgestopften Raum Musik in voller Lautstärke hörte. Bis 4 Uhr morgens unter fluoreszierendem Licht, während ich versuchte, im Raum nebenan einzuschlafen.“

Seine Mutter, gesegnet mit acht Schwestern, wuchs in einer mexikanischen Stadt auf, die so klein war, dass sie „nur aus schmutzigen Lehmhütten, vernagelten Gebäuden und einem Dorfsäufer bestand, der in der prallen Sonne mit einem Bacardi herumwankte,“ so beschreibt ROBERT FRANCIS den Ort. Nach einigen Jahren Klavierunterricht ermutigte seine Mutter ihn im Alter von sieben Jahren, Gitarre zu lernen, damit er die alten Ranchero-Songs spielen konnte, mit denen sie aufgewachsen war und die sie zusammen mit ihren Schwestern immer gesungen hatte. Als FRANCIS neun Jahre alt war, schenkte ihm Ry Cooder seine erste National Slide-Gitarre. ROBERT liebte überdies auch Wim Wenders’ 1984 gedrehten Film Paris, Texas, für den Cooder den Soundtrack komponiert hatte. „Er inspirierte mich“, so erinnert sich FRANCIS. „Ich war daraufhin völlig auf die Idee fixiert, die Schule zu verlassen und zu reisen, als ich zehn Jahre alt war.“

Als er die elfte Klasse erreichte, entschied er, dass die Schule nichts für ihn sei und ging ab. Etwas über ein Jahr lang lebte er eher gefährlich und machte allen, die ihm nahe standen, viele Sorgen, bis er ein Mädchen traf, das sein Leben veränderte. „Es war eine ziemlich tumultige und romantische Beziehung, die ein paar Jahre mit viel Hin- und Her lief“, erklärt er. „Dann zerfranste sie irgendwie. Ich begann, Songs zu schreiben, als ich zum ersten Mal begriff, wie man dieses Gefühl des Verlustes auf den Punkt bringt. Ich glaube, ich wartete mit dem Musikmachen einfach nur darauf, bis ich etwas zu erzählen hatte. Von da an wurde mir klar, dass ich Songs schreiben konnte, die mir wirklich etwas bedeuteten.“

Das Ergebnis hieß One By One, ein Album, das FRANCIS im Aufnahmestudio eines Freundes einspielte und im August auf dem Indie-Label Aeronaut Records veröffentlichte. Zwar hielten sich die Verkäufe in Grenzen, aber es erhielt sehr viele positive Kritiken, die FRANCIS mit Townes Van Zandt verglichen. Diese Aufmerksamkeit führte dann zu einem Vertrag mit Atlantic Records, die nun Before Nightfall veröffentlichen.

Die Songs auf dem Album entstanden im Sommer 2008 und wurden im März 2009 aufgenommen, und sie präsentieren einen Schnappschuss, wo FRANCIS sich heute befindet. „Ich möchte, dass die Leute sich glücklich fühlen, wenn sie die Songs hören,“ betont er. „Ich fühle mich aufgeheitert, wenn ich die Songs höre, sie bringen mich überhaupt nicht runter. Ich hoffe, die Leute werden sich darin ein bißchen wiederfinden und das Gefühl bekommen, dass okay ist, was immer in ihrem Leben geschieht.“

http://www.robertfrancisofficial.com/

http://www.myspace.com/robertfrancis

Quelle: WMG

Tags:

Leave Comment