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Travie McCoy – „Lazarus“

Donnerstag, 22. Juli 2010 | By | Category: Top News

Die Geschichte des Lazarus ist vielen sicherlich aus der Bibel bekannt. Auch Travie McCoy, Frontmann der Gym Class Heroes, kennt sie seit seiner Geburt, und das besser als die meisten anderen: Schließlich ist Lazarus sein zweiter Vorname. Da Lazarus, der von Jesus von den Toten erweckt wurde, jedoch zum Synonym für Wiedergeburt geworden ist, vergisst man häufig, dass erst etwas sterben muss, bevor eine Auferstehung überhaupt möglich ist. Was also musste für McCoy untergehen, damit er sein Solodebüt Lazarus erwecken konnte? Nicht weniger als ein ganzes Album voller Material, das nie das Licht des Tages erblicken wird!

Travie McCoy - Credits: Quang Le

Travie McCoy - Credits: Quang Le

Um die finale Version von Lazarus, die vor Optimismus und Party-Spirit überquillt, richtig einzuschätzen, muss man wohl auch das Album verstehen, das es fast geworden wäre: ein dunkles, zynisches Werk, das heute eine Millionen Meilen entfernt scheint. „Als das Album zu 80 Prozent fertig war – oder zumindest dachte ich, dass es zu 80 Prozent fertig war“, lacht McCoy, „habe ich nur gesagt: Ich kann das so nicht veröffentlichen. Ich wollte kein neues ‚808s & Heartbreak‘ machen“, erklärt er und nimmt damit Bezug auf das vor Liebeskummer nur so triefende Album von Kanye West. „Ich wollte etwas Fröhlicheres haben, so was wie ‚909 und mir geht’s fein‘!“
Wenn man sich nun Songs wie die erste Single Billionaire (featuring Bruno Mars) anhört, eine Rum-getränkte Karibikfantasie darüber, mit „Oprah und der Queen“ abzuhängen, oder den Rocker We’ll Be Alright, der die nervöse Energie eines jungen Discohengstes transportiert, der Freitagabends durch die Clubs zieht, dann wird einem schnell klar, dass es McCoy tatsächlich besser als fein geht: „We got our friends, got the night, we’ll be alright!“
Mit seinen fast zwei Metern Körpergröße erweist sich die wandelnde Tattoo-Kollektion „Travie“ – wie ihn Freunde und Familie seit jeher liebevoll nennen – auch in puncto Charisma als hünenhaft und hat sich so zu einer der größten Identifikationsfiguren des Musikbusiness entwickelt, seit die Gym Class Heroes 2007 mit ihrem Nr.1-Hit „Cupid’s Chokehold“ von ihrem vergoldeten Durchbruch-Album „As Cruel As School Children“ in den Mainstream vorpreschten. Angesichts dessen mag es zunächst vielleicht verwundern, dass die Wiedergeburt von Lazarus die Dinge beinhaltete, die man dem Instinkt des durchschnittlichen Rockstars ohnehin zuschreibt: durch die Clubs zu ziehen beispielsweise. Fans von McCoy wissen jedoch, dass der Seelenstrip, den er in vielen seiner Lyrics vollzieht, alles andere als stereotypisch ist. „Ich bin ein ziemlich zurückgezogener Mensch“, gesteht McCoy.

„Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich sehr viel Zeit in meinem Haus verbrachte und einfach nur über irgendwelchen Mist grübelte. Als ich ständig in meinem Zimmer saß, nachdachte und Songs schrieb, meinten meine Freunde irgendwann ‚Du musst unbedingt mal wieder auf die Straße gehen!‘ – und das tat ich dann auch. Ich bin dann nicht zum Partymonster mutiert“, lacht er, „doch ich habe mich wieder mit Freunden umgeben, und je mehr ich aus dem Haus ging, desto mehr Spaß hatte ich wieder am Leben und desto mehr sprudelte es musikalisch aus mir heraus.“
McCoy mischte Elemente aus Hip-Hop, Indie Rock und Soul, die seinen eigenen mannigfaltigen Musikgeschmack reflektieren, und konnte für sein Debüt eine ebenso vielseitige Schar von Produzenten gewinnen, die er bis dato nur aus der Ferne bewundert hatte: Das L.A.-Trio Stereotypes (Ne-Yo, Mary J. Blige), Detail (Lady GaGa, Akon), The Smeezingtons (B.o.B., Cobra Starship, Flo Rida), Evan „Kidd“ Bogart (Adam Lambert, Beyoncé), Lucas Secon (Sean Kingston, Pussycat Dolls) und Rock-Veteran Josh Abraham (Velvet Revolver, 30 Seconds To Mars).

Travie McCoy - Credits: Quang Le

Travie McCoy - Credits: Quang Le

Aufgenommen wurde Lazarus in Los Angeles und McCoys Heimatstadt Miami. Nachdem er jahrelang in New York City gelebt hatte, empfand er vor allem letzteren Schauplatz bals esonders inspirierend. „Hier geht es irgendwie etwas relaxter zu, gleichzeitig bin ich hier aber auch viel produktiver“, erklärt McCoy. „Außerdem gibt es hier viele Kreative – wenn du von dieser Art Menschen umgeben bist, dann treibt dich das richtig an.“ Einer dieser kreativen Köpfe war der erprobte Hit-Macher T-Pain, der McCoy mit wertvollem Feedback zu seinen neuen Songs versorgte und sogar auf einem der Tracks des Albums (Manual) zu hören ist. „Wir haben uns letztes Jahr kennen gelernt, als meine Band mit ihm getourt ist. Und da auch er einen Flecken in Miami hat, habe ich mir angewöhnt, ihm die Dinge vorzuspielen, an denen ich gerade gearbeitet habe. Denn wenn er anfängt zu tanzen, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin“, lacht McCoy.

Je länger McCoy Florida, Freunde und abendliches Vergnügen genoss, desto mehr realisierte er, dass sein tiefschwarzer Entwurf von Lazarus einer nahezu kompletten Wiedergeburt bedurfte. Der Wendepunkt kam, nachdem er das bereits erwähnte Billionaire, das in den US-Billboard-Single-Charts unlängst auf Platz 4 einschlug, sowie Dr. Feel Good aufgenommen hatte, ein funkiges Vorzeigeprojekt für Gnarls-Barkley-Sänger Cee-Lo Green und zugleich der wohl erhebendste Track, den McCoy bis dato geschrieben hat. „Das ist einfach nur ein totaler Wohlfühlsong“, findet McCoy. „Die Arbeit mit Cee-Lo war großartig: Sobald er den Raum betritt, fängt dein Kopf an zu wippen – und das sage ich nicht nur deswegen, weil das mein Song ist.“

Als diese beiden Songs eingetütet waren, erkannte McCoy, dass das der Weg war, den er mit seinem Debütalbum beschreiten wollte. Der positive Vibe setzt sich bei Tracks wie After Midnight fort, ein klassischer Abgesang auf einen 9-to-5-Job mit einem stampfenden Beat und Referenzen zu einer „Rocky Horror“-Freakshow auf der Tanzfläche. „Ich denke, dass ich es meinen Freunden zu verdanken habe, dass am Ende dieses spaßige, erhebende Album herausgekommen ist“, weiß McCoy genau, bei wem er sich für die Inspiration zu bedanken hat. „Viele dieser neuen Songs zeigen, dass ich mit mir selbst viel glücklicher bin als zuvor.“ Und dieses neu gefundene Glück in seinem Leben will McCoy nun auch nutzen, Gutes zu tun: Kürzlich gewann er beim „World Media Festival“ einen Preis für seine Dokumentation für die „MTV’s Staying Alive Foundation“, die weltweit mit lokalen Gemeinden zusammenarbeitet, um die Verbreitung des HIV-Virus zu bekämpfen. Als offizieller Botschafter dieser wichtigen Stiftung war er dafür noch während der Aufnahmen seines Debütalbums nach Indien, Südafrika und auf die Philippinen gereist.

Mit seinem neuen Album und einer ebenso neuen Einstellung ist McCoy nun bereit, die Geschichte seiner persönlichen Auferstehung in die Welt zu tragen. „Sogar die Höhlen-Analogie – Lazarus kam ja am vierten Tag wieder aus der Höhle – trifft auf dieses Album zu“, sagt er. „Denn nachdem das Album zu drei Vierteln fertig war, kam auch ich aus meiner Höhle – mit einem fetten Grinsen im Gesicht!“

Das Album Lazarus erscheint am 03.09.2010, die erste Single Billionaire (feat. Bruno Mars), die in den US-Charts Platz 4 bisher erreicht hat und bei uns schon die Airplay-Top 40 aufmischt, ist bereits ab dem 20.08. erhältlich.

www.traviemccoy.de
www.traviemccoy.com

Quelle: WMG

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