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RUSCONI – „It’s A Sonic Life“

Montag, 22. März 2010 | By | Category: Top News

Nur wenige Rockbands genießen im zeitgenössischen Jazzlager so viel Akzeptanz und Respekt wie Sonic Youth. Anfang der Achtziger gingen sie in New York aus demselben Pool von Musikern hervor wie die Lounge Lizards, die auf den Jazz eine ähnliche Wirkung hatten wie Sonic Youth auf den Rock. Selbst wer noch nie etwas von den vier New Yorkern gehört hat, ist über den alternativen Mainstream von Nirvana, Pavement oder den Smashing Pumpkins von den Errungenschaften der Band infiltriert.

Rusconi - Foto: Lena Maria Thuering

Rusconi - Foto: Lena Maria Thuering

Neben ihren bahnbrechenden Rockalben waren Sonic Youth jedoch auch immer für freie Improvisation und Jazz offen. Als Band oder separat haben die vier Musiker mit Jazzern wie dem New York Art Quartet, Derek Bailey, William Hooker oder Mats Gustafsson gespielt, um nur einige zu nennen. Seltsamer Weise sind Sonic Youth jedoch viel seltener von Jazz-Musikern adaptiert worden als beispielsweise ihre Zöglinge Nirvana. Womöglich sind sie in ihrer eigenen Soundwelt zu komplex, um sich ohne weiteres in den Jazz transponieren zu lassen. Doch was nicht ist, kann ja bzw. wird endlich noch werden.

Das Schweizer Trio RUSCONI nähert sich der Mutter aller Noiserock-Bands jetzt aus ungewohnter Perspektive. Es läge nahe, die beiden Gitarren von Sonic Youth in eine Breitseite aus Saxofonen zu übersetzen, um eine ähnliche energetische Grundlage zu schaffen. Doch davon sind Pianist Stefan Rusconi, Bassist Fabian Gisler und Drummer Claudio Strüby weit entfernt. Sie setzen sich mit Sonic Youth im klassischen Format des Piano-Trios auseinander. Was theoretisch undenkbar scheint, funktioniert schon mit dem Opener „Sunday“ so gut, das es wundern muss, warum das noch niemand zuvor versucht hat

Rusconi-Cover

Rusconi-Cover

Obschon dem Album ein einheitliches Konzept zugrunde liegt, ist es RUSCONI gelungen, zu jedem Song einen individuellen Zugang zu finden. Manche Stücke funktionieren wie Coverversionen, andere wirken wie Paraphrasen auf bestimmte Aspekte einzelner Songs. Dabei spielte es eine nicht ganz unerhebliche Rolle, dass RUSCONI bei aller Seelenverwandtschaft, die sich zum Beispiel in der offensiven Klangfarbensuche ausdrückt, doch einen völlig anderen Background haben als Sonic Youth

Abgerundet wird das Album durch drei Stücke, die aus RUSCONIs eigener Feder stammen. Doch auch diese haben ihren Ausgangspunkt in Themen, Phrasen, Motiven oder Ideen von Sonic Youth, die sich jedoch so weit von ihrem Ursprung entfernt haben, dass man sie nicht mehr genuin auf Thurston Moore und Co. zurückführen kann. So ist „It’s A Sonic Life“ eine komplexe Liebeserklärung aus der Position einer souveränen künstlerischen Eigenleistung geworden. Dem jungen Schweizer Trio ist auf seinem vierten Album nicht weniger gelungen als die faszinierende Neubewertung einer der ungewöhnlichsten Klangschöpfungen des ausgehenden 20. und frühen 21. Jahrhunderts.

Besonders sei noch auf das Cover-Artwork hingewiesen, das von der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist stammt. Die Allrounderin unterhält Kontakte zu Sonic Youth, speziell zu Kim Gordon, und ist auch selbst als Musikerin in der Avantgarde- Band Les Reines Prochaines zugange. Rists Motiv fängt den Geist der Band-Optik und die Intentionen verschiedener SY-Cover ein. Entstanden ist so ein Artwork, das sofort die New Yorker Band assoziiert.

Rusconi - Foto: Lena Maria Thuering

Rusconi - Foto: Lena Maria Thuering

STEFAN RUSCONI, PIANO
Stefan Rusconi wurde am 14. Februar 1979 in Zürich geboren und studierte an der Musikhochschule Zürich (ZHdK) bei Andy Harder, Chris Wiesendanger und Walter Prossnitz. Hinzu kamen Masterclass Workshops und Unterreicht bei Art Lande, Kurt Rosenwinkel, Ben Street, Don Friedmann, Bill Carrothers, Ethan Iverson, Jean-Michel Pilc und George Mraz. 2002 war er Gewinner des Hauptförderpreises der Internationalen Meisterkurse in Frauenfeld. 2003 bekam er den Förderpreis der Friedl Wald Stiftung. Im gleichen Jahr Abschluss Lehrdiplom Jazz Prädikat ‹sehr gut› an der ZHdK. Längere Auslandaufenthalte in Südafrika, New York, Japan und Berlin. Neben Theaterprojekten u. a. mit DALANG Puppencompany oder Darja Stocker konzertierte er mit Matthias Ziegler, Roman Schwaller, Lucien Dubois, Domenic Landolf, Mats Spillmann, Kaspar Rast, Christian Weber, Peter Schärli, Arte Saxophonquartett, Mats Eser, Kaspar Ewalds Exorbitantes Kabinett.

FABIAN GISLER, KONTRABASS
Fabian Gisler wurde am 18. August 1977 in Zürich geboren und studierte an der Berufsabteilung der Swiss Jazz-School, Bern bei Peter Frei, Reggie Johnsen, Bert Joris, Rufus Reid und Andy Scherrer. Hinzu kamen Masterclass Workshops mit Ray Brown, George Gruntz, Dave Liebmann, Joe Lovano und George Mraz. 1998 war er Gewinner des Förderpreises des ‹generations – internationales jazztreffen frauenfeld› 2001 und des ‹new jazz generation contest› in Bern. Von 2000–2002 zählte er als festes Mitglied zur Klezmer Gruppe ‹Kolsimcha› mit Konzertauftritten in Europa und Amerika. Er konzertierte u. a. mit Franco Ambrosetti, Gianni Basso, Bill Carrothers, Philip Catherine, Don Friedmann, Dusko Goykovich, George Gruntz, Tony Lakatos, Dave Liebmann, Robert Lakatos, Dado Moroni, Adam Nussbaum, Dick Oats, Dré Pallemaerts, Kurt Rosenwinkel, Garry Smulyan, Donny McCaslin, Mark Soskin, Matthieu Michel, Makaya Ntshoko, Andy Scherrer, Roman Schwaller, Co Streiff, Nat Su, Kenny Werner und Nils Wogram. Fabian Gisler spielt regelmässig mit seinem eigenen Quartett und in zahlreichen anderen Formationen.


CLAUDIO STRÜBY, SCHLAGZEUG

Claudio Strüby wurde am 23. Februar 1980 in Brunnen geboren und studierte an der Musikhochschule Luzern bei Norbert Pfammatter, Marc Halbheer, Fabian Kuratli, Pierre Favre und Hans-Peter Pfammatter. Hinzu kamen Masterclass Workshops und Unterricht bei Ron Savage, Ali Jackson III, Ben Street, Billy Drummond, Jim Black, Adam Nussbaum, Nat Su, Joey Barron, Jimmy Cobb, Portinho, Kurt Rosenwinkel, Jochen Rückert, Peter Frei und Nils Wogram und Dre Pallemaerts. 2004 gewann er den Förderpreis der Friedl-Wald Stiftung. 2005 erhält er das Erasmus Stipendium an der Hochschule für Musik (HfM) bzw. Universität der Künste (UDK) in Berlin. 2006 vertrat er die MHS Luzern am International Meeting of Jazzschools in Louisville, Kentucky USA. Im gleichen Jahr schliesst er das Doppelstudium Pädagogik/Performance an der MHS Luzern mit Auszeichnung ab. Er konzertierte u. a. mit Kenny Wheeler und Norma Winstone und das Lucerne Jazz Orchestra, Dave Liebman, James Morrison, Chris Wiesendanger, Kurt Rosenwinkel, Nat Su, Nils Wogram, Rainer Tempel, Jean-Paul Brodbeck, Zürcher Kammerorchester, Symphonieorchester Villingen und Luzerner Symphonie Orchester.

http://www.rusconi-music.com

Quelle: Sony Music

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